Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1928)
- Date
- 1928-12-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 firasdm Fflr Oesterreich: Monat!. 5 1.50, vierkij. S 4.20, ganzj. lö.— / Detttecbiaad: Monatl Goldman; 1.—, vierte#. Ootdmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7^-, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich, Dinar 14-—, vterfegShrttdi Dfosr 40.— Jüdistfie Zeitung Doi kmiotf 1. Jahrgang!ÜcdalMton und jfihnintefvaHon: Wiem. I.f ^tmaftensfdntusie V — R *d-3*Ä4 Wien/13. Dezember 1928 (30. Kislev 5689) Poieo; Monatl. Ztoty 230, vierte^. Zloty 630 / Ungarn: MonatL Pengö 1.50, yiertdj. Pengö 430 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, vieneM. Lei 125.— /Balgarien: Morratl. Lewa 30.—, vierte#. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Betel 2.—, viertel Bdga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl Schwerer Franken 1.50 Nummer 50 Der Anfang vom Ende Ueberfälle auf jüdische Kolonien in der Ukraine — Antisemitische Propaganda und Exzesse gegen jüdische Bauern in Rußland Seit langem weisen wir immer wieder auf die .Un- Verantwortlichkeit der Sowjetkolonisatoren hin, welche die landwirtschaftliche Ansiedlung von Juden nicht nur auf unzulänglichen Landflächen, sondern auch mit leichtfertigen Methoden betreiben, nur um ein politir sches Propagandamäntelchen zu haben. Ejne der schwersten Gefahren der verstreut e n jüdischen Kolonisation auf dem flachen Lande im Gebiete der Sowjetunion ist,' wie wir mehrfach aufgezeigt, habet), der ' .. . allgemeine Landhunger, welcher die atttochthone Landbevölkerung früher oder später zu Verzweiflungsausbrüdien treitoen muß. Was wir vorausgesagt haben, ist leider nur zu bald eingetreten. Der Landhunger und die stillschweigend geduldete, ja beamtete antisemitische Propaganda in Rußland führen zum Sturm gegen jüdische Kolonien. Die ersten Vorfälle dieser Art ereigneten sich — laut einer Meldung der jiddisch-kommunistischen Zeitung «Stern» — in der Ukraine, wo der Landhunger am grüßten ist. In dem tikrainisclien Rayon Pokrowsk werden die jütßscfaen Kolonisten von den ukrainischen Bauern schwer terrorisiert In den sehr ansehnlichen jüdischen Kolonien Kallnindorf und Uspenska drangen ukrainische Bauern in die Häuser der jüdischen Kolonisten ein und plünderten das gesamte lebende und tote Inventar. Die jüdischen Kolonisten fanden weder bei den lokalen Sowjetbehörden noch bei der Miliz Schutz gegen diese Ueberfälle. Erst das Kreiskomitee ordnete eine Untersuchung an, der zufolge der Rayonsvorsitzende sowie der Chef der Rayonsmiliz abgesetzt wurden. Auch in anderen Rayons der Ukraine, wo jüdische Kolonien bestehen, verschärfen sich die Beziehungen zwischen den ukrainischen und jüdischen Bauern, um s* mehr, als von den lokalen Sowjetbehörden regelrechte antijüdische Propaganda betrieben wird, welche die Schuld an den drückenden Exportanforderungen von Getreide, die von der Regierung gestellt wurden, den Juden in die Schuhe schiebt. In .Weißrußland liegen die Verhältnisse ähnlich. Felder von jüdischen landwirtschaftlichen Gruppen wurden angezündet und die Ernte so im Halm vernichtet, jüdische Bauern werden überfallen, ein jüdischer Knabe in einer dieser landwirtschaftlichen Genossenschaftssiedlungen wurde mit Oei übergossen und mißhandelt. Die