Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Ukraine 2× ep/1001131
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 50 t I T, ■t «i .■ v: ' H , mm 1" fck Der Gesamtvorstand der Zion. Sektion Prater gratuliert seinem Vorstandsmitglied Herrn Fürsorgerat Chaim Dörfler zu seinem 50. Geburtstag. . 1 Legat befaßt. Die Majorität des Magiftrats, die aus polnifchnationalddnaokratifchen Antifemiten bcfteht,1 hat nun abermals befchlofTen, das Legat zurückzuweifen und blieb auch bei der früheren Begründung, daß in Bromberg keine armen Juden wohnen . . . Kommentar überflüffig. Friedhofsschändungen Nr. 68 und 69 in Deutschland Bereits vor längerer Zeit waren auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in F i s c h a c h in Bayern acht große Grabsteine umgeworfen aufgefunden worden. Zutn Teil waren sie mit dem Sockel umgestürzt, zum Teil zur Hälfte zerbrochen. Da der Friedhof hoch und frei liegt, war man anfänglich der Ansicht, daß die Steine durch einen Sturm umgesturzt worden wären, zumal sic keine weitere Beschädigung aufwiesen. Ende Oktober wurde nun aber wiederum festgestellt, daß Grabsteine. u mgeworren waren. In diesem Falle konnte jedoch ein-* wandh-ei festgestellt werden, daß die Tat -von Menschenhand verübt worden sein mußte. Anfangs bestand der Verdacht, daß Kinder die Tat begangen hätten, jedoch konnte ein Nachweis hiefür nicht geführt werden.; Wie erst jetzt bekannt wird, ist der jüdische Friedhof kl Rosenberg (Ostpreußen) bereits Vor längnerer Zeit von Friedfcofsch ändern heimgesucht worden. ' Die Landesvertretungswahlen in der Tschechoslowakei und die Juden Ans Prag ward uns berichtet: Bei der. Wahlen in die Landesvertretungen der vier Landesteile der tschechoslowakischen Republik hatten die Juden in drei Gebieten (Mähren-Schlesien, SJovakci und Karpathorußland) eigene Kandidaturen aufgesteMt; in, Böhmen war dies nicht der Fafi. Die Erfolge der jüdischen Kandidaturen waren sehr gering. In Mähren-Schlesien hatte die j ü d ische Partei mit dem polnischen Volksverband einen Wahlpakt geschlossen und erhielten zusammen 29.585 Stimmen. Die Wahlzahl in Mähren betrug 39-930, somit ging die polnisch-jüdische Wahlpartei leer aus. In der Slowakei erhielt die J ü dis che . P a r t ei 45.239 gültige Stimmen. Die Wahlzilfer betrug 35.718. Die Judenheit der Slowakei wird somit durch 1 Mandat (Generaldirektor Albert Gestettner) im Landtag vertreten sein. Im zweiten Skrutinhtm betrug . die Wahlziffer 26.180. Die Reststimmen der jüdischen Wahlpartei, die mit den kleinen Landwirten gekoppelt hatten, betrug zusammen 23.182, hätten also fast noch ein zweites Mandat erreichen können. In Karpathorußland bekam die dort ausgesprochen zionistische Gruppe der jüdischen Partei nur 6838 Stimmen, konnte also kein Mandat erlangen. Sie batte den gesamten Verwaltungsapparat gegen sich, der bei diesen Wahlen ausschließlich für die tschechische Agrarpartei arbeitete; die A g u d i s t e n leisteten den um die Fre;heit durch Wissen vorüber. Seine Jugend in seiner Geburtsstadt in Pest, umglänzt von dem Lichte frühzeitiger Erwähltheit, seine Wanderjahre vom Kreml bis zur Alhambra, die Zeiten, da seine Mahnerstimme machtvoll durch'die Welt tönte, seine glücklichen Jahre in Paris und jene düsteren Stunden, da sein geliebtes Frankreich inr Kriegswahnsinn sich an den greisen Kämpfer für Frieden und Glück der Menschheit vergriff, das Exil in Madrid und die letzten schweren Jahre dieses langen reichen Lebens, — all das zieht in plastischer Lebendigkeit an uns vorüber. — .Weiten