Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ki me stimme Nr. 52 Sefle 6 81E6M. KOKNMEHL, BroSfleisciihaoepei Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen för HED-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien TX, Bercrgasse 1$ XVtII, Währingerstraße 97 Die Weltkonferenz der Revisionisten in Wien Die Eröffnungssitzung — Jabotlnsky über die Ziele des Revisionismus Am 26. Dezember abends wurde die für fünf Tage anheraumte dritte Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten im großen Saale des Hotel Continental feierlich eröffnet. Sie ist von zirka 90 Delegierten beschickt; von der stärksten Delegation, die polnische, welche 40 Mitglieder zählt, sind erst die Delegierten aus Westgalizien eingetroffen. Palästina hat 5 Delegierte, England ebensoviel entsendet Ferner sind Delegierte aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Frankreich, Griechenland (Saloniki), Lettland, Litauen. Oesterreich, Rumänien, der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten anwesend. Der große Saal war von den Gästen dicht gefüllt, zahlreiche Vertreter der in- und ausländischen Presse waren erschienen. Das Mitglied des Zentralkomitees der revisionistisclien Organisation, Herr Richard Lic'htheim, eröffnete die Tagung mit dem Hinweis auf ihre Bedeutung in einem Zeitpunkte, der als Wendepunkt der zionistischen Geschichte bezeichnet werden könne, und hielt dem im Jänner dieses Jahres verstorbenen revisionistischen Führer Wladimir T i 0 m k i n einen ergreifenden Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Sodann verlas Herr Lichtheim die zahlreich eingelaufenen Begrüßungsschreiben, darunter eines vom Präsidium der Wiener Kultusgemeinde. Nachdem die Konferenz in herzlichen Worten vom Präsidenten der zionistischen Organisation Oesterreichs, Dr. Goldhammer, im Namen des Landeskomitees und von Oberbaurat Stricker namens des Weltverbandes der radikalen Zionisten begrüßt worden war, hielt Wladimir Jabotinsky, der mit rauschenden Ovationen begrüßt wurde, das Referat über die Ziele der revisionistischen Bewegung. Er führte unter anderem aus: «Das zionistische Ziel ist Schaffung des Judenstaates in Palästina, Der Inbegriff eines solchen nationalen Gemeinwesens ist doppelt: jüdische Mehrheit im Lande und nach deren Erreichung Selbstbestimmungsrecht des Landes. Natürlich bedeutet Mehrheit nicht Unterdrückung der Minderheit und Selbstbestimmung schließt nicht aus, daß das Land sich irgendeiner Föderation, z .B. dem britischen Reiche, ansehlicßt. Aber jüdische Mehrheit und Selbstbestimmung Palästinas nach Erlangung der Mehrheit sind die untrennbaren Grundlagen des zionistischen Endzieles. Das ist der Inhalt unserer Lösung «Judenstaat»; das war auch der Sinn der zionistischen Programme vom Anfang der Bewegung, warauch der wirkliche Sinn der Balfourdeklaration. Aber Palästina ist gegen die Interessen dieses Endzieles .verwaltet; dies bezeichnen nicht nur die dem Zionismus, oft dem Judentum unfreundlichen Tendenzen der Palästina-Regierung, die in der Einwanderungssperre und im Klagemauerskandal zum Ausdruck gekommenen sind, sondern noch wichtiger ist die Haltung der Regierung in ökonomischen Fragen, welche die Entwicklung der Kolonisation hemmen. Daher verlangen die Revisionisten die Schaffung eines kolonisatorischen Regimes, weiches durch Gesetzgebung und Verwaltung der Entwicklung der jüdischen Siedlung hilft Auch die zionistische Bewegung wird gegen die Interessen des oben formulierten Endzieles geleitet. Seit je bestelht bei ihren leitenden Organen das Bestreben, die Judenstaatsidee aufrugeben. Die antizionistischen Tendenzen der Palästina-Regierung werden von der zionistischen Seite entschuldigt, ja gerechtfertigt Noch wichtiger ist der Umstand, daß die wirtschaftliche Politik der zionistischen Organisation sich als planlos erwiesen hat; sie hat es nicht verstanden, ökonomische Voraussetzungen für eine gesunde Immigration und Kolonisation zu schaffen; sie hat dazu beigetragen, im Lande eine vorzeitige Klassenkampf'Ideologie zu entfesseln. So ist es trotz der großen