Behörden sehen dem Treiben untätig zu, ja es hat sich sogar der empörende Fall ereignet, daß gefaßte und geständige Feldfrevler, die von der ersten Gerichtsinstanz verurteilt wurden, bei der Berufungsverhandlung freigesprochen wutden. Wie die Dinge heute liegen, sind die jüdischen Kolonien Rußlands, deren unzulängliche Anlage den Siedlern kaum den dürftigsten Lebensunterhalt bietet, deren Entwicklungsmöglichkeit infolge Bodenmangels mehr als gering ist, geradezu von der Vernichtung, die jüdischen Kolonisten am Leben bedroht. Und dafür wird jüdisches Geld in aller Welt herausgelockt! Arbeiter", Studenten- und Professoren* antisemitismus In den Industriebetrieben in Rußland wird die antisemitische Hetze, über deren auffälligste «Erfolge» hier schon mehr als genüg berichtet wurde, ungehindert weiter.geführt und zeitigt traurige Resultate. Die, Moskauer Presse bringt '\J'- täglich Nachrichten über neue antisemitische Ausschreitungen, ja Bestialitäten in Fabriksbetrieben. Von Leningrad bis Samara wenden immer neue Fälle solcher Art gemeldet; als besonders krasses Beispiel sei angeführt, daß in einer Lederfabrik in Minsk ein jüdischer Arbeiter von seinen antisemitischen Kameraden m i t s i e d e n d e m Leim über gossen und lebensgefährlich verletzt wurde/ Die von uns berichtete entsetzliche Folterung der jüdischen Fabriksarbeiterin Barsehay durch ihre russischen Kollegen ist kein vereinzelter Fäll; immer’neue Berichte besagen von Mißhandlungen und Vergewaltigungen jüdischer . Arbeiterinnen in Fabriksbetrieben. Der Student 1 s c h e .Antisemitismus ist ebenso im Anwachsen wie der Arbeiierantrsemitismus. Dfe Universität von Woronesch darf, wie wir bereite berichtet haben, den traurigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen, daß dort die antisemitischen Studenten einen jüdischen Kollegen namens Meisei zum Selbstmord getrieben haben. Die daraufhin vom kommunistischen Kreiskomitee eingesetzte Üntereuchungsko«nni$sion hat u. a. festgestelit, daß Professoren der Universität Woronesch die Kampagne gegen die jüdischen Studenten in aUer Oeffentlichkeit geführt haben. Auch in Lehrerkreisen ist die antisemitische Propaganda genau so häufig wie in der Zarenzeit; in D n j e p r o - P e t r o w s k hat der Lehrer an der Ortsschule zusammen mit seiner Frau antisemitische Hetze in der Schule und unter der Einwohnerschaft betrieben; beide wurden ihrer Stellen enthoben. Aber viele hunderte ihrer gesinnungsgenössischen Kollegen «arbeiten» ungehindert weiter. Das Stalin-Regime unterscheidet sich vom Zaren-Regime nicht allzu sehr* Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Berichte und Aufsätze: Die Lehren des zionistischen Kultuswahlsieges. Ein Mmui der Wahrheit. Von E. G. Fried. Der gemeinsame Palästina-Aufbau beginnt? | Professor Leon Kellner, | Eine überdimensionale Jewish Agency. Eine Legende von der Entdeckung der Tempebnauer. Ein zweites Klagemauer-Weißbuch? Auch in Osteuropa wandern die Juden in die großen Städte ab. Die körperliche Erziehung der jüdischen Jugend in Palästina. Von Büchern, Sport, Schach* Rtttset. Nationalfonds und Haifa-Bay Von Dr. E. M. Zweig. Geber Aufforderung dar Redaktion, mich über Sinn und Wert des jüngsten Kaufes weiterer 22X300 Dunam der Haifa-iBay-Böden durch den Keren Kajemeth zu äußern, sei zunächst auf die Darlegung