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Die Stimme · 1928-12-20 · Heft 51 (20.12.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 51 (20.12.1928)
Date
1928-12-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 51 DR. GOTTFRIED FREÜDMANN U.FRAU WIEN SAMUEL HELLER UND FRAU TEL AVIV LADEN SIE IIÖFLICHST ZUR TRAUUNG IHRER KINDER KAROLINB UND ISIDOR Wir CHE DIENSTAG, DEN 25. DEZEMBER 1928 (10. TEBET11 5689), 2 UHR NACHMITTAGS, TM BET¬ HAUS „ADAS JISROEL“. II., GROSSE SCHIIT¬ GASSE 8, STATTFINDEN WIRD. WIEN-TEL AVIV, T,T DEZEMBER 1928 TE13ETH 5689 GRATULATION NACII DER TRAUUNG: II. BEZ., FRANZ HOOHEDLINGERGASSE LI (BEIJOHANNA DEUTSCH) Sogar die vordem so beliebte patriotische Note mit ihrem denunziatorifchen Unterton ist im Abklingen. Nur noch die Walzen «Religion und Tradition», «Ruhe und Frieden» werden noch eifrig gedreht. Trotz all dem konnte die Union samt, Aguda über 5000, also etwa 47 Prozent aller Wahl-Stimmen, auf ihre Liste vereinen. Also vermochte die Union nicht nur ihren alten Anhang festzuhalten, sondern auch aus dem Reservoir, welches die von uns Zionisten erzwungene Wahlrechtserweiterung schuf, noch neue Stimmen zu schöpfen. Und das nach mehr als 30 Jahren zionistischer Aufklärungsarbeit, nachdem ganze1 Generationen unserer Akademiker ins Leben hinaustraten und einflußreiche Stellungen in der Gesellschaft einnahmen. Und das trotz der knüppeldicken Erfahrungen des Weltkrieges, welcher die große Monarchie, in deren Ordnung sich die Herren Israeliten mehr minder geschützt wähnten, stürzte und in minder standfeste und meist von nationaler Unduldsamkeit beherrschte Kleinstaaten zerschlug; und trotz des Krieges, der ansdem Nichts der türkischen Wüstenprovinz Falestin die strahlenden Umrisse unseres Najionalheims Erez Israel aufsteigen ließ. Warum also stirbt die Union und ihr Ungeist so schwer? Daran trägt jene Reaktion Schuld, welche bald nach den Uebertr-zibungen des Umsturzes überall, daher auch bei uns Juden, ersetzte. Denn «wie es sich christclt, so jüdelt es sich». Benommen vom Wust des Umsturzes, waren die israelitischen Größen zunächst bereit, «in ihres Nichts durchbohrendem Gefühle» resigniert zu verschwinden und die Führung an uns Zionisten abzugeben, deren Aufbauwerk jedermann bestaunen mußte und hinter deren opferfrohem Mut man sich vor der unberechenbaren Laune der entfesselten Volksmassen bergen konnte. Doch das Gewitter zog vorbei- und die Verschüchterten krochen wieder aus ihren Löchern, mit Groll gegen sich und die anderen, daß man sich so geschreckt gezeigt und sogar die süßen Kowedposten preisgeben wollte. Und nun zogen sie wieder alle Register auf, ihre Wähler anzulocken. Diesen Bemühungen kam die angeborene T r ä g h e i t der Menschen .entgegen, die gerne in ausgefahrenen Geleisen trotten; dann die Liebedienerei, die es gern mit den Machthabern hält und — wenn möglich — daraus Nutzen zieht; schließlich die Feigheit, welche .planmäßig, unter den Juden gezüchtet wurde durch Wach- ' halten der A.r.gst vor physischen und wirtschaftlichen Pogromen, wogegen man bei irgendeiner goischen Partei oder Macht Schutz suchen müsse. Nur des Zusammenhanges halber auch paar Worte über die Aguda. Ihre Wut gegen uns Zionisten, welcher Lüge und Verleumdung — zumal gegen