Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053804--0777-3056079- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 52 DIE STIMME Sette 5 klfirung ab, daß er die von Stephen Wise beobachtete Haltung wohl zu würdigen wisse, aber sowohl den neuen Partnern wie auch der eigenen Kraft der Zionisten volles Vertrauen entgegen bringe. Auf die einzelnen Argumente Dr. Wises erübrige cs sich, einzugehen, da diese in zahllosen Varianten während der letzten vier Jahre vorgebracht und .entkräftet worden seien. Sodann wurden die cingebrachten Resolutionen verlesen. Dr. S o 1 o w e i t s c h i k richtete eine Anfrage an das Präsidium des Aktionskomitees, wie die von der Mehrheit vorgeschlagene Resolution in Einklang zu bringen sei mit der Erklärung des Präsidenten Dr. Weidmann, daß alle Vereinbarungen vom Kongreß zu ratifizieren sind. Präsident M o t z k i n erwidert, das Präsidium sei der Meinung, daß der Kongreß die Vereinbarungen zu ratifizieren hat, die Exekutive habe aber den Auftrag, alle Vorbereitungen so weit sicherzustellen, daß die Jewish Agency sofort nach der Ratifizierung durch den Kongreß errichtet werden kann. Dann folgte die Abstimmung über die vorliegenden Resolutionen. Die von der Exekutive vorgeschlagene Hauptresolution besagt. Das Aktionskomitee spricht seine Befriedigung aus über den Verlauf der Konferenz von Vertretern des amerikanischen Judentums in New York am 20. und 21. Oktober 1928, die sich für den Eintritt der amerikanischen Judenheit in die Jewish Agency, die gemäß dem PalUstinamaudat berufen ist, an der Schaffung des jüdischen nationalen Heims mitzuwirken, erklärt hat. Nachdem die auf Grund der Beschlüsse des Aktionskomitees vom Juli 1928 i:i Berlin geführten New Yorker Verhandlungen ihren Abschluß gefunden haben, ermächtigt das Aktionskomitee nach Kenntnisnahme der Memoranda, die dem Briefe des Air. Marshall vom 20. November 1923 beigeschlossen waren, die Exekutive der Zionistischen Organisation, in der Erwägung, daß diese Verhandlungen den Berliner Beschlüssen weitgehend Rechnung tragen, und in der Erwägung, daß die Ergebnisse der Verhandlungen einen entscheidenden Schritt zur Vereinigung der gesamten Judenheit innerhalb der erweiterten Jewish Agency für den Aufbau von Ercz Israel bedeuten, Mr. Marshall mitzuteilen, daß die Zionistische Organisation bereit ist, im Einklang mit den in den Memoranden enthaltenen Vorschlägen vorzugelien. Das Aktionskomitee erwartet, daß die Exekutive alle notwendigen Maßnahmen ergreifen wird, um die Errichtung des Council der erweiterten Jewish Agency und dessen Einberufung zum frühestmöglichen Termin nach dem 16. Kongreß sicherzustellen. Diese Resolution wurde mit 39 gegen 5 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten zwei Revisionisten, zwei Radikale und Dr. Stephen Wise. Der. Vorsitzende des Aktionskomitees stimmte geschäflsordnungsmäßi" nicht mit Ferner wurde folgender Antrag Remes angenommen: Das Aktionskomitee stellt nochmals fest, daß auf Grund der Beschlüsse des 15. Kongresses der jeweilige Präsident der Zionistischen Organisation das Amt des Präsidenten der Jewish Agency zu bekleiden hat. Einstimmig wurde ein Amendement der Poale Zion und der Hitächduth angenommen mit folgendem Wortlaut: . Das Aktionskomitee stellt fest, daß § 3 des New Yorker Memorandums den vom Aktionskomitee in seiner Sitzung vom Juli 1928 gefaßten Beschlüßen Kraft beläßt, wonach unter der Voraussetzung, daß jede Siedlüngsform den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit und der ökonomischen Selbsterhaltung genügen muß, die F r e i h e i t d e s S1 e d 1 e r s in der Bestimmung der sozialen Form seiner Wirtschaft (Kwuzah, Moschaw oder eine andere Form) gewahrt werden soll. Ueberdies fand folgender Antrag Rubasc'lTow einstimmige Annahme: Das Aktionskomitee nimmt zur Kenntnis die Mitteilung des Präsidenten der Zionistischen Organisation, betreffend die Heranziehung von Vertretern der jüdischen Arbeiterorganisationen in Amerika innerhalb der 40 Prozent der Nichtzionisten in der Jewish Agency. Der A n trag der Radikalen, welcher ausßpriöht, daß die Bedingungen des Aktionskomitees in wichtigen Punkten nicht erfüllt worden seien, wurde in zwei Teilen abgestimmt und mit allen gegen drei bezw. fünf Stimmen a b gelehnt. In seinen Sitzungen von Sonntag, den 23. Dezember, .führte das Aktionskomitee die Spezialdebatte über die Grundsätze und die innere Verfassung der Jewish Agency ab;'für. die- Formulierung 'der diesbezüglichen Punkte Wurde hfhk T^ghed'rige K o m m i s's i o:n; bestehend aus DIREKTE LINIE < -? UND RETOUR Abfahrten jeden zweiten Donnerstag mit den vorzüglichen Salonschiffen „Adria“ und „Carnaro" Fahftdauer mit Berührung von Brindisi 5l/a Tage Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.