Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 DIE STIMME Seite 9 mifchcs Turncn (großer Garten). Täglich von Y% 3 bis 6 Uhr, Auskunft im Sekretariat, II., Untere Augartenftraße 35. Zion.-akad. Verbindungen und Vereine. Donnerstag, den jy Dezember, 7 Uhr abends, im Heim der A. V. „Kadimah“ (I., Bibcrftraße) findet ein Vortrag Dr. Max Kiwe über „Was will die Revifioniftifche Bewegung?" (Probleme der JII. Wckkonfcrenz der Zioniften-Revifioniften). Anschließend DiskulTion. Austritte aus dem Judentum Ella Bauer, 18. April 1904, Wien, led., III., Gärtnergasse 7; Josefine Bock, 28. August 1001, Wien, led., III., Hagenmütiergasse 32; Heirmine Bugna, 27. Oktober 1902, Wien, Jedt, III., Rüdengasse 19; juliette Beck geb. Po 11atschek, 24. Juni 1873, Wien, gesch., XVIII., Lacknergasse 40; Martha Tanssig geb. Löbl, 19. August 1902, Prag, getr., XVIII., Hofstattgasse Id; Weil, 18. Dezember 1895, Wien, verh.. Ingenieur, VII., . ..Aiftgasse 143; Robert Engel, 10. November 1902, Wien, led., II., Karmelitergasse 11; Oskar Ebenstqi n, 19. März 1909, Wien, led., XX., Tra.unfelsgasse 7; Gregor Berste in, 4. Juli 1908, Wien, led., XV., Reuenthalgasse 4; Blanka Turteltaub, 15. Oktober 1914, Wien, led., Dorfstetten, Nieder Österreich; Ernst Amann, 26. November 1910, Olmütz, led., XIII., Einwanggasse 25; Margheritta Al das, 22. Mai 1902, Wien, led., IX., Währingergürtel 168; Helene Brando vel Brojdo, 10. Oktober 1909, Wien, led., IV., Blechturmgasse 22; Albrecht Berger, 26. Februar 1895, Obermais, led., IX., Garnisonsgasse 7; Kalman Braun, 26. August 1905, Drosdowa, led., IX., Löblichgasse 7; Amelia Fischer, 3. Oktober 1903, Wien, led., 11., Nordwestbahnstraße 23; Alexander Kästner, 28. Dezember 1903, Jaroslau, led., XIII., Zeheiitnergasse 19; Fanm Messing geb. Potlaoh, 16. Mai 1885, Briskowitz, verh., XIII., Diesterweggasse 15; Adolf Fanti, 29. April 1900, Wien, Tanzmeister, XVII., Lienfetdergasse 98; Arthur Hirn schal, 14. November 1897, Wien, led., VI., Gumpendorferstraße 63g; Friedrich Cohn, 20. Dezember 1899, Wien, led., VI., Eszterhäzygasse 15 a; Dr. Viktor Krausz, 8. Oktober 1887, Wien, led., VI., Chv/allagasse 2; Mathilde Bombach, 26. September 1891, Wien, led., XVIII., Gentzgassc 29; Margarete Wit (Löwit), 1. Oktober 1893, Wien, led., XVIII., Messerschmidgasse 28; Elsa Kohn geb. Speer, 14. Dezember 1896, Wien, verh., XV., Pilgntnigasse 22; Lili Nagel geb. Waldner, 13. August 1900, Budapest, verh., XV., Stageigasse 3; Bruno Nagel, 22. Jub 1900, Wien, verh., selbe Adresse; Katharina Freiwillig geb. Gsur, Czernowitz; Selma Pick, 3. Oktober 1904, Nachod, led., XVIII., Bastiengasse 50; Elise Grün, 12. Oktober 1910, Wien, led., II., Lassallestraße 42—48; Elsa Fritz, 13. Dezember 1906, Wien, led., II., Novaragasse 32; Irma Grünberg, 24. Jänner 1902, Schönbich1, led., I!., Fugbachgasse G; Emilie Scharf geb. Arzt, 16. Juli 1875, Lancut, verw., VII., Noustiftgasse 107; Leopold Knopp, 14. Februar 1907,. Wien, led., IX., Grüne Torgasse 31; Moses Markus Meiseis, 19. Februar 1877, Lemberg, getr,, IX., Türkenstraße 24; Leo Meis eis, 16. Dezember 1921, Wien, selbe Adresse; Dr. Josef Wilder, 13. Februar 1895, Drohobycz, led., VIII., Feldgasse 20; Dr. Albert Lauterbach, 24. Juni 1904, Drohobycz, led., IV., Wohllebengasse 15; Theodor Meisl, 20. Jänner 1886, Wien, XVII., Wurtitzergasse 89; Friederike Schiff geb. Berdach, 10. April 1901, Wien, verh., III., Neulinggasse 23; Elisabeth Gawlik geb. Porges, 18. September 1895, Troppau, verh., XV., Chaiusseestraße 12; Hermine Abelles geb. Molndr, 6. Juni 1881, Nagybojan, verh., III., Keilgasse Nr. 15; Erwin Keßler, 25. April 1902, Neulehota, led., III., Kegelgasse 