Anstrengungen des jüdischen Volkes und trotz der ausgezeichneten Leistungen der Pioniere — aller Pioniere, der Kapitalisten, der Arbeiter, der Intellektuellen — zur Krise der Kolonisation gekommen. Zwar ist es dem Drängen der Revisionisten gelungen, in den letzten Jahren in den zionistischen Reihen ein Verlangen nach Revision unserer politischen und ökonomischen Methoden zu erwecken und auch die Palästina-Regierung ist unter dem Drucke des Jischuw in Palästina gezwungen worden, besonders auf dem Gebiete des Industrieschutzes, einige Konzessionen zu machen. Doch wir sind nooh sehr weit von einem kolonisatorischen Regime in Palästina und von dem Erwachen des zionistischen Gewissens. Die Aufklärung, die Erweckung des zionistischen Gewissens wird durch das Projekt der erweiterten Jewish Agency gefährdet, laut welchem 50 Prozent der Mitglieder jener Körperschaft, welche den Zionismus der britischen Regierung und der Welt gegenüber zu vertreten hat, aus Nichtzionisten bestehen soll. Der Revisionismus bekämpft dieses Projekt der erweiterten Jewish Agency; denn cs bedeutet das Ende der Souveränität des von Herzl geschaffenen Weltkongresses der Zionisten, es ist eine Preisgabe sowohl der demokratischen als auch der nationalen Grundlagen der jüdischen Renaissancebewegung, eine Preisgabe, die sich schwer rächen wird. Dieser Kampf bedeutet jedoch nicht, daß der Revisionismus die zionistische Organisation verlassen wird; im Gegenteil — wir werden, solange noch eitle Hoffnung besteht, Herzls Erbe zu retten, weiter für die Wiederherstellung der Souveränität des Weltkongresses kämpfen. (Stürmischer Beifall.) Wir beabsichtigen auch nicht, die Prärogative der zionistischen LeitungaufdemGebietederpolitischen A r b e i t zu durchbrechen. AbeV die Aufklärung aller Faktoren der öffentlichen Meinung des britischen Reiches und der zivilisierten Welt über die wirklichen Ziele des Zionismus und über die Verwaltung Palästinas, wie sie wirklich ist — sie ist das Recht und die Pflicht des Revisionismus und er wird MisradU-lenfraie Wien Samstag, den 29. d., um 7 Uhr abends im großen Saale des Hotel Stefanie, Wien, 1L Taborstraße 12 Referent: Rabbi Meir Berlin, Jerusalem Thema: Die Vorfälle an der Klagemauer und der Verlauf der Aktionskomiieesitzung in Berlin Inden erscheinet ln Massen! diese Aufgabe durch geeignete Organe weiter verfolgen. Ueber die Form, wie dies geschehen soll, wird diese Konferenz zu beschließen haben. Der arabischen Bevölkerung Palästinas steht der Revisionismus freundschaftlich gegenüber; im künftigen Judenstaate soll ln vollstem Maße Gleichberechtigung aller Nationen herrschen. Was der Revisionismus ablehnt, ist, den Arabern irgendein Vetorecht in bezug auf die jüdische Emigration oder die Verwirklichung des Zionismus zuzuerkennen. Daher sind die Revisionisten gegen jeden Versuch, in Palästina verfrühte parlamentarische oder quasi-parlamentarische Methoden zu schaffen, bevor der Prozeß der jüdischen Immigration seine volle Entwicklung erreicht hat Aus demselben Grunde bestehen die Revisionisten auf Ihrer Forderung nadh einer genügenden jüdischen Wehrkraft (Legion) hn Lande. In sozialer Hinsicht vertritt der Revisionismus die «monistische» Auffassung: während der Kolonisationsperlode müssen alle Klasseninteressen, auch die berechtigtetsten, vor dem alleinherr8chenden Gedanken des Aufbaues des Judenstaates zurücktreten. Zu diesem Zwecke muß die jüdische Bevölkerung Palästinas starke Organe des sozialen Ausgleiches schaffen. Mit diesen Zielen und Forderungen will der Revisionismus der neuen zionistischen Generation, der Generation ohne Ghettotradition, die Herzl nicht sah, aber voraussah, den Weg zu ebnen suchen. » Den Ausführungen Jabotinskys, die an mehreren Stellen von anhaltendem Beifall unterbrochen wurden, folgte das mit großem Interesse aufgenommene Referat von M. Großmmm über das wirtschaftliche Programm des Revisionismus. Redner wies darauf hin, daß die Krise in Palästina wohl gelindert Ist, daß aber die Krise des Zionismus sich Wochen-Kalender Dez. 1928 Gedenktage MB »"Bin 2? Donnerstag 1811 — Dr. Lndvrlg Phtllppson In Dessau geboren. 