des KKL-tDirektors und -Governors Schocken in Nr. 95 der Berliner «Jüd. Rundschau» verwiesen. Ich möchte nur, zum tieferen Verständnis, ewiiiges beifügen. Die Neuerwerbung ist schon historisch interessant und lehrsamr weil sie den vorläufigen^Abschluß des durch fast ein Jahrzehnt im Schoß des KKL-Direktoriums währenden. Ringens zwischen zwei Grundanschiauiungeri bildet. Als 1920. Us s ® sc bki m, damals deirrepräsentative Zionist in Palästina, mit Dr. Ruppl« undAgr. Ettinger den Kauf des ersten großen Emek- Komptexes von 48.000 Diraam betrieb, widersetzte sich dem im Haag N. die Lieme als Vorsitzender des KKL-Üirektoriiwns und sein Freund Julius S i m o n in London. Während riirf der «inen Seite die nabonalpohtische Leftidae der «Geulath Baarez» nach Sicherung möglichst ratungtreiiender und vornehm-tedi der Landwirtschaft dienenden Strecken verlangte, wurde auf der, anderen Seite die überwiegend soztalpoirtische Aufgabe des KKL tteJont, daß et gerade in den aufstrebenden Städten Palästinas festsetzen müsse, um dort die Pmatspekuiation zu bekämpfen und um den Boden- Wertzuwachs der Volksgemeinschaft vorzubehalten. Im April 1921 .fiel die Entscheidung für den Eanekkauf; zugleich aber beschieß das KKL~D®rektarmm — und zwar weniger ans Ueberzeugung als aus Entgegenkommen —, tter Patestine Land Development Cy (PfUDC) die Mittel beizustellen, damit sie für s&ch und den K1KL däe Jerusalemer Patriadhatböden erstehe. .TiTOtzdem trat de Lieme zurück und statt semer ergriff Ussrscbfefo das Steuer des Direktoriums mit fester Hand. Da mm Jerpaatem vorenst recht langsam wuchs und der KKL dort seine Bauparzelle» mch* verpachten fconote, stieß er sie fast restlos an die PLDC ab, um diie so freigemachten Pfunde zur Erweiterung seaner Ackerflächen im Emek und sonstwo zu verwenden. Erst 1924 regte sich minder plötzüch aswcftiweltemden Palästinawaudermng der Bodenhunger, zumal in Td-Aviv und den anderen Städten, und löste jene wilde Grundspekufation aus. Jietzt suchte das KKL-Direktorium das Versäumte nachzuholen. Leider mißlang dar Versuch, für die erstgepiante Schchunath Owdim (Arbeftervorstadt) bei Td-Aviv den Komplex Scheich Munis zu erwerben, an den maßfosen Ueberboten privater Spekulanten. Eben damals glückte es dar Inrtiatwe der Ing. J. L Ö w y und S.' Rei eh in Haifa, für ihre Interessen tengmppe den 47.000 Dunarn großen Block des «Djidro»-Boddis an der zukunftsreichen Bay zwischen den Städten Haifa und Akko von arabischen Großgrundbesitzern — billig und auf Teüzatiking — zu erstehen. Diese Gruppe umfaßte nebst einigen Privatpersonen die «American Zion Commonwealth» unter dem rührigen Geschäftsführer Passinan und dieBodenverkaufsgeseHschaft «Meschek», einen Ableger der PLDC. Man hatte kühne, überkühne Pläne: Der Komplex sollte, wo nötig, entsumpft, ganz durch ein Straßennetz erschlossen und endlich durch den Kischon im Süden und den Na-amen im Norden — zwecks Ermöglichung intensiver agrarischer Kulturen — bewässert werden; nächst Haifa jedoch sollte ein Hamdels- und Industrieviertel und am Strand auf dem bei der Regierung zvgepaehteten Dünengürtel ein Wetibad erstehen. Die Rbesenmlttsi für diese Amcüonkrungen dachte die Gruppe, welche über ein Etgeidoap^ü von bloß 30.000 Pfund verfügte, aus dem paneienweisen Weiteamfczuff der Böden, nach Aufschlag den Ameßo-