Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 49 KAUFT FISCHE bei PF1TZNER «& HATZI. II. Yolkertplats, Fischhalle (Tel. R 40-2-38) TI. Pllgravitrücke, Fischhalle (Tel. B 24-4-23 IX. Bel Tlcbtenstelostraße 112. Flffehhalle (Tel. A 11-2-59) X. ColambuBplatz, Fischhalle (Tel. U 47-1-30) Den ganzen Tag in feinstem Olivenöl gebackene heiße Fische —-1- Numerus clausus für jüdische Studenten, um nur ja nicht •in den Verruf zu kommen, mit Juden zu sympathisieren oder ihretwegen gar noch einmal Prügel zu bekommen. .Werden die jüdischen Studenten daraus die Lehre ziehen? * .Ehre von der fücSscbnatkwralen Studentenschaft emberuferae Versammlung am 26. November befaßte, sich mit den Vorgängen bei der Republikfeier an der Universität. Nach Referaten der Herren cand jur. Mahler, Leo Sendrow 1 c z, Oberbaurat Robert Stricker und Dr, Qeo<rg Weiner wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: «Die Versammlung, beschickt von jüdischen Studenten und Bürgern, erhebt Protest gegen die fortgesetzten schändlichen Skandale an der Wiener Universität. Die akademischen Behörden haben schon seit dem Umsturz unter dem Drucke des beispiellosen Terrors antisemitischer Gruppen an den Hochschulen den jüdischen Studenten die ihnen verbrieften Rechte a-uf akademischem Boden genommen und es stillschweigend geduldet, daß der Judenhaß solche Formen angenommen hat, daß er selbst bei einem so feierlichen Anlaß, wie es die Republikfeier an der Universität hätte sein sollen, angesichts der höchsten Würdenträger des Staates, in Terrorakten gegenüber der jüd sehen Studentenschaft ausartete. Die akademischen Behörden haben diese Zustände aHzuiange geduldet. Es wird festgestellt, daß bei diesem Anlaß die Macht des Rektors und sein gewiß nicht zu verkennender guter Wille, cüe Würde der Universität aufrecht zu erhalten, gegenüber den antisemitischen Tendenzen der deutschnationalen Studenten und ihrer Hintermänner im Senat und Professorenkollegium sich als unzulänglich erwies. Die jüdische Studentenschaft, unterstützt von ihren jilcffiseben Mitbürgern und eines Sinnes mit allen rechtlich Denkenden, ist keineswegs mehr gewillt, die bisher geübte Geduld und Zurückhaltung weiter aufzubringen. Sie erklärt vielmehr, daß sie unter allen Umständen entschlossen ist, ihre Ehre sowie die ihr als Akademikern und Bürgern eines Staates zustehenden Rechte in Hinkunft mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen und nicht zu dulden, daß sie als Bürger minderer Ordnung angesehen und behandelt werden. Für die sich aus dieser Haltung ergebenden Folgen lehnt sie schon heute jede Verantwortung auf das entschiedenste ab. Die jüdische Studentenschaft fordert, daß die maßgebenden Stellen des Staates und der Hochschulen endlich der seit dem Kriegsende in verschärftem Maße in Erscheinung tretenden Parteilichkeit ein Ende bereiten und an ihre Stelle wirklich demokratische Freiheit und volle Gleichberechtigung für ääe akademischen Bürger setzen.» Studenten-Antlsemitismus in Rußland Die antiicmitifchc Bewegung in den ruiTifchen Fabriken, die in der letzten Zeit ihre Krönung durch die Folterungen einer jüdifdien Arbeiterin namens B a n ch a y in einer ftaatlidien Fabrik in Bobruifk im Gouvernement Minfk gefunden hat, greift auch auf Kulturinftitutionen über. Wie die ruflifdhen Blätter berichten, hat ein jüdifcher Student der Univerßtät in W o r o n e f da, namens Meifl, Selbftmord durch Gift begangen und in einem zurückgelaffenen Schreiben erklärt, er habe die ftandigen Verfolgungen, denen er als Jude feitens der antifemitifchen Seudentenfehaft ausgefetzt war, nicht mehr ertragen können, An diefen feit drei Jahren andauernden Verfolgungen, teilte Meifl mit, haben fich auch einige Profefforen beteiligt. Der Fall wird jetzt von einer aus Vertretern der Regierung und der Kommuniftifchen Partei zufammengefetzten Kommiffion unterfucht. Kleine Nachrichten Nach cten nunmehr im einzelnen bereinigten WaW- «rgebniRSen wurde der bekannte Bankier und jüdische Philanthrop Oberst Herbert H. Lehman zum Vizegouverneur von New Y’o r k gewählt * ln Paris verstarb Senator