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Die Stimme · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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♦ t Nr. 49 OfE STIMME Seite 5 Kohie«HQttenliQlis 0BEK8CHLE 3I8CM IliOUSCN UND Mal I nKHll I wistphsmscm Qualtätssorten — Billigst BASCH, IV TalMh U-4B-40S Argenlinltritr. 22 T«i«pn. u.41.9a7 Rabattsektton des KERiN-KAJEMBTM Neue Wege der zionistischen Jugend* und Volkspropaganda. Von Dr. Chaim Tartakower. Ussiscbkin, der alte Vorkämpfer der hebräischen Literatur, fühlte von jeher, daß die Propaganda des Keren Kajemeth — soll sie dauernd Erfolg haben — mit der h c to r ä i s c h c n Literatur ein Bündnis eingehen müsse; sowie er ja stets die Ansabaimmg vertritt, daß Zionismus ohne innige Verbindung mit der alten hebräischen Kultur stets Stückwerk bleiben müsse. Er engagierte daher für die Leitung des Pressedienstes des Hauptbureaus des Keren Kajemeth den hebräischen Schriftsteller Nathan Bistritzky. Dieser kam bala zur Ueberzeugung, daß die zionistische Propaganda nicht bloß die momentane Begeisterung, sondern das tiefe Erfassen des Geistigen im Menschen erfordert und das von zwei Seiten her: einerseits die Vermittlung von Kenntnissen ,und andererseits die wahre Erschütterung unseres Gefühlslebens. Beides solle mit einem Schlage erreicht werteten. Die Kenntnisse sotten in lebendiger, d. i. in künstlerischer Form vermittelt werden. Die besten unserer Dichter und Schriftsteller müßten für diese A^von Propaganda zur Verfügung stehen. Bistritzky ging daran, die geistige jüdische Welt für diese Propaganda zu gewinnen. Er wandte sich an aüc erreichbaren jüdischen Künstler der Welt und suchte sie für das Aufbauwerk und speziell für den Keren Kijemeth zu interessieren. Diese Künstler wandten sich an die jüdische ■ Oeffentlichkeit wegen Unterstützung des Keren Kajemeth. In Palästina fand ein K.ü nstler- und Schriftstellertag für den Keren Kajemeth statt. Bistritzky tat dann einen Schritt weiter. Es wurde in Erez Israel eine Konferenz der Lehrer nach Kefair Jeladim einberufen, auf der Bia-Hik und hervorragende Lehrer darüber berieten, wie die Idee des Keren Kajemeth in den Lehrplan auf genommen -werden kann. Es drängte sich die Ueberzeugung auf, daß es höchste Zeit sei, einen Vorstoß zur Wiedergewinnung u ni s e r e r J u g e n d zu unternehmen. Bistritzky unternahm eine Reise nach dem Osten Europas, um dort den Kontakt mit der jüdischen Jugend herzustellen. Er blieb dort einige Monate und es gelang ihm, innige Beziehungen zu den «Hasebomer Hazadr» anzuktiüpfen, jener Jugendorganisation, dde ein großes Kontingent ausgezeichneter Chaiuzim gestellt hat und ein lebendiges Verhältnis zur hebräischen Sprache besitzt. Es reifte nun der Gedanke heran, das unserer Jugend ■und dem Volke der Renaissancegedanke sowie Erez Israel in künstlerisch vollendeter Form nahe gebracht werden müsse. Als erstes Werk dieser Art erschien in hebräischer Sprache das Buch «S e f e r H a a r e z*. Dieses Werk erheischt eine eigene, ausführliche Besprechung. Diesmal gilt es, die jüdische Oeffentlichkeit auf ein Werk aufmerksam m machen, das daß Hauptbureau des Keren Kajemeth inauguriert hat: Die «Palästina-Bibliothek des Keren Kajemeth». Die Bibliothek bezweckt die Vermittlung der Kenntnis alles dessen, was mit Erez Israel in Vergangenheit und Gegenwart zusammenhängt. Das erste Büchlein ist bereits erschienen: Die Geschichte der Kolonie «Nejs Zion ah»; sie staanrnt aus der Feder des hebräischen Dichters und Erzählers Sch. Ben Zion. Ein wundervolles Büchlein von 100 Seiten mit vollpunktiertem Text. Sagen wir es gleich: Es ist das Werk eines wahren Dichters. Sch. Ben Zion gehört heute zu den klassischen hebräischen Erzählern und Stilisten. Er hat mit BiaHk und Rawnitzky den hebräischen Verlag «Moriah» geleitet, der sehr Bedeutendes für unser Volk geleistet hat (wir erwähnen reur den berühmten «Sefer Haagada» von Bialik-Rawnitzky. Das neue Buch mutet uns wie ein Stück einer neuzeitlicheu Bibel an, die die Geschichte der neuen Eroberung des Landes durch die Juden schildert. Die ersten Pioniere werden uns vorgeführt. Diesmal ist es nicht der «Bilus-Student, sondern der jüdische Balbajit, der unbekümmert um rurückgelassenen Wohlstand in der Nähe Odessas in das unwirtliche