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Die Stimme · 1928-12-28 · Heft 52 (28.12.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 52 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 52 nre CTtuur LUC 91 IITIML Seite 7 kat Hoff m an n in Biele und Advokat Rofenberg in Bender), die Mitglieder der nationalzaraniftifdien Partei find, und in Altrumänien ein jüdifcher Nationalzaranift gewählt. In der Bukowina hat der jüdifdie Sozialdemokrat Dr. Piftines ein Mandat erlangt. In der neuen rumänifchen Kammer fitzen demnach 8 Juden, im Senat zwei Juden. Die zioniftifdien Parlamentsmitglieder werden lieh zu einem Klub vereinigen, der demnach y Parlamentarier (3 Deputierte und 2 Senatoren) umfaffen wird. Das antijücflsche Propagandabulletin des polnischen Außenministerium Aus V a r f ch a u wird berichtet: In der Budgetkommilfion des polnifchen Sejm erwiderte Vizcrainifter des Auswärtigen Amtes Dr. W y 1 o c k i auf die Anklagen d«$ jüdifchen Deputierten Rosmarin bezüglich der antifemitifchen Pr«*ffeptopaganda des polnifchen Außenminifteriums Rosmarin hecte, wie wir in unferer vorigen Nummer eingehend berichtet hatten feftgcftellt, daß das Außenminifterium in der Auslandspreffe ein Nachrichtenbulletin verbreiten ließ, welches die Schlußfolgerungen enthielt, die Juden feien in ihrer Mehrheit Kommuniftcn, die Zionifi^n feien Feinde des polnifchen Staates, die Juden feien Parafiten in der polnifchen Wirtfchaft. Vizeminiftcr Wyfocki bemerkte dazu: Ich hätte mich über das von Abgeordneten Rosmarin zitierte Communiqu£ am liebften mit ihm unter vier Augen unterhalten; die Angelegenheit ift für uns in der Tat kompromittierend. (Gelächter.) Nach Schluß der Sitzung erklärte Vizeminiftcr Dr. Wyfocki in einem Gefpräch mit Abg. Rosmarin folgendes: Auf Anregung des polnifchen Konfulats in Antwerpen, wo viele reiche und angefchftne Juden wohnen, entfehloß fich das Außenminifterium, ein fpezielles Bulletin über die Lage der Juden in Polen herauszugeben. Da das Außenminifterium feine Informationen über jüdifchc Fragen und über Aeußerungen der jüdifchen PrefTe von der Agentur „WJP“ erhält, beauftragte man den Direktor diefer Agentur, Herrn Lubliner, auch mit der Herausgabe des Bulletins. Das Bulletin wurde an alle polnifchen Gefandtfchaften des Auslandes und an die gefamte ausländifche PrefTe verfandt, ohne daß deffen Inhalt zuvor geprüft worden wäre, da der Chef der entfprechcnden Abteilung des Außcnminifteriums zufällig nicht in Warfduu weilte. Als der Chef der betreffenden Abteilung am z6. November nach Warfdiau zurückkehrte und Einblick in das Material nahm, verordnetc er am 28. November fofort die Zurückziehung des Bulletins. . * Im Zusammenhang mit diesem Vorfälle wurde der bisherige Referent für jüdische Presse seines Amtes enthoben; an seine Stelle wurde der bekannte jüdische Journalist Jechiel Mastbaum, ein früherer Pilsudski-Legionär, ernannt. Das jüdische Problem an den Universitäten Die erfte Konferenz des Weltftudentenwerkcs (International Student Service Genf) über das jüdifchc Problem an den Univerficätcn findet vom 28. Dezember bis 3. Jänner im Schlöffe Bicrville in der Nähe von Paris ftatt. Zu diefer Tagung find 15 Juden und iy Nichtjuden cingeladen. Die Tagung foll zunächft das Problem, wie cs fich in der Stellung der jüdifchen Studierenden an den Hochfchulcn auswirkt, in feinen verfchicdenen Elementen klarlegcn und dann zum Studium der tatfädilichcn Lage an den Univerfitäten übergehen, die Urfache und Gründe derfclben aufzudecken vcrfuchcn und eine Konftatierung der