Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 DIE STIMME Nr. 49 k Familie Moses Engelmann, Wien, II Ybbsstraße 27 bringt in treuer Vereitrung Herrn Moses Hersch Landau an seinem Jubeltage, da er sein 80. Lebensjahr vollendet, die herzlichsten Glückwünsche dar und wünscht ihm noch oft zu seinen höheren Lebensjahren gratulieren zu können. fall auf der Grundlag« der vollen und gleichen Berücksichtigung der moralischen und materiellen Rechte beider Parteien beizulegen . . . Die Kommission hofft zuversichtlich, daß keine Partei durch unvernünftige Ansprüche oder unduldsame Weigerung die Verantwortung dafür übernehmen wird, die Herbeiführung •eines gerechten Ausgleiches vereitelt zu haben.» Zum Schluß macht die Mandatskommission darauf aufmerksam, daß, falls kein Ausgleich gefunden werden kann, wenigstens provisorische Vereinbarungen getroffen werden müssen und daß «keine Ruhestörungen versucht oder geduldet werden dürfen:». Ein Weißbuch der britischen Regierung Die englische Regierung hat am 27. November dem Parlament ein Weißbuah vorgelegt, das eine Darstellung der Vorfälle an der Klagemauer enthält und den Standpunkt der Regierung darlegt. Das Memorandum beginnt zunächst mit einer Wiedergabe des schon bekannten offiziellen Kommuniques der Palästina-Regierung und fährt dann fort: «Wie man sieht, wurde die I n t e r v e n t ib’n der Polizei durch das Verhalten der jüdischen Behörden verursacht, welches von der Palästina-Regierung als eine Verletzung des Status quo angesehen wurde. Die Klagemauer ist den Juden heilig, .und ihre Sitte, dort zu beten, geht mindestens bis ins Mittelalter zurück. Zugleich aber ist die Mauer ein Bestandteil des Haramesch-Schefif und als solches den1 /Moslems heilig. Sie ist ferner rechtlich uneingeschränktes Eigen tum'der irio s le m 1 tisch e n Gemeinde, und der Platz vor der 'Mauer ist Wakf-Eigentum. Die jüdische Gemeinde hat zweifellos ein Recht erworben, den Platz zum Zwecke: des Gottesdienstes zu betreten, aber bei jedem moslemitischen Protest haben die türkischen Behörden wiederholt die Entscheidung getroffen, sie ..würden ein A'bgehen von "der bestehenden Praxis, etwa :das Mitbringen von Bänken und Stühlen, nicht gestatten. Eine Entscheidung, die das Mitbringen von -Scheidewänden betrifft, wurde 1912 erlassen. Die Palästina-Regierung und die britische Regierung, eingedenk der Bestimmungen des Artikels 13 des, Mandates, waren der Ansicht, daß es sich um eine Sache handelt, in der sie den status. quo aufreahterhalten müssen. Als status quo wurde angesehen, daß die jüdische Gemeinde das Recht des Zutrittes zu dem Platz hat, aber nur solche gottesdienstliche Zubehöre mitbringen darf, die auch unter der türkischen Herrschaft erlaubt waren. Im Interesse der Erhaltung des Status quo, die Mandatspflicht ist, mußte nach der Darstellung des Weißbuches die Beseitigung der spanischen Wand-an der Klagemauer erfolgen, nachdem die Zusicherung des «jüdischen Funktionärs an der Klagemauer», die spanische Wand werde entfernt werden, nicht erfüllt worden war. Das Memorandum schließt mit der Erklärung, daß die Regierung bereit und willens ist, als Vermittlerin zu handeln, um eine gegenseitige Verständigung bezüglich der Klagemauer zwischen Juden und Moslems herbeizuführen. Sie kann aber keine Gewalt anwenden, uni so ^weniger, als der Streit aufgehört hat, ein rein religiöser zu sein und gleichzeitig ein politischer und nationaler Kampf daraus entstanden ist. Dieses Weißbuch, das in der Oeffentlichkeit lebhaft erörtert wird, zeigt alles eher als aktive und unparteiische Vermittlurigsbereitschaft in dem Konflikt. Der Londoner «Jewish Chronicle» v/eist mit Recht darauf hin, es stehe zu befürchten, daß es der Regie- Ende Jänner 1929 erfdieint In unferem Verlage: Die Juden u. Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart. Herausgeber: Chefredakteur Hugo Gold. Redaktioneile Leitung: Dr. Heinrich F1 c f ch, Kanitz; Oberrab. Dr. J. Frcira a n n, Berlin;- Prof. Dr. Max G r ü n f e 1 d,- Brünn; Dr. Theodor Haas, Brünn; Hof rat Dr. Mich. Holtmann, Wien; Reg.-Rat Dr. B. W a ch ft e i n, Wien. Ucber 90 Mitarbeiter. Erfcheint im Großformat in einem Umfange von 700 Seiten und bringt 800. Illuflrationcn aus allen mährifchcir Gemeinden (Friedhöfe, Tempel, Bürgermeifter und Judenrichter, Rabbiner und Lehrer, Vorftcher und hervorragende Mänper). . Subfkriptionspreife bis 31. Dezember 1928; Halblein'enband Kc 320.—, Halblederband Kc 370.—. Ferner erfcheinen 100 numerierte und von allen Mitarbeiten! Ggnierte Exemplare in Ganzlederband auf fchwerem Kunftdruckpapier zum Preifc von ' Dollar 30.-—. Nach Erfcheinen erhöhen Geh die Prcife um ij Prozent. JiidUcher Buch- und Kuriflverlag, Brunn, Adlergafle 9. rung daran gelegen sein könne, d i e P ö s i t i 0 n der Moslems zu begünstigen, die jüdischen Rechte an der Klagemauer möglichst zu beschränken und die Angelegenheit in einer Weise zur Lösung zu bringen, daß diejuden gewissermaßen Konzessionäre der Moslems werden. Die Zeitung mahnt darum zur Vorsicht und betont, daß Palästina nicht mehr eine t ü r k i-; sehe Provinz sei und daß nunmehr die Zeit gekommen sei für eine radikale Aufroliung des Problems und für eine Revision der die Klagemauer betreffenden Bestimmungen gemäß dem Geiste und den Vor-, Schriften des Mandates. Die jetzige Auslegung der britischen Regierung — so schließt die Zeitung — ist sehr zu beklagen und läßt eine Wiederholung der so tief bedauerlichen Zwischenfälle an der westlichen Tempelmauer zu Jerusalem als m ögl i c h, ja als u nvermeidlich erscheinen. Ein neuer Vorstoß der Moslims Aus" Jerusalem wird berichtet: Der mosfemitisohe Oberste Rat hat der Palästina-Regierung ein neues Me morändu m' übergeben, in welchem die Forde-. rung erhoben wird, daß den Juden aufgetragen werden soll, jedes Mobiliar von der Klagemauer zu entfernen und nie mehr Stühle oder sonst etwas zur Gebetszeit mitzubringen. Ferner fordert der Rat die Entfernung des an der Klagemauer Dienst tuenden jüdischen P 01 i z e i 0 f f i z i e r s, dessen Anwesenheit nach Meinung des Rates der Benützung der Klagemauer dii|£h die Juden gesetzliche Sanktion zu geben scheint. Die Folge des Memorandums des Moslemitischen Obersten Rates war, daß die Regierung außer dem jüdischen auch einen moslemitischen Polizei- 0 f f i z i e r für den Dienst an der Klagemauer kommandiert hat Jüdische Mädchen von Arabern geraubt Aus Jaffa wird gemeldet: Moslemitische Araber1 haben in Jaffa zwei jüdische Mädchen gewaltsam e n t f ü h r t. -Nähere Details stehen noch aus. BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S Neueröffnete Leihbibliothek Ületat Ihnen .eine;reiche Auswahl. :von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw.. geschmpokyollen Bibliothekseinband ♦ Außer den deutsch&n Büchern*euch französische, hebräische; jiddische u. Deutsch- Judaica in reicher Auswahl « Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— ♦ Keine Bandgebühr . ■ . •. i. Die Jewish Agency Das zionistische Agency-Komitee in Amerika. Bevor der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. W eizmann Amerika verließ, bildete er .aus zionistischen Persönlichkeiten Amerikas ein Komitee, welches die Aufgabe hat, mit dem von Louis Marshall im Aufträge der Konferenz der Niohtziomisten gebildete« Siebener-Komitee, dessen Vorsitz Herr Felix M. Warburg innerhat,, zusammenzuarbeiten. . Dte. Mitglieder dieses zionistischen Agency-Komitees sind: Dr. Mordecai M. Kap Jan, Isidore D. Morrison, Morris Rothenberg, Julius Simon, Iacob Fish man, Frau Zip Szold, Richter William M. Lewis. Beratendes Mitglied des Komitees ist ferner der’, Präsident der zionistischen Organisation Amerikas Louis- Lipsky. Die. amerikanische Arbeiterföderation für das Jüdische I Nationalheim. * Die amerikanische Arbeifcerföd(iratian, die gegenwärtig in New OrIrans -ihre Konvention abhält, 'hat eine von Herrn Abraham Shiplacoff, Mitglied der'Exekutive des anläßlich der Brüsseler Konferenz der zweiten sozialistischen Internationale begründeten Pro-Palästina-Komitees, eimgebrächte Resolution an,genommen, in der der Arbeit für die Errichtung des Jüdischen Natiomalheims in Palästina die Sympathie ausgesprochen wird Die Forderungen der Palästinenser, Aus Jerusalem wird berichtet: Der Waad Leumi (jüdischer Natipnalrat) hat, in seiner letzten . Sitzung seiner Unzufriedenheit mit dem von der Zionistischen Exekutive gemachten Vorschlag, daß die palästinensische Judenhedt im Rate der Jewish Agency durch zwei Personen vertreten sein soll, Ausdruck gegeben und beschlossen, drie Forderung zu erheben, daß zehn Prozent aller Miglieder. der Jewish Agency sich aus Palästinensern zusammensetzen sollen. Dr, Weizmann in London. , Der Präsident der Zionistischem Weltorganisation .Doktor Chaim Weizmann ist von seinem mehrwöchigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten am 29. November nach London zurückgekehrt und hat sofort seine Agenden im Bureau der Zionistischen Weltorganisation übernommen. Ueber . seine amerikanische Mission wird er auf der Tagung des Zionistischen. A k t ion sk pmi t.ees, die vom 2 0. bis 24.; Dezember in Be rlin stattfindet, Bericht; erstatten. Er wird jetzt die E h d b c ä p r e c h u n g e n m i t d e n j ü d is c h,e « ,V e r t r e t u n -g e n in Deutschland, Frankreich, Polen und in anderen Ländern über deren Eintritt in die Jewish Agency auf nehmen. Felix Warburg über die zionistische Palästina-Arbeit i Bei der vor kurzem in Boston abgehaltenen Konferenz des United Palestine Appeal hielt, Wie bereits .berichtet, . der Präsident des Joint . Distribution ’ Committee,. Felix M. Warburg, eine Ansprache. Darin sagte er den zionistischen Delegierten u. a.: «Ich hoffe. zuversichtlich, daß Sie i n diesem Jahr e z u m letzten Male i n einem una b.h ä n gi gen Feldzug allein das Nötige' zu beschaffen haben; dann wird die Jewish Agency ihre volle Arbeitskraft entfalten können. Wir wollen aber schon jetzt zeigen, daß wir da2u da sind, für das Ziel zu arbeiten und nicht nur darüber zu reden. S’-' werden in diesem Feldzug das Beste leisten, was Sie mit Ihren Kräften zu leisten imstande sind. Sie haben Verpflichtungen, die erfüllt werden müssen, bevor Sie noch zur Jewish Ageny kommen. Sie können sie nicht alle erHT.cn, weil'sie viele Kolonien zu versehen haben, die zu klein sind für die .vielen .Seelen, die in ihnen wohnen. Sie waren n i c h t in der Lage, für die Farmer alle Produktionsmittel zu beschaffen, die sie brauchen, um erfolgreich. zu sein. Für die gesundheitlichen Einrichtungen ist e b e n f a 11 s n i c h t a 11 e s •getan. Den Lehrern ist noch nicht alles für ihre Arbeit gezahlt worden. Wir wollen hier keine Rückständigkeit Platz greifen lassen. Wir wollen in die Agency mit einer klaren Rechnung eintreten. Wenn Sie diese Konferenz verlassen, so werden Sie es —- so hoffe ich — in dem Bewußtsein tun, daß Sie neue Freunde gewonnen und alle alten Freunde behalten haben. Jeder, der je in P a 1 ä s t "1 n a geweilt hat, wird Ihrer Sache sicher nicht mehr fern stehen wollen.» Noch immer die jüdischen Ausnahmsgesetze in Polen So unglaublich es klingt, — in dem früher zum Zarenreiche gehörigen Teile der polnifchen Republik find noch immer Gefetzc -in Kraft; die aus der Zarenzeit ftammien und die ftaat sbür ge r liehen Rechte der J u d en e in f ch ranken. Diefe .Gefetze beziehen Geh auf Bodenerwerb-im Bereiche von Kongreßpolen, religiöfe, kulturelle Angelegenheiten u. a. m. Seit dem "Be{lande des polnifchen1 Freiftaates bemühen Geh die pafla'mentärifchen Vertreter der Juden um die Aufhebung diefer -Rechtsbefehrartkungen, die mit. der Vcrfatfung in .Widerfprudi Gehen; die lange Reihe der Rechtsregierungen in Polen hat jedoch diefe Bemühungen ftets fabotiert. Als. nach de.m •,Beginne des Pilfudfki-Regimes der Ruck nach links kam, wurden die Bemühungen der jüdifchen Deputierten wieder. in dringlicher Form aufgenommen und im Jahre 1926, zur. Zeit,, als Polen die Anlciheverhandlungcn mit AusGcht auf unmittelbaren Erfolg führte, gab der damalige. MinifterpräGdent Bartel, de. jetzt wieder . Premier ,ift, das feftc Verfprechen, diefe Bcfchränkungen aus der Zarenzcit aufzuheben. Bis heute , ift nichts dergleichen gefchehen. , Nun hat cs Geh herausgcflellt, daß einige der erwähnten Gefetze, fo z. B. das über die Befchränkung des Bodenerwerbs im Gebiete*von Kongreßpolen, nicht nur auf die Juden, fqndern auch auf die P ö l e n Bezug haben, gegen die der Zarismus ebenfalls, wenn auch mit weniger mcthodifchcm Raffinement, das Syftcra der Ausnahmsgefetzc anwandte; da hat die Regierung Bartel cs, doch für nötig befunden, Geh mit diefen alten Ausnahmsgcfetzcn zu befaßen, und legte dem Parlament einen Gcfetzcntwurf vor, durch die die religiöfen oder nationalen Einfchränkungen in den Gcfetzcn aus der Zarenzeit, f o w e i t fie gegen die Pol engewendet find, abgefchafft werden follen. Das würde bedeuten, daß die Ausnahmsbeftimmungen gegen die Juden beflchen bleiben-follen. Gegen diefe Art, wie der polnifche Minifter.präGdcnt^fcin Verfprechen . vom Jahre 1926 erfüllen will, wandten Geh .die jüdifchen Deputierten im Sejm, befonders die Abgeordneten Grünbaum und Hartglas, in heftigfter ''Wfcife; Abg. Hartglas wies darauf hin, daß . durch diefe. Novelle ein neuer Ausnahraszuftand für die Juden cingeführt werden folle. Im Namen des Regierungsblocks gab Dep. Kwapinfki die Erklärung ab, daß der „unparteiliche Block“ mit der Regierung in diefem Falle nicht übereinftimrac; die Grundlagen der .b ü r g e-r 1 i ch e n Gl e ich b e r e ch t i g u n g dürfen nicht angetaftet werden. Schließlich wurde der V o r f ch 1 a g der Regierung äbgclehnt; für ihn ftimmten nur die N'ationaldcmokratcn. Die Ausnahmsgcfetze aus der Zärenzeit aber Gnd noch immer in Geltung! 00c0000cxxxxxxxxx)0000cxxx3000q00000cx)00 Redaktionsschliiß und Schluß der Inseratenaiinahnio Dienstag um 12 Uhr mittags. 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