Palästina auswandert, also nicht aus Not, sondern aus purer, instiktiver Liebe zum Lande, Wir sehen, wie Stück um Stück der Wüste Boden urba<i gemacht wird. Wir sehen <fie großen Phantasten, die von tiefstem Glauben beseelt, den Kampf mit dem Klima, den feindlichen Arabern aufnehmen; die herrliche Phantastengestalt Michael Halperns, der für das jüdische Proletariat das jüdische Land erschließen will; die Anfänge der jüdischen Arbeiterbewegung. Wir sehen auch, wie die einstigen Arbeiter zu wohlbestallten Kolonisten werden. Wir sehen Theodor Herz! im Kreise der Kolonisten vom Nejs Zionah. Wir bewundern den «posoheten» Juden, Rab. Reuben, Lehrer, den Schöpfer der Kolonie, der leidet, kämpft und siegt und stets in den Hintergrund tritt, um ar. leren Plaz zu machen. Wir sehen Rab. Aron Eisenberg, den heutigen Kolonisten in Rechowoth, den Idealtypus des «alten Kolonisten», den einstigen Meiamed unseres Führers Weitzmann, in Nejs Zionah noch als Arbeiter (Steinhauer). Wir können und wollen nicht die Einzelheiten anftöhren, jeder Zionist, ja jeder Jude, dem Enez Israels Gegenwart und r'<*kunft was bedeuten, muß das Buch gelesen haben, um 1*. Englische Herrenstoffe 'Ctotti Tuch haus Rudolf.Teweles, VI., Maria- Wfterstraße 125, ist eine große Post ganz feiner Herrentmd Damenstoffe durch einen günstigen Schluß aus England eingelangt. (Entgeltlich.) den Atem unserer Zeit der Entstehung des neuen jüdischen Volkes in Erez Israel zu spüren. Abgesehen vom Inhalte bildet das Buch, da der Text voüpunktiert gedruckt ist, eine ausgezeichnete Lektüre für hebräisch Vorgeschrittene. * Das soeben besprochene, kn beirühmten Verlag Palästinas «Omanath» ausgezeichnet ausgestattet erschienene Bändchen ist ebenso wie die nachher erschienenen zum Preise von S 1.50 im Kerer. Kajemeth, Wien, I., Kärntnerstraße 28, erhältlich. Eine jüdische Luther-Legende Der bekannte deutsche Orlenta&»t Franz D e- I«t z >s c h erwähnt in seinem Werke «Wissenschaft, Kunst, Judentum» eine jüdische Legende offenbar deutschen Ursprungs, diie sich jedoch nicht unter den Juden in Deutschland, sondern in Polen noch bis in ■den Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten hatte; im Mittelpunkt dieser Legende steht merkwürdigerweise der große deutsche Reformator Martin Luther; sic lautet ungefähr: Ecines Abends, zwischen dem Miiudm- und dem Maarusgebet, weilte in der großen Synagoge zu Safed ein großer jüdischer Gelehnter, Nachkomme einer berühmten Gefehrtenfamilfe; er wurde von den Mitgliedern der Gemeinde herzlich begrüßt. Ats dann das Maarusgebet .beendet war und sich die Gemeinde zum Fortgehen anschickte, bemerkte man plötzlich, daß der Gelehrte starr auf seinem Platze stand; auf seinem Antlitz strahlte das Licht einer Vision . . . Voll Angst fragte jemand: «Rabbi, was ii:t mit Buch geschehen?» Der Rabbi fuhr zusammen, als wäre er aus tiefem Schlafe geweckt; dann antwortete er: «In einem Lande fern im Westen ist soeben ein Knabe geboren worden, der einst unendlich viel Gutes an uns und der ganzen Welt tun wird.» . . . Dieses Ereignis spielte sieh am 10. November 1483 ab, dem Tage, 'da Martin Luther geboren wurde. Diese Legende hat, wie der ausgezeichnete Historiker Dr. J. Schippdr im «Moment» erörtert, ihren Ursprung darin, daß die Juden Deutschland, aber auch Italiens, aus Luthers Auftreten die Hoffnung auf LLOYD TRIESTINO DIREKTE LINIE TREEST IAFFA UND RETOUR Abfahrten jeden zweiten Donnerstag mit den vorzüglichen Salonschiffen „Adria“ und „Carnaro" Fahrtdauer mit Berührung von Brindisi 51/, Tage Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.-.-, II. Kl. Lst. 15.-.-, Ul. Kl. Lst. 5.--.— inklusive Verpflegung und Kabine. Chaiuzim besondere Ermäßigung. Eine Fahrt Triest—Jaffa—Haifa und zurück kostet In der Ul. Klasse inklusive Kabine and Verpflegung bloß österr. Sch. 345.