Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 53 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 DIE STIMME Nr. 58 Die Weltkonferenz der Revisionisten in Wien labotinskys Vorschlag auf sozialen Ausgleich in Palästina Der (ischuw und J der Aufbau Es entsteht nun die Frage — sie i*d noch nicht geteilt, aber sic wird, wie wir glauben, sehr bald große .Aktualität haben —, welche Stelle, welche Körperschaft in Rumänien am besten die Wahlen der nicht? iomstisehen Vertreter in die Jcwisli Agency vornehmen könnte, so daß die dabei geforderten demokratischen Prinzipien möglichst befolgt werden. Und da haben wir nur eine einzige Antwort: Der k ii n f t i g e R e i c h s v c rban d der K ti 11 u s g e m e i n d c n. Das neue Statut der Kultusgemeinden wird wohl schon in nächster Zeit bestätigt werden, und wir haben allen Grund, anzunehmen, daß der Reiohsvcrband schon ih der ersten Hälfte des Jahres 1929 eine vollendete Tatsache sein wird. Und cs ist für uns klar, daß dieser Reichsverband, der die oberste jüdische Repräsentanz Rumäniens dars'cilen wird, wohl das einzige, geeignete Forum sein wird, das die nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency zu nominieren berechtigt ist. Chancellor an Weizmann Der neue Oberkommissär an den Präsidenten der Zionistischen Organisation. Anläßlich der Tagung des Aktionskomitees in Berlin richtete der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann, namens der Exekutive an den neuen Oberkommissär für Palästina eine Glückw u n s c h d e p e s c h e zu seinem Amtsantritt. Darauf langte von Sir John Cha ncellor telegraphisch nachstehende Antwort ein: ... ■ , «Dr. Weizmann, Berlin. VVollen Sie freundlichst der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation meinen warmen Dank für ihre freundlichen Glückwünsche zu meinem Amtsantritt als Oberkommissär für Palästina zum Ausdruck bringen. Ich teile Ihre Hoffnung, daß meine Amtsdauer einen Fortschritt in der Errichtung des Jüdischen Nationalheimes und in der Entwicklung Palästinas zum Wohle aller seiner Einwohner bedeuten wird. Chancellor.» Der Oberrabbiner von Palästina bei Chancellor. Aus Jerusalem wird berichtet: Der neue Oberkommissär von Palästina, Sir. John Robert Chan c e 1- 1 o r, empfing die beiden Oberrabbiner K o o k und 'Jacob Me i r und unterhielt sich mit ihnen eingehend über dm jüdischen Belange in.Palästina. Die Oberrabbiner, haben, wie sie nun mitteilen, bezüglich der Haltung des’ neuen Öberkommissärs gegenüber der jüdischen Arbeit in Palästina einen sehr guten Eindruck empfangen. Sir John Chancellor ist ein warmer Freund des j ü d i s c h e n A u f b a u w e r k e s. Er brachte die Hoffnung.zum Ausdrück, daß sich Palästina unter seiner Administration noch besser entwickeln wird als bisher. Sir John Chancellor empfing auch eine Abofdnüng der Palestine Jcwisli Colonisation Association und unterhielt sich mit ihr eingehend über die Fortschritte in den P i c a - K o l o n i c h. Propaganda für einen binationalen Staat in Palästina In J e r u f a 1 c m hat lieh vor längerer Zeit aus Kreifen der jüdifchcn Intelligenz eine Vereinigung „Brith Schalom“ (Frfsdensbund) gebildet, welche Geh die Anbahnung einer dauernden Verftandigung zwifchen der jüdifchen und arabifchen Bevölkerung Paläftinas zum Ziele gefetzt hat. Wir haben über diefc Gcfcllfchaft und ihre Propagandatätigkeit bereits feinerzcit berichtet; jetzt verfendet „Brith Schalom“, offenbar im Zuge einer verftärkten Propagandatätigkeit, an die jüdifchc PrciTc eine Erklärung über feine