Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 54 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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w DIE STIMME Nr. 54 weich* ed5e Persönlichkeit würde auf die bevorstehende März-Palästina- Gesellschaftsreise einen jungen, hebräischsprechenden Hern unentgeltlich mitmehmen; derselbe wäre eventuell in der Lage ca. 400 Schilling für Reisespesen beizutragen. Zuschriften erbeten unter .Höchster Wunsch“ an das Ankündigungs-Büro d. Blattes. Jahre 1916 vcrfprach der Zar Rafputin, anläßlich feines bevorflehenden Befadies in der Reichsduma die Gleichberechtigung der Juden anzukündigen; doch fehwankend, wie der Zar immer war, wurde er von anderen Ratgebern umgeftimmt und fagte in der Reichsduma kein einziges Wort. Mit der Ermordung Rafputins fielen alle meine Pläne und Hoffnungen ins Waffer." Wie konnten Sic es zuladen, daß Rafputin an dem Abend, an dem er im Haufe des Förden Jufupow ermordet wurde, dorthin ohne Begleitung fuhr?“ fragte Sukennikow. „Ein Oberkellner aus dem Nationalen Klub, wo die Verfchworer gegen Rafputin fich verfammclt hatten, kam zu mir und erzählte, daß Rafputins Leben in Gefahr fei. Die Zarin wurde von anderer Seite informiert und kam, als Krankenfchwefter verkleidet, zufammen mit ihrer Tochter in die Wohnung Rafputins und flehte ihn an, diefen Abend nicht aus dem Haufe zu gehen. Doch Rafputin hörte nicht auf de. In der Dunkelheit des Korridors zog er meine Galofchen mit den Buchdaben A- S. an. Als am nächden Morgen ganz Petersburg von der Ermordung Rafputins fprach, wußte kein Menfdi, wo die Leiche Rafputins verborgen fei. Mein Sohn, der in meinem Auftrag durch die ganze Stadt jagte, bemerkte am Geländer einer kleinen Newabrüdtc eine Galofche von mir im Schnee. Wir zweifelten nicht, daß die Leiche Rafputins an jener Stelle in den Fluß geworfen wurde, und wenige Stunden fpätcr zogen Taucher feine Leiche aus dem eiligen Wa£fcr/‘ Marshafl über die jüdische Erziehung in Amerika In der mit einer Chanukah-Feier verbundenen Jahresverfammlung der Gefellfchaft für jüdifche Erziehung führte Louis M a r f h a 11, der Präfident des American Jewifh Committee, in einer Anfpradie aus, die jüdifche Erziehung io den Vereinigten Staaten leide unter dem Mangel an Zufammentrbeit und werde auch nicht genügend gefördert. Von den etwa 350.000 im Schulalter flehenden jüdilfdsen Kindern New Yorks, einer Stadt, die 1,800.000 |Juden beherbergt, ift nicht einmal die Hälfte irgend ■ eines jüdifchen Unterrichtes teilhaftig. Die :amerikanifchcn Juden geben 4 bis 5 Millionen Dollar jährlich für jüdifchen Unterricht aus, davon entfallen auf die New Yorker Gefellfchaft für jüdifche Erziehung im ganzen *50.000 Dollar. Man muffe die Mutter für das Erziehungswerk interefHeren, da der Vater in der Regel gefchiftlich überbürdet ift-. Marfhall forderte die Juden New Yorks auf, das Erziehungswerk zu fördern und die bcfchämende Tatfache ans der Welt zu fchafen, daß eine fo große Gemeinfchaft fo 1 wenig für die Erhaltung des Judentums unter ihren Kindern tut, Kleine Nachrichten Die ukrainifche Regierungskommiffion für jüdifchen Aufbau „Kcmzct** teilt mit, daß gegenwärtig 15 5.000 Juden in der Ukraine, d. f. 9,7 Prozent der gefamten jüdifchen Bevölkerung, in der Landwirtfdiaft tätig find; fie bearbeiten 249.000 Hektar Boden. In den Kreifen Cherfon und