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Die Stimme · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 48 DIE STIMME Seite 7 Hämorrhoiden sind heilbar! wenn Sie Haimalan-Salbe und Zäpfchen verwenden Keine SoJunerseat Keine Bindungen! Rathaus «Apotheke, Wien, I., Rathausslraße 3 1# »Iten Apeihek*» erttkttHebt plötzlich in den grellen Lichtschein der Freiheit kamen, da entstand in der jüdischen Seele, ein schwerer innerer Zwiespalt. Die Freiheit war zu unvermutet gekommen, die Juden wußten nicht recht, wem sie angehören sollten, ln diesem Zwiespalt entstand das sogenannte liberale Judentum, der Vorläufe, der heutigen «Union deutschösterreichischer Juden.» Die Juden wußten nicht, ob sie noch Juden oder schon Vollblutgermanen seien. In dieser Atmosphäre gedieh das Tempeljudentum, dessen typischer Vertreter, der ehemalige ungarische Minister V a z s o n y, erklärte, daß er nur im Tempel Jude sei, außerhalb des Tempels fühle er sich als Magyare. Das ist der Geist der Herren von der «Union», der solange herrschend war, bis von Wien aus die jüdischen Geister durch Theodor Herzl aufgerüttelt wurden. Plötzlich traten die Zionisten auf den Plan und forderten stürmisch die Eroberung der jüdischen Gemeinde, um sie aus ihrem totähnlichen Schlafe zu erwecken, um sie aus einer Israelitischen Kultusgemeinde zu einer jüdischen Volksgemeinde zu machen. Da schrie/i die liberalen Juden, daß wir das Gesetz brechen, wenn wir die Kultusgemeinde aus ihrem allzu eng gezogenen Rahmen herausheben, das Gesetz, das sie selbst formuliert haben, an dem sie sel'bst mitschuldig sind. Warum sind die Statuten der Linzer Kultusgemeinde, warum der Grazer Kultusgemeinde nicht gesetzwidrig, die klipp und klar aussprechen, daß die Kultusgemeinde den allgemeinen Bedürfnissen der Gemeindemitglieder zu dienen habe? Nicht nur die einseitige Befriedigung des religiösen Bedürfnisses ist der Kultusgemeinde Vorbehalten; sie muß der Brennpunkt, das Zentrum des ganzen jüdischen Lebens ihrer Mitglieder sein. Wir Zionisten treten selbstverständlich für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse aller im Judentum vertretenen Richtungen ein. Wir tragen dafür Sorge, daß der hebräische Teil des Gottesdienstes ausgebaut werde und daß auch ln den deutschen Predigten die Gemeindemitglieder mit den Problemen vertraut gemacht werden, die das ganze jüdische Volk betreffen. Vor altem aber sind wir Zionisten in Graz bestrebt, die Jugend mit jüdischen Idealen z u e r f ü 11 e n, sie dem Judentum zuzuführen. Wir sind so glücklich, einen jüdischen Kindergarten und eine jüdische Volksschule zu besitzen. Die jüdische Schule muß in vielen Fällen das ersetzen, was das jüdische Elternhaus leider sehr oft vermissen läßt. Die Wiener Judengemeinde, die weit größer ist als die Grazer, müßte natürlich das Schulwesen viel mehr ausgestalten, als wir es in Graz in den bescheidenen Verhältnissen tun können. Das jüd'sche Realgymnasium, das Wien besitzt, dürfte nicht auf Subventionen und auf Mildtätigkeit aufgebaut sein, es ist vielmehr Pflicht der Kultusgemeinde, diese mustergültige Anstalt ganz aus den Gemeindemittein zu erhalten. Wir haben, seitdem wir am Ruder sind, mit dem alten Religionsunterricht gründlich aufgeräumt Bei uns in Graz lernen die Kinder nicht mehr sinnlos hebräische Worte memorieren, die sie mechanisch übersetzen müssen. Bei uns wird Hebräisch, so wie jede andere Fremdsprache, systematisch nach der Grammatik | und dem Vokabulaire gelehrt. Der Unterricht ln der j jüdischen Geschichte wird systematisch er- | teilt, so daß die Jugend eine abgeschlossene jüdische Unlver- * salblldung erhält. Unsere erziel.erlschen Maßnahmen erstrecken sich jedoch nicht auf die Schulzeit allein. Wir suchen die Jugend durch Sport- und ihnen angegliederte Kulturvereine auch weiterhin mit dem Judentum in Kontakt zu halten. Wir bemühen uns, dweh Vorträge auch Erwachsene in den Bannkreis