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Die Stimme · 1929-01-04 · Heft 53 (4.1.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 53 (4.1.1929)
Date
1929-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sefte 6 PIE STTIIME Nr. 58 afieio würde genügen, um seine Daseinsberechtigung m beweisen.» Sodann kam, von minutenlangem, stürmischen Beifall akklamiert, der Führer der Revisionisten, Wladimir Jabotin-sky zu Wort, der in einer mehr als einstündi'gen, ifoetoriech glanzvollen Rede die Zuhörer in wahre Begeisterung versetzte. Zuerst 'besprach der Redner die Frage der Erweiterung de Jewfeh Agency vom Standpunkt seiner Gru-ppe. Er bezeiebnete diesen Beschluß ate Verrat an de r Schö p f ungT heodor Herzls, an seinem umwälzenden Gedanken des Kongresses, der souveränen Vertretung des jüdischen , Volkes. Durch den Kongreß war es möglich, auch den kleinsten und ärmsten Juden eines polnischen oder russischen Dorfes dasselbe Mitbestimmungsrecfot an dem Aufbau unserer neuen Heimat zuzuerkennen, wie dem reichen jüdischen Finan®mann in Chicago oder New York. Durch die Wahlen zum Kongreß fühlte sich jeder Jude als gleichberechtigter Teil des ganzen Volkes. Jetzt soll (fieser Kongreß, die Konzentration d-es jüdischen GesanvfcwHIens, aus der Welt geschafft werden. Der Kongreß soll nicht mehr die allein beschließende souveräne Körperschaft des jüdischnationafen Lebens sein, er wird nur mehr eine beratende Funktion ausüben können, da in der Jewish Agency die andere Hälfte, die zur Beschlußfassung nötig ist, aus Leuten bestehen würd, auf deren Bestellung der arme Jude in Kowno keinen Einfluß mehr haben kann. Da-gsgen werden wir Revisionisten ankämpfen, sagte Jaibotinsky, -in welcher Form, weiß ich noch nicht, innerhalb der Organisation und wenn es den anderen gelingen soHte, uns aus ihr zu vertreiben, auch außerhalb der Organisation, bis die afleinbe risch ende Souveränität des zionistischen Kongresses wiederhengestellt ist hn zweiten Teil seiner Rede forderte Jaibotinsky zur Unterstützung des proponierten T eJ-Cha j- Fonds auf, der den Zweck haben soll, die jüdische Jugend der ganzen Welt sportlich zu ertüchtigen. Mit dem Gelde dieses Fonds sollen jüdische Sportin6truktoren ausgebildet werden und die lokalen sportlichen Organisationen, d;e einer Unterstützung bedürfen, gefördert werden. Der Sitz des Fonds wird in London sein, er soll jedoch auch m vielen anderen Ländern zur Registrierung gebracht werden. Der Redner besprach sodann die Notwendigkeit der Einordnung der jüdischen Jugend in ein Ganzes, der Unterordnung unter einen gemeinsamen Befehl. Jeder junge Jude und jede junge Jüdin, ob sie mtn manuellen oder geistigen Berufen amgehören, müssen durch diese Schule gehen, damit der Typus eines neuen jüdischen Geschlechtes heranwachse, eines Geschlechtes der Ritterlichkeit und Höflichkeit, stolz im Vertrauen auf seine Kraft, die es •wohl au gebrauchen versteht, wenn man dem jüdischen Volke ans Leben will, die aber erst dann einsetzen darf, wenn geistige Waffen versagen. Das Vorhandensein einer solchen Jugend in einem Ort mit jüdischer BevöJvölkerung wird genügend Garantien für die Sicherheit der jüdischen Bevölkerung bieten. Um eine solche Jugend zu schaffen, wird es nötig sein, den Tel-Chaj- Fonds zu stänken. Die radikalen Zionisten setzen den Kampf gegen die Erweiterung der Agency fort