Tatfachen vornehmen. Schließlich wird die Tagung darüber beraten, inwieweit ein Studium des Problems durch internationale Gruppen förderlich fein kann, und in welchen Fällen die Frage am beften als R a ff e n f r a g c, in welchen Fällen als religio fe Frage und in welchen als Ökonom i f di e Frage behandelt wird. Das Programm diefer mehr als Ausfpradie und Anregung dienenden Tagung zerfällt in drei Teile: Vorträge von fadiverftändigcn Pcrfönlichkciten über verfchiedcne Seiten des Problems. Es fprcchen: Herr Prof. Her Ich von der Genfer Univerfität über „Jüdifchc Wanderungen in Europa“; Prof. Qualid von der Sorbonne über „Die Verteilung der Juden in Europa und ihre augenblickliche Lage“. Sodann folgen kurze R e f.e ra t e von jüdifchen und nichtjüdifchcn Teilnehmern über die Stellung der jüdifchen Studierenden an den Univerfitäten. Anfchließend an diefe Tagung findet die Zentralratsfitzung des Weltverbandes der jüdifchen Studenten- {ch a f t ln Paris ftatt. Aus Oefterreich fahren zu dielen Tagungen die Herren David Bukfpann, Dr. Eduard Pachtmann und Alexander Teich. Völkische Numerus - clausus - Propaganda ln Berlin Wie das antifemitifche „Deutfdie Tagblatt“ mitteilt, wurde in einer Kammerfitzung der in ihrer Mehrheit hakenkrcuzlerifchen „Allgemeinen Studenccnfchaft“ an der Berliner Univerfität, einer Studentenvereinigung, die (ähnlich wie in Wien die fogenanntc Hochfchulkammer) unter einem irreführenden Namen den Eindruck zu erwecken fudit, als fei fie eine Vereinigung aller Studenten der Berliner Univerfität, folgender Befchluß gefaßt: „Das ungeheure Anwadifen der Zahl der frcmdftämmigen Studierenden an den deutfehen Hochfchulen zwingt die Studentenfchaft der Friedrich-Wilhelm-Univcrfität, die Schaffung eines Ausnahmegefetzes zu verlangen. Es ift ein Akt der Notwehr und Gerechtigkeit, daß die fremd* blütigen Studenten nur in einem folchen Prozentfatz an den deutfehen Hochfchulen zugelaflen werden, wie der prozentuale Anteil ihrer Volksgruppe an der Bevölkerung Dcutfchlands beträgt. Die Studentenfchaft der größten deutfehen Hochfchulc Relntärke REMY die anerkannte Qualltätsmarke und Weisenstarke „Tüll Anstels“ bei Wiener Handelsgesellschaft m.b.H», Terra, Wien IV-, Prlns-Mii»en-Stra&« 10 Tsl, U-43-0-65 Serie fordert: dn Numerus ciaufus für fremdftämmige Studenten ift an den deutfehen Hochfchulen cinzuführen.“ Bis zur Erfüllung diefer Forderung wird noch einige Zeit vergehen; denn die Berliner Univerfitätsbehörden tanzen nicht wie die Wiener nach der Pfeife einer Studentengruppe, die nur einen geringen Prozentfatz der Hörerfchaft darftellt. Delegiertentag des Gesamtverbandes der jüdischen ' Hochschüler Oesterreichs «Judäa» Am ty. Dezember fand im Feftfaal des Vereines „Zukunft" der elfte Delegiertcntag der „Judäa“ ftatt. Es waren zahlreiche Delegierte und Gäfte erfchiencn, u. a. der Vizepräfident der ifraelitifchen Kultusgcmcindc, Dr. Jofef Löwenherz, der Präfidcnt des Zioniftifchen Landeskomitees, Dr. G o l d h a m- I., Adlergas*« 5 Tal. R.23-4-90 II», K*. Pfarrg. 28 Tel. A-41-6-24 In h a b e r Richard Herzog jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager in reichster Auswahl auf Lager! Auch Teilzahlungen! Provinzversand! Soeben neue original-amerikanisch» Lieferungen ein gelangt mer, Hofrat Dr. Frankfurter, der Leiter des Keren Hajeflod, Dr. N. M. Gelber, die Rabbiner Dr. Feuditwang und Dr. Kamin ka, Cowie in Vertretung des Vorftandes des Vereines zur Erhaltung und Förderung der Menfa Academica Judaica, Herr Schlöfinger. Der Tagespräfident Dr. Max K i w c hielt Oberrabbiner Dr. C h a j e s und Profcftor Leon Kellner tief empfundene Nachrufe. Sodann erftattetc der Präfident der „Judäa“, Doktor Eduard Pachtmann, den Rcdienfchaftsbericht. Er wies darauf hin, daß durch das Ableben des Oberrabbiners Dr. Chajcs die finanzielle Lage der „Judäa“ fich befonders fchwjerig geftaltete. Der Aufwand für Unterftützungen, Prüfungstaxen, Inflcriptioncn, Krankenfürforge, Freitifche ufw. betrug zirka S. 16.000.