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Die Stimme · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seffe 9 Nr. 48 aözuwtnden. Ging man daran, der JudenJteit irgendein Recht 7.11 entwinden, fo war die Gemeinde fofort zur Stelle, kämpfte ■'iir diefes Recht und fchickte ihre Vertreter bis zura Kaifer und Papft, wenn es notwendig war. War denn das keine Politik? Hätten damals Herr Dr. Haafe und feine Freunde gelebt, fo wären fie wahrfcheinlich dagegen mit dem Argument aufgetreten, daß fich die Gemeinden nur mit dem Kultus zu befaßen haben und daß die Politik aus der Gcmeindeftube zu entfernen fei. a joo Jahre jüdifchcr Gefdiidite gelten aber gar nichts gegenüber einem im Kaiferreidie vor 38 Jahren unter Mit-* hilfe der WTene'r AfTimilanten gefchaffenen Gefetze. Nach dem Weltkrieg wurde das öfterreichifche Kaiferrcich hinweggefegt, Throne Kürzten, dieWelt bekam ein neues Antlitz, aber in der Erfdrtülungen Flucht gibt es für die „Union“ einen feilen Pol: das Gefetz vom Jahre 1S90. Man hat förmlich den Eindruck, diefes Gefetz fei nicht im öftcrrekhifchen Parlament gefchaf/en worden, nein, Mofes, unfer Lehrer, habe es am Berge Sinai empfangen und es dürfe unter keinen Umftänden geändert werden. Herr Dr. Haafe und feine Freunde finden es unverftändlich, daß es jemand wagt, an diefem heiligen Gefetz zu rütteln und einen anderen, beiTcren jüdifdien Inhalt der Gemeinde anzuilreben. Die jüdifche Gefchichte und die jüdifdie Entwicklung lagen ihnen gar nichts, für fic gibt es nur eines: das Gefetz vom 21. März 1890. Am Ende werden fic noch beantragen, daß in den Gemeindetempcln beim Aufrufen zur Thora auch über das Gefetz vom Jahre 1890 der Segen gefproeben werden foiL Das find die Argumente, mit denen die Union in den Kampf zieht, um ihre Macht in der Gemeinde zu behaupten. Es fähe wahrhaftig traurig um das Wiener Judentum aus, wenn man ihm mit Ausficht auf Erfolg zumuten dürfte, diefen Hütern der Religion und Anbetern des Gemeindegefetzes feine Stimme zu geben! JüdischeFrauen, erkämpft euer Recht! Ein Mahnwort an die Kultuswählerinnen Von Anitta Cohen-Müller. (Aus einem Gespräch mit unserem R. S.-Mitärbeitsr.) In den zehn Jahren nach dem Umsturz konnten die Frauen in der ganzen Welt beweisen, daß sie als Mitglieder öffentlicher Körperschaften den Männern in ihren Leistungen keineswegs nachstehen, ja: sie haben sogar.bewiesen, daß sie, eher als die Männer, es verstehen, über Pa.rteidogmen und Gegensätze hinweg, einander die Hände zu gemeinsamer Arbeit a u f sozialem und'-'kulturellem Gebiete zu reichen. Gerade bei der jüdischen Frau soll das nicht ‘zutreffen, nur sie isol;! nicht würdig sein, an der Verwaltung der jüdischen Gemeinde teilzunehmen? Unsere "Lebensbedingungen haben sich seit dem Kriege umwälzend geändert und wir müssen danach streben, uns den neuen Formen anzupassen. Die jüdische Mutter, die j ü d i s c h e H a u s f r a u ist dazu berufen, in fhrem Kreise, den geänderten Verhältnissen Rechnung zu tra-; Von der jüdischen Gemeinde erwarten wir die Kxlitlinien, nach denen wir unser neues Leben zimmern müsseij. Soll die jüdische Frau fehlen, wenn es giit, diese Richtlinien festzulegen, die sie dann in ihrem Hause durchsetzen muß? Unter den jüdischen Frauen gibt es zwei große Gruppen. Die einen sind davon überzeugt, es sei eine Notwendigkeit, ein Gebot der Zeit, daß . auch die Frau ln der Kultusgemelnde mJtbestimmend sein müsse. Die anderen dagegen zeigen sich in dieser hochwichtigen Frage indifferent, und zwar wieder aus zwei Gründen, Die einen sagen, daß die Frau ohnehin seit Jahrhunderten auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge tätig ist und dazu nicht erst eines Mandates in der Kultusgemeinde bedürfe, die anderen aber sind von den Sorgen des Alltags so erfüllt, daß sie nicht noch die Sorgen der Gemeinschaft auf sich nehmen wollen. Sie alle, die dem Wohl der Gesamtheit nicht die gebührende Aufmerksamkeit widmen, währen, es sei genügend, wenn sie das Leben im eigenen Heim im besten Sinne des Wortes jüdisch gestalten. Auf sie paßt der Ausspruch eines englischen Sozialpolitikers, der da sagt, es genüge keineswegs, im eigenen Hause das Wasserleitungsrohr und die Zuleitung in Ordnung zu halten, man müsse vielmehr auch dafür sorgen, daß das Reservoir, aus dem die Wasserleitung gespeist wird, intakt sei. So steht es auch mit dem Verhältnis des jüdischen Hauses zur jüdischer Gemeinde. Sie ist das Reservoir, aus dem das jüdische Leben in die jüdischen Familien fließen soll und an der Reinhaltung dieses Reservoirs hat die jüdische Frau ein eminentes Interesse. Früher lagen die Verhältnisse ganz anders, früher konzentrierte sich das Leben auf das jüdische Haus. Heute aber strebt die J u g e n d aus dem Kreise der Familie hinaus in die Gemeinschaft und deshalb haben wir ein Interesse daran, daß diese Gemeinschaft auch von Frauen beeinflußt wird. Daß einesolche Beeinflussung notwendig ist, bedarf angesichts der stetig;: steigenden A u s t r 111 s b e w e g u n g und der Zunahme der Zahl der M i s c h e h a n wohl keines weiteren. Beweises. Die Frau muß mit dazu beitragen, daß jüdische Werte wieder neuebelebt werden und. ln ihrer Wertschätzung steigen. DIE STIMME fMan wirft uns Zionisten immer vor, daß wir Politik in die Ku-ltusstube bringen wollen. Es wäre wohl an der Zeit, damit zu brechen, die Politik den Leuten immer als Schreckgespenst vorzuführen. Politik ist heute ein integrierender Bestandteil unseres täglichen Lebens, wir müssen uns stündlich mit der Politik beschäftigen, wollen wir nicht ernsten wirtschaftlichen und moralischen Schaden leiden. Der Begriff ist so wenig umnssen, daß man nicht sagen kann, wo die Politik beginnt und wo sie endet. Man spricht doch sogar von der Politik, die eine kluge Frau ihrem Manne gegenüber cinschlägt. Nur die Kultusgemeinde soll sich ängstlich vor der Politik hüten, die täglich mit ihren komplizierten Problemen an uns herantritt? Aber gerade die Frauen sind es, die trotz aller Gegensätze der Politik, imstande sind, auch im Verein mit Gegnern Ersprießliches zu leisten. Die jüdische Frau wird sich in der Kultusgemeinde in weiser Beschränkung nicht Fragen zuwenden, die ihr durch unsere religiösen Vorschriften und unsere Tradition verschlossen sind. Ein religiöser Mensch wird eine solche Zumutung an sie gar nicht zu stellen wagen. Aber das weite Feld der Betätigung auf sozialem und kulturellem Gebiete steht ihr offen, und gerade auf diesen Gebieten wird die jüdische Gemeinde der Mitarbeit der Frauen auf die Dauer nicht entraten können. Unsere soziale Fürsorge kann sich nicht nach dem Muster der staatlichen und kommunalen Fürsorge richten, denn w.ir haben vor allem Leute zu betreuen, die infolge ihrer Zuständigkeitsverhältnisse von den anderen öffentlichen Fürsorgeinstitutionen ausgeschlossen sind. Für uns darf es keine Juden geben, die wir nach Heimatsberechtigung und Staatsbürgerschaft trennen, für uns dars es nur Juden geben, denen wir helfen müssen, wenn sie notleidend sind, weil ihnen die anderen nicht helfen wollen. Auf kulturellem Gebiete fällt der Amerikanisches kleider-Ahonnemenl Dauer 2 Jahre Kleider bleiben Ihr Eigentum Monatlich S 60. - 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Herbst-Anzug.. 1 Frühjahrs-Ulster 1 Winter-Ulster - 1 Modehose Instandhaltung kostenlos Verlangen Sie Prospekt I Bei Einzelbestellnng Zahlungsorfolch'emng American Tailor* Brüder Koch e. m. n. h. Nachfolger Max Altar VI., Mariahilfe rstr. 17 (Mezzanin) Fernruf B-29-4-84. Frau vor allem die Aufgabe zu, die J u ge n d mit jüdischem Wesen zu erfüllen. Es darf nicht mehr Vorkommen, daß in jüdischen Häusern sjatt der Chanukkakerzen C h r1 s tba umlichter brennen. Die zionistische Partei Ist die einzige, die als einen ihrer Hauptprogrammpunkte die Erhaltung der Jugend für das Judentum fordert. Die jüdische Frau muß diese Bestrebungen teilen und unterstützen, denn sie ist es, die für die küfntige Generation die Verantwortung trägt Wenn je, so gilt hier das Wort Herzls von der «Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland». Die jüdische Frau ist dazu berufen, die Rückkehr zum Judentum bei der jüdischen Jugend in die Wege zu leiten und der Abkehr vom Judentum, die sich jetzt immer breiter macht, wirksam entgegenzutreten. Deshalb fordern die Zionisten Sitz und Stimme; für die jüdische Frau in der jüdischen Gemeinde. Nur durch cnc Mitarbeit der Frau kann die Kultusg-enrreinde zu einer wahren Volksgemeinde ausgestaltet werden. Es geht um unser Heiligstes, um unsere Kinder und deshalb wird die jüdische Frau, die am 2. Dezember zur Wahlurne geht, nur für die Partei stimmen können, die ihr die aktive Mitarbeit in der jüdischen Gemeinde ermöglichen will. Budgetprovisorium der Wiener Kultusgemeinde Die letzte Plenarsitzung des ahtretenden Kultusvorstandes. Am 21. November hielt der abtretende Kultusvorvorstand seine letzte, öffentliche Plenarsitzung vor dein Wahlen ab. Auf der Tagesordnung standen zwei Programmpunkte, die ganz bedeutend in die Machtsphäre des neu zu wählenden Kultusvörstandes Eingreifen. Nach dem Tätigkeitsbericht und der Verlesung des Ein¬ Herren- und Domen-Ktcider noch Maß Rticbe Zthline o*7b UebewiB*«m»s». Jolütamn R.€scflm€* Wien, TI., Marlahllferstraße 107, Tel. B 27-2-88 laufes durch Amtsdirektor Regier ungs rat F u c h s g«e i b beantragte der Finanzreferent Regierungsrat Doktor Oppenheim ein Budgetprovisorium für die ersten zwei Monate de4? Verwaltungsjahres 1929, da der mit dem Wahltage außer Funktion tretende Kultusvorstand nicht mehr befugt sei, ein Budget für das nächste Jahr zu verabschieden. Um aber bis zur Aktionsfähigkeit des neuen Kultusvörstandes nicht einen ex lex-Zustand eintreten zu lassen, habe mau zu dem Mittel eines Budgetprovisoriums im Rahmen des Voranschlages für das Jahr 1928 gegriffen. Der Obmann des Zionistischen Klubs, Dr. F r i e dmann erklärte sich namens seiner Partei mit diesem Vorschläge einverstanden, zumal ja der neue Kultusvorstand die Möglichkeit haben werde, falls er vor Ablauf des Budgetprovisoriums Zusammentritt, die ihm