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Die Stimme · 1928-12-28 · Heft 52 (28.12.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 52 (28.12.1928)
Date
1928-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Kr. 52 DIE STIMME Seite 3 daß die Mitgliedschaft der Agency als Ehrenposten an einzelne Notabein vergeben werde. N a i d i t s c h (Paris) ist dafür, so schnell als möglich alle Vorbereitungen zu treffen, damit nach dem Kongreß die Agency organisiert werden kann. L ich t h e i m (Revisionist) kommt zu dem Ergebnis, daß die Bedingungen des Aktionskomitees nicht erfüllt sind, mit Ausnahme des Punktes, der den Nationalfonds betrifft. Zwar hält er die Bedingungen für unausführbar, aber die Mehrheit, die diese Kongreßbeschlüsse gefaßt hat, müsse sich darüber klar sein, daß ihre Bedingungen nicht erfüllt sind. Wir Revisionisten sehen in der Agency-Politik die Zerstörung der Zionistischen Organisation, und wir glauben nicht, daß die Organisation, die man künftighin künstlich aufrecht erhalten will, (iir die neue Generation noch eine attraktive Kraft haben wird. Der Kongreß wird ja nichts Wesentliches zu beschließen haben, das Aktionskomitee wird völlig überflüssig sein. Das fifty-fifty-Prinzip ist ein Unsinn, denn man kann nicht die Judenheit in zwei Hälften spalten. Es ist zu befürchten, daß überhaupt kein lebendiges Organ entsteht, wenn jede Hälfte mit gebundener Marschroute zu den Sitzungen kommt. Die Bewegung steht heute in Gefahr, aus einer nationalen politischen Bewegung zu einer philantropischen Kolonisationsbewegung zu wenden. Manche meinen, dies sei historisch notwendig gewesen, ich glaube es nicht. Ich könnte völlig verstehen, wenn Zionisten heute aus der Organisation austreten und einen neuen Versuch zur Verwirklichung des Herzischen Planes unternehmen. Ich halte aber diesen Weg für undurchführbar. Darum glaube ich, daß wir mit der Tatsache rechnen müssen, daß das neue Gebilde entstehen wird, gegen das wir mit guten Gründen gekämpft haben, und wir werden unsere Kämpfe innerhalb der Agency fortsetzen. Dr. Reich (Lemberg): Man steht .vor vollendeten Tatsachen, und darum ist jede nörgelnde Einwendung bedeutungslos. Wohin kämen wir mit unserer großen, über alle lokalen Interessen stehenden Sache des Zionismus, wenn wir sie unter dem Gesichtswinkel von Stimmungen einzelner Länder betrachten würden? Redner erwähnt zum Schlüsse eine vom zionistischen Parteirat in Lemberg in Gegenwart von Prof. B rode tsky angenommene Resolution, in welcher Prof. Welzmann für das Zustandebringen des Uebereinkommens fn New York Dank und Ancrken n.u n g ausgesprochen wird. Dr. C o r a 1 n i k (New York): Man hat im amerikanischen Zionismus lange gegen die Agency gekämpft und dann aus praktischen Gründen diesen Kampf aufgegeben. Die Zionisten Amerikas sagten sich, daß auf ihnen eine Bürde lastet, die sie nicht allein tragen können. Wir haben ferner erkannt, daß in Angelegenheit der Palästina-Arbeit Neujahrsokkasion: Schwarzatlas, handgenäht von S 15.50 Lackpumps „ » S 22.50 Schlangenlederschuhe ,, S 40. — Die neueste hebräische Literatur in Palästina Von Nathan Bistricki. In Palen weilt ©egonwänt'g, als «frier der- Delegierten des Jüdischen Nationalfonds, -der hebräische Schriftsteller Nathan Bistricki aus Palästina. Im einem Gespräch mit dem Berichterstatter dies «Baint* über Fragen der hebräischen Literatur, gab Bistricki die 'folgenden Daten über die neueste hebräische Literatur: Es ist klar, daß das neue Palästina auf dem Gebiete der scfiöpen Literatur nicht nur die eigenen