Raum nehmen in dieser. Schilderung die Zeiten,ein, da Nordau zu Herzl und zu seinem Volke kam, den Zweck seines Lebens erfüllen. Ebenso unerbittlich wie konsequent in seinem ganzen Denken war Nordau auch in seinem zionistischer» Willen. Er schenkte keinem Gegner der neuen Bewegung auch nur ein Quentchen. Kompromiß, er war aber auch in der Bewegung selbst für keine Rücksicht auf Umstände und Verhältnisse zu haben. Auch zu der Zeit, da die Balfour-Deklaration dem zionistischen Ziel die realpolitische Grundlage gab, war Nordau der Vorkämpfer eines kompromißlosen Maximalismus. Aus den Monaten, da er in London wirkte, um mit Weizmann und SokoIöw die'aus der neuen Lage sich ergebenden Arbeitspläne zu entwerfen, bringen die Erinnerungen zahlreiche Briefstellen, aus denen Nordaus zionistische Konzeption, freilich in mancherlei Verbitterung gehüllt, deutlich sichtbar wird. Er warnte damals vor der Konzentration der Arbeit auf das bloße Geldsammein und in seiner heftigen, manchmal maßlosen Art, aber im Grunde mit klarer Seelenkenntnis erfaßte er die Psychologie der verschiedenen kleinen Gernegroße, welche ihre Zeit für gekommen ansahen, ura neben den berufenen Politikern - ihr Machertum in Szene setzen zu können, jener «kleinen Emporkömmlinge, die da glauben, Meister der Situation zu sein und den Zionismus die Methoden, das Vorgehen und die politischen Taten des Kaisers, Bismarcks und Betman Hohlwegs parodieren.» Diese Sorte hat sich seither reichlich' vermehrt-, vielleicht liegt es daran, daß die große zionistische Konzeption"sich viel zu s^hr verengt hat. Einer ihrer stärksten Kämpfer, trotz aller seiner Menschlichkeiten in die Dauer reichend, erwartet in ßrez Israel, ein stummer Mahner zur großen Zukunft des Volkes, das Ende der Tage, tschechischen Agrariern die übliche Schützenhilfe, indem sie eine «jüdische Agrarpartei» für die Wahlen schufen; diese uud die ebenso mit der Regierungsliste verbundene «jüdisch-republikanische Partei» brachten zwei Kandidaten (Bela Ktoo und Moses Gattmann) durch., Die jüdischen Kreditgenossenschaften In Polen Wie den Berichten der American Joint Reconftruction Foundation, welche das jüdifche Kreditgenoffenfchaftswefen in verfdiiedenen curopäifchen Ländern unterftützt, zu entnehmen ift, waren am 30. Juni 1928 dem Verbände der jüdifdien Genoffenf«haften in Polen 411 Kreditkaffen und 47 genoffenfchaftliche Mittelftandsbanken angefdilolTen. Die Kreditkaffen zählten am 30. Juni d. J. 159.090, die Mittelftandsbanken 15.100 Mitglieder. Mit den Familien ergibt das eine Zahl von 875.000 Seelen, alfo etwa 30 Prozent der jüdifdien Bevölkerung in Polen, welche ihre Kreditbedürfnilfe in den Kooperativen decken, die dem Verbände der jüdifdien Kooperativen angcfchloffen find. Die Eigenmittel der Kreditkaffen betrugen am 30. Juni 6,9 Millionen Zloty. Die Depofitcn beliefen fida am 30. Juni auf zirka 19 Millionen Zloty, die aufgenommenen Kredite bezifferten fich am 30. Juni auf 11,5 Millionen Zloty. Die 47 Mittelftandsbanken verfügten am 30. Juni, 1928 über Eigenmittel in Höhe von 3,6 Millionen Zloty, die Depofiten beliefen fich auf 10,4 Millionen. Die aufgenommenen Kredite betrugen 5,2 Millionen Zloty. Die Foundation hat für die Kreditkaffen und Mittelftandsbanken bisher zirka 950.000 Dollar zur Verfügung geftellt. Die Hungersnot unter den Juden Bessarabiens In einer 4n Kischinew stattgefundenen Versammlung jüdischer Sozialfürsorger gab der Redakteur der jiddischen Tageszeitung «Unser Zeit», S. Rosehthal, Bericht über seine Reise durch das H u