Das Berliner Zentralbureau der «Vereinigung Radikaler Zionisten» gibt bekannt: «Das Zionistische Aktions-Couiitee hat bei seiner eben abgeschlossenen Tagung zwar die im November d. J. in New York getroffenen Vereinbarungen bezüglich der Erweiterung der Jewish Agency gutgeheißen, es hat aber andererseits die Durchführung der Beschlüsse an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, deren Verwirklichung von der Zustimmung mehrerer Faktoren abhängig ist. In der Frage der Präsidentschaft der Jewish Agency; in der Frage derSicherungdcr Rechte der Zionistischen Organisation als Jewish Agency für den Fall der Auflösung der erweiterten Jewish Agency; in der Frage der Vertretung Palästinas ln dem nichtzionistischen Teil der Jewldh Agency, sowie in bezug auf eine Reihe wichtiger organisatorischer Fragen hat das Aktionskomitee der Exekutive Aufträge in Form von Besohlüssen erteilt, über die auf der nächsten Sitzung des A k t i o n sk o m 11 e e s, im Frühjahr 1929, Bericht erstattet werden muß. Bis dahin dürfen nach dem Sinn der Aktionskomitee-Beschlüsse die Vorbereitungen für die Besetzung der erweiterten Jewish Agency durch Delegationen aus den Ländern das Stadium der präliminären Besprechungen nicht überschreiten. Darüber hinaus steht die Vereinigung Radikaler Zionisten auf dem Standpunkt, daß effektive Schritte zur Besetzung der Jewish 8IBBIH. HORHMBHL, BroQflßischhQuerel Zentrale IX, Berggajsse 19, Tel. A 17-3*99 u. A 16*9-34 Lieferant für Heilanetalteni Abteilungen für "igD-Floiich unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX* Beregasse b XVHI, Wlhringeretrafie 97 | Agency vor dem Kongreß nicht unternommen werden dürfen, da vorher der Kongreß zu der Frage Provisorium, über die ein bindender Besohluß des Kongresses vorliegt, die aber nach den New Yorker Vereinbarungen jetzt in einem ganz anderen Sinne gelöst werden soll, Stellung zu nehmen hat Die Vereinigung Radikaler Zionisten ist nach wie vor entschlossen, den Kampf gegen den Agency-Planbiszum Kongreß und auf dem Kongreß zu führen; die letzten Verhandlungen des Aktionskomitees über die organisatorischen Fragen haben die Gefahren des fifty-fifty- Planes auah vielen früheren Anhängern der erweiterten Jewish Agency in einem solchen Maße zu Bewußtsein gebracht, daß der langjährige Kampf für die Revision des Agency-Planes jetzt mit viel größeren Aussichten auf Erfolg vor sich gehen kann. Was die Exekutive und Dr. Stephan W i s e über den Geist der New Yorker Vereinbarungen berichteten, hat gezeigt, daß die demokratischen und nationalen Belange der zionistischen Bewegung in Frage; gestellt sind und die Vereinigung RadikalerZionistenwirddaher, durch Hinz utretenneueroppositionellerOruppen gestärkt, den Kampf fortzusetzen, um noch in letzter Stunde die der Bewegung und dem Kongreß drohenden Gefahren abzuwenden.» Ein Pro-Palästina-Komitee ln Belgien Aus Brüssel wird berichtet: In diesen Tagen hat sich ein belgisches Pro-Paiästina-Komitee (CommPtee Belgique-Palestlne) gebildet, dem bisher folgende Persönlichkeiten angehören: Senatspräsident Charles Magnettc (Präsident), Universitätsprofessor de Douder (Sekretär), Universitätsprofessor Brächet, Bankier Leon Cassel, Senator Louis de Brouckerc (früherer Vertreter Belgiens beim Völkerhund), der Führer der liberalen Samstag, den 5. Jänner 1929 findet in den Kunstspielen, I., Riemergasse 11 eine Akademie mit Tanz statt Mitwirkende: Burgschauspieler Prof.Fritz BLUM, Marie KORBER. Gertrud KRAUS, Dolly NACHBAR, Walter SCHLOSINGER u. v. a Jazz: Original Pacific Band. Beginn 8 Uhr. Karten im Vereinäbeün» bei den Atusdnißmitgliedern und ein der Abendkasae. Wochen-Katender Jänner 1989 Qedenktage ra& renn 3 Donnerstag 1 21 -IO 4 Freitag t788 — Moaee Xeodelnof» gettogbm. t8U — Mosm H«ft ptofuser von »Rom und Jerusalem") gebot««. 