Bedürfnisr. befriedigt, sondern in gewissem Maße auch die Oaluthländer mit hebräischer Literatur alimentiert. In den letzten Jahren wurde das literarische Zentrum des allweltlichen Judentums nach Palästina verlegt Verschiedene Umstände haben dazu geführt: Zunächst hat das im Aufbau begriffene Palästina allmählich unsere besten literarischen Vertreter an sich gezogen und wurde zu ständigem Wohnsitz dieser unserer geistigen Repräsentanten; überdies ist in Palästina ein natürlicher Leserkreis entstanden, dem das hebräische Buch ein Lebensbedürfnis ist. Und in der Tat kann inan die eigenartige Beobachtung machen, daß z. B. in Polen, obgleich dort viele Tausende organisierte Zionisten und Hunderte von Institutionen der hebräischen Kulturorganisation «Tarbutli» vorhanden sind, das hebräische Buch dennoch nur sehr geringe Verbreitung findet. Polen hat sich nicht einmal stark genug gezeigt, die Einstellung des einzigen hebräischen Tagblattes zu verhindern. Solche Erscheinungen in den Galuthländeru bringen uns erst die kulturelle Lebenskraft Palästinas au vollem Bewußtsein. Auf der einen Seile werden ln Palästina ununterbrochen Bücher auf allen Gebieten der Literatur auf den Markt gebracht, auf der anderen Seite zeigt es sich, daß Palästina auch der Hauptniarkt für die Verbreitung dieser Bücher ist. zwischen Zionisten and NichtzloiHsten keine unverrückbare Scheidewand besteht,Eine neuerliche Verschleppung wäre ein gefährliche Sache. Die Gegenpartei ist über die Lage im Zionismus und in Palästina genau informiert. In Amerika ist die zionistische Bewegung gewachsen, aber nicht genügend, um alle dringenden Aufgaben zu lösen. Für uns bleibt das wichtigste, daß Palästina prosperiert. Stimmungsgemäß mag das Bündnis mit der Großbourgeoisie für manchen unangenehm sein, praktisch aber muß dieser Weg gegangen werden. Wir haben uns redlich bemüht, die A r b e i t e r s c h a f t in Amerika zu gewinnen, es ist uns leider noch nicht gelungen, Wir müssen die Vorschläge der Exekutive akzeptieren und uns vor Verschleppung hüten. Färb stein (Misraohi) erinnert daran, daß er immer Bedenken gegen die Erweiterung der Jewisih Agency gehabt hat. Aber jetzt ist in Amerika etwas Bedeutsames geschehen und heute kann man nicht mehr sagen: man will die Jewish Agency nicht. Unsere Aufgabe ist es nicht, die Vertreter veralteter Ideologien zu verdrängen, sondern sie heranzuziehen. Dr. S ol o we i t s c'hi k (Radikaler) stellt die Frage, womit jetzt die Zionistische Organisation ausgefüllt werden wird. Ausführlich untersucht er die zukünftige Rolle des Keren Kajemeth und dessen Rechte zur Verfügung über die von ihm gesammelten Gelder. Er stellt ferner die Frage, ob die neue Korporation unter der Kontrolle der Agency stehen wird. Die zionistischen Unterhändler haben nicht alle zionistischen Forderungen durchgesetzt, sie haben ihr Mandat nicht erfüllt, daher müssen sie vor den Kongreß treten und ein neues Mandat fordern. Solange der Kongreß seine Beschlüsse nicht abgeändert hat, kann in der Bildung der Agency nicht fortgefahiren werden. Meier Berl.in (Misrachi) spricht ausführlich über die Frage des Nationalfonds, dessen Direktorium er angchört; er schlägt jedoch einige Zusätze vor, die die praktische Durchführung der künftigen Bodenpolitik auf der Basis der amerikanischen Resolution betreffen. B a r a z (Hapocl Hazair — Palästina): Palästina könne sich den Luxus einer weiteren Verschiebung nicht leisten^ Aus dieser Grundeinstellung heraus übt er jedoch Kritik an dem die Kwuzoth betreffenden Punkte der Beschlüsse, der