-.-, II. Kl. Lst. 15.-.-, IH. Kl. Lst. 0.—.— inklusive Verpflegung und Kabine. Chaluzim besondere Ermäßigung. Eine Fahrt Triest—Jaffa—Haifa und zurück kostet in der III. Klasse Inklusive Kabine und Verpflegung bloß österr. Sch. 3*5.—. Familien erhalten überdies noch eine 10-, beziehungsweise 15prozentigc Ermäßigung. Auskünfte: Lloyd Ttiestino, Wien, I., Kärntnerring 6 Telephon U 46-0-53 bis U 46-0-55. den Herren Blumenfeld, Coralnik, Levite, Reich, Klee, Goldstein, Glickson, Nurock, Federbusch, P.emes, Twerski, Tartakower, Soloweitscfnik und Großmann gewählt, die in der letzten Sitzung ihre Vorschläge erstattete; sie wurden der Exekutive Übergaben. In den Sitzungen vom 24. Dezember wurden der politische und der Palästina-Bericht der Exekutive erstattet und erörtert. Dr. Brodetsky gab den Bericht über die politische Arbeit in London seit der letzten Aktionskomiteesiizung. Er erwähnt die wichtigen Ereignisse dieser Periode, insbesondere den Amtsantritt des neuen High Commissioncrs Sir John Chancellor, und berichtet sodann über die Schritte der Exekutive in der Angelegenheit des Vorfalles an der lGagemaue r. Die Exekutive hat ferner mit der Regierung verhandelt wegen der Beschäftigung jüdischer 03ERSCHLE StSCII ENGUSCH UND WSS7PHMISSH Qualtätssorten BMCH, BW ArsQsätinI<37S£r. 32 - Billigst i5.4«.«G3 RabaKsektion des Arbeiter beim Hafenbau i n Haifa, der aus Gründen, die nicht Ynit unseren Angelegenheiten Zusammenhängen, um einige Wochen verschoben werden mußte. Weiter wurde verhandelt wegen der neuen Verordnung über die Regelung des Erziehungswesens, zu der die Exekutive die jüdischen Wünsche vorgetragen hat. Was die Immigration betrifft, so steht die Exekutive auf dem Standpunkt, daß die Regierung die Möglichkeit für eine große AlijaU geben muß; in den Vorschriften bezüglich der Verwandteneinwanderung u. a. wurden Verbesserungen erzielt. Auch in der Durchführung der Naturalisation sind Erleichterungen zu verzeichnen. Der Redner erörterte weiter verschiedene aktuelle Fragen be-züglicth der Regierungsbehörden, ferner bezüglich gewisser arabischer Forderungen, zu denen eine zionistische Stellungnahme erforderlich ist und geht dann über auf die Fragen der politischen Propagancl a und der P r o- Paliistina-Bcwegung in den einzelnen Ländern, insbesondere in England. Unsere ganze Politik, so schließt der Redner, ist aufgebaut auf dem Grundsatz, daß wir nichts tun wollen, was die Interessen der jetzigen Landesbevülkerung schädigt. Wir sind der Meinung, daß unsere Anbeit dem ganzen Lande nutzt, und wir haben das bewiesen. jetzt aber fordern wir von der Mandatarmaeht auch eine positive Unterstützung unserer Bemühungen. Das Referat Uber die Tätigkeit der Palästinaexekutive erstattete Miß S z o 1 d. Sie stellte fest, daß cs der Exekutive gelungen ist, die Schuldenlast, die sie bei ihrem Amtsantritt übernommen hat, erheblich zu v e r k 1 e i n e r n. Was die Kolonisation betrifft, ist die Konsolidierung unserer Siedlungen nicht so vorgeschritten, wie wir gewünscht hätten., erstens wegen der Dürre im letzten Jahre, zweitens wegen des zu kleinen Budgets. Rednerin betont, daß ein zusätzliches Budget von mindestens 20.000 Pfundunerläßlich sei, wenn nicht die dringendsten Notwendigkeiten der Kolonisarionsaibeit versäumt werden sollen. Das landwirtschaftliche Budget beträgt 75.000, nach gewissen notwendigen Abzügen bleiben nur 32.000 für die Siedlungen, das bedeutet, daß viele Siedljer die S i e d 1 u n g e n v erläs s e n werden, wenn wir nicht einen Ausweg finden. Die Exekutive braucht noch 4000 Pfund, ura auch nur den Unterhalt der Kolonisten sicherzusteHeii. Was die Arbeitslosigkeit betrifft, so zählt man jetzt 1632 Arbeitslose, besonders in Tel-Aviv, Haifa und Afule. Das ist keine übermäßige Zahl, aber es ist zu berücksichtigen, daß auch die beschäftigten Arbeiter in keiner besonders £uten Lage sind, weil der Lohnsatz sehr niedrig ist. Wir haben etwa 6000 