30; Ignatz F i s c h e r, 25. März 1881, Wien, led., VIII., Josefsgasse 5; Eugenie Frankfurter, 12. November 1898, Wien, led., I., Kumpfgasse 6. Miszellen Palästiuawanderuag im September! Laut der offiziellen Statistik sind im Septennbr d. J. 282 Personen, darunter 176 Juden, in Palästina eingewandert; im gleichen Zeitraum wauderten 234 Personen, darunter 133 Jude n. aus. * EJue anonyme Keren-Hajessod-Spende. Ein Bankier in Paris, der ungenannt bleiben will, hat für den Keren Hajcssod 1ÜU.OOO Francs gespendet. ♦ Das Aitcrtiimerdcpartement der Palästinarogicrung stellt gegenwärtig in der Umgebung von Athlit Untersuchungen an, da sich dort im Zusammenhang mit der Auffindung einer größeren Höhle eine Anzahl von Gräbern und Werkzeugen aus der Steinzeit und späteren Perioden gefunden haben. Nach dem Bericht des Departement? wird es notwendig sein, weitere Grabungen vorzunchmen, um festzustellcn, welche Bedeutung die aufgefutidenen Steine und Reste alter Baukonstruktionsn haben. * Iu der letzten Sitzung der Stadtverwaltung von J er u s a 1 e m wurde das städtische Budget für das Jahr 1929 festgesetzt. Es beträgt 70.338 Pfund, davon 12.000 Pfund für Straßen- und Wegebauten. Die städtische Straßenrclnigung soll einem Unternehmer übergeben werden. Wie «Dawar» berichtet, soll im April 1929 die vierte Palästina-Ausstellung in Tel-Aviv stattfinden, bei der in der Hauptsache Erzeugnisse der Landesproduktion ausgestellt werden sollen. Während der Ausstellung werden auch verschiedene Tagungen unter Teilnahme ausländischer Delegierter stattfinden. Man rechnet damit, daß anu.i Lord Melchett an der geplanten Konferenz der Vereinigung der Industriellen Palästinas tellnehmen wird. Das Budget der Palästina-Regierung für die ersten neun Monate des Jahres 1928 weist ein Defizit von 673.463 Pfund auf. Hauptsächlich ist das Defizit durch die im September getilgten Anleihe- und andere Schulden in Höhe von 679299 Pfund verursacht worden. Der Verlag der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung «Doar Hojom» wurde von der Regierung aufgefordert, eine Summe von 100 Pfund als Garantie gemäß dem Ein großes jüdisches Konzert in Wien Der unter dem Präsidium des bekannten Musikhistorikers und -Kritikers, Prof.. Max Graf, stehende «Verein zur Förderung jüdischer Musik», über dessen wertvolle Ziele und bisherige Tätigkeit in unserem Blatte bereits mehrfach berichtet wurde, wird demnächst mit einer großen jüdisch-musikalischen Veranstaltung in die Öffentlichkeit treten. Der Verein arrangiert ein vom Keren Kajemeth und der österreichischen Frauenorganisation «W1ZO» veranstaltetes Konzert, das am 15. Dezember, 8 Uhr abends, im Neuen Saal der Hofburg, stattlinden wird. Es werden Bearbeitungen jüdischer Volkslieder von Engel, Schitomirsky und Groß, Lieder von Milner, Krein, Engel und Achron sowie jüdische Kunstmusik von Achron, Skutschewsky, Ernest Bloch und. Krein durch erstrangige Musiker zu Gehör gebracht werden. Der Abend wird, wie das hier kurz skizzierte Programm andeutet, einen Ausschnitt aus den wichtigsten Gebieten jüdischen musikalischen Schaffens geben, und dürfte schon deshalb größtem Interesse begegnen. Ein namhafter Teil des Ertrages fällt dem Keren Ka. lern e t h zu. Nur noch wenige restliche Karten im Keren Kajemeth, Wien, I., Kärntnerstraße 28 (Tel. R 27-4-85, R 27-4-86), bei den Mitgliedern der «WIZO» und in der Buchhandlung M. Rath, II., Taborstraße 20 a, Tel. R 43-1-58. ♦ Es wird aufmerksam gemacht, daß pünktlich um 8 Uhr der Beginn des Konzertes stattfindet. Während der einzelnen Nummern ist der Eintritt nicht gestattet. Die Gesinnungsgenossen und -geriossinnen, die