14—*p 99 Freitag 1869 — der jüdische Arbeiterdichter Morris Rosenfcld geboren. 1893 — der berühmte Wiener Rabbiner Adolf Jcllinck gestorben. 1814 — der Chemiker Prof. Karl Liebermann, susammen mit Graebe Entdecker des künstlichen Altesrlns, in Berlin gestorben. 15-1B 29 Samstag 1863 — der Bildhauer Charles .Samuel in Brüssel geboren. 16 - t8) Hsftaiah W.Jiks eg« jenoj D»rl4 30 Sonntag 1839 — der Volkswirt und Politiker Dr. Max Hirsch, Mitbegründer der deutschen Gewcrkverclno, in Halbersiadt geboren. 1876 — der Lyriker, Novellist und Literaturhistoriker Emil Kuh in Meran gestorben. 17 - p 31 Montag 1888 — der Begründer der Neu- Orthodoxie Rabbiner Samson Rafael Hlrsob ln Frankfurt a. M. gestorben. i8 - rr Jänner 1929 1 Dienstag 1804 — der groBo Physiker Heinrich Horte, der eigentliche Begründer der heutigen Elektrizitfttslchre, ln Bonn gestorben. 19-85» 2 Mittwoch 1915 — der Komponist Karl Goldmark in Wien gestorben. 20 — 3 -— verstärkt hat, die im Fehlen der Begeisterung, der Schwäche der Organisation, dem Stillstand der Einwanderung nach Erez Israel und im Sinken der Einnahmen der Fonds sich am deutlichsten manifestiert. Die Gründe für diese Krise sieht Redner darin, daß in den letzten Jahren ein mechanischer Zionismus geschaffen wurde. Es geht nun darum, an Stelle dieses mechanischen Zionismus wieder einen Massenzionismus zu setzen, indem die Selbsttätigkeitder großen zionistischen Massen organisiert wird, und zwar nicht in bureaukratischer Form, sondern im Wege eines richtig aufgebauten Ueberwanderungsprozesses für die große Masse der jüdischen Kleinhändler und Arbeiter. An die Stelle der «subventionierten» jüdischen "Einwanderung nach Erez Israel muß die Organisierung des «Judentums auf dem Wege naah Erez Israel» treten, an Stelle der Fonds und Budgets allmählich ein System von Gesellschaften für praktische Arbeit. Diese wirtschaftlichen Methoden können nur durchgeführt werden durch den Geist des Glaubens und der aktiven Arbeit, der den kalten mechanischen Beamtenzionismus überwindet. (Lebhafter Beifall.) Am 27. Dezember trat die Konferenz in ihre meritorischen Beratungen ein, über die wir in unserer nächsten Nummer berichten werden. Es hält beim Pogrom Antisemitische Exzesse russischer Arbeiter. Aus Moskau wird gemeldet: Wie das kommunistische Hauptorgan «Prawda» berichtet, sind in den Fabriken in Kostroma antisemitische Ausschreitungen an der Tagesordnung. Die Gewerkschaft einer Fabrik hat die folgende Resolution angenommen: «Die Produktivität der Arbeit unserer Fabrik sinkt in dem Maße, als sich die Zahl jüdischer Arbeiter vergrößert» Dabei sind unter den 450 Arbeitern dieser Fabrik bloß 16 Juden. Aus Ortetowsk wird gemeldet, daß die zur Untersuchung antisemitischer Ausschreitungen in der Fabrikschule zu Rykow entsandte Kommission alle gemeldeten Ausschreitungen des Antisemitismus bestätigt hat. «Nascfoa Gazeta» berichtet, daß zwei Kommunisten im Städtchen M a s i r versucht haben, einen Pogrom durehzuführen. Sie mißhandelten jüdische Passanten und versuchten, die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen. Der Bobruisker Korrespondent der Moskauer Zeitung «Postroika» teilt mit, daß im Dorfe Alexandrowka, Kreis Donatecfhewka, vor einigen Tagen einPogromstattgefunden hat. Der Mob ging gegen die von Juden bewohnten Häuser vor und zerschlug Fenster und Türen. Die Polizei u n d d I e Dorf beamte 11 schaff sahen dem Treiben untätig zu. Auf eine Anklage der mißhandelten Juden hin wurden sieben Huligans verhaftet. Ein jüdischer Parlamentsklub in Rumänien Aus Bukarcft wird uns berichtet: Nach dem endgültigen Ergebnis der Wahlen in Kammer und Senat des Königreiches Rumänien wurden auf den Liften der Regierungspartei in Siebenbürgen die Zioniften Dr. Nobel, Dr. Flieh e r und Dr. Marion, in Ki ldiincw (Dcffarabicn) der Zionift Dr. Landau gewählt. Im Senat erlangten die Z i 0n i ft c n t w c i Sitze, und zwar Dr. Mayer Ebner (ÖuKo wina) und Dr. Theodor F i f di e r (Siebenbürgen). Ferner wurden in BeÜarabicn zwei jüdifchc Kandidaten (Advo-