die Forderung des Aktionskomitees nicht erfüllt. Dr. Federbusch (Misrachi) erklärt die Resolution der Marshall-Gruppe für zufriedenstellend und erörtert die Frage, was künftig aus der Zionistischen Organisation werden soll, die nicht nur kolonisatorische Funktionen der Agency hat, sondern darüber hin aus viele nationale Aufgaben. Das Aktionskomitee müsse für den Kongreß einen Plan vonbereitem wie man sich die Zukunft der Zionistischen Organisation vorstcllt. Blumenfeld (Berlin) schließt sich dem Antrag an, das vorliegende Angebot der Marshall-Oruppe ohne weitere Einschränkungen zu ratifizieren. Die Forderungen des Aktionskomitees sind dem Sinne nach, erfüllt worden und nur der eine Punkt, betreffend das Provisorium, ist eine Aenderung, aber eine durchaus annehmbare. Was die Durchführung des Planes der Jewish Agency betrifft, so sei freilich das Projekt auf die Verhältnisse in westlichen Ländern zugeschnitten und man müsse anerkennen, daß sich im Osten Schwierigkeiten besonsonderer Art ergeben. Aber wir müssen der Verschiebung der jüdischen Kräfte in der gegenwärtigen Weftsituafcion Rechnung tragen. Der Zionismus ist in vielen- Ländern und gerade im Osten durch die inneren Kämpfe weit mehr bedroht als durch die Agency. Für Palästina ist die Kraft und der Geist der dort arbeitenden Bevölkerung der ausschlaggebende Faktor; die Kämpfe auch um die soziale Gestaltung werden in Wahrheit im Lande selbst ausgefochten werden. Die Agency wird nur das sein, was die Zionisten daraus machen. In der Sitzung von Freitag, den 11. Dezember, bei deren Beginn der Vorsitzende Motzkki mittoiiitc, daß'an Stelle der verstorbenen Aktionskomrtcemitglleder Doktor Ch a j e s (Wien) und Idol Schwarz (Südafrika) von den allgemeinen Zionisten die Herren Alfred Klee (Berlin) und Dr. Alexander Licht (Zagreb) ins Aktionskomitee delegiert wurden, sprach in Fortsetzung der Jewish-Agcdey-Debattc Glickson (Waad Lctinii — Palästina); er betonte, daß eine prinzipielle Auseinandersetzung über den Zweck der Agency jetzt nicht am Platze seii, es handle sich ausschließlich um das Problem, ob die Bedingungen des Kongresses und des Aktionskomitees erfüllt sind. Der Waad Leumi hat beschlossen., daß seine Vertreter auf strikter Erfüllung bestehen sollen. In den letzten Tagen ist durch das Bekannt werden der zwei Memoranden Manshalls eine entscheidende Wendung zum Guten eingetreten. Redner polemisiert mit den Vertretern den Arbeiter, die den Punkt bezüglich der Kwuzoth für. ungenügend halten. Die Frage des Provisoriums müsse lediglich nach Zweckmäßigkcitspunktcn behandelt werden. Dr. H al p c rn: Die Schwierigkeit bestellt weniger, in der Verfassung der Agency als in der Zukunft der Zionistischen Organisation. Es besteht die Gefahr, daß wir die Jugend verlieren auch ohne Agency. Unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen-, daß die Agency wirklich etwas Großes in Palästina tut und nicht etwa eine bloße Verwaltungsbehörde wird. Eine Aktion im 2f lieiailveM zu Engrospreisen direkt in der Fabrik VII., KaisarstriBe 4I& S9~ Im Stock Am stärksten in der neuen liepiaischen Literatur^ in Palästina ist die L y r i k vertreten. Wahrscheinlich ist dies aus denselben Gründen der Fall, weshalb die Lyrik in der hebräischen Literatur immer stärker vertreten war als die epische Literatur. Möglich auch,, daß es dem Lyriker leichter fällt, das neue eigenartige Leben, das gegenwärtig in Palästina im Entstehen begriffen ist, wiederzugeben, als dem Novellisten und Romancier. Aus diesem Grunde zeigt es sich, daß dieses neue