Karten zum Verkauf übernommen haben, werden gebeten, ehestens zu verrechnen. Musik-Schauspiel Von Salomon Rosowski (Jerusalem). Der paläftinenfifchc Komponift, der die Mufik zum Schaufpiel „Jaakob und Rahel“ für das „Ohel"-Theatcr gefchricben hat, Hellt uns folgende Zeilen zur Verfügung, die wir ihrer allgemeinen Bedeutung wegen gerne veröffentlichen. In meiner Musik zu «Jaakob und Rahel» war ich bestrebt, den üblichen Charakter einer «Bühnenmusik», welche sich meistens auf die Untermalung oder das Illustrieren der Bühnengeschehnisse beschränkt, zu erweitern und ihr eine musikalisch stärker ausgeprägte Form zu geben. Alle Vorgänge auf der Bühne sollten von der Musik aus geleitet, durch die Musikformen bestimmt werden. Durch Verschmelzung von Wort und Klang suchte ich die Idee des Sprech-Musik- Dramas zu verwirklichen. In unserer Zeit, da man erneut von einer Opernkrisc und einem Untergang des Dramas das sicherlich nicht die Glanzzeit seiner Entwicklung durchgeht — sehr viel spricht, könnte vielleicht gerade das Drama durch eine Vermählung mit der Musik und einer einheitlicheren Gestaltung neue Impulse, neue Ausdrucksmöglichkeiten schöpfen. Die Erneuerung des Schauspiels durch eine neue musikalisch-theatralische Technik würde sicherlich dem heutigen Zuschauer-Zuhörer näher kommen als das bisherige Musikdrama (Oper) und Sprechtheater (Schauspiel). Diese neue Form des Musikschauspiels könnte für uns Juden von ganz besonderer Bedeutung werden. Ist es nicht gerade dem Juden gegeben, auf diesem Gebiete Neues zu schaffen? Hier in der Gestaltung des wechselnden Sprechgesanges, das uns aus dem Gottesdienst so vertraut ist. In der Art, wie unsere heiligen Bücher «gelesen» werden (Kantillation) — bei den Ostjuden von einer ungewöhnlichen Expression getragen —, in dem fortwährenden Uebergang vom Lesen zum Singen, vom Singen zum Lesen, in der Exaltation der Klagerufe und der dramatischen Akzente besitzen wir die ursprünglichen Voraussetzungen des Sprech-Musikdramas. Es wäre nun diese Form des Musikschauspieles auszubauen, zu vertiefen und zu einem geschlossenen Theaterwerk zu ^-stalten. noch geltenden ottomanischen Gesetz zu hinterlegen. Diese Maßnahme der Regierung, die sich ausschließlich gegen «Doar Hajom» richtet, hat im Lande großes Aufsehen erregt; man bringt sie in Zusammenhang mit der neuen politischen Richtung der Zeitung «Doar Hajom», die durch die Uebernahme der Redaktion durch Wladimir Jabotin s k y bedingt ist. * Aus T e 1 - A v i v wird gemeldet: Zwei linksgerichtete Arbeiter und zwei Arbeiterinnen wurden zu je zwei Monaten Gefängnis v/egen Mißhandlung von Polizisten bei den Demonstrationen am Tage nach der Razzia im Poale-Zion-Xiuö verurteilt. Dr. Präger liest jüdische Schwänke Man fagt Verlegern allerhand nach — mitunter fogar Gutes; doch daß ein Verleger Humor hätte, ifl bisher aus der Erfahrung nicht bewiefen. Aber wie fo viele Grundfätze, muß auch diefer revidiert werden, denn liehe, da iffc ein Verleger, der Humor hat! Denn nur wer wirklichen Humor befitzt, kann Humoriftifches fo unraffiniert vergnügt Vorbringen, wie cs Dr. Max Präger tut, wenn er jiidifche Schwänke erzählt. Er hat jüdifchc Schwänke in einer deutfehen Sammlung hcrausgegeben und macht Propaganda gegen diefe deutfdic Bearbeitung; denn wer ihn diefe Gefchiditen in der OriginalfafTung erzählen hört, dem muß die in Dr. Prägers Verlag erfchienene Bearbeitung arm und fdial crfcheinen (wertvolles Bekenntnis von einem, der an diefer Bearbeitung mitfchuldig ift). Ein Verleger alfo, der gegen fein Buch arbeitet — bedarf cs noch eines Beweifes, daß er Humor hat? Präger erzählt jüdifchc „MaalTcs“. Ohne