n g e r g e b i e t SüdbessaTabiens. Zehn Städte dieses Kreises leiden große Not. In Akerman mit 5000 jüdischen Seelen sind tausend Seelen auf öffentliche Unterstützung ange- BUCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S Neueröffnete Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliotheksein* band ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutsch- , Judaica in reicher Auswahl * Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— ♦ Keine BandgebUhr wiesen. In Volont.irowke und in Be i r a in t s c h e waren die jüdischen Landwirte nicht in der Lage, ihre Fel-; der zu 'besäen, ihr Vieh geht wegen Futtermangels allmählich zugrunde. In den jüdischen Schulen von Tatar- ’ gunaT, Seirota und Ar zig kam es vor, daß Kinder während des Unterrichtes infolge Entkräftung durch Hunger in Ohnmacht fielen. Von den 350 jüdischen Familien der Stadt R e n i mußten 100 Familien auswandern. ’ Der Bericht Rosenthals machte einen erschütternden Eindruck auf die Zuhörer; es wurde beschlossen, ein Hilfskomitee f ü r d i e Hu ngerndenzu gründen- Auch In Osteuropa wandern die Juden in die großen Städte ab. In den vom Jüdischen Wissenschaftlichen Institut unter der Redaktion von Jakob L e s t s c h i n s k y herausgegebenen, soeben erschienenen «Schriften für Wirtschaft und Statistik» veröffentlicht Dr. I. C 0 r a 1n i k eine größere Arbeit über «Demographische Wandlungen im osteuropäischen Judentum». Indem der Verfasser die amtlichen Ergebnisse der Volkszählung 1926 untersucht, ermittelt er, daß die Zahl der jüdischen Einwohner auf dem flachen Lande in der Ukraine 1926 nur etwa 135.000 Seelen betrug, d. h. 8.6 Prozent des gesamten ukrainischen Judentums (1,574.428 Seelen). 1897 belief sich die Zahl der Juden auf dem flachen Lande in der heutigen Ukraine auf 485.000, oder rund 30 Prozent des gesamt-ukrainischen Judentums. Durch weitere statistische Ueberlegungen des Verfassers klären sich die gegenwärtigen Verhältnisse auf. Von den vorerwähnten 135.000 jüdischen ländlichen Einwohnern im Jahre 1926 bringt er die 107.000 jüdischen Ansiedler in den ukrainischen jüdischen Kolonien in Abrechnung. Es ergibt sich alsdann, daß in den nichtjüdischen Dörfern nur etliche 20.000 Juden gegen die mehreren Hunderttausend im Jahre 1897 wohnen und eine irrelevante Schicht bilden im Verhältnis zu der gesamten jüdischen Bevölkerung und umsomehr zu der umgebenden nichtjüdischen Bauernmasse. Das ist die Folge der neuen wirtschaftlichen, Verhältnisse und des Verhältnisses zwischen den Nationalitäten seit den Revolutionsjahren. Ln Polen und Galizien ist der ländliche T e i 1 „de r jüdischen Bevölkerung ebenfalls bedeutend gesunken. Gegen 40 Prozent im Jahre 1900 und 36.9 Prozent im Jahre 1910 beziffert sich die ländliche jüdische Bevölkerung Galiziens gegenwärtig auf nur 20.3 Prozent, Jn Kongreßpolen ist der Prozentsatz von 1.3.5 im Jahre 1897 auf 7.3 im Jahre 1921 gesunken. Die absolute Zähl der ländlichen Juden | hat wie folgt abgenommen: in Galizien von 334.086 im werkstätte für /essei und Tische Salongarnituren und KlnxalmttbelslQclca ADLER, VII., APOLLOC. 18 £alser§tr^l2j Jahre 1900 auf 149.836 im Jahre 1921; in Kongreßpolen von 216.965 auf 124.270 im Jahre 1921. Gleichzeitig mit der Verminderung der ländlichen jüdischen Bevölkerung ging, namentlich in Sowjetrußland, das Anwachsen der großstädtischen jüdischen Einwohnerschaft einher, eine Erscheinung, die in Mittel- und Westeuropa schon lange Zeit zu beobachten ist. In den vier größten Städten der Ukraine, Kiew, Odessa, Charkow, Jekaterinoslaw, von weihen Kiew und Charkow vor der Revolution für Juden so gut wie gesperrt waren, stieg die jüdische Einwohnerschaft vom Jahre 1897 bis zum Jahre 1926 um über 100 Prozent an. In Kongreßpolen beläuft sich der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in den Wohnorten mit je über 50.000 Seelen auf etwa 60 v. H. Im Verhältnis zu der jüdischen Gesamtbevölkerung der Ukraine bilden die jüdischen Einwohner in Städten mit über je 100.000 Einwohnern 13.3 Prozent im Jahre 1897 und 29.1 Prozent im Jahre 1926. Entsprechend findet sich für die jüdische Bevölkerung der Städte mit je über 50.000 Einwohnern in Kongreßpolen: 23.9 Prozent resp. 34i8 Prozent. Ein zweites Klagemauer- Weißbuch? Aus London, wird berichtet: In der letzten Sitzung des Unterhauses richtete Colonel Kenworthy an den Kolonialminister Amery die Frage, ob er nicht emsehe, daß das von der Regierung harausgegebene Weißbuch, betreffend die Vorgänge an der Klagemauer am letzten Versöhnmgstage, unzureichend und von den Ereignissen überholt sei, ob die Regierung nicht beabsichtige, ein weiteres Weißbuch, beziehungsweise einen Bericht herauszugebeti, der sich mit den neuen Verletzungen des Status quo an der Klägern au.e r dur c h d ie Araber befaßt. Minister Amery erwiderte, die Regierung werde erw ägen, welche weiteren Informationen sie in der Angelegenheit der Klagenrauer der Oeffentlichikeit übergeben solle.- Der neue Oberkommissär In Palästina Sir John Robert Chancellor ist am 6. Dezember in Palästina eingetroffen, um sein Amt als. OberkommissäY anzutretön. ... . D$r neue Oberkommissär wurde am Jaffa-Tor in Jerusalem offiziell empfangen.’ Die Regierung, der Bürgermeister, die hohe Geistlichkeit, die z i ö n i s t ische Exekutive, die Notabein, das Konsularkorps, Schulkinder, Pfadfinder mit Bannern, Polizei und Priester aller Konfessionen im Amtsbracht waren zur Stelle. Tausende von Z u s chaueru hatten sich eingefunden. Die mit Fahnen und Wimpeln aller Nationen geschmückten Häuser boten ein farbenprächtiges Bild. Auf diie arabische " Begrüßungsansprache des Bürgermeisters antwortete Chancellor englisch; I17. seiner Rede entwickelte er sein Arbeitsprogramm; er führte u. a. aus: «ich betrachte es als meine heilige Pflicht, die 'palästinensische Administration gemäß den Bestimmungen des Mandates im Interesse. und unter Anteilnahme aller Teile der Bevöl k erung zu leiten. Nach einer Periode wirtschaftlicher Depression in Palästina, die das Mitgefühl aller Freunde dieses Landes weckte, kann man nun auf eine verheißungsvolle Gestaltung in Zukunft h,offen.» Sir John Robert Chancellor erklärte weiter, er werde seine Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der natürlichen Quellen und Schätze des Landes konzentrieren, die Regierung werde die Pri v a tun t e rn e hmu n g e n fördern und dem wirtschaftlichen Aufschwung durch besondere Aktionen zu dienen versuchen-. Sie wird Maßnahmen, die -auf die Zunahme der BevOlker u n g d e s L a n d e s hinzielen, unterstützen, wodurch dem Wohlstand der alten Einwohner gedient sein wird. Zum Schluß appellierte Sir John Robert Chancellor an den . p a l ä s 11 n e n s i s c h e n Patriotismus der gesamten Bevölkerung und sagte, er glaube an die große Zukunft des Lahdes. * Das Organ der Zionistischen Exekutive «New Judea» widmet dem neuen Oberkommissär einen Begrüßungsartikel, in welchem es u. a. darauf hinweist, daß Chancellor der Nachfolger zweier sehr ausgezeichfr Nicht ausdrücklich abbestellte Abonnements selten als weiterbastehend!