Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1928)
- Date
- 1928-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053803--0769-3056070- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 10 PIE STIMME Nr, Bl WISSEN / KUNST / LITERATUR Konzert jüdischer Musik Eine der ersten und nach der besten Veranstaltungen, um das moderne jüdisch-musikalische Schaffen zu vermitteln, war das große Konzert jüdischer Musik, welches die österreichische SammeJstellc des Keren Kajemeth zusammen mit der Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs am 15. Dezember im neuen Saale der Hofburg veranstaltete. Die Durchführung dieses Konzerts, das für Wien im Gegensatz zu anderen Städten musikalischen Interesses Ickier noch immer ein Novum bildet, hatte der erst seit kurzem bestehende «Verein zur Förderung jüdischer Musik in Wien* übernommen. Ihm, beziehungsweise dem musikalischen Leiter der Veranstaltung, Herrn Joachim Stutschewsky, der seit langem schon gewissermaßen m Tom und Schrift für die Propagierung des neuen musikalischen Schaffens der jüdischen Künstler bemüht ist, haben wir wohl die vorzügliche Zusammenstellung des Konzertprogramms zu verdanken, das im instrumentalen wie im vokalen Teil das musikalisch Eigenartige in Vordergrund treten ließ. Wenn dennoch in der Abteilung Vokalmusik eine gewisse Einförmigkeit (unter anderem übermäßiges Hervortreten volkstümlicher und kunstmäßiger Wieg/'n- Heder) zu beobachten war, so hat dies wohl seinen Grund darin, daß bei der Vokalmusik mit den Grenzen und dem Charakter sowie den Neigungen der zur Verfügung stehenden Stimmen gerechnet werden muß. Die Instrumentalmusik, die bei dem Konzert geboten wurde, war in charakteristischen und hochstehenden Stücken und Formen vertreten. Die den Abend einleitende Einführung in Entwicklung und Wesen der neuen jüdischen Musik, die der Präsident des Vereines zur Förderung jüdischer Mrrik, Professor Dr. Max Graf, gab, brachte dem Publikum zum Bewußtse’n, daß es sich hier um eine Erscheinung des Volksschaffens handelt, die bedeutungsvoll, weit über den Rahmen völkischer Begrenzung, ist. Die vornehme Eindringlichkeit, mit der Professor Graf auf diesen Umstand hinwies, indem er die Analogie in der Entwicklung des musikalischen Schaffens der anderen Völker, der großen und der kleinen heranzog, konnte ihre Wirkung nicht verfehlen. Die sodann nachfolgenden Darbietungen waren in musikalischem Inhalt und Ausführung erstklassig. Gemäß dem Zusammenhang der modernen jüdischen Musik mit den musikalischen Volksformen sang zunächst Frau Konzertsängerin M. MIsIap-Kapper vier Volkslieder, denen sie im zweiten Teile des Abends fünf Lieder von Joel Engel (dem Begründer der modernen musikalischen Bewegung), Alexander K r e i n, Josef A c h r o n und M. Mi litte r, durchwegs hervorragende Repräsentanten des jüngsten musikalischen Schaffens unter den Juden, folgen ließ. Frau Misiap-Kapper saug diese Lieder mit den jiddischen beziehungsweise hebräischen Originaltexten, die ihnen unterlegt sind. Die mangelnde Beherrschung beider Sprachen beeinträchtigte einigermaßen den Genuß dieser Darbietung. In diesen Dingen müßte auch ein wenig mehr Mut bewiesen werden, als es jetzt der Fall ist; die Musik aller Völker wird, wenn ihre Interpreten die Originalsprach« der Texte nicht beherrschen, übersetzt; so wird die Lieder- und Opernliteratur aller Völker gesungen. Bei der Darbietung jüdischer Lieder gibt es also auch nur zwei Wege: Entweder Interpreten zu nehmen, die die Originalsprachen beherrschen (und es gibt erstklassige Sänger unter ihnen), oder aber die Texte zu übersetzen. Der instrumentale Teil des Konzerts brachte Stücke von L. Z e i 11 