—. Außerdem wurden zahlreiche Studierende mit Kleidern und Wäfche verforgt und durch die Stellenvermittlung etwa 140 Poften vergeben. Infolge der gefteigerten Anforderungen fah fich der Hochfchulausfchuß genötigt, im Wege einer Aktion früher gewährte Darlehen an bedürftige Studierende wieder hereinzubringen. Bisher ift dies bei einem kleinen Teil der Schuldner in vollem Maße möglich gewefen; insgefamt könnten zirka iy.000 bis 20.000 Schilling cingebracht werden. In kultureller Hinficht verwies der Berichtcrftatter auf die zahlreichen Exkuifionen und Vorträge, die im letzten Studienjahr vom Hochfchulausfchuß vcranftaltct wurden; er berührte dabei den empfindlichen Mangel eines Studentenheimes. Die Vertretung der jüdifchen Studentenfchaft an den Hochfchulen wurde in zielbewußter Weife durchgeführt, die bereits beliebenden Beziehungen der jüdifchen Studentenfchaft anderer Länder fowie die internationalen Beziehungen wurden eifrig gepflegt. Nach Begrüßungen durch Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwan g, Dr. Löwenherz (welcher ira Namen des Präfidiums der Kultusgemeinde fprach und den Beftrebungen des HodifchulausfchufTes auf Errichtung eines Studentenheims Unterftützung in Ausficht ftellte), der Herren Dr. Goldhammer (Landeskomitcc), Dr. Kaminka (Allianz) und Schlöfinger (Kuratorium der Menfa Academica Judaica) fowie Verlefung zahlreicher Begrüßungsfchrcibcn fand eine eingehende Ausfpradie über den Rcdienfchaftsbericht ftatt. Hierauf wurde die Neuwahl des AusfchufTes vorgenommen. Zum Präfes wurde abf. jur. David Bukfpann, zum Vizepräfes abf. med. Siegmund S ch a r g e 1, außerdem Ing. Doktor Mandelkern, Bergftein, Mann, Weiler und Zimmcrmann gewählt. Zum Vorfitzenden des Verbandsgerichtes wurde Doktor Eduard Pachtmann, und für ihre Vcrdienfte um den Jüdifchen Hochfchulausfchuß zu Ehrenmitgliedern der „Judäa“ Herr Dr. S. Hirfchhorn und Herr Dr. Max Kiwe gewählt. Mit der Abfingung der Tikevah fchloß die Tagung. Nach dem Halsmann-Prozeß Ein Juristen-Xomitee in Innsbruck — Die Nichtigkeitsbeschwerde Die Veröffentlichungen in unserer letzten Ausgabe über die Hintergründe des Prozesses gegen den Rigaer Studenten Philipp H a 1 s m a n n, der wegen Vatermordes zu 10 Jahren Kerkers verurteilt wurde, halben nicht verfehlt, in der Oeffentliohkeit da6 größte Aufsehen zu erregen. Die gesamte Presse des In- und Auslandes beschäftigt sich mit dem Urteil von Innsbruck, das den jungen Halsmann für zehn Jahre hinter Kerkermauern bringen soll. Die «Stimme» hat als erste Zeitung auf die antisemitische Mache in diesem Falle hingewiesen und konnte alle jene Akte aufzeigen, die zwangsläufig zur Verurteilung des Angeklagten führen mußten. Die Ansichten unseres Innsbrucker Berichterstatters wurden durch die Aeußerungen des Verteidigers Doktor P r e ß b u r g e r, die wir in unserer letzten Ausgabe wiedergeben konnten, bestätigt. Die Bemerkung eines der Geschworenen und eines Hauptbelastungszeugen: «Den Juden werden wir eintunken», wird man nicht vergessen dürfen, um die Entstehungsgeschichte der Verurteilung des jungen Halsmann begreifen zu können. Diese