Ziele, der zu entnehmen ift, daß die Vereinigung, die heute eine-kleine Gruppevon Menfeben umfaßt, darauf hinwirken will, daß die augenblickliche Fremdheit und Gcgnerfchaft zwifchen Juden - und- Arabern nicht als ein notwendiger und dauernder Züfland betrachtet wird; für das Zufammcnlcbcn von Juden und Arabern in Paläftina müde eine Löfung im Wege gegenfeitiger' Verftändigung gefunden werden. „Dem Brith Schalom“ — heißt cs:in der -Erklärung weiter „fehwebt ein bi nationales Palästina vor, - in welchem beide Völker in völliger Gleich? Berechtigung leben, beide als g 1 c i ch ft a r k e Faktoren das Schickfal des Landes beftimmend, ohne Rücklicht darauf, welches der beiden Völker das andere an Zahl überragt.“ Es muffe aber auch gefordert werden, daß die Araber das Recht der Juden anerkennen, „fich in ihrem alten Hcimatlande ungcftört nach ihrer nationalen Eigenart zu entwickeln und eine möglichft große Zahl ihrer. Brüder an diefer Entwicklung teilnehmcn zu laßen. Aber das Wachstum der Juden {oll, ob fic die Mehrheit der Bevölkerung bilden oder, nicht, niemals eine Vcrfchicbung des rechtlichen Zuft an des zur Folge haben“. Die Vereinigung „Brith Schalom“ hält weiters eine fortfchrcitendcBc t c i 1 i g u n g der Bevölkerung an der Verwaltung des. Landes für wünfehenswert; „das arabifchc Volk muß willen, daß wir bereit find, mit ihm an der Entwicklung der Sclb'ftVerwaltung in Paläftina mitzuarbeiten, iobald wir Garantien dafür bekommen, daß uns dadurch nicht der Weg zu unterem nationalen Ziele verfperrt wird“. Für diefe Ziele will der „Brith Schalom“ in Wort und Schrift aufklärend“ wirken, damit der Boden' für k ü n f t i g c. V c r h a n d 1 u ng c n beider V ö 1 k e r gefthaffen werde. 1 ‘ ‘ Kein Kopfzerbrechen mehr, wo man' ‘den paffenden Schuh zum Abendkleid bcfchafft . Die Schuhfabrik Liftiänfky, VII., Kaifcrftraßc 46, fertigt aus. allen mitgebrachten Materialien nach Angabe die 'Schuhmodelle an., - (Entgeltlich.) Nach der feierlichen Eröffnungssitzung, über die wir bereits berichteten, begann am 27. Dezember die Arbeit der Konferenz. In das Präsidium wurden Dr. B. B r u t z k 11 s (Berlin), Richard L i c h t h e i m (Berlin), Dr. E. Soskin (London), AL Feiler (Bukarest) und Dr. Wolfgang W c i s 1 (Wien-Jerusalem) gewählt. Unter den zahlreichen Begrüßungen, welche der Konferenz aus allen Ländern zugingen, fand sich auch ein Telegramm der zionistischen Exekutive, die vom Ausgang der Konferenz eine Stärkung d c s Zionismus erwartet. Zunächst hielt J a b o t i n s k y das Referat über die politische Tätigkeit des R /isionismus. Er führte aus, daß die bisherigen Beschlüsse die Prärogative der ziönistischenExekutive in der politischen Außenarbeit respektiert haben. Die Revisionisten mäßen sich nicht das Recht an, vor irgendeine Regierung oder den Völkerbund zu treten, Forderungen zu stellen und Antwort zu verlangen. Dagegen steht es ihnen frei, Propaganda und Aufklärungsarbeit für ihre Ideen in allen Kreisen, beim Volk; in der Presse und auch vor den Regierungen zu leisten. Zur Erfüllung dieser Aufgabe, speziell zur Arbeit'in der englischen Oeffentlidrkeit und bei den maßgebenden Regierungsstellen, wurde eine politische Kommission in London unter Leitung von Meir Großmans geschaffen. Jabotinsky lenkte die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die in London registrierte, neutrale Institution <<S e c h ut e n u» (Unser Recht), der neben . den in Jerusalem, Haifa und Jaffa bereits bestehenden Rechtsschutzgesellschaften die Aufgabe zufallen wind,-auf dem Wege BÜCHERSTUBE RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TAB0R5TRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S Neueröffnete LelhSslbünthek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern alter Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekeeinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutsch- Jüdaica in reicher Auswahl? Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— ♦ Keine Bandgebühr des reehtsördnungsmäßigen' Instanzenzuges den Status der palästinensischen Bürger, ganzer Gruppen oder des Jischuw als ganzen, bei Rechtsverletzungen vor den englischen obersten Verwaltungsbehörden und Gerichtshöfen zu verteidigen. Palästina wird nicht in Jerusalem, wird in London regiert. Die Befugnisse der palästinensischen Beamten sind sehr weit, aber doch in jedem Detail abhängig von den Beschlüssen der obersten Instanzen in London. Dadurch wird die Lage des Jisdhuw sehr kompliziert, da er seine Recihtsycrfolgung nur bis zum Distrlksgouverneur führen kann, und die Wahrung seiner Interessen in London - der zionistischen Exekutive überlassen mußte.’Die revisionistische Organisation in Palästina fordert nun von der Konferenz volle Autonomie in den Fragen, die den Rechtsschutz des Jischuw betreffen, ln Konsequenz dieses Gedankens sollte auch die legale Vertretung des Jischuw, die Knesseth Israel, eine ständige Vertretung in London unterhalten, die gemeinsam mit der Exekutive arbeiten soll. W e i s 1 berichtete über den Vorschlag des britischen Labour-Pölitikers Wedgwoods, «Das siebente Dominion». Er wies darauf hin, daß nach dem Mandatsstatut alle Mächte des Völkerbundrates, einschließlich der Mandatarmacht, nur e i n s t i m m i g die Aufhebung des Mandates beschließen können. Alber auch dann steht der Mändatarmacfht das Recht zu, Ersatz der Investitionen zu fordern, so daß bestenfalls die politische in eine ökonomische Abhängigkeit verwandelt würde. Wenn wir nun die Hilfe Englands in Anspruch nehmen wollen, müßten wir moralischeGarantien dafür geben, daß Palästina als freies Dominion in den Verband des britischen Weltreiches trete, sobald der Zweck des Mandates, in Palästina ein Jewish National Home zu errichten, erfüllt Ist. Großinann ergänzte die Ausführungen Weisls dahin, daß weder die zionistische Gesamtorganisation, noch die Revisionisten aus Gründel internationaler Verpflichtungen den Vorschlag Wedgwoods als Punkt ihres Programmes aofnehmen Können. Es gibt aber eine Gruppe von e n g l i s c U e n Staatsmännern, die mit Wedgwood und den Zionisten sympathisieren, und bereit sind, -durch eine «League of the Palestine-Dominiom» in der englischen 1 Oeffentliehkeit und vordem internationalen Forum diese Idee zu vertreten; sic glauben, daß dieser Vorschlag dazu inithelfen wird, die jüdische Einwanderung, die politische und wirtschaftliche Situation zu stärken und solche Bedingungen zu schaffen, daß ein jüdisches Palästina sieh freiwillig den übrigen Dominions ansohlicßen, werde. «Wir Revisionisten», schloß Großmann zusammenfassend, «begrüßen unseren Freund Colonel Wedgwood und sehen in seinem Vorschläge keinen Widerspruch mit dem Judenstaatsgedanken, deren Durchführung das unverrückbare, endgültige Ziel des Zionismus ist, vielmehr die Möglichkeit einer für beide Teile segensreichen Kooperation zwischen E n ,g 1 ä n d e r n u n d J u d e n.» Diese Anschauung kam in einer einmütig angenommenen R c s o 1 u t i o r‘ ,zum Ausdruck, in der auch Colonel Wedgwood als treuer Freund der zionistischen Idee von der Konferenz herzlich