Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1928)
- Date
- 1928-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49 DIE STIMME Sette 3 Passivität genügt nicht Der vertrauliche Bericht der Mandatkommissiofi Ober die Klägernaueraffäre Die Palästina-Regierung wird zur aktiven Vermittlung aufgefordert Dank an unsere Wähler Zionisten I Die Wahlkampagne fiat uns einen großen Erfolg gebracht Es Ist uns ein Bedürfnis, auf diesem Wege allen Gesinnungsgenossen und -genosshmen, die durch ihre Mitarbeit uns zu diesem glänzenden Wahlerfolg verholten haben, unseren innigsten Dank auszusprechen. Vom Geiste unserer großen nationalen Idee beherrscht gingen unsere Wählermassen zur Wahlurne. Den Tausenden der jüdischen Kuttuswähler und Wählerinnen, die ihre Stimmen auf unsere Liste abgegeben haben und den Beweis erbrachten, daß sie den Wunsch hegen, die Kultusgemeinde ln eine jüdische Volksgemeinde umzugestalten, gebührt vor allem unser Dank. Die jüdischen Wähler und Wählerinnen können daher überzeugt sein, daß unsere gewählten Mandatare mit Hingebung und vollster Verantwortung, sowie im innigen Einvernehmen mit der Wählerscha't in der Kultusgemeinde auf der Wacht unserer Volksinteressen stehen werden. Unser Dank gebührt auch unseren Jugendgruppen, akademischen Verbindungen und Vereinen, sowie unseren braven Frauen, die uns seit Wochen mit unermüdlichem Eifer und wahrer zionistischer Begeisterung bei der Vorbereitung der Wahlkampagne geholfen haben. Ganz besonderer Dank sei hier unserem Organ «Die Stimme» abgdSlattet; unser Blatt hat in umsichtigster und hochstehender publizistischer Arbeit seit seinem Bestände diesen Wahlkampf vorbereitet und während desselben unermüdlich unsere Argumente vornehm und sachlich vertreten, die Lügen der Gegner würdig abgewehrt und damit ein gut Teil zum großen Wahlerfolge beigetragen. Indem wir allen unseren' Mitarbeitern nochmals danken, verleihen wir der Hoffnung Ausdruck, daß unsere zielbewußt geführte Wahlkampagne nicht nur zur Verbreitung unserer Idee, sondern auch zur Stärkung unserer Organisation beigetragen hat Zionistisches Zentralwahlkomitee. Klub der Zionistischen Mandatare in der Kuitusgemeinde. Die 67. und 68. Friedhofsschändung in Deutschland Erft jetzt wird bekannt, daß vor Monaten fdion auf dem jüdifdien Friedhofe zu Pretzfeld 20 Grabfteine umgeworfen und das neu hergerichtete Friedhofstor fdiwer befdiädigt wurden. Wegen der zu fpäcen Entdeckung waren Spuren der Täter nicht mehr zu finden. An diefe und ähnliche zu fpät bekanntgewtfrdenc Friedhoffchändungen knüpft die Berliner C.-V.-Zeicung den Vorfchlag, die Friedhöfe bewachen zu laßen. Die 68. Friedhoffchändung ift in Eppingen (Baden) am 29. November erfolgt. Auch hier lind bisher die Täter nicht ermittelt, von deren Fußfpuren die Gendarmerie Gipsabgüße gemacht hat. Obwohl der Bericht der Mandatskommission an den Vütkerbundrat über die Klagemauer-Petitionen als streng vertraulich behandelt wird und erst bei Gelegenheit der Tagung des Völkerbundrates im März 1929 hätte veröffentlicht werden sollen, sind Korrespondenten auswärtiger Blätter (unter ihnen der «Pester Lloyd») in der Lage, schon jetzt den Text des Berichtes einer weiteren Oeffentlichkeit zu Übergeben. Er lautet: «Die Ständige Mandatskommission hat die vom 12. Oktober datierte Eingabe der Zionistischen Organisation, betreffend die am 24. September 1928 stattgefundenen Vorfälle an der Klagemauer in Jerusalem zur Kenntnis genommen, ebenso die Bemerkungen der königlich englischen Regierung j zu dieser Denkschrift. Die Kommission hat die verschiedenen Rechts- und Tatsachenfragen, die in den SCHIRME 38T: mp mp nnoNcr I , notier Mark! 5 mww.mwBg! mm* oben angeführten Schriftstücken berührt werden, sorgfältig untersucht Sie freut sich festzusteHen, daß zwischen der Darstellung der Klageführer einerseits und der verantwortlichen Verwaltungsbehörde andererseits kein wesentlicher Unterschied besteht. Obwohl diese Vorfälle in den Schriftstücken abweichend behandelt werden und der Nachdruck in beiden auf andere Punkte gelegt wird, sind beide Darstellungen so klar und vollständig, daß für den gewissenhaften Leser kein Zweifel darüber bestehen bleibt, was sich tatsächlich ereignet hat. Auch darüber