—. Familien erhalten überdies noch eine 10-, beziehungsweise 15prozenttge Ermäßigung. Auskünfte: Lloyd Trlestino, Wien, 1., Kärntnerriog 6 Telephon U 46-0-53 bis U 46-0-55. sö bessere Zeiten schöpfen zu können glaubten, da es schien, daß die von Luther entfachte Reformationsbewegung die Macht des katholischen Klerus, der schweres Leid über die Juden brachte, erschüttern würde. Uebepdies hat Luther im Anfang seiner Wirksamkeit eine freundliche Gesinnung gegenüber den Juden bekundet. (Seine judenfeindlichen Schriften erschienen erst -nach 1540). Da überdies die Jahre zwischen 1525 und 1535 der heute üblichen Zeitrechnung starke messiiamsche Hoffnungen unter den Juden auu>- lösten (Berechnungen setzten das Erscheinen des Messias für 5300 der jüdischen Zeitrechnung fest), so ist, wie Schipper darlegt, die Verbindung der oben zitierten messianisch gefärbten Legende mit Luther erklärlich. Daß die Legende sich in Deutschland, wo eie entstanden war, nicht erhielt, ist begreiflich, da die Hoffnungen der Juden auf eine Besserung ihrer Lage durch die Reformation bald enttäuscht wurden; ln Polen, wo die antijüdischen Pamphlete Luthers wenig oder gar nicht bekannt waren und das Verhältnis der protestantischen Reformatoren zu den Juden fast ausnahmslos ei ng.utes war, hielt sich die jüdische Luther- Legende, durch keine Tatsachen korrigiert, über 300 Jahre. Was sagen die jüdischen Studenten dazu? Numerus-clausus-Antrag für sozialistische Studentenvereine Bei der Räpublrkfeier an der Wiener Universität kam es, wie bereits berichtet, zu wüsten antisemitischen Ausschreitungen durch hakenkreuzlerische Studenten, die das Ansehen unserer ersten Hochschule und der ganzen Republik in der ganzen Welt schwer geschädigt haben. Man hat außer einer papierenen Mißbilligung durch den Rektor nichts davon gehört, daß einem der Schuldigen auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. Sozialistische und jüdische Hochschüler durften an der Republikfeier einer Universität nicht tentnehmen, die es geduldet hatte, daß die Anschlagskästen der hakenkreuzlerische« Studenten zur Feier des Tages mit schwarzen Maschen drapiert KEREN KAJEMETH ORGANISATION ZIONISTISCHER FRAUEN ÖSTERREICH 15. Dezember 1928, 8 Uhr abends Neuer Saal der Hofburg Konzert jüdischer Musik Veranstaltet vom „Verein zur Förderung jüd. Musik in Wien“ unter Mitwirkung: M. MISLAP-KAPPER (Konzertsängerin) JOACHIM STUTSCHEWSKY (Violoncell- Virtuose) QUINTETT-ENSEMBLE (Hans Levitus, Elsy Stein, Israel Brandmann, Marcel Dick, J. Stutschewsky) Klavierbegleitung: FRANZ MITTLER Einleitende Worte von Prof. Dr. MAX GRAF Musik. Leitung: JOACHIM STUTSCHEWSKY KONZERTFLÜGEL: BÖSENDORFER wurden, unter dem allzu durchsichtigen Vorwand, daß diese schwarze Drapierung den gefallenen Kriegern gelte. Und wen traf man in den sozialistischen Studenten? Wieder nur die Juden. Das scheint den Sozialisten auch unangenehm geworden zu sein, sie schämen sich der vielen Juden in ihren Rethen und schieben ihnen jetzt die Schuld daran zu, daß man sie an der Republikfeier nicht teilnehmen lassen wollte. ln der letzten Sitzung der Fachgruppe der Juristen des Verbandes der sozialistischen Hochschüler. kam dies auch durch einen Redner ganz deutlich zum Ausdruck. Wir können ihm für seine Offenherzigkeit nur . dankbar sein. Der Referent führte nach Besprechung der hoehschulpolitischen Lage aus, daß in der letzten Zeit, durch die ständigen hakenkreuzlerischen Krawalle auf den Hochschulen getrieben, jüdische Bourgeoisstudenten in das sozialistische Lager kamen, in der Meinung, dort wirksamen' Schutz zu finden. «Wir erklären hier offen, sagte er, ' «daß wir uns mit derartigen Elementen nicht belasten können. Zionisten, die sich zum jüdischen Staat bekennen, gehören nicht zu uns.» Mehrere Redner gaben ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß die ablehnende Haltung der deutschen Studenten gegen die sozialistischen Studenten nu>r darin ihren Grund finde, weil der Verband der sozialistischen Hochschüler zu stark mit Juden durchsetzt ist. Es wurde ganz ernstlich der Vorschlag gemacht, einen Numerus clausus für jüdische Mitglieder des Verbandes sozialistischer Hochschüler zu schaffen. Einige jüdische Vorstandsmitglieder setzten sich gegen einen solchen Antrag entschieden zur Wehr. Zu einem Resultat kam der Verband deshalb vorläufig noch nicht. Atso auch bei den Sozialisten ist an allem «dar Jud» schuld; dte Sozialdemokraten woHen bei sich den €of« Äeftfame WIEN, II., PFIATERSTRASSE NR. 34 anschließend di« „Jüdischen Kfinstlersmele“. — Inhaber: Jakeb Geld!ließ. -- Verzughehe Getränk« und Kalte Speisen au billigen Preisen. — Rummy-Spieltische. Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft.

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