i n, Josef A c h r o n und Ernest Bloch für VioJoncell. Herr Joachim S t u t s c h e w s k y, ein Meister dieses Instruments, brachte che Stücke zu vollendeter Wirkung; er beherrscht sein Cello glänzend und sein Instrument bedarf nioht der ihm naheliegenden und von den Virtuosen des Cellos so gern bevorzugten Süßlichkeit des Tones, der bei Stutschewsky frei und voll dem Instrument entströmt Der stürmische Beifall, mit dem jedes Stück belohnt wurde, erreichte seinen stürmischen Höhepunkt, als Stutschewsky eine von ihm selbst bearbeitete ebassidische Tanzweise in hinreißender Rhythmik zum Vortrag brachte; der Künstler mußte das Stück wiederholen. Den letzten Programmpunkt bildete die neue Kindersuite von Josef Acbron für Klarinette, Streichquartett und Klavier, die hier ihre Erstaufführung fand. Ausfiihrende waren das schon gelegentlich einer früheren Veranstaltung an dieser Stelle gerühmte Quintettensembie Hans Levitus (Klarinette), Elsie Stein, Israel Brandmann, Marcel! Dick, J. Stutschewsky (Streichquartett) und Herr Jakob Gimpel (Klavier). Die Suite schildert in zwanzig Themenfolgen das Spielstündchen eines Kindes. Der Komponist hat mit den einfachsten Mitteln geradezu raffinierte musikalische Wirkungen erzielt. Dennoch herrscht wirkliches Empfinden in dieser musikalischen Nippessache, ein Empfinden, das weit über den kleinen Rahmen des Stückes hinausgeht. Das Werkchen stellt Achron, von dem in Wien bereits ein interessantes Violinkonzert zu hören war. in die vordersten Reihen der gegenwärtig schabenden Musiker. Es wurde von den oben genannten sechs Ausführenden mit subtiler Präzision wiedergegeben und errang stärksten Beifall. So war denn dieses Konzert jüdischer Musik ein in Geschlossenheit des Programms und der Ausführung wertvoller Abend, hoffentlich ein Auftakt zu einer Folge ähnlicher den Kenntniskreis des jüdischen musikalischen Schaffens immer mehr erweiterter Abende, die der «Verein zur Förderung jüdischer Musik» wird veranstalten können, wenn er von seiten des jüdischen Publikums in Wien die Förderung erhält, deren er bedarf und die er verdient* E. G. F. Kunstchronik Endlich wieder elMs Neuaullührung der "Hablmah». Das hcbräfsche Theater «Habfmab», dessen Repertoire seit langer Zeit nur aus fünf Bühnenstücken besteht, hat endlich eine Neuaufführnng herausgebracht. Wie uns aus Tel-Aviv gemeldet wird, hat «HaWmah» dort Scholem Alechems Komödie «Goldgräber» (der hebräische Titel lautet «Ha-ozar» =. Der Schatz) vor ausverkauftem Hause in der städtischen Ausstellungshalle zur Erstaufführung gebracht. Das Stück, das von Seholem Alechems Schwiegersohn und hebräischem Uebersetzer seiner Werke J. D. Berkowitz für die hebräische Bühne bearbeitet wurde, fand tri?etsterte Aufnahme. Da« Corpus Juris Civilis In hebräischer Sprache. Doktor Samuel Eisenstadt, der Herausgeber des «Hamischrat» und Dozent für jüdisches Recht an der Rechtsschule der Palästlna^egierung In Jerusalem, hat es unternommen, das Corpus Juris Civilis, den grundlegenden Kodex des Römischen Rechtes, tn hebräischer Sprache herauszugeben. Der erste Band des Werkes, die «Instit"tIones», ist kürzlich erschienen. Tschernlchowsky io New York. Wie aus New York berichtet wird, versammelten sich 2000 Hebraisten in der Cooper Umon Hall, «m dem aus Berlin zu mehrwöchigem Besuch ekngetroffenen hebräischen Dichter Dr* Saul Tschernlchowsky zu huldigen. Die Veranstaltung ging von der Histadruth Iwrith aus. Den Vorsitz führte Abraham Goldberg. Der hebräische Dichter Hille! Bavli, der «Hadoar»-Redarkteur Rybalow und Dr. Z. Feldstein aus Kowno waren die Redner. Tschetnichowsky las einige seiner jüngsten Dichtungen vor. Ein Bruder von Perez Smolenskl gestorben. In Wien verstaub im Alter von 92 Jahren Leo Smolensk!, einstiger Mitredakteur der Haskalah-Zeitschrfft «Haschachar», ein Bruder des Dichters und Haskalah-Vorkämpfers Perez Smolensk!. Arno Nadel vollendet ein Anski-Fragment. In Mannheim fand vor kurzem die deutsche Uraufführung des dreiaktigen Dramas «Die Pest» statt, welches der bekannte Dicbter-Maler-Musiker Anno Nadet nach dem in S. Anskis Nachtlaß gefundenen unvollendeten Legendendrama «Tag und Nacht» deutsch bearbeitet hat. (Eine jiddische Bearbeitung, die Alter Kacizne besorgt hat, wurde vor eifrigen Jahren von der Wllnaer Truppe aufgeführt und hatte durch die geradezu klassische Darstellung der weiblichen Hauptrolle durch die Inzwischen. verstorbene Judith L a r e s großen Erfolg.) Die von Nadel mit vorzüglicher Einfühlung in den Geist ‘der Jüdischen Mystik durchgeführte deutsche Bearbeitung erntete In der Uraufführung in Mannheim großen Beifall. Ist Emil Ludwig ein Forscher? Der kulturhistorische Schriftsteller Emil Ludwig ist seit seinem Buch über Wilhelm II. den deutschen Monarchisten ein Dorn im Auge und sie begeifern ihn in jeder Form. Ein besonderes Stückchen dieser Art hat sich der deutsche Gesandte in Kopenhagen, Herr v. H a s s e 11, ein Schwiegersohn des U-Boot- Tirpitz, geleistet. Emil Ludwig hielt ln Kopenhagen zwei Vorträge; der zweite Vortrag sollte - In der Universität stattfinden; als diese beim deutschen Gesandten anfragte, wußte dieser den Vortrag mit der Auskunft zu verhindern, Emil Ludwig sei kein Forscher. Da dieser Vortrag also nicht statfcfand, sprach dann Emil Ludwig Im dänischen Studenten verein, der Ihn gleichfalls eingeladen hatte. Dem Vortrag folgte ein Diner, wobei der Nestor der dänischen Wissenchaftler, Professor Buhl, gerade den Forschergeist Emil Ludwigs hervorhob, und zwar in Gegenwart des Herrn v. Hassell. Theodore Reinachs Hinterlassenschaft für Schriftsteller. Der vor kurzem verstorbene französisch-jüdische Gelehrte Theodore Rein ach hat ln seinem Testament bestimmt, daß seiu Landhaus bei Beaulieu-sur-Mer, das aus etwa 70 prächtig eingerichteten Räumen besteht, in ein Erholungsheim f ür Schriftsteller umgewandelt werde. Ein Jüdischer Kunstmäzeu. Der greise jüdische Philanlrop Georges BI u m e n t h a J (Paris-New York), ‘ ein bekannter Kunstsammier und Kunstmäzen, der für seine MiHlonenzuwendamgcn an die Pariser Sorbonne, die Ehrenlegion erhielt, hat jetzt dem New Yorker Metropolitan-Kunstmuseum eine Million Dollar gespendet. Eine Uebermamt-Gesamtausstellung io Wien. Unter dem Protektorat der österreichischen Regierung wird im Wiener Künstlerhause anfangs 1929 (wahrscheinlich im Februar) eine umfassende Ausstellung des Lebenswerkes von Max Liebermann veranstaltet werden- Es Ist das erste Mal, daß Liebermanns Schaffen in einem solchen Umfange in Oesterreich gezeigt wird. Die Natlonalgalerie in Berlin, die Kunsthalle * in Hamburg und viele Privatsammler haben schon Gemälde von Liebermann für die Wiener Ausstellung augesagt. Das Kaiser-Frie-drich-Museum in Magdeburg erklärte sich bereit, seine «Judengasse fa Amsterdam» zu leihen. Ein Jüdischer Kunstabend von hohem kulturellen Niveau fand vor einem zahlreichen kunstverständigen Publikum am 13. Dezember im Theatersaale des Hotel «Post» statt. Er war In erster Linde dem jungen jüdischen Sänger J. Sega 1 - R o s e n b a c h zu danken, einem überaus begabten Schüler von Professor Artur Wolf. Herr Segal-Rosenbach brachte jüdische Volks- und Kunstlieder ln außerordentlich geschmackvoller Auswahl, sich nicht mit dem landläufigen Repertoire begnügend, sondern auf Eigenartiges aus dem jüdisch-musikalischen Volks- und Kunstschaffen