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Die Stimme · 1928-12-28 · Heft 52 (28.12.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 52 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 52 amstag 49. Dez. 1l*9Uhr abends: WeUhomtrefl der Zlonlstfen-Revlslonlsten MEETING im großen Sofiensaale, III., Marxergasse. Redner: M. Großmann (London), Wl. Jabotinsky (Jerusalem), R. Lichtheim (Berlin) und E. Soskin (London). Karten zu S 2.50, 1.50, Stehplätze zu S 1.—. Im Vorverkauf erhältlich ab 21. Dezember im Cafe Atlashof, I., Aspernplatz Nr. 4, sowie in den Buchhandlungen R. Löwit, I., RotenturmstraÖe 22, M.Rath, II., Taborstraße 20 a und an der Abendkassa großen Stil wird die Jugend wieder in unser Lnger führen. Nach der Bildung der Agency müssen wir dahin wirken, daß die anderen wirklich voll berechtigt raitarbeiten. Großma.nn (Revisionist) mein;, daß cs noch heute nicht sicher ist, ob die Jc.visli Agency tatsächlich gemacht sei. Die Exekutive sollte ebensoviel Energie verwenden, um die 50 Prozent, die da sind, die Zionisten, nicht zu verlieren, wie sie sich bemüht, die anderen 50 Prozent zu gewinnen. Die Basis der Marshall- Gruppe ist unsicher. Die Schaffung der erweiterten Jewish Agency ist im Grunde genommen illegal. Wenn Weizmann seine Ausdauer für die Schaffung der Palestine Colonisation Bank verwendet hätte, so hätte er sie auch ohne Agency zustande gebracht. Noch heute ist es möglich, ohne Agency die zionistischen Finanzen- und die Zionistische Organisation zu sanieren imd auszubauen. Eine Kooperation mit den anderen ist ganz gut ohne die Agency denkbar. Die Revisionisten bleiben in der Organisation, weü sie die Hoffnung haben, daß nochmanches anders «kommenkann als die Mehrheit denkt. Remez (Aehduth Awodaii — Palästina) erklärt, daß seine Gruppe für die Erweiterung der Agency ist, verlangt aber, daß die zionistischen Mitglieder der Agency gebunden bleiben, für die volle Erfüllung der Juli-Beschlüsse einzutreten. Ferner müsse das Aktionskomitee in geeigneter Form zum Ausdruck bringen, daß für d-ie jüdische Arbeiterschaft Amerikas der gebührende Platz in der Agency reserviert ist. Es sprechen sodann S p r i n z a k (Hapoei-Hazalr), Tichmann (New York), Grünbaum (Radikaler), H e r z f e 1 d (Achduth-Awodah, Palästina), H n i d e s (Warschau), Brodetsky (Exekutive) und Cohen (Palästina), womit die Debatte abgeschlossen war. Es folgten die Antworten der Exekutive die von Herrn Sacher und Dr. Weizmann erteilt werden. Harry Sacher führt aus: Das Aktionskomitee muß sich die einfache Frage stellen, ob es die Agency will oder nicht. Macht man eine Alliance, dann geht dies nur auf der Basis gegenseitiger Vereinbarung, und keine Seite kann ihre Bedingungen diktieren. Redner rekapituliert die einzelnen Stadien, die die Politik der Erweiterung der Agency in den letzten fünf Jahren durchgemacht hat, und bespricht dann die Verhandlungen in Amerika, deren Resultat er für sehr befriedigend hält.' Wenn die Linke mit der Formulierung Marshalls bezüglich der Siedlungsformen nicht einverstanden ist, so muß man darauf hinweisen, daß in den jetzigen Vor- ^——g——b————m Schriftsteller Ibn Sahaw schreibt gleichfalls einen großen historischen Roman über das Leben Davids. S. J. Agnon, einer der anerkanntesten Erzähler unserer Zeit, dessen neuen Werken man bei uns stets mit besonderer Spannung entgegensieht, hat gleichfalls eine historische Erzählung fertiggestellt. Auch dem historischen Drama wird jetzt größere Aufmerksamkeit zugewendet; der Kritiker und Novellist S. Zemac-li schrieb ein historisches Drama aus der Zeit des zweiten Tempels, Kabak ein Drama aus dem Leben' König Davids und ich selbst habe jetzt mein Drama «Juda Iskariotlu beendet. Das ist ungefähr alles, was bei uns in der letzten Zeit auf dem Gebiete der schönen Literatur geschaffen wurde. Da verdient unterstrichen zu werden, daß B i a 1 i k sich gegenwärtig sehr viel mit dem Schreiben von Sagen, Legenden und Gedichten für« Kinder befaßt. Zum Schluß s,oll noch die Frage berührt werden, inwieferne die neue hebräische Literatur in Palästina als palästinensisch angesprochen zu werden verdient; nicht nur deshalb, weil sie in Palästina geschrieben wird, sondern hauptsächlich deshalb, weil sie aus der Quelle palästinensischen Lebens schöpft. Hierauf v/äre zu erwidern, daß wir eigentlich kein Recht