Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 54 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. U fWÜ STIMME Sette 5 stehenden Hafenbau zeigen sich ScJiwteriglretteit we« gen der Sabbat ruhe, da die Histadroth Hapoafbn auch eine Sonntagsarbeit ablehnt, und Hn Uastande, daß durch die höheren Löhne der indischen Arbeiter die Baukosten eine nicht unbedeutende Erhöhung erfahren müßten. Fit Besprechung der AgeocypoIKIfc erklärte der Redner, daß auf der einen Seite die Nichtzionisten mit uns schon gehen, aber auf der anderen Seife die Zionisten mit uns noch nicht ganz gehen. Durch die Macht des Zionismus werden adle Hindernisse überwunden werden und durch die Arbeit der Agency werden alle zu uns kommen, Brodetzky fügte dem Mnzu, daß wir keine Kompromisse machen dürfen und daß nach seiner persönlichen Meinung der Zionismus nicht anders verstanden werden könne, als die Mehrheit im Helm zu besitzen« Das jüdische Volk hat im Verlaufe seiner Geschichte nie gczweifelt und zweifelt auch jetzit nicht an der vollen Verwirklichung des zionistischen Ideals. So wie das jüdische Volk Amerika für die Immigration entdeckt hat, wird es auch schließlich Palästina entdecken und Landwirtschaft, Industrie und Handel hinbringen« Dann können wir an die britische Regierung mit Recht Forderungen stellen. In der inneren zionistischen Arbeit, erwähnte der Redner, sei durch die Jewish Agency eine Wendung eingetreten. Wir werden die Träger der zionistischen Idee sein, .. wir werden aber beim Partner nicht nur Geldsanimhing zu erwarten haben, sondern ihn auch erziehen müssen. Unsere Organisation ist aber nicht gesund, da es eine Idee geben muß, die alic, ob links oder rechte stehend, vereinen muß. Diese Ausführungen Brodctzkys wurden'' in der Generaldebatte des Zionistentages von einer Reine von Rednern, besonders den revisionistischen und radikalen Delgierten, eingehend erörtert. Sodann erfolgten die Referate der Remissionen; im Namen der politischen Kommission referierte Dr. Emil Margulies über die Landespolitik. Die poJHscbe Reichsfcotnmission führte Redner a. a* aus — bat vor den letzten Wahlen den Weg der Bündnis- Politik beschriften, der in Mähren zum'Wahlpakt mit den Polen, in KarpathoruBland zilm Pakt mit den Sozialdemokraten führte. Die Bedeutung dieser Pakte liegt darin, daß sie uns einerseits gestatten, eine reine und kSare jüdisch-nationale Politik zu führen, und daß sie anderseits unsere Bündnisfähigkeit mit anderen Parteien sowie unsere Gleichberechtigung mit anderen nationalen Minderheiten bewiesen haben. Das Wahlergebnis in der Slowakei, wo ein Mandat erlangt wurde, ist günstig, die 7000 Stimmen in Karpathorußtand bedeuten ein Kader von unerschrockenen und unbeeintflußbaren jüdischen Wählern; das Resultat in Mähren hat unsere Bündnisfähigkeft erwiesen, was sich bei den kommenden ParlamentswaMen günstig auswirken wird. Die von Dr. Margulies vorgeschlagene Resolution wurde zusammen mit einem Vertrauensvotum für die politische Reichskommission angenommen; die Resolution besagt: Die Landespolitik ist ein integrierender Bestandteil des zionistischen Programms und der Arbeit der Organisation io der Tschechoslowakischen Republik« Die politische Tätigkeit der Zionisten unterliegt daher der Kontrolle und Disziplin der Zionistischen Organisation. Die politische Tätigkeit steht unter der Führung der Politischen Reiohskommission, welche vom Zionistentag gewählt wird. Die Weisungen dieser Politischen Reichskomnrission sind für jeden Zionisten verpflichtend. Diese Bindung der Zionisten besteht auch dort, wo die Zionistische Organisation im Rahmen einer anderen jüdischen Partei ihre politische Arbeit besorgt. Von den anderen Beschlüssen der Tagung ist zu erwähnen der Auftrag an die Exekutive auf Schaffung eines Territorialvcrbandes, der die Zusammenfassung aller Schekel zahl er des Landes in einer gemeinsamen Organisation ermöglicht, sowie der Beschluß der Sanrmelstcllc Keren-Kajemeth, vom 15. Mai bis 15. Junid, J. einen Herzl-Gedenkmonat durchzuführen. Die Neuwahl des Exekutivkomitees batte folgendes Ergebnis: Direktor Leopold Ei sner, Friedrich F r ä nk e 1, Dr. Franz Kahn, Jacques Krieger, Dr« Emil Müller, Mila Musil (Wlzo), Dr. Josef Rufeise n, Kurt T h i e b e r g c r. Ueberdies wurde das vierziggliedrige Zentralkomitee neu gewählt. Weltkonferenz des «Brlthe Trumpeldon> in Warschau Am i. Jänner wurde in Warfchau die Weltkonferenz des zioniftifchen, der revifioniftifchcn Bewegung angefchlofTenen Jugendverbandes „Brith Trumpeldor“ (benannt nach dem bei der Abwehr der Araberangriffc auf Tel Chai gefallenen Chaluz-Führer Trumpeldor) bei Anwcfcnheit von 316 Delegierten aus Polen (260), Dcutfchland, Frankreich, Oefterreuh, Tfchcchoflowakci, Ungarn, Litauen, Lettland, Palästina, Tunis und Amerika feierlich eröffnet. Dem Eröffnungsakt ging am Morgen ein Gottesdienft im großen Warfchaucr Tempel voraus, wobei Oberrabbiner Profeffor Schorr die Predigt hielt. Gegen Mittag wurde von einer Delegation der Konferenz eia Kranz auf das Grab des unbekannten Soldaten Qicdgrgeiegt. Bei der feierlichen Eröffnungsfitzung hielt der FCjhrcr der Ziooiitca-RcviÜQttiftcn Wladimir Jabotinfky, von ftürmifdhen Ovationen empfangen, die Hauptrede. Jabotinfky überbrachte dem polnifchen Judentum die Grüße aus Paläftina und fag*e, Paläftina fei zur Aufnahme einer fünften Alijah fähig und bereit. Das Streben des „Brith Trumpeldor" fei die Vorbereitung einer national disziplinierten Jugend für Paläftina; er dient dem großen Ideal des Aufbaues des jüdifchen Staates. Während diefer Staatsaufbau vor (ich geht, müden alle anderen Ideale in den Hintergrund treten. Znfammenftöße. Am Eröffnungstag der Konferenz kam es beim Umzug der „Brith Trumpeldor“-Verbände durch die Stadt zweimal zu Zufammenftöß.eri mit jugendlichen Anhängern der linken Poale-Zion^J ditfe' wollten, wie fic Tagten, für die Teilnahme des „Brith 'Trumpeldor** von T e 1 - A v i v an der vor einigen Wochen dortfclbft ftattgefundenen antijiddifdiillifchcn Demonftration Rache nehmen und daher Teilnehmer des Warfchauer Umzuges überfielen. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor; auch einige Kommun i ft e n, welche fich an den Ueberfälien beteiligten, wurden fcilgcnommen Ein neues Bürgerschaftsgesetz in Rumänien Aus Bukareft wird berichtet: Der jüdifchc Deputierte Michael Landau hatte eine Unterredung mit dem Juftizminifter Juniam über die Lage taufender jüdifchcr Familien, die gegen ihren Willen ft a a t e nlo s geworden find und der Willkür der untergeordneten Behörden ganz und gar preisgegeben find, obwohl fie auf Grund der Verträge rumänifche Bürger fein müfien. Der Juftizminifter vcrfprach, dem Parlament eine neue Gefetzesvordagc vorzulegen, laut welcher allen jenen Perfonen, die durch die Unvollkommenheiten des früheren Gefetzc* ft a a t e-n l o s geworden find, die Möglichkeit geboten wird, die Staatsbürgcrfdiaft zu erlangen. Das Gefetz wird in Einklang mit den Beftimmungen des Friedensvertrages flehen. In der letzten Sitzung des rumänischen Senates ergriff der Minister des Innern Vajda Vo evcd das Wort, um verschiedene Fragen der inneren Politik zu beleuchten. Zur Jiudenfrage erklärte der Minister: «Lange genug lebte Rumänien unter der unbegründeten Angst vor einer «Jüdischen Gefahr». Die gegenwärtige. Regierung teilt diese Angst ganz und-, gar nicht. Die jüdische M i n d e r h e i t bildet keinerlei Gefahr für einen Millionen- Staat wie Rumänien.,Es ist darum selbstverständlich, daß die Regierung ihr Verhalten zu den jüdischen Bevölkerung ganz anders einsteßen wird, als es die bisherigen Reliolile«Hnitenkolis OBERSCHLE SISCH ANTHRACIT ENGLISCH UND W6SVPHXLISCH Quaftätsiorten — Billigst BASCH, IV 1 U-4S-403 Argcntlnlarstr. 22 Teiepft. u-41-287 RabaHMktieii des KERE;KI*KAJEHETH gierungen getan halben.' Die Regierung wird alle Ungerecht f e r t i g k e i t e rr, die bisher gegenüber den Juden geübt worden sind, aus der Welt schaffen. Die Regierung glaubt, daß sie, indem sie diesen Weg beschreätet, ein Regime der Gerechtigkeit im Lande befestigen und dem Ansehen Rumäniens im Auslande dienen wird.». Ausschreitungen? Der «iPester Lloyd» meldet: In der Stadt B u z o u in Rumänien kam es am % Jänner, abends zu antisemitischen Ausschreitungen. Eine Gruppe Studenten schling die Fenster eines Geschäftes ein; das. einem jüdischen Kaufmann gehört, Als sich dieser wehrte, kam es zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf ein Unbekannter einen jüdischen Kaufmann durch einen Revolverschuß schwer verletzte. Eine andere Person wurde durch Messerstiche verletzt. Siebente Konferenz der jüdischen Kreditgenossenschaften in Polen In Warfthau tagt gegenwärtig die fiebente Konferenz der jüdifchen Kreditgenoffenfchaften Polens bei Anwefenheit von über 4jo Delegierten, die j $0 Inftitutc vertreten. Der frühere Senator Dr. Roten ft reich wurde zum Präfidentcn der Konferenz gewählt. In der Anfpradic ftellte er feft, daß die Juden in Polen das wirtfchaftlicb am meiften bedrohte Element feien. Der Präfident des jüdifchen. Parlamentsklubs J. Grünbaum, ftürmifch begrüßt, wies auf die Zufammenhänge zwif<hen dem Kampf um politifdie und dem Kampf um wirtfchaftliche Rechte hin und erklärte, die Regierung ziele mit ihren fogenannten wirtfchaftlichen Reformen auf die Schwächung der jüdifchen wirtfchaftlichen Pofitionen hin. Im Namen der American Joint Reconftruction „Foundation“ begrüßte Herr Dr. Werner Senator (Berlin) die Konferenz und wies auf das riefige Anwachfcn der kooperativen Bewegung in Polen hin, die zum ftärkften wirtfchaftlichen Faktor im jüdifchen Le ben geworden ift. Die „Foundation“ hat eine Million Dollar in die kooperative Bewegung inveftiert, gegenwärtig befitzen die Berufsgenoffenfchaften insgefamt 6 Millionen Dollar eigenes Kapital. Es fprachen dann Vertreter des Zentralvereins der Kleinhändler, der Induftric- und Handelskammer, des Zentralverbandes der Handwerker, des Oberrates der kaufniännifchcn Verbände u. a. m. Direktor Birkenheim referierte 'fodann über den gegenwärtigen Stand der Gcnoffonfshaftsbcwcgung und wies auf den unbcfchrcibljdben Kapitalmangel in den jüdifchen Berufszweigen hin. Am t. Jänner 1927 heftenden 320 Kreditgenoffenfchaften •mit imgefamt x24.344 Mitgliedern und einem Umfats von fck, Edith Braun Rudolf Omstein Verlobte. Wien Salzburg Tebeth 5699 -1 _ 48,71 T.317 Zloty. Am 1. Oktober 1928 beftanden fchon 458 Genoffenfchaften mit 179-63 5 Mitgliedern und einer Bilanzfummc von 149,642.234 Zloty. Im Verlauf der Berichtsperiode (1. Jänner 1927 bis 1. Oktober 1928) haben fich die eigenen Mittel der Kooperativen um fall das D r c i f a ch e vermehrt. Herr Reismann erftattete den Bericht der Zentralbank der Genoffenfchaften. Den Referaten fchloß fidi eine eingehende Ausfprache an. Die Konferenz hat bcfchloffcn, für das Jahr 1929 eine neue Emiffion für die Bank der Kooperativen in der Höhe von 1,300.000 Zloty auszugeben. Da man fich über die Wahl des neuen Verwaltungsrates nicht einig werden konnte, wurde befchloffen, die endgültige Wahl der im Mai einzuberufenden außerordentlichen Tagung zu überlaiTen und inzwifchen eine Exekutive cinzufetzcn, der außerordentliche Vollmachten zur Durchführung einer Statutenänderung gegeben wurde. Der Weltverband jüdischer Studenten begann am 3. Jänner in Paris die Tagung feines Zentralstes. Der Präfident des Wcltverbandes Dr. Lautcrpacht- London hielt ein Referat über die Zukunftsarbcic des Vevbandes, der Generalfckretär L. Steinig- Wien berichtete über die bisherige Tätigkeit des Verbandes, M. Stonc referierte über den gegenwärtigen Stand des Numerus claaf u s. Ferner wurden Referate von Dr. Pachtmann über die wirtlchaftlidie Tätigkeit des Verbandes, von M. StanhiU über „Das Studentenhaus", von Dr. Ch. H o f f ma n n über die Kulturarbeit des Weltvcrbandcs gehalten. L. Steinig referierte am zweiten Sitzungstagc über die Beziehungen zu der internationalen Studentcn-Konfö* d e r a t i o n. Der Privatsekretär des «bösen Dämon Rufflands» Der Mönch R a f p u t i n, deffen Tochter, wie ein gcfchäftstüditiger Zirkusbefitzer ankündigt, demnädift in Wien in einem Zirkus erzählen wird, wie ihr Vater ermordet wurde, hatte einen Juden aus der ruffifchen Klcinftadt Mofyr, Mofcs S i m a n o wi t f ch, zum Sekretär und — Berater. Simanowitfeh betrieb, wie der jetzt in Berlin lebende ruffifche Publizift Sukennikow im „Neuen Wiener Journal" erzählt, ein Juwelengefdiäft in Petersburg. Sein Beriif und —- fein ausgezeichnetes Kartenfpiel brachten ihn in Verbindung mit Adels- und Hofkreifen der Zarenrefidenz, und da er einmal während einer Hafardpartie mit Gardeoffizicren in Zarskojc- Selo auch Partner des unvermutet cintretcnden Zaren wurde, der fich am Spiel beteiligte, hatte er bald — wohl als einziger Jude — Zutritt zum Zaren. Die Zarin empfahl Simanowitfch ihrem Günftling Rafputin, und fo wurde der Jude aus Mofyr Privatfekretär des Mönches, der lange Jahre der eigentliche Herrfcher Rußlands war. Simanowitfch fchützte auch Rafputin vor mehreren Anfchlägen, die fchon lange vor dem gewaltfamen Ende des Mönches gegen ihn vorbereitet wurden, fo vor* einem Komplott des Innenminifters Chwoftow, das er der Zarin entdeckte, worauf Chwoftow demiffionieren mußte. Seither -wohnte Simanowitfch auf Befehl der Zarin bei Rafputin, um über feine perfönliche Sicherheit zu wachen. Der Einfluß des Simanowitfch auf Rafputin und durch ihn auf die Staatsgefchäftc ift mehrfach in ruffifchen Memoirenwerken gefchildert worden; in allcif» feheint er — aus durchfiditigen Gründen — übcrfchätzt zu werden. Simanowitfch felbft erklärte dem oben erwähnten Sukennikow in einem Interview, Rafputins Ziel im Kriege fei ein S c p a r a t f r i e d e gewefen, den der Mönch als die einzige Rettung der Romanows und ihrer Regierung anfah. Ueber feine, Simanowitfch’, politifchen Anfchauungen und Bcftrebungen befragt, antwortete der Juwelier, der jetzt in Berlin lebt: „Mein Bcftrebcn ging dahin, durch Rafputin und mit feiner Hilfe Gleichberechtigung für die Juden zu erlangen. Ich kämpfte für diefes Ziel wie ein Befeffener und ließ nichts unvcrfucht. Als der Zar und die Zarin einmal das von mir errichtete Privatlazarett für verwundete Offiziere bcfuchten, flehte ich den Zaren an, er möge den Juden Gleichberechtigung mit allen ruffifchen Bürgern fchenken. Der Zar lehnte es damal sab, ich brach in Tränen aus. Doch refignierte er nicht und verfolgte mit großer Energie mein einziges Ziel, indem ich auf Rafputin immer in diefer Richtung einwirkte. Wir haben fogar .ein geheimes beratendes Komitee gebildet, zu dem mehrere angefehene Juden und jüdifche Reichsdumaabgeordnete gehörten. Im €a/i£ Stehlame WIEN, II., PRATERSTRASSE NR. 34 anschließend die Jüdischen Künstlerspiele“. — Inhaber: fekob Goldfließ. - Vorsügliche Getränke und Kette Speisen *u billigen Preisen. ~ Rummy-Spieltische. *— Treffpunkt der jüdischen Geseßseheft,