Krivojrog find 50 Prozent, in Pcrvotnenjfk, Mariupol, Zaporofchje und Moldawa find 25 bis 30 Prozent der Judenfchaft Bauern. Jeder jüdifche Bauer {«arbeitet;m Durchfchnitt 6,3 3 Hektar Boden. * Der Direktor der Kommiflion für Wiedergutmachung der durch das Erdbeben verurfachten Schäden, Stojanow, hat 5 p 0.0 0 o L e v a für Wiedererrichtung der zerftörten j ü d ifchen Schule in Philippopel aus dem Reparation«• londs bewilligt. , * Das Adminiftrativkomitee des A m e r i k a n i f cb- Jüdifchen Kongreffes befchloß, an einer kürzlich abgehaltenen Sitzung, am 3t. März 1929 die nächfte Seffion des Kongreßes zu eröffnen. Es werden rund 400 Delegierte von jüdifchen Gemeinden und Organifationen Amerikas erwartet. Der Kongreß wird Berichte über die politifche Arbeit in den letzten zwei Jahren entgegennehmen, auch einen Bericht des Ratgg für die Rechte der jüdifchen Minderheiten, Genf- Fräfident der Organifation ift Rabbi Dr. Stephen $. V i f e, Vizepräfidenten Samuel Untermyer, Louis Lipfky u. a. •* Die in Baku erfcheinende Zeitung „Wifchko“ teilt mit, daß unter den kaukafifchcn Bergjuden noch immer die Sitte herrfcht, die jungen Töchter für Geld zu verkaufen So habe der Jude Monafdiir J a k u b o w feine Tochter für 60c Rubel, Sdiumfcha Komonow die feine für 500 Rubel, Fedafch Bala die feine für 400 Rubel verkauft und fordert El nfehr eiten der Staatsanwaltfchaft gegen diefen „Mcnfdienhander* (Offenbar handelt es fich um die orientalifdic Sitte, daß der Bräutigam dem Brautvater eine Art Kauffumme für die Braut zahlt. Die Red.) Nach einer foeben veröffentlichten Statiftik haben im Verlaufe des Jahres 1928 in Warfchau 891 jüdifche Perfonen Sclbftmord begangen. Die Gefamezah! der Selbftmorde in Warfchau im Berichtsjahre betrug 1 <Ä0i mehr als die Hälfte der Selbftmorde entfiel alfo auf die Juden. Etwa drei Fünftel der jüdifchen Selbftmorde (591) betrafen Frauen. Im Sommerfemefter t£a? würden die d/utfdaen Unfrerfitäten von 8t.917 Studierenden befucht, darunter 357t Juden (4,4 Prozent). Unter den 4019 ausländifchen Studenten, enthalten io den obigen Zahlen, befinden fich 787 Juden (19 Prozent der Ausländer). Es ftudleren 2733 jüdifche Männer und 1838 jüdifche Frauen. * Wie der „Revaler Bote“ aus R i g a berichtet, ift dort diefer Tagc als Kandidat auf den Porten eines Schutzmannes der Rigaer Polizei der Jude Frifdimann aufgeftellt worden. Es ift das erftemal, daß ein Jude in Lettland zum Polizcidicnft herangezogen wird. Frifdimann ift Teilnehmer des lettländifchen Befreiungskrieges. * Die öfterreichifche Regierung verlieh dem Philanthropen Julius Rofenwald (Chicago) die Ehrenmedaille der Republik in Anerkennung feiner Verdienfte um die Förderung von Wißenfdiaft und Kunft in Europa. * Das Hauptburcau der Jewifh Colonifation Affociation (J. C. A.) teilt mit, daß — im Gegenfatz zu einer aus New York flammenden Meldung — die jüdifchen Kolonien in Brafilicn nicht von Banditen heimgefucht wurden. Italiener -Kolonien wurden von Banditen, die fich in den an die J. C. A.