scheint zwischen den Klageführern und den Behörden vollständige Uebereinstimmung zu herrschen, auf welche Art es allein möglich wäre, den jetzigen Uebelständen abzuhelfen, die ebenso schmerzlich sind für die, die sich in ihren heiligsten religiösen Gefühlen tödlich verletzt fühlen, wie sie für die Behörden peinlich und unhaltbar sind, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Beobachtung einer strengen und unparteiischen Gerechtigkeit inmitten der widersprechenden Ansprüche der rivalisierenden Religions- und Rassengruppen in Palästina die Verantwortung tragen. Die Abhilfe kann — wie es die Zionistische Organisation in einer ähnlichen, wenn auch nicht so kritischen Lage im Jahre 1926 bereits anerkannt hat un* im Schlußabsatz der vorliegenden Eingabe wieder feststellt, wie es ferner der Vertreter der Mandatarmacht wiederholt betont hat — nur durch eine Einigung zwischen der jüdischen und der moslendtischen Gemeinde erzielt werden. Die Mandatskommission wird alles warm begrüßen, was geeignet ist, eine solche Einigung herbeizuführen, wie sie andererseits alles, wodurch die Einigung verhindert oder aufgeschoben würde, einhellig verurteilt. Während also die Kommission diese bedauerlichen Vorkommnisse ebenso, wie die vergangenen und gegenwärtigen Ursachen, die zu ihnen geführt und den ungünstigen Widerhall, den sie hervorgerufen haben, aufs lebhafteste bedauert, unterläßt sie es, einen Tadel betreffend die Personen auszusprechen, deren Handlungen oder Unterlassungen diese Vorfälle hervorgerufen oder verschärft haben. Solche Zwischenfälle müssen Jedoch den Frieden und die Wohlfahrt Palästinas gefährden, und alle diejenigen in der Welt betrüben, für die Palästina teuer und heilig ist. Die Mandatskommission hegt also den zuversichtlichen Glauben, daß keine Anstrengung gescheut werden wird, um einen gerechten und freundlichen Ausgleich herbeizuführen, der allein die Wiederholung ähnlicher Vorfälle verhindern kann. Zu diesem Zweck genügt es nicht, daß die Regierung von Palästina es bekanntgibt, daß sie bereit ist, zu vermitteln, wenn sie von irgendeiner der Parteien angerufen wird, wie sie es bei einer früheren Gelegenheit getan hat. Es scheint nicht nur zweckmäßig, sondern geradezu unumgänglich notwendig zu sein, daß sie aktive Schritte unternimmt, um die beiden streitenden Parteien zu einer Einigung zu veranlassen, und daß sowohl Juden wie Moslems auf diese Schritte mit der aufrichtigen Bereitschaft reagieren, den Streit- Weihnachtsokkasion: Schwarzatlas, handgenäht von S 15.50 Lackpumps „ „ S 22.50 Schl« ng3nlederschuhe „ S 40. — HiUmtal zu Enpsprra direkt In der Fabrik VIL, Kaisersfrafie _ 40 W* Im Stock zu entwerfen bemüht war, der bekannte, in Prag am 6. März 1803 geborene, in Wien am 3. Jänner 1891 verstorbene Marienbader Kurarzt und Oheim von Pauline Lucca; sein Schwiegersohn Moritz Josef Siegmund Prager Professor an der Kommunal-Obcrrealschuie des I. Bezirkes in Wien (geb. 6. März 1824 in Rzepin, Böhmen, gestorben in Wien 14. Februar 1888); seine Tochter Mathilde Prager-Lucca (geboren am 3. Jänner 1844, gestorben in Wien am 1. Februar 1921), die unter dem Namen Erich Holm bekannte Schriftstellerin sowie feinsinnige Interpretin nordischer Literatur und Uebersetzerin von August Strindberg und Georg Brandes. Nun mögen die Briefe für sich selbst sprechen: Emmersdorf, am 18. September 1882. Hochgeehrter Herr Professor! Duroh die Grüße, d're Se mir im Namen Ihres verehrten Herrn Schwiegervaters zusendeten und durch die Worte freundlichster Teilnahme, die Sie ihnen beifügten, haben Sie mich hoch erfreut. Ich lernte in Ihnen einen Mann kennen, <fier mit umfassender Bildung ein scharfes UrteJ verbindet und auf d e Zustimmung eines Mannes solcher Art lege Ich hohen Wert. Ihren Vorschlag, der manches für sich hat, will ich, für den Augenblick wenigstens, nicht naher prüfen; da das Projekt einer neuen Parteibildun.g unter dem heuigen Verhältnissen keine Aussicht auf Verwirklichung hat. Baron W a 11 e r s k i r c h e n, der parlamentarische Träger der Ausgteichsidee, wird durch das rüde Mißtrauensvotum von Jiudenburg und durch den, wenn auch schonend ausgesprochenen Tadel der Wähler in Rottenmann wohl zur Mandatsniederlegung sich veranlaßt sehen, und