der Kultusgemeinde zu ziehen und haben schon die schönsten Erfolge zu verzeichnen. Wir bleiben ln ständigem Kontakt mit den jüdischen Massen, denn, sowie die jüdischen Massen ihre Führer nicht im Stiche lassen dürfen, so darf der jüdische Führer, wenn er einmal gewählt ist, den, Zusammenhang mit seiner Wählerschaft nicht verlieren. Englische Herrenstoffe Beim Tuchhaus Rudolf Teweles, VI., Mariahilferstraße I2S, ist eine große Post ganz feiner Herren- und Damenstoffe durch einen günstigen Schluß aus England ewigelangt. (Entgeltlich.) Auch wir in Graz haben eine «Union», wenn auch in verkleinertem Maßstabe, und auch diese Herrn versuchen mit allen Mitteln unsere gedeihliche Arbeit zu stören. Dank der zionistischen Majorität in der Gemeinde, können wir aber unser Programm voll und ganz durchsetzen. Wir wollten vor zwei Jahren eine Vereinigung sämtlicher österreichischer Judengemeinden zustande bringen und kamen nach Wien, uni die Verträge zu perfektionieren. Mit Ausnahme von drei kleinen orthodoxen burgenländischen Gemeinden, waren von allen Kultusgemcinden Oesterreichs Vertreter erschienen. Plötzlich erklärte die Wiener Kultusgemeinde, die infolge ihrer hervorragenden Stellung die Führung übernehmen sollte, daß sie nicht mittue. Die «Union» hat damals den Gemeindebund vereitelt, weil sie in dem Zusammenschluß aller Gemeinden eine Stärkung des jüdischen Gedankens witterte und dies verhindern wollte. Aber die armselige Erbin des abgehausten Liberalismus kann höchstens verzögern, nicht verhindern; der jüdische Gedanke wächst trotz der kläglichen Quertreibereien und der Gemein debund wird kommen, weil erkommen muß! Wir Zionisten in Graz haben mit Freude und Genugtuung, das Wiener zionistische Programm für den Festsaal des Archilekfenvereinss § Wien, I., Eschenbachgaise 9 | Montag» den iS Oezember, pflnkflic!) bald 8 Ubr abends erzählt neue schwänne Karton In dar Buchhandlung Richard LAnyl. Wlan, U Kürntneratr. 44 ß und In dar Buchhandlung R, LBwIt, Wien. I., RotanturmatraOa 22 O von 70 Groschen bla 4 Schilling O © Kultuswahlkampf gelesen, denn wir haben erkannt, daß es Punkt für Punkt unser Programm ist, mit dem wir schon so viele Erfolge errungen haben. Es ist das Programm jeder Judengemeinde, es kann auf die Kultusgemeinden der ganzen Welt Anwendung finden. Das zionistische Programm, es ist das einzig positive Programm, daß den jüdischen Wählern in diesem Wahlkampfe geboten wird. Das zionistische Element ist das aktive Prinzip im Judentum. Die zionistischen Mandatare haben den Willen und die Fähigkeit das große Programm in Wirklichkeit umzusetzen. Wünschen wir, daß der Ausgang des Wahlkampfes ihnen die Verwirklichung ihres Programes ermögliche, zum Nutzen der Wiener jüdischen Gemeinschaft und des ganzen jüdischen Volkes! (Stürmischer minutenlanger Beifall.) Der zionistische Listenfuhrer Dr. Desider Friedmann trat in einer zündender Rede der alten Verleumdung der «Union» entgegen, daß die Zionisten die positive Arbeit in der Kultusgemeinde verhindert hätten und erinnerte daran, daß im Jahre 1920, in der Zeit der ärgsten Inflation die Zionisten es waren, die den Bestand der Kultusgemeinde sicherten, weil die Mandatare der Union einfach davonlaufen wollten und so den Weg für den Regierungskommissär freigemacht hätten, was das Ende der Autonomie der Kultusgemeinde zur Folge gehabt hätte. Alles, was in den letzten Jahren in der Kultusgemeinde Neues geschah, alle Reformen und Aenderungen sind, so sagte der Redner, auf unsere Anregung hin geschehen. Die Referenten der Union verlassen sich einfach auf den tüchtigen Amtsdirektor der Kultusgemeinde und verlesen dessen Referate in den Sitzungen. Wir hatten zwei große Konflikte mit der Mehrheit. Den einen wegen Verhinderung des Gemeindebundes, dessen Schaffung selbst die «Union» seit dem Jahre 1884 auf ihrem Programm hat, das sie aber jetzt so schmählich mißachtet. Der zweite Konflikt entstand