-Kolonien angrenzenden Wäldern aufhielten, angegriffen, wobei mehrere italienifche Koloniften getötet und zahlreiche Häufer geplündert wurden. Da rechtzeitig entfprechende Maßnahmen ergriffen wurden, blieben die judifchen Kolonien von den Angriffen verfchont. Der J, C. A wird ftändig von Truppen bewadit. In Leeds wurde in diefen Tagen die zehnte Jahreskonferenz der Föderation jüdifcher Studenten an den englifchen Univerfitäten abgehalten. Der Föderation find die jüdifchen Studentenfchaften von 13 Univerfitäten angefchloßen, ihr Ziel ift die Stärkung jüdifchen Geiftes und jüdifcher Tradition innerhalb der Studentenfchaft und die Vorbereitung der Studenten für die Arbeit in den jüdifchen Gemeinden nach Vollendung des Umverfitätsftudiuras. Profcßor Lazarc B c 11 eli hat der an ihn ergangenen Berufung, den Lchrftubl für Hebräifch an der Uni- Dre am 3. Jänner 1929 stettgehalbte konstituierende Sitzung des neugewählten Kultusvorstandes nahm einen unerwartet stürmischen Verlauf. Entgegen der in öffentlichen Körperschaften bestehenden und auch im Kultusvorstand bisher geübten Gepflogenheit unterließ es der auf das Programm der «Union» gewählte, stärkste Parteiklu'b, sich mit den anderen Gruppen des Kultusvorstandes vor der Konstituierung wegen der Besetzung der Stellen im Präsidium, sm Vertreterkollegium und den Kommissionen ins Einvernehmen zu setzen. Diesem Vorgehen scheint, wie der Verlauf der Sitzung beweist, die bestimmte Absicht zugrunde gelegen zu sein, von dem bisher in der Kultusgemeinde SIEEM. KORNMEHL, GroßflBischhaumi Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A17-3-99 s. A16-9-34 Lieferant för Heilanstalten, Abteilungen für l2)3*Fl8isch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbiuats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Ber&rgasse 1s Xvtll, Wihringerstraße"97 beobachteten Prinzip des Proporzes bei der Besetzung der leitenden Stellen abzugehen und den zufälligen Umstand, daß der Alterspräsident dem Klub der Unionleute angehörte, zu aufreizenden Verletzungen der statutarischen Wahlbestimmungen zu mißbrauchen. Die Sitzung begann mit einer ungefähr einstündigen Verspätung. Der Grund des verspäteten Anfanges der Sitzung war der, daß die Herren von der «Union» vorher noch die letzten Maßnahmen zur Durchführung ihres vorbedachten Planes zu beraten und ihren Mitgliedern die notwendigen Instruktionen einzuschärfen für erforderlich hielten. Die anderen Kultusvorsteher ließ man ganz einfach im Sitzungssaal und in den Vorräumen warten und hielt es nicht für angezeigt, sich bei ihnen wegen Verzögerung des Beginnes auch nur mit einem Worte zu entschuldigen. Nachdem alles sorgfältig vorbereitet war, erschienen dann die Union-Leute mit dem Alterspräsidenten, dem Agudisten Wolf Pappen hei m, an der Spitze. Herr Pappenhelm übernahm den Vorsitz und hielt, obwohl er als Teilnehmer an der soeben beendeten Beratung der Union-Leute über deren Pläne genau Informiert war, eine Eröffnungsansprache, in der er der Hoffnung eines friedlichen Einvernehmens aller Gruppen des Kultusvorstandes Ausdruck gab. Nach ri^ser Eröffnungsansprache schritt der Kultusvorstand an die Wahl des Präsidenten. Die Person des Kandidaten war den anderen Gruppen früher nicht bekanntgegeben worden. Diesen war daher unbekannt, zu wessen gunsten, ob zugunsten des bisherigen Präsidenten Dr. Pick oder des Prätendenten Dr. Ornstein kn UnionkJub die Würfe) gefallen waren. Wochen-Kalender Jlnoer 1929 Oedenkt a g e 10 Donnerstag 1848 — 8. I* Goldenberg, Herausgeber der hebräischen Zeitschrift „Keren Chemed“, in Tornopol gestorben. 28-ns Jov-Klpetr Kete« 11 Freitag 1893 — der Fenületoniet Daniel Spitzer („Wiener Spaziergänge“) tn Meran gestorben. 29-83 12 Samstag aaw 1 - N fUMh-ehedMrh. Bzftuab Rtte*e- Kiw’ij 12 Sonntag 1891 — David Schwan, Erfinder des ersten lenkbaren Ala* minlumluflscblffes, Vorläufer und direkter Anreger Zeppelins, in Berlin gestorben. 2-2 14 Montag 1835 — FoUx Otto Dessoff, berühmter Kapellmoister und Tonktinstler, in Leipzig geboren. 3-0 15 Dienstag 1851 — Alaxauder Moazkcrwski, der bekannte Berliner humoristische Schriftsteller, tn Pi- Ilea (Rußland) geboren. 1903 -- Gründung dos jüdischen Natiounlfonds. r 1 16 Mittwoch 188 t — Hans Goldzcbtnldt, der Erfinder der AluminothermJe (Erzeugung hoher Temperaturen ohne äußere Wärmezufuhr) in Berlin geboren. 5 — n vcrfitäc Saloniki mit dem Titel Außerordentlicher Profeßor zu bekleiden, Folge gcleiftet, nachdem ihm die Vcrficherung gegeben wurde, daß er nach kurzer Zeit zum Ordinarius ernannt werden wird. im 11... m 11 111 ..im K, Die Wahl des Präsidenten ergab 23 Stimmen für Prof. Dr. Pick, 13 Stimmen für den Klubobmann.. der Zionistischen Kultusvorsteher, , Dr. Desider Friedmann. Die Stimmen, die Präsident Prot Dr. Pick auf sich vereinigte, wurden für ihn von seinen Parteiangehöri-v gen und den Mitgliedern des Klubs der «Werktätigen Juden» abgegeben. Die Zionisten und der auf die unparteiische Liste gewählte Dr. Leo Landau stimmten für Dr. Desider Friedmann. Hierauf wurden in zwei gesonderten Wahlgängen die Vizepräsidenten gewählt. Hiebei entfielen Im ersten Wahlgang auf Dr. Omstein 18 Stimmen, den Zionisten Dr. Löwenherz 13 Stimmen, 5 Stimmzettel waren leer. Im zweiten Wahlgang erhielt Dr. Ticho 18 Stimmen, Dr. Löwenherz 13 Stimmen. 5 Stimmzettel waren leer. Das Abstimmungsresultat zeigte, daß die Zionisten und Dr. Landau ihre Stimmen auf Dr. Löwenherz vereinigt hatten, während die «Werktätigen Juden» leer« Stimmzettel abgaben. Bevor noch der Alterspräsident, Herr Wolf Pappenheim, das von den Skrutatoren bekanntgegebene Wahlergebnis verkündete, meldete sich der zionistische Klubobmann Dr. Friedmann zum Wort und verwies auf die Notwendigkeit der Wiederholung des Wahlganges, da die Kandidaten Dr. Omstein und Dr. Ticho nicht die nach dem Statut erforderliche absolute Mehrheit erhalten haben. Er verwiC6 hiebei auf die Bestimmung des § 25 der Geschäftsordnung welche ausdrücklich normiert, daß die absolute Mehrheit nach der Zahl der an der Abstimmung Teilnehmenden zu berechnen sei und daß die Geschäftsordnung und das Statut eine Bestimmung, nach der leere Stimmzettel nicht zu zählen seien, nicht* kennen. Entgegen der klaren Rechtslage erklärte jedoch der Altersvorsitzende unter Protest der zionistischen Kultusvorsteher die Herren Dr. Ticho und Dr. Omstein als zu Vizepräsidenten mit einjähriger Funktionsdauer gewählt Vor der nunmehr vorzunehmenden Wahl des Vertreterkollegiums beantragte Dr. Ticho, die 8 Mitglieder dieses Kollegiums nicht, wie bisher üblich, in einem Wahlgang, sondern in gesonderten Wahlgängen zu wählen. Der Antrag des Dr. Ticho wurde mit 18 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Be» der Wahl des Vertreterkollegiums standen sich z w e i L1 s t e n gegenüber. Die Zionisten» «Werktätigen Juden» und Herr Dr. Landau stimmte« für die Kultusvorsteher Dr. Ehrlich, Dr. Frledmann, Markus, Dr, Löwenherz, Dr. Klaöer, Moritz, Da, Glanz, Stürmische Konstituierung des neuen Wiener Kultusvorstandes Statutenwidrige Wahlakte — Die Machenschaften der „Unions-Vertreter