haben zu verlangen, daß die Literatur, die doch organisches Schaffen ist, in der kurzen Zeit einer einzigen. Generation oereits den Prozeß vollführt habe, den die Revolution, welche das neue Palästina in das Leben jedes Einzelnen und der Gesamtheit gebracht hat, bedingt. Es genügt, daß wir die Bemühungen unserer Literatur, palästinensisch auch ihrem Wesen nach zu werden, verzeichnen dürfen. Die neue palästinensische Literatur hilft uns auch in größerem Maße als alle anderen uns zu Gebote stehenden Mittel, den sehr schweren Anpassungsprozeß an unser Vaterland als einen Ort des tagtägliehen schweren und grauen Lebens, der aber gleichzeitig voll ist von erhabenem, nationalem und menschlichem Inhalt, mit Erfolg weiterzuführen. sdi 1-iigen der Kwuzah dieselbe Chance gegeben ist wie jeder anderen Siedlungsform. Es scheint aber, daß die Arbeiterpartei nicht zufrieden «ist mit bloßer Gleichberechtigung der Kwuzah, sondern für sic eine privilegierte Stellung fordert. Sollte dem so sein, so läßt sich dieser Wirnsch nicht erfüllen. Redner spricht zum Schluß noch über die Schwierigkeit, der zionistischen Hälfte der Agency gebundene Marschroute zu geben und tritt für eine vorbehaltlose loyale Annahme der amerikanischen Vorschläge ein. Das Schlußwort Weizmanns wurde unter großer Spannung angehört. Er führte u. a. aus: Ich glaube, daß sogar die Opposition zugeben muß, daß wir -unser Bestes getan haben, um die Juli- Beschlüsse des Aktionskomitees loyal durch zu führen. Unsere Bemühungen bezogen sich in erster Linie auf einen Punkt, der seltsamerweise in der Debatte fast gar keine Beachtung gefunden hat. E$> kam uns darauf an, den Herren, die sich unter dem Eindruck des Expertenberichtes befanden* klar zu machen, daß unsere jüdische Kolonisation in Palästina nicht eine rein technische Frage ist, sondern mit ganz bestimmten Imponderabilien zu rechnen hat, auf die es gerade ankommt. Der Expertenbericht konnte höchstens techmsch-koloniisatorische Ratschläge «geben, aber «in unseren spezifischen Sorgen konnte er uns nicht helfen-. Dies habe «ich im einzelnen klar zu machen versucht mit dem Erfolg, daß wir uns einig darüber wurden, daß der B«enicht nicht unabänderliche Wahrheiten sagt, sondern nur wichtige R l c h 11 i n «i c n gibt, die man von Fall zu Fall gemäß BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S limm'Mmlz lelhSsItillofliek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutsch- Judaica in reicher Auswahl ♦ Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 3 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— ♦ Keine Bandgebühr unseren Realitäten auch ändern1 kann. Diesen ersten Absatz des New Yorker Uebereinkom m e ns -halte -ich für das wichtigste Ergebnis unserer Verhandlungen. Redner spricht dann über die Einzelheiten der amerikanischen Vorschläge und betont, er lege Wert darauf, daß gerade die Linke diesen Resolutionen zustimmt. Da«s Selbstbestcrnmungsrecht der Siedler sei darin nicht angetastet, und gegenüber der negativen Haltung des Expertenberichtes seien die Resolutionen ein gewaltiger Fortschritt. Wir müssen verstehen, daß auch die Geldgeber ein «gewisses Bestimmungsrecht haben wollen. Recjner setzt sich dann mit Ortinbau ms Rede auseinander. Ich habe Grünbamn so verstanden, d'aß er meint: für Palästina ist die Agency vielleicht gut, für Polen ist sie schlecht. Nunbegreife ich sehr gut den schweren Kampf, den Grünbaum zu führen hat und daß ihm alles unwillkommen sein muß, was ihm diesen Kampf noch schw«eirer zu machen scheint. Aber wenn die Frage so steht: Entweder das Tempo des Palästina- Aufbaues beschleunigen oder die nationalle Politik in Polen fördern, dann gilbt es für mich keine Wahl. Denn ich behaupte, daß auch Ihr Nationalismus abhängig ist von dem, was wir in Palästina machen. Ich bin im Zionismus für direkte Aktion, d. h. für Konzen tration der . Kräfte auf Palästina. Und wirkliche Macht in Palästina wird auch nicht bewirkt durch Demonstrationen, die oft wie Karikaturen aussehen, sonderen durch Menschen, Land, Institutionen, ein sich entwickelndes normales Volksleben. Wir stehen jetzt vor einer Wendung. Wenn wir jetzt wieder die Sache verschleppen, dann wird die jüdische Welt das nicht verstehen. Selbst wenn jemand ineint, berechtigte Zweifel zu haben, so wird man uns nicht das Recht zubilligen, wegen eines