22-20 3 Samstag I3K1 — dar ttor&uamber des Jahrbuches für jfldtecho Geschieht« und I/towfcw 01874—1890), Rabbiner Dr. Kefcemia Brüll in Frankfurt ». M» gestörten. *3 - J3 Haftmli h.bej'ia jaeobreeeh 3 Sonntag 18CO — der berühmte Soatelfct Eduard Berneteiji in Berlin geboren. 1867 — Ae? berühmt« Semitologo Solomon Itunk in Parte gostörten. 24 — Tp 7 Montag 25 - ro 3 Dienstag 186© — der Diohter BecfchoM Auer* bach in Cannes gestorben. 1890 — der jüdaadvb&lvmleche Dichter Seltgimnn Heller in Wien tr«torbett, 26 - 13 9 Mittwoch 27 - ß j Partei und Deputierte Albert D e v e z e, Univeraitätsprofessor Jacques Errara, der Präsident der belgischen zionistischen Föderation Jean Fischer, Universftätaprofessor Leon L e c l a ä r e, der Staatssekretär und Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes Pierre Orts, der Richter am Kassationshof Henri Roll n, Gräfin Helene Gebiet d’Alvia, Deputierter Louis Pieriaid, Mmc. Orts, Fräulein Alice Pels, Staatsminister Emile Van* d e r v e 1 d c u. a. m. Das belgische Pro-Palästina-Komitee hat sofort nach der Konstituierung eine Kundgebung an die Oeffentlichkeit erfassen, in welcher zur Unterstützung des Aufbaues des jüdischen Natlonalheims in Palästina aufgerufen wird. Bei Gelegenheit des Besuches Dr. Weizmanns in Antwerpen wurde eine Keren HaJessod-Aktion ©ingeleitet, die bisher allein in Antwerpen 3000 Pfund erbracht hat Louis Marshall Ein jüdisches Porträt — Von Henry SÜosberg (Paris) Am 14. Dezember rpa8 feierte Louis Marfhall, der Führer des amerikamfehen Judentums und Präfident des American Jewifh Committee, feinen 72. Geburtstag. Die Verhandlungen zwifchen Zioniften und Nichtzioniften über die Erweiterung der Jewifh Agency haben ihn mit in den Vordergrund des jüdifchen Gefchehens treten laffen und wir benützen die Gelegenheit, unferen Lcfern ein Bild: (liefcs. weit über das Durchfchnittsmaß hinausragenden Mannes zu geben. Der folgende Artikel crfchien vor zwei Jahren anläßlich des 70. Geburtstages in dem Parifer Blatt „Univers Ifraelite“. Am 14, Dezember 1926 ist Louis MarshaU 70 Jahre alt geworden. Eine ungeheure Zahl jüdischer Mitbürger, die amerikanischen Advokaten, Politiker und andere hervorragende Persönlichkeiten Amerikas und aller Länder der Welt haben Wert darauf gelegt, ihm ihre Anerkennung und Ihre Achtung zu bezeugen. Die amerikanische und europäische Presse hat in zahlreichen Artikeln des Werkes dieses hervorragenden Juden gedacht. Einer der berühmtesten Rechtsanwälte der Vereinigten Staaten, Ist Louis Marshall seit langem der Hauptvertreter de, amerikanischen Judentums, und es gibt kein Gebiet, wo wir ihn nicht auf dem ersten Platze finden. In den politischen Bewegungen, in der sozialen und phllantropischen Arbeit, in den Unterweteungs- und Erziehungswerken, Überall erscheint uns Marshall als Führer und geistiger Urheber. Alle Letoensfäden des amerikanischen Judentums führen zu Marshall. Louis