außer ihm kenne ich niemanden im Reichsrat, der die Kraft und den Mut hat, die ParteibiJdüng in die Hand zu nehmen. Ich glaube, daß unser Gedankt vorderhand außerparlamentarisch durch Vereine popularisiert werden müsse. Ihnen, hochgeehrter Herr Professor, und Ihrer vortrefflichen Frau Gemahlin meine wärmsten Orüße sendend, bleibe loh rmt vorzüglicher Hochachtung aufrichtigen Ergebenheit Ihr Dr. Fischhof. Mein Bruder empfiehlt sich Ihnen auf das beste. Sr. HochwohJgeboren Herrn Professor J. M. Prager in Wien, I., Helferstorferstraße 13. * Emmersdorf, 13. Febmuar 1880. Hochverehrter Herr Professor! Wärmsten Dank für die Wünsche, die S:e in Ihrem Namen und in dem Ihrer verehrten Frau Gemahlin aussprechen, und für die historische Studie, die Sie mir freundliehst zusendeten. Ihren mit so vielem Geiste und so großem Scharfsinn entwickelten Anschauungen über die Sprachenfrage stimme ich völlig bei. Der Ausdruck Staatssprache ist auch mir antipathisch. Er hat etwas vom widerlichen Beigeschmack des Wortes «Staatskirche». Die, Besorgnis der Linken des Reichsrates wegen der Zurückdrängung der deutschen Sprache halte ich wohl für übertrieben, aber nicht für ganz unbegründet. Wie würde es beispielsweise um die Zentralverwaltung des Reiches und die Amtssprache daselbst stehen, wenn die jüngste Resolution des böhmischen Landtages sich realisierte und Rekurse in acht Sprachen an die Ministerien gelangten und ihre Erledigung finden müßten? Doch glaube ich, daß eine Sicherung der Pos tion der deutschen Sprache ln der ihr ausschließlich zugewiesenen Amtssphäre sich erzielen ließe, ohne die nichtdeutschcn Volk&stänrme in Ihrem Natioualgefüh!e zu verletzen. In dem von den deutschen Führern jüngst eingebrachten Sprachangesetzentwurf, der sehr viel des Guten enthält, ist leider nur wenig vo-n jener Schonung zu finden, welche ein Gebot der Kkighet ist. Nichtsdestoweniger bedeutet die Einbringung dieses Gesetzes einen großen Fortschritt. Denn als Ich vor 18 Jahren, kurz nach der Revision der Februarverfassung, einen äbißchen Entwurf als Manuskript einigen mir persönlich bekannten Führern verschiedener Nationalparteen zusendete, um einen Meinungsaustausch herbeizuführen, erhielt ich deutscherseits keine Antwort und nach der Zusammenkunft Etiennes mit Rieger ln Emmersdorf schrieb mir ersterer, daß Herbst, als er ihm die Vereinbarung eines Sprachen g<»etzes proponforte, sich mit aller Entsch e- I denibeit dagegen anssprach, indem er erklärte, daß ein Spra-! chenigesetz der pure Unsinn sei. Und heute sfceht sein Name unter den vorgeschlagenen Gesetzen. Ihre Studie über Stilicho werde ich lesen, sobald meine kleine Arbeit, die mich beschäftigt, zu Ende geführt ist; der als Feldherr und Staatsmann hervorragendle Pseudo-Römer ist in der Tat für den Geschichtsforscher von hohem Interesse, und die Parallele, welche Sie wie ich beim Durcbblättem Ihres Essays sah, zwischen ihm und Wallenstein ziehen, ist eäne glückliche. Mich und meinten Bruder Ihnen, Herr Professor, und Ihrer verehrten Frau Gemahlin bestens empfehlend, bleibe ich mit dem Ausdrucke meiner vorzüglichen Hochachtung Ihr ergebener Dr. Fischhof. Wärmsten Gruß an Ihren sehr varehrten Herrn Schwiegervater und an Fräulein Schwägerin. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Prof. M, J. Prager in Wien, L, Helferstorfenstraße 13, * Verehrte Frau Professor! S>:«e haben durch die freundliche Zusendung der zwei be. ..eggenden Zeitungsnummern mich sehr verpflichtet, denn ich fand durch dieselben Gelegenhoit, Sie als scharfsinnige und feurige Kritikerin in Ihrer Besprechung des «RÖda Rumme» und als Spraohvirtuosin in ihrer Ueberseteumg kennen zu! e men. M t Strindberg bin ich nicht sehr zufrieden. Er besitzt unzweifelhaft großes Talent. Seine Phantasie ist «eich, aber er mißbraucht sie, denn er outriert. Und wer übertreibt, ist geblendet oder will blenden. Das erstere ist ein Fehler, das zweite ein Vergehen, das selbst sich straft. Empfehlen Sie mich fretmdlichst Ihrem hochgeehrten Herrn Gemahl und seien Sie v'Hrmstens gegrüßt von Ihrem verebnungsvoH ergebenen Dr. Fischhof. Emmersdorf, 7. J uni 1887. Von meinem Bruder beste Empfehlungen. Wohlgeboren Frau Professor M. I. Prager in Wien, L, Belferstorferstraße 13,