Fernand Cremieux, ein Jode, Nachkomme von Adolphe Cremieux. Seit 1903 hatte er «einen Sitz im französischen Senat inne. 1878 wurde er ziem erstenmal in die französische Kammer gewählt. De 192£ mit einem Kapital von 500.000 Francs in Paris begründete jüdische Genossenschaftsbank tlwria», hat ihr Kapital auf 2 Millionen Pran 5S erhöht. * Dar jüdische Friedhof von Saloniki, d*r für die Juden des Orients von der gleichen kulturhistorischen and religiösen Bedeutung Ist wie der alte jüdisch« Friedhof sn Prag für die Juden dös Okzidents, ist v e n Enteignung bedroht. Die Universität vdn Saloniki fördert diese Enteignung, um auf dem Platze des Frledhöfös öta neues Universitätsviertel nebst Wohnhäusern für Pfovssoren und Studenten zu errichten. Der Dekan der Rechtsfakultät Professor B«J o uktd e * hat sich eigens nach Athen begeben, um bed der Regierung die Enteignung durchzusetzen. Die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde hat bei der Zentrakegierung einen scharfen Protest gegen jeden Gedanken einer Antastung des historischen jüdischen Friedhofes eingelegt * Der eZntralrat des Weltverbandes jüdischer Studenten wird am 2 6. und 2 7. Dezemberin Paris über die folgenden Punkte beraten: Abwehr des Numerus cl a u s u s durch Aktionen auf internationalem Boden, Schaffung eine® Studentenheimes an der Universität Jerusalem, Vorbereitung eines Weltkon gresses der jüdischen Studenten. * Wie aius Munkacs gemeldet wird, hat def dortige Rabbiner Spiro den Bannfluch (Cherem) gegen die dort erscheinende jiddische Wochenschrift «Dos jiddische Folksblatt» und ihren Redakteur Alexander Sauber sowie gegen alle, die das Blatt lesen, ausgesprochen. Begründet wird der Cherem damit, daß die Zeitung «antljüdisohe Lehren» propagiere. Der RabWrrerrat soll den Cherem bestätigt haben. (Rabbner Spiro Ist einer der hrtransingentesten Agudiisten; sein« «Bannflüche» sind schon sprichwörtlich. Die Red.) Die Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten findet unwiderruflich in Wien statt, nachdem die Staatspolizei die Verantwortung für vollkommene Ruhe und Sicherheit übernommen hat. * Zwei jugendliche Burschen, die sich an der bereits gemeldeten Zerstörung der Grabmäler auf dem jüdischen Friedhof in Köpenick beteiligt haben, sind von der Kriminalpolizei ermittelt und vorübergehend festgenommen worden. Die Burschen geben an, eine Friedhofsschämdung nicht beabsichtigt zu Iiabön. Sie wollen nur aus Uebermut gehandelt haben. ALTALENA (V. JABOT! NSKY) Richter und Narr Ein biblischer Roman Kartoniert RM. 6*—, Ganzleinen RM. 7‘50 Jüdische Rundschau: Ein hoch* interessantes Buch, das neben lebendiger Schilderung des antiken Kanaan auch unverkennbare Anspielungen auf die Gegenwart enthält, DITLEF NIELSEN Der geschichtliche Jesus Mit einer Einführung von LUDWIG FEUCHTWANGER 28 Kunstdrucktafeln, brasch RM. 5*50, Ganzleinen RM. 7'50 Arnold Zweig: Nielsens Jesuebuch gehört als Material und als Gedanke in die Hand jedes Gebildeten, der sich über die Entstehung des Christentums und Uber das Judentum der gleichen Zeit wirklich unterrichten will. Es hat die Kühle und die Wärme, die sein Gegenstand braucht. MEYER & JESSEN VERLAG, MÜNCHEN Palästiuapässe und -visa In der letzten Zeit häufen fich die Fälle, daß in F&läftirta anfäßige Perfonen,. die fich vorübergehend in Wian lufhalun, fich ah das Wiener Paläftina-Amt wagen Verlängerung ihrer Paläftina-Pälfe oder des paläftinenfifdien Rückreiievifuim (auf nichtpaläftinenfifdien PälTeü) Wenden, ohne daß es möglich wäre, ihrem diesbezüglichen Anfudien zu etttfprechen. Das Paläftira-Amt macht darauf aü/merkfam, daß nach den derzeit geltenden BeftimmUngön derlei ReifepälTe und «-vifa nur nach vorheriger Anfrage bei der suftändigen Behörde in Pa 1 äfti ns hier verlängert Werden können. Da in folchen Fällen bis zum ßmlangen der Entscheidung aus Paläftlna gewöhnlich vier bis fünf Wochen verftrekhen, wobei die- Wc chen-Kalender Dez. 1028 Oedenktage Bram *I?D3 6 Donnerstag s» -a 7 Freitag 24 Vorabend .loa Chanakahftatea 1. Hebt 8 Samstag 1905 — dar Groörabbinor von Fraakroich Zadoo Kahn!a Paria ^retorben. 