Marshall verkörpert einen jüdischen Typus, der sehr weit ln der Geschichte zurückgeht und der ln scharfer Weise einen unsere ganze Geschichte beherrschenden Zug bezeichnet: unser geistiges Zusammengehörigkeitsgefühl. ln allen Ländern und bei allen Völkern erlangen hervorragende Persönlichkeiten eine besondere Volkstümlichkeit. Zu jeder Zelt werden die Namen großer Persönlichkeiten Symbole für Ihre ganze Generation, aber immer auf einem besonderen Gebiet: der eine in der Literatur, der andere in der Wissenschaft, ein dritter in der Politik usw. Etwas anderes geht im Leben des Judentums vor sich. Gewiß haben die Juden zur Wissenschaft, zur Kunst und zur Politik ihres jeweiligen Vaterlandes beigetragen, aber darüber hinaus besitzt das Judentum jedes Landes ln Jedem beliebigen Zeitabschnitt eine Persönlichkeit, die sozusagen dieses Judentum verkörpert, seine Tendenzen auodrüokt, sein Vertreter auf allen Gebieten ist Eine solche Persönlichkeit erwirbt die Stellung eines Leiters, wird eine Art «Exilarch», Fürst des Exils (Rosh Galutha). Dieser Mann bat keine offizielle, ihm verliehene Maoht. Niemand hat firn gewählt, aber trotzdem vertritt er das Judentum und, was das Wichtigste Ist, er wird als sein Vertreter anerkannt Nicht durch eine politische oder soziale Laufbahn wira diese Stellung erworben. Persönliche Eigenschaften verleihen sie und vor allem die Liebe zu seinem Volke und ein tiefes Bewußtsein der Zusammengehörigkeit und der geistigen Einheit des ganzen jüdischen Volkes, Eine solche Rolle kann nur von einem gespielt werden, der selbst in seiner Seele bewußt Ist, Jude zu sein, und der begreift, daß gerade seine Eigenschaft als Jude und sein Bewußtsein, Jude zu sein, :*elne Stellung als Bürger seines Landes verstärken. Die Rolle solcher Männer beschränkt sich nicht auf die Verteidigung der‘Juden gegen Verfolgungen in Ihrem eigenen Lande. Solche Vertreter hat cs immer unter den Juden der Länder, wo sie noch nicht emanzipiert und besonders, wo sie Verfolgungen ausgesetzt waren, gegeben. Aber jetzt bleibt die jüdische Solidarität nicht an den Grenzen eines Staates stehen. Die Einheit des Judentums ist niemals bestritten worden und wird jetzt von allen anerkannt. Die verschiedenen Teile des jüdischen Volkes, wenn sie sich auch dem Leben Ihres jeweiligen Landes einfügten, stellen doch einen einzigen geistigen Organismus dar, und die Kranklfelten eines Teiles dieses Organismus üben eine schmerzliche Rückwirkung auf seine anderen Teile aus, besonders auf diejenigen, welche die Zentralnerven des Organismus ln sich schließen, die, da sie die empfindlichsten sind, mH der größten Lebhaftigkeit entgegenwirken. Louis Marshall ist im amerikanischen Judentum diese Persönlichkeit, die die Einheit und die Gesamtheit verkörpert Er ist eine Art «Exilarch» des amerikonhehen Judentums, «inoffiziell» zwar, doch von allen anerkannt Er Ist ganz von dem Bewußtsein des Judentums durchdrungen, und daher spürt er alles, was jüdisch ist. mit der größten Empfindsamkeit. Und da das Bewußtsein, Jude zu sein, das Bewußtsein voraussetzt, nicht ein vereinzeltes Individuum, sondern ein wesentlicher Teil der Menschheit zu sein, so könnte er sagen: «Ich bin Jude, und nichts von dem, was menschlich ist, ist mir fremd,» Gerade darum ist Marshall einer der besten

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