jetzt zum größten Teil beschäftigte Arbeiter, die auf ö f f e n tj i c h c Arbeiten angewiesen sind. Die Referentin bespricht dann die Fragen der Einwanderung und die Verteilung der neuen Zcrti fikate sowie die Lage in den ihr direkt unterstellten Departements für G c s u n d h e i t und Unterricht. An die Berichte schloß sich eine ergehende Debatte, die in der Montag-Nachtsitzung beendet wurde. Es gelangten dann die übrigen Punkte der Tagesordnung zur Erledigung; die Sitzungen des Aktionskomitees waren auch weiterhin, wie bei den bisher erörterten Punkten nichtöffentlich. Eine längere Erörterung fand die Frage der Ueberführung der Gebeine Herzis nach Palästina Es lag ein Antrag vor, diese Ueberführung noch im Jahre 1929, in dem 25 Jahre seit dem Ableben Herzis verflossen sein werden, vorzunehmen. Dieser Antrag wurde trotz warmer Befürwortung durch den Präsidenten des Aktionskomitees Leo Motzkin, die polnischen Delegierten und den palästinensischen Delegierten Sam Cohen mit großer Mehrheil ab gelehnt und die Bestimmung des Termins der Exekutive, überlassen, nachdem die Exekutive erklärt hatte, daß sie im Sinne des Kongreßbesohlusscs bei dar Durchführung dieser Aufgabe eine ganze Reihe von technischen und juristischen Einzelheiten einer Lösung zuge-' führt hat und die Angelegenheit weiter im Auge behält, wenngleich der Termin der Ueberführung vorkuriig noch nicht festgestellt werden kann. Bei der Abstimmung war eine Anzahl von Delegierten, darunter die amerikanischen sowie Dr. Schallt (Wien) nicht anwesend. Das Aktionskomitee beschloß ferner nach längerer Debatte, daß der 16, Zionistenkongreß am 28. Juli, das ist der 20. Tammus, der 25. Todestag Theodor Herzis, eröffnet werden soll. Die Wahl des Ortes soll die Exekutive im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden des Aktionskomitees treffen. Der Beschluß der vorigen Aktionskomiteesitzung, im Frühjahr 1929 eine Aktionskomiteesitziüig in Palästina abzühalten, wurde neuerlich bestätigt. Ueberdies faßte das Aktionskomite eine Reihe von Beschlüssen, worunter hervorzuheben ist der Beschluß, daß vor der Konstituierung des Councils der Jewish Agency mindestens z v/ e i osteuropäische Länder ihre Vertreter ernannt haben sollen, darunter Polen. G r Li n b a u m gab zum Schluß die Erklärung ab, daß er bis zum Kongreß weiter gegen die Politik' d e r A g e n c y - E r w e i t e r u n g kämpfen wird. Präsident Motzkin hebt in seiner Schlußrede den besonderen Charakter dieser Sitzung hervor, in welcher sich das Aktionskomitee zu einem Schritt von weittragender Bedeutung entschlossen hat. Er betont nochmals, daß die gesamte zionistische Bewegung mit dem Bewußtsein der Stär kedeszionisti sehen Gedankens in die neue Phase eintreten muß. Nach Worten des Dankes von Dr. Halpern für den Vorsitzenden und für das Mitglied der Exekutive Miß Szold wunde die'Sitzung am 25. Dezember früh geschlossen. * Ein A. C.-Mitglied auf dem Wege nach Berlin verunglückt Das amerikanische Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, Herr Adolf Elis aus Pittsburg, ist auf der Reise nach Berlin zur Teilnahme an der Tagung des Aktionskomitees v e r u n g 1 ü c k t. Beim Verlassen des Dampfers «Acquitania» stolperte er, fiel hin und brach ein Bein. Er wunde in das Krankenhaus überführt und wird einige Zeit ans Bett gefesselt sein. Rabbi Meir Berlin kommt nach Wien Rabbi Meir Berlin, der Präsident der Weltorganisation Misrachi, der an den Sitzungen des Aktionskomitees in Berlin teilgenommen hat, ist nach Hamburg zur Teilnahme an einer vom deutschen Misrachi veranstalteten Chaluzkonferenz abgereist, der auch Delegierte aus West- und Osteuropa beiwohnen werden. Von Hamburg kommt Rabbi Berlin nach Wien, von dort nacli Czernowitz zur Teilnahme an der Konferenz des Bukowinaer Misrachi, die am 31. Dezember und 1. Jänner statt findet. An unsere Leser! Wir bringen hie mit zur Kenntnis, dal» das bekannte Musikhaus Excelsior, Wien, I., Adlergaßse 5, und II., Kleine Pfarrgasse 28, sein reichhaltiges Lager in jüdischen und hebräischen Sehallplattem durch die neuesten original amerikandöchen Aufnahmen k&ntotaler und jütischer Gesänge ergänzt hat. Zu Propagandazwecken wild eine große Serie von Schaüplatten an diejenigen Leser Unseres Blattes, die sich auf diese Ankündigung beiufKbTü bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben.