Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIE STIMME Nr. 50 Seite 2 ratskosten trmf natürlich eine» respektablen Oewtans, aoiizubringen. Das Direktorium des Keren Kajemeth stand vor vollzogenen Tatsachen. Seine Leitung hatte das vertragsmäßige Erst-Anbot der PLDC, Djtidro zu kanten, abgelehnt. In der Direkt orte m ssitzurig, wo das hervorkam, gab es eine kurze, scharfe Auseinandersetzung der alten beiden ehrenwerten Anschauungen. Einerseits wieder als vorherrschende Idee die Geulath Haarez: Nur jenes Volk könne Palästina sein Gepräge geben, das möglichst viel Land besitzt und mit dem Pflug bestellt; der Djidro-Boden sei notorisch salzhaltig und dijfum landwirtschaftlich wertlos; dem SpekuIatiotMherd, der Stadt Haifa, aber müsse man temW eiben, um nicht die kargen Mittel des KKL m verzetteln und um «den Kopf nicht in ein krankes Bett zu stecken». An« dererseits wirkten die sozialpoiitisohen Ideen de Liemes nach, neu belebt von dem Verlangen der Arbeit ervertreter nach billigen Wohn- und Gartenflächen in den künftigen Vororten Groß-Haifas; auch müsse man Dj-idro auf seinen landwirtschaftlichen Wert nachprüfen. — Diesmal drangen die «Städter» durch und mar* beschloß einhellig, die junge «Haifa Ba-y Development Cy» (HBDC) aufzufordern, daß sie einen Teil ihrer Böden dem KKL überlasse. Die Initiatoren in Haifa aber weigerten sich, etwas von der Beute herauszugeben. Liefen Ihnen doch auf den Lärm ihrer Werbetrommel Käufer genug — aus Polen, TransyWarnen und anderwärts — au. Erst den Bemühungen Schockens, der damals nach Erez Israel herübenkam, gelang es, jenen Pakt vom 11. Mai 1925 zu erzielen, welcher dem KKL 25 Prozent der Haifa Bay-Böden, und zwar zunächst in allen Gütezonen gleichmäßig verteilt, zusicherte. Dabei brauchte der KKL vorerst nur den reinen Boden kauf preis zu zahlen, die Kosten der Sanierung und Erschließung jedoch erst nach deren Abschluß. Hinwieder behielt sich die BBDC die alleinige Leitung dieser Arbeiten vor. — Der Vertrag wurde am Wiener Kongreß von vielen Zionisten, zumal au« Arb erterkreisen, als Demütigung des Natfonalfonds durch das Privatkapital aufgefaßt und , attackiert. Doch war immerhin erreicht, daß der KKL seinen Fuß zwischen Tür und Angel schob.- Bald darauf setzte Ussischkin unter Mitwirkung Ing. Kaplanskys von der Landwirtschaftlichen Kolonisation« ab teil ung durch-, daß dem KKL i-m Tauschwege statt der fünf Zonenquoten ein zusammenhängender Komplex — möglichst nahe dem Kischon und Haifa — zugewtesen wurde, womit sowohl den Vorstadtplänen der Arbeiter als auch dem Gartenkulturprojekt Sosklns gedient sein sollte. Hatte ja die Ueberprüfung der Dj-iclroböden durch einen Fachmann der ägyptischen Regierung das erfreuliche Ergebnis, daß der geringe Salzgehalt einiger Strecken sich durch entsprechende Bewässerung beheben lasse. Dennoch welkten die Blüten*räume der HBDC bald genug! Die noch 1925 dnsetzende Krise dezimierte Einkommen und Vermögen der schon ELngewänderten sowie der Ein wand eru ngs k a n dida ten u-nd brachte die ganze Immigration rasch zum Versiegen. So konnte die HBDC weitere Parzellen nicht mehr artbfingen und bekam auch von ihren alten Käufern die zugesagten Raten nicht bezahlt. Die Gesellschaft mühte sich trotzdem, dii-e nötigsten Erschließungsarbeiten fortzuführen, teils mit Hilfe der Regierung, welche für den Wegebau arabische Sträflinge beistellte, teils mit größeren Darlehen ans Keren-Hajessod-Mitteln, da der Zionistischen Exekutive daran gelegen war, jüdische Arbeitslose zu beschäftigen. Das alles aber waren nur Notbehelfe, die rasch versagten. Immer /lauter drangen an das KKL-Direktorium mahnende Stimmen, dem nationalen Interesse jetzt zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Stimmen kamen sogar aus dem eigenen Kreise der HBDC; hier sei nur der Name des bekannten Städteplaners Arch. Richard Kau lfm an erwähnt. Das KKL-Dlrektorium, mit dem Rückhalt der Exekutive, setzte denn auch mit neuerlichen Verhandlungen ein. Diese zogen sich in wechselvöllem Spiele hin; bald sollten die Rechte des KICL gegen Verschaffung einer Anleihe an die HBDC erweitert werden; bald wieder strebte diese durch Propagierung neuer Abverkäufe sich der Kuratel des KKL zu entwänden. Der KKL seinerseits, dessen Mittel durch frühere große Landkäufe festgelegt waren, mußte sich das Geld zur Ablöse der Haifa-Bay-Bödcn erst zu beschaffen suchen. Voll Ungeduld wartete man auf jene amerikanische Anleihe; als sie aber vorläufig vertagt wurde, fand das Direktorium einen Weg, zumindest die Frage Haifa zu bereinigen. Und dieser Weg führte *— merkwürdigerweise — gerade zu jener «Palestine Economic Corporation» (PEC) die seinerzeit von der Brandeis-Gruppe im Gegensatz zum Keren Hajessod als rein kaufmännisches Unternehmen in Amerika ge« gründet worden war. Von Julius Simon als Geschäftsführer beraten, hatte die PEC heuer dem KKL schon zweimal billig verzinsliche, langfristige Anleihen von je 15.000 Pfund gewährt, die eine zum Ankauf des Bodens für die Nordvorstadt von Tel-Aviv und die andere zur Vollendung der DrainagearbeiteU Un Kisehongebtet. Nunmehr Überließ die PEC vön den 27.000 Du-nam der Haifa-Bay-Böden, worauf sie eine Option genommen hatte, 22.000 Dunam dem KKL. Die Antipoden von einst; Ussischkin und Simon, der Fr&und de Liemes, brachten uns nun gemeinsam dies Chanukahgeschenik, ein Erfolg sachlicher, von riat’onalem Verantwortungsgefühl beseelter Arbeit! Eine Pi-oniertiat, die sich dem Emekkauf vor sieben Jahren jflfthmJ-ieh anieiht. Von dett 47.000 Dunam des DjMrokomplexes gehören nunmehr 23.000 — also über Zweidritte! — dem KKL, 5000 der PEC und 9000 von der agrarischen Zone IV den privaten Käufern. So hat unser Nationalfonds seiner «Emekprovlnz» den Anschluß ans Meer gebahnt. Und obschön diese Böden nicht unmittelbar neben dem neuprojektierten Hafen liegen, welchen England aus strategischen Gründen möglichst weit von der Grenze Syriens wegverlegt, werden sic doch an dem Aufschwung Groß-Haifas teilhaben, und verheißen so dem KKL aus den Erbbauzinsen den bisher schmerzliichst vermißter! Fruchtgenuß seines Vermögens. Von Haifa bis Zemach ist der KKL heute Herr von 20 4.000 Du «am agrarischer ind vorstädtischer Bezirke, das sind nahezu 20.000 Hektar. (Das Land Wien hat Ihrer 27.000.) Htemlt tet das Primat des nationalen Bodens In diesem La n (feste M fest verankert. Aber es wäre schief, darin lediglich den Triumph der heiligen Volkssache über die «schnöde Profitgier privater Bodenspekulanten» zu sehen und ihn als solchen auszutrompeten. Die Wirklichkeit ist anders; ist — wie alles Leben — bunter und komplizierter. War doch schon die Auslösung der Haffa-Bay-<Böden und üir Verbleib in jüdischer Hand nur dem Zusammenwirken beider Faktoren zu danken: der wagemutigen Initiative gewinnfrohef Privatunternehmer und der geballten Kraft des in pflichtgemäßer Vor- Äus London meldet J. T. A.; Aus den Kreisen der vor kurzem in New York stattgefundenen Konferenz der Nichtzionisten hat sich eine neue Gesellschaft für Kolonisationsarbeit in Palästina unter dem Namen «Palestine Colonisation Corporation» gebildet. Das Programm der Gesellschaft basiert auf den Empfehlungen der Joint Palestine Survey Commission. Lord M e I c h e 11 trat der neuen Korporation bei und zeichnete einen Betrag von 1 0 0.0 0 0 Pfund für ihre Zwecke. Aus einer Mitteilung Lord M e 1 c h e 11 s geht hervor, daß die Meldung der Jüdischen Telegraphenagentu-r (welche diese ihrer Angabe nach aus dem Londoner Bureau der Zionistischen Organisation er- Größte Auswahl moderner Bücher zu S f.