begrüßt wurde.. J. S cih e c h tm a n n (Paris) befaßte sich mit der Kritik des zionistischen Budgets und der Fonds. Er verlangt, daß alle Posten des Budgets, die für die Erfüllung staatlicher Aufgaben (Erziehung, - Gesundheitspflege, Straßenbau) vorgesehen sind, ausfallen. Die Grundsätze des Erziehungssystems der englischen Verwaltung geben Gewähr, daß der nationale hebräische C h araktcr des Sch ul wes ein s bea II e b ergäbe a n d i e. R e g i e r u n g nicht leiden werde. Der K e ren Hajes s 0 d soll lediglich zu dauernden Investitionen — Bau von Arbeiterhäusern, Werkstätten, Schul- und Amtsgebäuden — verwendet werde. Die private Initiative soll bei der Kolonisation durch Uebernahime von Kredit und Zinsengarantien gesichert werden. Dem K c re n K a j em e t h wird bei der Durchführung der Bodenreform die Aufgabe zufallen, die Okkupations- und Ämelioratiönsarbeiten auf dem für die Kolonisation von der Regierung freige g ebenen Bo d-eh, zu leisten,-.vor’allem, aber, die Geulath Hämajim;. die Erschließung aller verfügbaren W.as s e rqu eilen Palästinas. Aufgabe des. Keren Kajcmeth soll es auch sein, die Ansiedlung der Ghaluzim, der Landarbeiter, durch entsprechende Rücklagen zu ermöglichen. Die zionistische Organisation soll aufhören, selbst zu kolonisieren, sic hat in.der Kolonialbank, deren Eigenkapital auf 2 Millionen gebracht werden, soll, das Instrument zur Abwehr eines antinationalen Geistes, der Kolonisation. Tozereth-Hajisohuw-Propagamla für die industriellen Produkte Palästinas soll die wirtschaftlichen Grenzen über die geographischen hinaus ausdehnen., Daran schloß sich in der Vormittagssitzungvom 28. das Referat von ’ . 7, Dr. E. Soskin über landwirtschaftliche Kolonisation. Soskin, als Vorkämpfer einer intensiven Kolonisation (hochwertige Produkte, mehrmalige Ernten auf Minimum von Bpden durch Ausnützung von Sonne und Wasser) gelangt zu folgenden Schlüssen: Die .Agrikultur des jüdischen Einwanderers.in Palästina, der.mi,t seinem höheren Lebensstandard rechnen muß, als des Fellache, ist auf die sichere, Grundlage des Anbaues hochwertiger Produkte auf bewässertem Boden ia kleinen, intensiv,bewirtschafteten Farmwirt schafr ten.zu stellen» Dafür kommt vor allem die K ü s t e nebenc mit ihrem durch geologische Forschungen nachgewiesenem Wasserreichtum und den heute noch verfügbaren, leichteren Böden in Betracht. Die beschleunigte Massensiedlung kann nur mit staatlicher Hilfe durchgeführt werden, die durch VenkehrserleiChterungen, Entwicklung der Absatzmöglichkeiten und Finanzierung von S i e d I u n g s a n 1 e i ih e n durch Z i n s e n g a r a n - t i e zu gewähren ist. Die Konferenz beschloß, die Referate Schiedutmanm und Soslein zur Grundlage des Aufbauprogrammes der revisionistischen Union zu machen. Weitere Referate wurden noch von Lichtheim (Berlin) über die Jewisih Agency, Dr. Hof mann (Wien) über Organisation und Presse, Dr. Akzin (Liverpool), über Taktik und Issai K'linow (Berlin) über die Organisierung der Jugend gehalten. Lichtheim faßte noch einmal alle Argumente gegen das von .Dr. Weizmann vorgeschlagene System der. Er Weiterung, d e r J e w i s h Agency zusammen, , das ein Sichhinwegsetzen über die Beschlüsse des XV. Kongresses bedeute und eine Aenderung des Mandates zur Folge haben muß. Die Diskussion ergab volle Einmütigkeit in der ablehnenden 'Haltung gegenüber; der Weizmannschen Vorschläge. Auch in den Fragen des ökonomischen Pragrarhmes kam es . zu keinen großen Meinungsverschiedenheiten. Einmütig war auch.die Haltung gegenüber dem :