Mentalität durchzieht das ganze Verfahren, von der Entdeckung des Unfalles des Vaters Halsmann bis zur Schuldigsprechung des Sohnes durch die Zillertaler Geschworenen. Hüttenwart E d e r s Argument, «Auf dem Weg kann man nicht abstürzen, das gibt es nicht», haben sich Richter, Zeugen, Sachverständige und Geschworene zu eigen gemacht. Und so mußte schließlich Philipp Halsmann des seift ecklichsten Verbrechens, das man nur ersinnen kann, des tückischen Vatewnordes, schuldig erkannt werden. Die Kerkertüre hinter Philipp Halsmann ist bereits fest verriegelt und es wird wahrhaftig großer Anstrengungen und Mühe bedürfen, um sie wieder zu öffnen. Mutter und Schwester des Unglücklichen weilen noch in Innsbruck und sehen mit Bangen dem Schicksal ihres Sohnes und Bruders entgegen. Man vergegenwärtige sich nur das schreckliche Lu dieser beiden unglücklichen Frauen, die durch eine tragischen Zufall ihres Gatten und Vaters beraub! wurden und denen nun auch der Sohn und Bruder durch ein noch viel grausameres Schicksal entrissen werden soll. Herren und Oamen-Hielder nach nu0 JUieb» 5teff»••wab1- Zkhissg »Mb 0»b»r»la emmts. JoBacmsm laclnca Wien, VI., MariuliUferstraße 107, Tel. B 37.2-88 In Innbruck hat sich gleich nach der. Urteilsverkündigung ein vornehmlich aus Juristen bestehendes Komitee gebildet, an dessen Spitze der Innsbrucker Professor des Strafrechtes, der als Wissenschaftler bekannte Professor R i 111 e r, steht. Dieses Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verteidigung bei ihren Bestrebungen zur Befreiung des Verurteilten zu unterstützen. Wie wir erfahren, hat der Wiener Verteidiger des jungen Halsanann, Dr. Riohard Preßburger, bereits die Nichtigkeitsbeschwerde verfaßt und sie an das Innsbrucker Landesgericht umgehen lassen. Sie stützt sich hauptsächlich darauf, daß wichtigen Anträgen der Verteidigung, die zur Entlastung des Angeklagten dienen sollten, nicht stattgegeben wurde, daß der Angeklagte dem Lokalaugenschein nicht zugezogen und das beantragte Fakultätsgutachten nicht eingeholt wurde. Dem Vernehmen nach wird die Verteidigung auch bemüht sein, zur nochmaligen Durchführung des Prozesses ein anderes Gericht delegieren zu lassen, weil in Innsbruck nicht die nötige Gewähr für die Unbefangenheit gegenüber dem Angeklagten gegeben erscheint. Es dürfte indes noch geraume Zeit vergehen, ehe der Akt durch das Innsbrudkec Landesgericht dem Obersten Gerichtshof in Wien übermittelt wird, der dann über das weitere Schicksal des Verurteilten zu entscheiden haben wird. Wir sind fest davon überzeugt, daß es bei dem Urteil gegen Halsmann nicht bleiben kann und werden stets unsere ganze publizistische Kraft in den Dienst der Befreiung des unschuldigen Halsmann stellen. Jüdische Kolonien in Brasilien von Räubern angegriffen Wie aus New York gemeldet wird, find umherfchwcifende Räuberbanden in das Gebiet der jüdifchen Kolonien der Jewifh ColoniTation Affociation (J. C. A.) in B r a f i 1 i e n eingefallen und haben einen Teil des Vermögens der Koloniften weggeführt. Befonders fchwer heimgefucht wurde die Kolonie Quatro Irnaos, wo cs zu einem Kampfe zwifchen den Räubern und den Koloniften gekommen ift und einige jüdifche Koloniften getötet wurden. Das Treiben der Banden fteht offenbar im Zufammenhang mit der infolge der Grenzkämpfc zwifchen Bolivien und Paraguay um fich greifenden Anarchie. Die Regierung von Braiilien hat in dat Gebiet der jüdifchen Kolonien eine Militärexpedition zur Niederkämpfung des Räubcrunwcfcns entfendet.

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