I-Tüpfelchens den Gang der Dinge aufzuhalten. Ich habe das Vertrauen, daß Palästina das Leben derer, die dafür arbeiten, ändern wird, so wie es mein Leben geändert hat. Darum halte ich nicht viel von Resolutionen und Formeln, sondern das Leben wird es entscheiden, und das Leben arbeitet für uns. Wir sind für die Erweiterungspolitik nicht aus Müdigkeit, sondern aus dem brennenden Wunsch, aus den 600 Zertifikaten, die wir jetzt bekommen haben, 6000 und 60.000 zu machen. Die Realität Palästinas erwartet von uns, daß wir entschlossen handeln. Redner fordert das Aktionskomitee auf, die Resolution«, die von der Exekutive vorgeschlagen werden wird, anzunehmen. In der nächsten, der Abendsitzung des 22. Dezember, gab es eine Sensation; der Vizepräsident des Aktionskomitees, Dr. Stephan Wise der verspätet aus New York eingetroffen war, ersuchte zu dem Gegenstände «Erweiterung des Jewish Agency» trotz des bereits erfolgten Schlusses der Generaldebatte sprechen zu« dürfen; Präsident Motzkin erteilte ihm das Wort und Dr. Wise hielt eine Rede, die starken Eindruck machte. Er wandte sich in seinen mehr als emstünd'igen leidenschaftlichen Ausführungen gegen die Annahme der vorgeschlagenen Anträge und gegen das ganze Projekt der Erweiterung der Jewish Agency. Zunächst protestierte Dr. Wise dagegen, daß die Frage in geschlossener Sitzung behandelt wird. Er sei ein Feind der Gehei mdiplom alle und «werde außerhalb des Saales genau so offen sprechen wie im Aktionskomitee. Das vorgeschlagene Uebereinkommen sei ein Verzicht auf den Zionismus. Dies müsse wenigstens von einem Manne offen ausgt* sprochen werden, und darum sei Redner hier ersehenen Die A b s t i m m u n g i s t i 11 e g a 1, denn der Kongreß hat das Aktionskomitee nicht ermächtigt, auf das Mandat zu verzichten. Der Kongreß hat °wei Bedingungen gestellt, erstens) daß keine Aenderung im Mandat Eintritt, das heißt aber, daß die Zionistische Orgmisation nicht aufhört, die im Mandat genannte Jewish Agency zu sein. Die zweite Bedingung war, daß ein Provisorium von drei Jahren eingerichtet wird. Wir sind Treuhänder des jüdischen Volkes. Unsere Partner aber wollen nicht wirkliche Teilhaber des Mandats sein, sondern nur Helfer, ‘m besten Falle Spender für Palästina, nicht für das jüdisch-nationale Heim. Der beabsichtigte Vertrag mit den Nichtzionisten wird eingehen in unsere Geschichte als ein zweites Weißbuch. Denn die Konzessionen werden nur von unserer Seite gemacht. Die Nichtzionisten haben vielleicht Vertrauen zu einzelnen zionistischen Führern, aber dem Zionismus als Ganzes mißtrauen sie. Di° anderen bleiben ihrer Ueberzeugung treu. Sie wollen Paiä&tina helfen, so wie sie Polen geholfen haben. Palästina wird eine kleine Provinz innerhall) des Tätigkeitsbereiches des Joint Distribution Committee werden. Als nach der ersten unparteiischen Konferenz in Amerika, bei weloher diese Herren ihre Hilfe ftir Palästina zugesagt haben, das Krimprojekt auftauchte, war man sofort bereit, für Rußland zu arbeiten. Damals sprach ich, der ich allein in Amerika in schwerem Kampf stand, vom Primat Palästinas. Als Dr. Weizmann aber kam, hat er meine Erklärung desavouiert. Das war der Beginn der Unterwerfung. Ich habe damals nachgegeben und sogar meine Zustimmung zum- Agency-Plan erteilt, aber ich war der Meinung, es handle sich um eine Agency für den Aufbau eines nationalen Heims, nicht nur um Hilfe für Palästina. Wenn ich wählen muß zwischen Weizmann ohne Zionismus und Zionismus ohne Weizmann, dann wähle ich Zionismus ohne Weizmann. Ich" glaube nicht, daß es notwendig ist, zu allen Forderungen Weizmanns Ja zu sagen. Jetzt ist der Moment, wo wir Widerstand leisten müssen; denn haben wir erst einmal unterschrieben, daun gibt es kein Zurück! Lassen wir das jüdische Volk entscheiden durch ein Plebiszit, ob wir die Jewish Agency sein sollen oder ob wir sie den anderen übergeben sollen. Das Volk wird uns als seine Treuhänder einsetzen. Es ist noch nicht zu spät. Ich weiß zwar, daß die Sache Ihnen bereits als beendet erscheint, aber ich halte es für meine Pflicht, Sie dennoch zu warnen, Sie sollen nicht den Zionismus preisgeben. Nach der Rede Wises gab in der darauffolgenden Naehtsitzung Präsident Weizmann die Erk. Nicht ausdrücklich abbestellfeAbonnemenfs gelten als weiterbestehend!

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