unser Palästina werk — dienen müssen, sind der u-nverkenbare Ausdruck jener Ohnmacht, mit der sie übermächtigen Zeitströmungen gegenübersteht, lind des quälenden Bewußtseins seniler Impotenz, hier oder im heiligen Lande etwas Keimfähiges zu schaffen. Uns kann’s nur recht sein, daß die Union ihren unsauberen Pakt mit der Aguda aufrechthält, sich dadurch moralisch blo'ßsteüt und den eigenen Niedergang beschleunigt. Bleibt noch, zur Linken, die Gruppe der «Werktätigen». Auch.sie schnitt bei der letzten Wahl nicht übel ab. Zwar konnten sie ihre fünf Vorstandsmandate nur behaupten, aber nicht vermehren. Dennoch ist es bei Erwägung aller Umstände ein respektables Ergebnis. Bei den Wahlen vor vier Jahren hatten die Werktätigen es deshalb leichter, weil sie gegenüber dem Wahlbündnis von Zionisten und Union alle Unzufriedenen unter der roten Fahne sammeln konnten. Diesmal jedoch waren sie ein. Oppositiorisgruppe neben uns Zionisten. Hingegen wurden die Werktätigen, diesmal durch ihre Spaltung in ein jüdlschnätibnaies Fähnlein behindert, eine Spaltung, welche in den Äugen der breiteren Wählerschaft gewiß bloßstellend war und’auch der snzinldemökrati.scheh Partei eine stärkere Zurückhaltung aufzwang. Wcnrf trotzdem ein so großer Teil der jüdischer! Wähler den Werktätigen Gefolgschaft bot, ist das mehrfach begründet; in der werbenden Jugendlichkeit dieser Gruppe, im Abglanz, welcher von der Macht der Wiener Sozialdemokratie auf sie abfällt, und in der für diese Kreise gewohnten Wahldisziplln. Wir Zionisten aber dürfen nicht vergessen, daß die Werktätigen uns zwar Verbündete von morgen, doch Gegner von übermorgen sind. Diese Auseinandersetzung wird kommen und um so schärfer, falls die Werktätigen nicht gewillt oder nicht imstande sind, ihre Jüdischhcit drüben in der sozialdemokratischen Partei zur Geltung zu bringen. Das Fazit unserer prüfenden Umschau ist klar. Die Bürgschaft künftig er Erfolge auf allen Gebieten, also «auch im Kampf um die Kultusgcmeinde, liegt allein bei u ns Z i o n i s t e n, in unserer eigenen Schlagkraft. Die aber läßt sich nicht gut von Fall zu Fall, knapp vor jeder Kampagne, improvisieren. Diese unsere Kraft muß vielmehr für den entscheidenden Moment auf dem festen Boden der z i o n i s t i s ch e n 0 r ga n isation geschult und hochgezüchtet werden. Deshalb genügt es nicht, daß die zionistische Organisation uns ein bloßes Objekt der Zweckmäßigkeit ist; nein, sie muß jedem pflichtbewußten und verantwortungsvollen Zionisten ein Heiligtum sein, dem er seine tätige Mitarbeit .jederzeit und rückhaltlos zu widmen hat. Der zionistischen Organisation in all ihren Abstufungen und Auswirkungen; also im Rahmen Oesterreichs dem Zionistischen Landeskomitee mit seinen Unterstellen, den Bezirkssektionen und Vereinen, und mit seinen Institutionen, den Fonden und dem Parteiblatt. Und noch eins.' Wir sind eine .d e m o k r a t i s c h e Organisation. Deshalb muß Innerhalb unserer Reihen jeder Meinung und insbesondere jeder Oppositionsregung das Recht gewahrt bleiben, sich frei auszusprechen und für sich zu werben. Fähige und ehrgeizige Männer sollen und müssen vollauf Gelegenheit finden, ihren Anhang zu mehren und ihrer. Standpunkt die Mehrheit zu gewinnen. Aber die jeweilige Mehrheit, von den legitimen Stellen der Organisation ermittelt, ist u-nd bleibt Herrin der zionistischen Beschlüsse. «Freie Kritik und unbedingter BU&HSRSTUBR H. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-f3 M. RATH’S bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband ❖ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutsch- Juda ica in reicher Auswahl * Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— ♦ Keine BandgebGhr Gehorsam» sind die Grundsäulen jeder wahren Demokratie. In diesem Zeichen werden wir österreichischen Zionisten unsere Landesorganisation stärken und ausbauen. Und mit dieser verjüngten Organisation werden wir im nächsten Kultuswahlkampf die jüdische Volksgemeinde in der Stadt Herzls aufrichten. Der zionistische Kultuswahlsieg in Wien Ein Glückwunschschreiben der Exekutive. Aus Anlaß des glänzenden Wahlerfolges der Zionistischen Liste bei den am 2. Dezember stattgefundenen Wahlen in den Wiener Kuitusvorstand ist dem Zionistisehen Landeskomitee eine große Zahl von Glückwünschen zahlreicher Organisationen und Einzelpersonen zugekommen. Die zionistische Exekutive in London gratulierte mit folgendem Schreiben: Wir freuen uns, aus den Zeitungen entnehmen zu können, daß der zionistischen Liste anläßlich der Wahlen zur Wiener Kultusgemeinde ein bedeutender Erfolg beschieden war und gestatten uns, Sie zu diesem Ergebnisse herzlichst zu beglückwünschen. Wir hoffen; daß es den zionistischen Vertretern in der Kultusgemeinde auch weiterhin gelingen wird, fruchtbare Arbeit im Sinne des zionistischen Progrämmes zu leisten. London, 9. Dezember 1928. Organisationsdepartement der Zionistischen Exekutive. Zehnjährige Einwanderungssperre in U. S. A.? Von 1930 bis 1940 Aus Washington wird gemeldet: Im Senat der Vereinigten Staaten ist eine Bill eingebracht worden, die die Einstellung der gesamten Einwanderung in die Vereinigten Staaten für die Zeit von J u l i 1930 b i 8 J u 1 i 1940 vorsieht. Andererseits liegt dem Repräsentantenhaus ein vom jüdischen Repräsentanten D1 c k s t e I n verfaßter Entwurf vor, wonach den zeitweilig in die Vereinigten Staaten hereingelassenen Einwanderern die Aufenthaltserlaubnis Im Lande selbst verlängert werden soll, ohne daß sie gezwungen werden sollen, erst wieder ins Ausland zu gehen, um sich dann aufs Neue eine Einwanderungserlaubnis zu erwirken. Präsident Weizmann beim König von Belgien Ein belgisches Pro-Palästina-Komitee wird begründet Aus Brüssel wird berichtet: Auf seiner Reise von London nach dem Kontinent, die ihn nach Frankreich, Belgien, Holland und einigen deutschen Städten (Köln, Frankfurt a. M.) führt, hatte der Präsident der zionistischen Weltorganisation, Professor Dr. Weizmann, in Brüssel eine Reihe von politisch bedeutsamen Konferenzen. >!r wurde vom König der BelgieY in Audienz empfangen. Der König versicherte Professor Weizmann seiner großen Sympathie für den Zionismus und die jüdische.Arbeit in Palästina und wünschte der Idee des jüdischen Natiönalheinis Erfolg. Präsident Weizmann traf während seiner Anwesenheit in Brüssel auch init dem belgischen Außenminister Hymans, clem früheren Ministerpräsidenten'Emile Vanilervefde, dem belgischen Vertreter in der Mandatskommission des Völkerbundes, Herrn Orts, sowie mit anderen führenden politischen