genehmen Aenderungen zu beschließen. Gegen den zweiten Antrag ries Referenten, das vereinfachte Steuerverfahren auch für das nächste Jahr zu beschließen, erklärte Dr. Friedmann, stimmen zu müssen, da dieser Beschluß ein allzu weitgehender Eingriff in die Rechte des kommenden Kultusvorstandes darstelle. Es mag wohl für die Vorschreibung und rasche Eintreibung der Steuern von Vorteil sein, wenn man, wie bisher in unbedenklichen Fällen einfach die Steuervorschreibung des Vorjahres übernimmt, doch dürfe man diesen Zustand nicht perpetuieren. Im Laufe mehrerer Jahre ändern sich die Einkommensverhältnisse jedes Zensiten und man müsse wieder zu der ordentlichen Veranlagung im Wege der Einberufung der zuständigen Kommissionen greifen. Ob das nicht schon im kommenden Jahr der Fall wird sein müssen, wird der künftige Vorstand zu entscheiden haben. Auch das eventuelle Abänderungsrecht an dem jetzigen Beschlüsse wird nicht mehr viel helfen, wenn bereits die Steuermandate auf Grund des vereinfachten Verfahrens herausgegangen sind,, denn eine Rückziehung dieser Mandate würde eine heillose Verwirrung anrichten. Aus diesen Gründen stimmte die z i 0 n i s t i s c h c Fra k t i 0 n g e g e n den zweiten Antrag, der nur mit den Stimmen de* Mehrheit zur A n n a h m e gelangte. Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Wahlen in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Das Präsidium der Israelitischen Kuttusgemeindc teilt mit Bezug auf die am 2. Dezember 1. J. stattfindenden Wahlen mit: Zufolge der Entscheidung des Buu.- desministeriums.für Unterricht vom 22. November 1928, ZI. 34.079/Kültusamt-c wurden die laut Kundmachung vom 19, November 1928 verlautbarten Wahlvorschlagslisten der Wählergruppe «Partei de'r niolitzionistischen werktätigen Juden» für die Wahl der Mitglieder des Vorstandes und der Vertrauensmänner der Kultusgemeinde als ungültig erklärt. Die Verlautbarung dieser Wahlvorschlägslisten ist somit hinfällig geworden. . Stimmzettel, die auf die Wahlvorschläge der Wählergruppe «Partei der nichfczionistischen werktätigen Juden» lauten, sind ungültig. Wien, 23. November 1928. Der Präsident der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien: Professor Dr. Alois Pick m. p. Aufruf Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemernde Wien wird über Ersuchen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg verlautbart: Am 12. April 1915 hat Herr Leo Silber- Schein, geboren den 7. Juni 1891, der Deutsch-israelitischen Gemeinde Hamburg das ihm gehörige Sparkassabuch der Hamburger Sparkassa von 1827, Nr. 367.050, dessen Aufwertungswert etwa 55 Reichsmark beträgt, zur Aufbewahrung übergeben. Gemäß den damals vereinbarten Bewahrungsbedingungen fordert die Deutsch-israelitische Gemeinde Hamburg Herrn Leo Silberschein hiermit auf, sich unter Ausweis seiner Identität bei der genannten Gemeinde zur Wiederinempfangnahme des Sparkassabuches zu melden. Sollte Herr Leo Silberschein verstürben sein, so werden seine Erben aufgefordert, sich bei der Hamburger Gemeinde unter Nachweis seines Todes und ihrer Erbberechtigung zur Inempfangnahme des Sparkassabuches zu melden. werden Neuralgie, Gicht, Rheuma, Ischias. Verdaungssiörungen behandelt Im Therapeutischen Institut, Wien, •!., Aust-t' iii'ö ss r Auskünfte kostenlos

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