Palästina-Leiben sich mehr in unseren lyrischen Schöpfungen widerspiegelt als in der Erzählung und dem Drama, Auch in letzter Zeit ist in Palästina eine größere Zahl bedeutsamer lyrischer Werke erschienen. Erst vor kurzem kamen zwei Bände des jungen und fruchtbaren Dichters Abraiti S c li 1 o m s k i, des Autors von «Savoj», heraus: «Leaiba ule imma» (An Vater und Mutter), und ein größeres Werk «Bagalgal». Sehr produktiv ist auch Uri Zwi G r ü n b e r g, der nebst seinen bisherigen wertvollen Werken jetzt eine neue. Liedersammlung herausgebracht hat. Harvorgenoben zu werden verdienen noch die jüngsten Schöpfungen des Josef L i c h t e n b a u m und M. S. W o 1 f o w s k i. Die Arbeiten des letztgenannten Lyrikers zeichnen sich überdies durch eine spezifische Stimmung in der Beschreibung der Natur und des Arbeitslebens von Palästina aus. Außerdem hat der Verlag «Dwir» die Palästina-Idyllen von David Simonovits herausgegeben, der als der erste der jungen Dichtergencration bezeichnet werden kann, welcher die Vorwürfe für seine Lieder aus dem Leben des Arbeilerchaluz in Palästina geschöpft hat. Was die Prosa betrifft, so ist in der letzten Zeit eine größere Zahl von Werken erschienen, in denen sich das neue Palästinaleben bis zu einem gewissen Maße widerspiegelt. Besondere Erwähnung verdient das Buch des jungen sephardischen Schriftstellers S c h a m i «Nikmath Aboth», eine wuchtige, farbenreiche Erzählung aus dein Leben der A r a b e r. Das sephardischd Judentum in Palästina | hat uns außer Scharni noch einen wertvollen Schriftsteller gegeben, Jizchak Burlo, dessen Roman «Ischto Hassenuah» in Palästina sehr bekannt geworden ist Von dem Schriftsteller Dow Kinichi erschien jüngst unter dem Titel «Emmesch» ein neuer Roman aus dem Leben des jungen Jischuw in Palästina. Außer den angeführten Büchern, welche ihrem Inhalte und Wesen nach als palästinensische Werke bezeichnet werden können, erschienen in der letzten Zeit in Palästina auch noch andere beachtenswerte Arbeiten einiger talentvoller Schriftsteller. So erschien von kurzem ein Band Erzählungen von Awigdor H a in e i r i, einem Künstler mit starker ausgeprägter Individualität Von demselben Autor erscheinen demnächst weitere Bände Erzählungen und Gedichte. Die Veröffentlichung der gesammelten Werke von A. Rcubeni hat bereits begonnen und letztens ist auch ein neuer Band Erzählungen von A. Barasch erschienen. Betrachtet man genauer die Tendenz, die in der neuen Palästinaliteratur zum Ausdruck gelangt, so hat man die Empfindung, daß unsere Prosaliteratur noch nicht die Kraft und die Möglichkeit aufgebracht hat, dem Thema «das neue Palästinaleben» ganz nahe zu kommen. Vielleicht ist es diesem Umstande zuzusclireiben, daß eine ganze Anzahl unserer Schriftsteller, und Dichter sich jetzt historischen Themen zuwendet In der Geschichte unserer Literatur ist diese Erscheinung nicht neu: So oft sie sich aus irgend einem Grund nicht stark genug gefühlt hat, das neue, im Entstehen begriffene, noch nicht völlig kristallisierte Leben auszudriieken, wendet sie sich der Vergangenheit, der Geschichte zu, uiu mit Hilfe historischer Symbole das Leben der Gegenwart auszudrücken. Auch wenn man diese Feststellung nicht verallgemeinern will, verdient cs jedenfalls als Kuriosum angemerkt zu werden, daß bei uns jetzt die historischen Romane stark in Schwang gekommen sind. So erscheint jetzt im diaulam* fortlaufend der große historische Roman von A. lOlak «Schelomoh Molcho»; der junge Jerusalemer föttaiaa»

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