alles, was man gemeiniglich „Mittel“ nennt (MaalTes kann man ja nur ohne jede Technik erzählen, denn fie fpotten jeder Technik in ihrer merkwürdigen Formlciigkeit, hinter clcr fich ftrengfte Konzentration verbirgt). Er erzählt etwa vom „Ness afn jam“. Eine alte Gefchichtc. Von dem Sack Aepfei, dem Chinefen und dem Juden, die während eines Sturmes auf dem Meer über Bord geworfen werden, dann wie weiland Jonas der Prophet dem Bauche eines Walfifches entfleigen; und liehe, es zeigt (ich: Der Jude verkauft dem Chinefen die Aepfei. Die Gefchichte hat eine Pointe, die böfe und gut zugleich ift; Präger macht aus diefer Pointe ohne alle Mätzchen den Schlußfatz einer Symphonie, die „Stärker als das Leben“ heißen könnte; bis zu diefem Schlußfatz aber durchleben wir eine ganze Odyffec, mit heiligen und unheiligen Schauern, zwifchen die lieh in dem Augenblick, wo der Jude dem rafenden Element geopfert wird, aus Prägers Mund ein tonlofes, in feiner Schickfalsergebenheit überwältigend komifches „fartig“ fehiebt. Generalpaufc. Und über der jäh geglätteten See fteigt eine gute Sonne auf, verkörpert durch des Vorlefers immer runder emporfteigenes Gefleht und führt zur Rettung, zum Sieg des Juden über das Leben. So erzählt Präger derlei Maaffes, und das Lachen, das fie wecken, kommt aus reiner Freude. Es ift die Freude an der Lebenskraft, die der Jude, wo fein Wefen wahrhaft und ungebrochen ift, empfindet. Diefe vitale Freude ift das Geheimnis des echten jüdifchen Humors, und fic kann Präger 'wecken, wenn er die luftigen jüdifchen Gefchiditen lieft. Das ift feine Kunft; fie ift das Leben, aus dem fie fchöpft. S. S. Saul Chajes: Tagesereignisse Im Jahre 1836/37. (Randnotizen eines Rabbiners zum Kalender 5597. Sonderabdruck aus den «B’nai B’ri.th», Mitteilungen für Oesterreich, Heft 7/8, Wien 1928.) Unter den Handschriften der Wiener Kultusgemeindebibliothek befinden sich interessante Randnotizen, die der philosophisch gebildete Rabbiner Chajjim Josef Pollaik aus Trebitsch (1798—1879), der Kommentator des berühmten r eh gio nsp hilosop hi sehen Werkes «Akedath Jizchak» des Spaniers Rabbi Isak Arania, zu einem Kalender gemacht hat. Diese Notizen hat nun vor kurzem der Archivar Saul Chajes in deutscher Uebertragung herausgegeben. «Der Inhalt dieser Aufzeichnungen?, schreibt der Herausgeber, «ist für das allseitige Interesse des Schreibers bezeichnend. Er gibt ein Bild des Denkens und Trachens, der Freuden und Leiden eines frommen jüdischen Gelehrten.... Tief erschüttert verzeichnet er, daß zu seinem Herzensteide in Safed, «der heiligen Stadt Palästinas», während eines Erdbebens vierzelintausend Menschen ihr Leben verloren hätten. Er freut sich über das mißlungene Attentat auf Ludwig Philipp I. „Der Ewige rettete ihm vom Unglück.“» Auch andere Aufzeichnungen erwecken Interesse. So notiert Rabbiner Pollak im Monate Kistew, es sei ihm berichtet worden, daß in England ein Luftschiff erfunden worden wäre, das in drei Tagen von London nach Koblenz Elüge. Von Revolten in Spanten und Portugal berichtet uns Rabbiner Pollak im Monat Schewat. Als Kuriosum bringt er die Nachricht, daß in Spanien ungefähr eine Meile vom Flusse Minho ein Berg zur Hälfte sich spaltete und aus beiden Hälften viel Wasser , das nach Pech und Schweüd roch, hervonstürzte, wodurch 17.000 Bäume entwurzelt wurden. Im Monat Ijjar berichtet uns der Schreiber, daß der Philanthrop Salomon Heine, Onkel des Dichters Heine, in Hamburg eine Kreditkasse mit einer Einlage von hunderttausend Mark Batrco errichtet hätte, d;e auch Nichtjuden gegen zwei Prozent Zinsen Kredit gewähren sollte, wenn die Juden in Harn- WISSEN / KUNST / LITERATUR