bedacht. Unter diesen Liedern waren Perlen, wie «A Seiner!», ein Chanukah-Volkslied, Lefkowltz «Mcnasche», Gelbarts «Schneider» (zu dem Text von An-ski). Herr Segal brachte diese Lieder mit einer echten Tenorstimmc, deren großer Umfang geradezu verblüfft und deren Mittellagc vorzüglich aus ge bildet ist; dazu kam echt jüdische Einfühlung ln Geist und Sinn dieser Lieder, gutes musikalisches Empfinden und wirkliches Temperament. Reicher Beifall lohnte den Sänger und nötigte Ihm zwei Opemarien ab, ln denen der lyrische Schmelz seiner Stimme sieb mit sinnlichem Reiz offenbart. Dem schönen Aberd gaben ein Trio von Rosowski, das von Elsie Stein (Violine). Frau Sfein-Gara (Klavier) tmd Herrn Gara (Gello) präzis zu Gehör gebracht wurde, sowie die schorl bekannt-bewährten Scholem-AIajchemvorlesungen von Herrn S* Schwager, alle überaus beifällig aubrennmmen. entsprechenden Rahmen. —I— Neues Jüdisches Theater (Künstlerkabarett, II., Praterstraße 60). Wochenprogramm: Freitag, den 21 Dezember, Erstaufführung von «Landstreicher», Lebensbild Jn drei Akten von Markovitz, Musik von Sch. Schloßberg. Die Novität wird Samstag und Sonntag wiederholt. — Montag, den 24., geschlossen. — Dienstag, den 25., zwei Vorstellungen: um 7.30 Uhr «Die Frau ohne Sprache» und um 10 Uhr «Masei-Tow». — Mittwoch und Donnerstag, Beginn 8*30 Uhr, «Eine Nacht in Kalifornien». Eine jüdische Theatergemeinschaft ln Wien Das Lehrlingshelm «Zukunft» hat gemeinsam mit dem Jugendbund Brith-Hamischmar eine jüdische Theatergemeinscbaft gegründet, die es sich zur Aufgabe macht, Bilder aus dem jüdischen Volksleben aufzuführen. Die Theatergemeinschaft lehnt Jeden Professionalismus ln ihrem Kreise ab und setzt sich durchwegs aus Jugendlichen und Dilettanten zusammen. Ihr Zweck ist eine neuartige Kulturarbeit im Rahmen der jüdischen Jugend und steht die Gruppe jeder Jugend- Veranstaltung zur Verfügung. Eventuelle Wünsche, Anregungen oder Meinungsäußerungen zu diesem Versuch* werden au die Adresse: Jüdisches Lehrlingsheim «Zukunft», IX*, Grüne-Tor-Gasse 26, erbeten. Rätselecke Redigiert von Joto Kreuzworträtsel. V 3 4 ö 8 H 1 Bl" 13 u m 1 “ IR R 16 57*" i» g 1» r B 31 22 -3 H 24 26 l 26 fl 27 a 2» m HO RI“ H;u 83 34 RI“ 36 R B ‘ IR R M ST B 41 H r H 4« R 45 4« R 47 i R 46 ' 4» 5u R 51 H 53 i H 51 H U Sb 56 67 R IB SB 63 K0 61 r 63 r Wagrecht: 1. Verpackungsgewicht. 5. Wüstling. 9, Franz. Revolutionär, ü. Edelkastanie. 12- Spottschrift H. Griech, Göttin des Unheils. 16. Engl, männl. Vorname. 17. Inneres Organ. 19. Welbl. Gestalt aus dem Nibelungenlied. 21. Arzneimenge. 23. Chem. Zeichen für Aluminium. 34. Chirurg. Eingriff. 27. Ohem, Zeichen für Neon. 28. Reinigung. 30. Türk. Gewicht. 31. Skandinav. Scheidemünze, 32. Getränk. 33. Plötzliches Ausatmen durch die Naso. 35. Norweg. Nordpolforscher. 37. Männl- Bibelgestalt. 3ft. Doktor. 41. Leichter Trabwagen. 42. Raubvogel (poet.)- 44. Fertig gekocht. 45. Männl. Vorname. 47. Opferfctach, 48. Bürde. 50. Franz. Artikel. 52. Augenteil. 54. Italien. Bejahung. 55. Vogel* 58. Schlimm, arg. 60. Gesteinskunde. 63. Aekergrenze. 64. Griech. Kriegsgott. Senkrecht: I* Stierkämpfer. 2. Stadt in Finnland, 3. Fluß ln Italien. 4. Nord* Gottheit. 5. Musiknote. 6. Pelaart. 7. Platz, Stelle. 8. Meeresgott. 9. Teilzahlung. 10. Griech. Liebesgott. 11. Stadt in Italien. 13. Kardinalstitel. 15. Griechische# Buchstabe. 17. Nebenfluß der Donau. 18. Dichtungsart. 19. Seltenes Metäli. 20. Stadt in England. 21. Pflanzenstachei. 22. Gewässer. 25. Abscheu. 26. Franz, männl. Vorname. 29. Entwurf. 32. Plattform. 34. Männl. Vorname. 36. Großer Raum. 37. Sturmvogel. 38. Edelrost. 40. Leblos. 42. Universum, Kosmos. 43. Wagenteil. «16 Itedt