1917 — der Schöpfer der nouen jödclisoheH Literatur MatwleJe Modler Sforlm (Schalom Jakob Abmmowitflch) in Odoes» gestorben. 25 - ro Sabbath Chanakah Haftattb. Bonliroilmehl 9 Sonntag 1981 — der Fhifomtrop Ilarou Moritz Hirsch. Begründer der JddUchon Kolonisation ln Argentinien. ln München Rehoreu. 26 - ID Chanakah 10 Montag 1791 — Jakob Frank, der Botfrllnder d«r Frank latonbowojcmß, 1* Offenbach tfeatorbon, 1804 — der borUhmt« MathemmUkor Jacob Jacob! in Potsdams geboren. 27rn Chanakah 11 Dienstag lSt8 — flu.il Rathenau, der Boerründer der deute oMn EloktririUttslndnstrie, Vater Walther ftathfinau*, proboren. 28 — ro Chanakah 12 Mittwoch .1910 — der Mater Eduard Ooheo in Frankfurt a. M. ffoetorben. 29-B3 Chanakah felbe nicht immer günftig ausfällt, wird den Intercfienten dringend empfohlen, rechtzeitig die nötigen Schritte durch Vermittlung des Paläftina-Amtes zu unternehmen, um im Falle einer Ablehnung des Gefuches feitens der paläftinenfifchen Regierung eventuell noch die Möglichkeit zu haben, vor Ablauf der Gültigkeitsdauer der Reifedokumente nach Paläftina zurückzukehren. Im allgemeinen empfiehlt cs fich, daß Inhaber paläftincnfifcher PäfTe, foferne fic längere Zeit hier zu bleiben beabfichtigen, fich mit dem hiefigen Paläftina-Amt in Verbindung fetzen, damit fie rechtzeitig und in geeigneter Weife über die von ihnen eventuell zu unternehmenden Schritte informiert werden können. Zu Chajes’ Jahrzeit Die feierliche Grabsteinstellung. Am 3. Dezember mittags wurde auf dem Zentralfriedhof der Grabstein nach dem unvergeßlichen Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes gestellt. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich trotz des schlechten Wetters etngefunden, um wieder die Liebe und Anhänglichkeit an dem unvergeßlichen Führer zw bezeugen. Der Grabstein airs Mannesdorfer Gestein wurde nach den Entwürfen des Prof. Dr. S t r n a d ausgeführt und bildet ein großes Prisma, zu dem drei Stufen hinaufführen, deren unterste die Inschrift «Professor Dr. Hirsch Perez Chajes, Oberrabbiner der Kultusgemeinde Wien» trägt. Die Mitte des Grabsteines ziert eine mächtige, kreisrunde Messingplatte, die Sonne um die Mittagszeit symbolisierend, die in hebräischer Schrift den Namen des Verblichenen enthält. Der übrige Teil des Steines und des Stufenaufbaues zeigt ein von Prof. Dr. Aptowitzer verfaßtes Akrostichon in hebräischer Sprache, das eine Würdigung der Persönlichkeit und des Wirkens des großen Oberrabbiners enthält. Rabbiner Dr. Peuch-twang hielt, nachdem Oberkantor M a 11 y a s den Segensspruch vorgetragen hatte, die Gedenkrede, in der er u. a. austührte: «Diesen Grabstein soll Zeuge sein für die Größe des Mannes, der unter ihm liegt — und was auf diesem Denkmal geschrieben steht, enthält in kurzen, kraftvollen und tief empfundenen Worten das, was Chajes im Leben gelebt, gedacht, gewollt und geleistet hat. Chajes war ein Träumer, er träumte davon, daß die Einheitlichkeit des jüdischen Volkes wiederhergestelit und daß das Heim seines Volkes wieder aufgebaut wird. Treu dem Staate ergeben, war er niemals Sklave der Freiheit. Die Kultusgemeinde hat sich durch die Stellung dieses Grabsteines selbst geehrt. Wir aber wollen geloben, ln Seinem Sinne weiterzuwirken, damit sein Traum zur Wirklichkeit wird: Gesundung des jüdischen Volkes, Wiederaufbau des jüdischen Landes zum eigenen Glück und zum Glück der gesamten Menschheit.» Der Präsident der Kultusgemeinde Prof. Dr. P!ck führte ans, daß für Dr. Chajes keine Anerkennung zu groß sei, denn sein Wirken hatte er selbst in seinen Rede vor den Vertrauensmännern gekennzeichnet, die heute auch den Orabstein ziert: «Jeder Schlag seines Herzens, jede Frucht seines Geistes, jeder Tag seines Lebens gehörte dem Wohl des Judentums und der Gemeinschaft und dem Gedeihen der Gemeinschaft voll und ganz.» Zum Schluß sang Oberkantor M a 11 y a s das «El mole rachamin» und der Neffe des Verblichenen, Herr Oskar R ö s n e r sprach das Kadischgebet. Chajes-Gedenkfeler Im Sofiensaal Am 4. Dezember, abends, fand, vom Zionistischen Landeskomitee in Gemeinschaft mit der Zionistischen