-, 2.-, 3.— In der BUdierschw^mme Vienna BSä»ä£»«9irtfcas»49 4 hatten ha*), nach der er (Lord Melchett) sich mH einem Betrag von 100.000 Pfund an dem Kapital der von amerikanischen Nichtziomsten soeben begründeten «Jewish Colonii8ation Corporation for Palästine» beteiligt, ungenau ist und den Tatsachen vorauseiTt. Die Gründung der neuen Corporation, welche von Lord Melchett nicht In Abrede gestellt wird, erfolgte auf Grund einer Empfehlung im Bericht der lewish-Agency-Kommtesiön auf Gründung einer großen Anleihe- und Handelcgeseldschaft, die ln engem Kontakt mit der Jewish Agency zu arbeiten hätte. Präsident Weizmann berichtet Wie daa offizielle Organ der Zionistischen Exekutive, «New Judea», mitteilt, hat die Zionistische Exekutive in ihrer letzten Sitzung den Bericht des Präsidenten der Weltorganisation, Dr. Weizmann, über seine Verhandlungen mit Herrn Louis M a r s h a 11 und anderen Vertretern der amerikanischen Judenhelt entgegengenommen und diesem Bericht sowie dem von Dr. Weizmann vorgelegten Text der Schlußfolgerungen, die von der gemeinsamen Konferenz zwischen dem Siebener-Komitee der Nichtzionisten und Vertretern der Zionistischen Organisation hinsichtlich der Vorbehalte des Zionistischen Aktions-Komitees gegenüber dem Bericht der Joint Palestine Survey Commission und bezüglich wichtiger Kongreßbeschlüsse gezogen worden sind, voll zugestimmt. Die Zionistische Exekutive hat ihrer besonderen Anerkennung für die Art, mit der sich Dr. Weizmann der Ihm anvertraut gewesenen Mission in Amerika entledigt hat, Ausdruck gegeben. Die von Dr. Weizmann der Exekutive ml tge teilten Schlußfolgerungen werden dem am 20. Dezember ln Berlin zu einer speziellen Beratung Über die Frage der Agency-Erweiteruug zusarmti entretenden A k t i o n s - C o m i t e e def Zionistischen Organisation zur endgültigen Beschlußfassung unterbreitet werden. Dt. Weizmann begibt $lch in diesen Tagen zu einer längeren Reise nach dem europäischen Kontinent, wo er mit den maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten und Institutionen über deren Vertretung in der e rweiterten Jewish Agency verhandeln wird, ln Paris wird er u. a. mit dem Präsidenten der Zionistischen Organisation Köngreßpölens Leon Levite Zusammentreffen und mit Ihm Uber die Teilnahme der sicht verwalteten Volkskapitals. Die Helferin ln der Not, die PEC selbst, ist eine — wenn auch von nationalem Gewissen kontrollierte — Privatgesellschaft. Und ferner, das Eingreifen von KKL und PEC bringt nicht nur den bedrängten Initiatoren der HBOC finanaielte Eaieiohterung, sondern auch die vielen Juden, welche von ihnen Parzellen 'Im Privateigentum erwarben, dürfen wieder aufatmen; denn der neue, starke Partner verbürgt, daß es nun mit der Ameliiorierung Emst wird. Ja, alle übrigen Privatböden in Haifa und auf dem Karmel — sehr oft aus edlen Motiven der Hcimatssehnaucht erworben — worden jetzt wohl im Werte steigen und so di« Käufer für ihre lang«, bange Wartezeit schadlos halten. Schließlich wird der KKL selbst nebst den Keren-Bajessod-Oeldem den Zustrom von Privatkapital kaum entbehren können, ttm den nationalen Boden nach Gebühr zu befruchten und voll auszuwerten. Schon die gute Verbindung mit der PEC bietet da manche Aussicht und hoffentlich bewährt sich, darüber hinaus, die erweiterte Jewish Agency als breiter Zufahrtskanal Kurzum, noch Ist das letzt« Wort über Nebeneinander und Miteinander des nationalen und privaten Kapitals nicht gesagt. Immerhin, der Keren Kajemeth hat sich unter den Schöpfungen der Zionistischen Organisation neuerlich als Pionier erwiesen, der uns auf kräftigen Schultern ein gut Stück Weges zum Nationtal heim vorwärts trug. polnischen Jud e mh eit an der Jewish Agency Besprechungen pflegen. Dr. Brodetzky reist nach Polen und der Tschechoslowakei Wie das zionistische Zentralbureau ln London berichtet, begibt sich das Mitglied der Exekutiv«, Univ.- Prof. Dr. S. Brodetzky, am 9. Dezember zum Besuche einiger zionistischer Verbände nach Mittel- und Osteuropa. Er wird zuerst Ostgalizien besuchen, dann an der Sitzung des Aktionskomitees in Berlin tei'lnehmen, nach deren Beendigung er die Absicht ha£, in Vertretung der Exekutive sich an dem Delegiertentag des Zionistenverbandes für die Tschechoslowakei in Brünn vom 30. bis 31. Dezember zu beteiligen und hierauf eine auf ungefähr eine Woche berechnete Reis« nach W e s t g a 1 i z i « n zu unternehmen. Nationalfonds und Jewish Agency Aus Jerusalem ward berichtet: Die palästinensischen Mitglieder des Aktions-Komitees der Zionistischen Organisation haben eine Zusammenkunft abgehalten und beschlossen, sich in der vom 20. bis 24. Dezember in Berlin stattfindenden Session des Aktions-Komitees dafür einzusetzen, daß der vom Aktionskomitee in der Berliner Tagung vom Juli d. J. gefaßte Beschluß bezüglich der Position des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) in der Bewegung und in der Bodenpolitik Palästinas u nverändert bestehen bleibt Eine überdimensionale Jewish Agency Die Frage der Jewish Agency, die gegenwärtig die ernstesten Kräfte rm Judentum beschäftigt, scheint auch manchen Querkopf zu den absurdesten Ideen verleitet zu haben. Da erscheint im Pariser «Mercure de France» von einem Herrn Kadmi Cohen eine Artikelserie unter dem Titel «Principes de Politique Zioniste», in welcher der Autor sich bemüht, den Zionismus zu retten und dabei auf recht abenteuerliche Vorschläge verfällt Er führt aus, daß die zionistische Organisation, wie sie heute bestehe, nicht die Kraft besitze, das große zionistische Unternehmen auch wirklich zu Ende zu führen. Aber er hat den Schlüssel gefunden, mit welchem man zur Lösung dieses Problems gelangen könne. Die Lösung ist ganz einfach, es sei eine große internationale Körperschaft zu schaffen, welche sozusagen das Schutzkorps und Kuratorium des Judentums zu bilden hätte. Man glaubt vielleicht, daß so etwas auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen würde, aber Herr Kadmi Cohen ist in der angenehmen Lage, alle Zweifler zu beruhigen und alle Bedenken zu beseitigen. Di« Zusammensetzung einer solchen internationalen Körperschaft ist ganz einfach, sie hätte nach dem famosen Plan Kadmi Cohens folgendermaßen zusammengesetzt zu sein: Von einem Vertreter Großbrit a n i e n s als der Mandatsmacht; einem Vertreter der Dominions, welche mehr oder weniger an dem Problem der jüdischen Einwanderung interessiert sind; einem Vertreter der Vereinigten Staaten, welche gewichtige und reiche jüdische Massen beherbergen; einem Vertreter Frankreichs, welches mit «einem Syriermandat denselben Rechtstitel wie England besitzt, den Zionismus zu organisieren; einem Vertreter des V a 11 k a n s in seiner Eigenschaft als geistige Großmacht; einem Vertreter Deutschlands als einer der größten protestantischen Mächte der Welt; einem Vertreter der mus elmännisch-arabi- Oer gemeinsame Palästina-Aufbau beginnt? Die erste „neutrale“ Kolonisationsgesellschaft In Amerika begründet —