damals, als I GummisfriimpfE jj WienJJdlßrgpssBB» einige Herren der «Union» das Bedürfnis hatten, nach Budapest zu fahren, um die Horthy-Juden zu beglückwünschen, die der Judenschaft der gesamten Welt kt den Arm gefallen waren, als diese sich erbötig machte, die Schande des ungarischen numerus clausus auszumerzen. Wir sind verschiedener Ansicht mit der «Union» über das jetzt geübte Wahlsystem. In Wien gibt es 60.000 jüdische Steuerzahler von denen aber nur 37.000 das Wahlrecht haben. Alle jene wurden ausgeschlossen, denen Ratenzahlungen bewilligt wurden und die infolgedessen ihre Steuern noch nicht voll ausbezahlt haben. Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, daß man sich mit 60 Groschen das Wahlrecht erkaufen kann. Die Kultusgemeinde ist nicht verpflichtet, die 60 Groschen anzunehmen und bringt so die Aermsten, die zahlungs willigsind, um ihr Wahlrecht. Steuerleistungen sind Zwangsleistungen, die kein Mensch in keiner Körperschaft freiwillig erbringt. Warum soll gerade in der Kultusgemeinde eine Ausnahme bestehen? Wir verlangen das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht, unabhängig von jeder Steuerleistung; denn auch diejenigen, die keine Steuern zahlen, erbringen durch die Taxen, Gebühren und anderen indirekten Steuern gewaltige Leistungen für die Gemeinde, die die Eingänge aus den Steuern um ein Beträchtliches übersteigen. Die Besteuerung wird nicht gerecht vorgenommen, weil wir nicht alle Juden erfassen können. Viele Juden, die Steuer zahlen könnten, sind noch nicht in die Steuerliste eingereiht, dafür werden die anderen oft sehr empfindlich übersteuert. Wir wollen durch. Anlegung eines Katasters diese Ungerechtigkeit beseitigen. Wir müssen ein Register über alle Juden führen, um alle gleichmäßig zu Steuerleistungen, wo es angängig ist, heranziehen zu können. Dadurch könnten diejenigen, die jetzt schon sehr hohe Steuern zahlen, entlastet werden. Wir wollen durch Heranziehung aller Juden zur Gemeindearbeit die wahre Volksgemeinde schaffen und deshalb verlangen wir die Schaffung des allgemeinen Wahlrechtes. Wir wollen die jüdische Gemeinde zum Mittelpunkt all dessen, was jüdisch ist, machen, und deshalb fordern wir die jüdischen Wähler und Wählerinnen auf: «Seid nicht lässig am 2. Dezember. Folget nur der; Macht der besseren Argumente und laßt Euch nicht fangen durch die Macht des Geldes. Am Wahltage werden Euch die Automobilde de? «Union» abholen, die von den Geldern, die ihr aus Banken- und Industriellenkreisen zu fließen, bezahlt werden. Erlieget nicht der Versuchung durch diese Schlepper und zeiget, daß Eure jüdischen Ideale nicht für Geld feil sind, zeiget, daß man sich mit Geld keine Mandate In die jüdische Gemeinde erkaufen kann, sondern unr mit redlicher Arbeit und aufrechter Gesinnung. Wählet am 2. Dezember nur die Zionistische Liste!» (Stürmischer Beifall.) Der Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Leo Co’dhammer bekämpfte die Ausstreuung der Union, daß die Zionisten, wenn sie die Majorität erlangen würden, die Kultusgemeinde zugrunde richten müßten. Er wies auf das Beispiel der jüdischen Großgemeinde Berlin hin, wo die Zionisten in der Leitung der Gemeinde die besten Erfolge erzielen. So haben sie u. a. Kreditkassen für jüdische Gewerbetreibende geschaffen, die es ermöglichen, gefährdete Existenzen zu stützen, um die Leute nicht dem Eiend des Almosennehmens anheimfallen zu lassen. Kranken- und Sterbekassen dienen dazu, den jüdischen Gemeindemitgliedern ln den ärgsten Zeiten beizustehen. Ebenso werden große Gemeinden in der Tschechoslowakei geführt und so wollen wir auch, daß die Wiener Gemeinde verwaltet werde. Wir machen kein Hehl daraus, daß wir getreu dem Herzischen Grundsatz die K u 1yyffiui/i/iafti Richard Herzog, II, Kieine Piurrg. 28 / Tel. R 23-4-90 r«l in euren Wc^irSc«»« zur für «li« Kailfusäemeincjtewciftil

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