Persönlichkeiten Belgiens zusammen. Der belgische Senator Speyer, : der Führer der Liberalen Partei, gab zu Ehren Dr. Weizmanns ein Diner. Der belgische Außenminister Hymans veranstaltete zu Ehren Dr. Weizmanns ein Frühstück, zu dem diplomatische und politisch«! Persönlichkeiten geladen waren. Dr. Weizmann hielt an der Brüsseler Universität eine öffentliche. Vorlesung über das Thema: «Die Errichtung eines jüdischen Nationalneinres in Palästina.» Er gab einen Ueberblick über die Ge,schichte des Zionismus bis zum Jahre 1919, wo der Völkerbund die Grenzen Palästinas festgesetzt hat. Palästina ist HeuPte kleiner als zur Zeit der Bibel, man wäre versucht, zu sagen, daß der Völkerbund die Bibel korrigiert hat. In dem heutigen Palästina wäre hoch für etwa 750.000 Juden Platz. Es sei darum nicht anzunehmen, daß der Aufbau des jüdischen Nationalheims das wirtschaftliche Problem der Juden Osteuropas lösen wird. Es ist aber die Möglichkeit vorhanden, daß sich die jüdische Aufbauarbeit von Palästina auf die benachbarten L!änder ausdehnen und größeren Massen Juden Siedlungsland verschaffen wird; dies setzt voraus, daß unsere Arbeit im Zeichen des Friedens mit den Arabern vor sich geht. ‘Wenn sich auch das politische Palästina nicht vergrößert, so könnte im ökonomischen Sinn das Nationaiheirn eine Ausdehnung erfahren und große Massen des jüdischen Volkes, die aus der europäischen Wirtschaft hinausgestoßen werden, ein beziehen. Die moralische Seite des jüdischen Problems wird Palästina jedenfalls zur Lösung bringen. Man wirft den Juden vor, daß sie sich in fremde Nationalwirtschaften hineindrängen und überall zu Fertigem kommen. ln Palästina beweisen sie, daß sie eine eigene Wirtschaftaufbauen und es als Pioniere mit allen Völkern aufneihnien können. Mit dem Aufbau des Jüdischen Nationalheimes in Palästina wird die moralische Gleichberechtigung der, Juden als Volk he,rge,stellt Von Brüssel begab sich Dr. Weizmann nach A n tw e r p e n, wo er in einer großen öffentlichen Versammlung sowie in privaten Zirkeln Ansprachen 'hielt. Von Antwerpen trat der1 Präsident die Weiterreise nach H o 11 a n d an. . Tn einem Gespräch mit einem Vertreter der Jüdischen Teiegraphen-Agenrur äußerte sich Weizmann über die Resultate seines Besuches in Belgien. Die offiziellen . Kreise Belgiens, sagte Dr. Weizmann,. stehen unserer Sache sehr freundlich gegenüber. Des Königs von Belgiens positive Beziehung zum Zionismus wird zweifellos' unser Werk günstig beeinflussen. Ich pflog mehrmals Unterredungen mit dem belgischen Außenminister Paul Hymans über Kolonisationsfragen und über Fragen, die mit dem Völkerbund und dem Palästina-Mandat Zusammenhängen. Meine Unterhandlungen mit Emile Vandervelde und Senator Speyer erbrachten p r a k t i s c li e R e s u 11 a t e. Die Konstituierung eines belgischen Pro-Palästina- Komitees ist eine Frage der nächsten Zukunft. Dem Komitee werden Repräsentanten aller politischen Richtungen und unparteiische Persönlichkeiten.beitreten. Auf die Frage, ob die Gespräche mit «len Brüsseler Nichtzionisten wegen deren Beteiligung'an der erweiterten Jewisfo Agency bereits zu positiven Resultaten gek Nicht ausdrücklich abbestellte Abonnements selten als weilerbestehend I

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