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Die Stimme · 1928-11-29 · Heft 48 (29.11.1928) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 48 (29.11.1928)
Date
1928-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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me etTUlfp uic «91 immc Nr. 48 Sette 4 * fck Fried! Tisser Wien, II Oswald Reicher Wien, i Verlobte irr» November 1928. Die Zionistische Bezirkssektion Innere Stadt gratuliert Ihrem Obmann-Stellvertreter Herrn Oswald Reicher anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Friedl Tisser. ist. Ich sagte mir: Wenn die Jugend Triests v^eicht nicht gleich in die Synagoge zu bringen ist, in den Vortragssaal wird sie zu bringen sein. Während sechs Jahren hielt ich in Triest ohne Unterbrechung neben den Abendkursen für die J u g e n d Ö f f e n 11 i c h e, für Juden und Nichtjuden zugängliche Vorträge ab. In diesen Vorträgen suchte ich den Zuhörern ein Bild zu machen von dem, was das Judentum seit Jahrtausenden der Menschheit geschenkt hat und. was die Menschheit vom Judentum zu erwarten hat. Es gereicht mir zu großer Befriedigung, feststellenzu können, daß nicht nur zahlreiche Nichtjuden, sondern, was viel bedeutungsvoller ist, auch aus dem Judentum ausgetretene und ihm vollständig entfremdete Mitglieder den Weg zu uns fanden. Ich habe auch eine Zeitschrift gegründet, die vielleicht einzig in ihrer Art war, die kernen einzigen Abonnenten hatte — eine Monatsschrift, die jedem Mitgiiede gratis ins Haus geschickt wurde. Sie bestand aus drei Teilen: im ersten Teile wurde in möglichster Kürze über dte hervorragendsten Erscheinungen des letztverfiossenen Monates berichtet. Im zweiten Teile waren kleine populär-wissenschaftliche Notizen enthalten, im dritten Teile berichtete ich über das-jüdische Leben in Triest aus Vergangenheit und Gegenwart. Gewiß, ich kann nicht sagen, daß in Triest meine" Mission, beendet ist, aber ich darf wohl sägen, daß die AbfaJfbewegung so gut wie aufgehört hat. Ich darr sagen, daß ein .großer Teil der Jugend dem Judentum wieder gewönnen ist. Die Jugend Triests hat einen. Zirkel gebildet, um sich in jüdischer Geschichte fortzu-’ bilden. Meine Arbeit wurde erschwert, zum Teile unterbrochen durch den Kriegsausbruch; Sie, die Sie Irri Hinteriande leben, können sich keinen Begriff davon machen, was wir im engsten Kriegsgebiete zu leiden hatten. Jeder von uns war der Angeberqi ausgesetzt, , keiner war seines Lebens und seiner Ehre sicher. Da galt es mir, bei der Regierung für ungerecht verurteilte und verdächtige Juden einzuschreiten, galt es auf der Hut zu sein, daß sich der Antisemitismus iund der Klerikalismus nicht im öffentlichen Leben in* (Triest breitmache. Ich hatte-auch Gelegenheit, soziale Arbeit zu leisten, indem ich eine regelmäßige Leben s- '.mitte-l Verteilung für Arme in Triest eingerichtet habe. ■ Mitten in dieser schwerem, verantwortungsvollen Arbeit, trat an mich der Ruf Ihres Präsidiums heran; glauben Sie nicht, daß ich mir die Schwierigkeiten ver-; hehle, die meiner warten. Ich weiß sehr wohl, was es bedeutet, der Nachfolger von Männern zu sein, die, wenn sie auch noch unter uns weilen, einen großen historischen Namen im Judentume haben; was es bedeutet, an leitender Stelle mitzuarbeiten an der geistigen Führung einer Großgemeinde, deren Größe allerdings erstin der Zukunft liegt. Irgendwie, sei es im Rahmen der geplanten Verfassungsänderung, wird es möglich sein müssen, daß das Judentum Oesterreichs sich organisiere; in dieser Organisation wird der Gemeinde und dem Rabbiner Wiens eine schwere Arbeit erwachsen. Bereits vor dem Kriege war Oesterreich die Vormacht gegen den Osten,; jetzt wird sie es. noch viel mehr sein durch die Verbindung mit dem türkischen Reiche, in dem sich in nächster Zeit dieZukunftdes Judent ums entscheiden wird. Es darf nicht Vorkommen, daß wir von Deutschland an diese unsere historische Pflicht gemahnt werden müsse«; das österreichische Judentum muß die Führung in. dieser Sache wieder erlangen und für alle Zukunft behalten. Ich weiß wohl, was es bedeutet, (Be Jugend, die uns auch hier zum großen Teile entfremdet lat, wieder zu gewinnen. Was im Kleinen gelungen ist, muß auch Im Großen möglich sein. Man muß den Mut haben, der Wahrheit ins Auge zu.sehen. Es .muß..möglich sein, unserer Jugend erklärlich zu machen, daß Jude zu sein,-nicht eine Unehre und eine Last ist, daß . es sich lohnt, für das Judentum zu kämpfe« und wieweit mit dem Judentum das Schicksal der Menschheit und ihrer Kultur verknüpft ist. Glaube« Sie nicht, daß ich all diese Schwierigkeiten mir verhehle: wenn ich trotzdem heute vor Ihnen erscheine und mich bereit erkläre, wenn Sie mir Vertrauen sehen? ken, diese schwere Bürde auf mich zu nehmen, geschieht dies, weil ich die Kraft in mir fühle, diese Aufgabe auszu führen. Halten Sie dies nicht für überheblichy denn Ich würde es als Gewissenlosigkeit ansehen, wen« ein Mann, def nicht selbst a« seine Kraft glaubt, eine Aufgabe durchzuführen, sich an eine solche Aufgabe heranwagt. Ich kenne die Grenzen meiner Kraft, ich kenne aber auch die Quelle meiner Kraft. Ich sage Ihnen: Glauben Sie, einen Mann brauchen zu können, der eine vielleicht nicht alltägliche Kenntnis des jüdischen Geisteslebens hat, glauben Sie, einen Mann brauchen zu können, der mit heißer unbegrenzter Liebe an seinem Volke hängt, der bereit ist, und ich bitte das nicht für eine Phrase zu nehmen, für das Judentum sein letztes Herzblut zu opfern, glauben Sie, einen Mann brauchen zu können, der friedlich und nachgiebig ist, soweit er es. sein darf, der aber unbeugsam an seinem Rechte festhält, der das Recht auf geistige Unabhängigkeit als höchsten, unantastbaren Schatz betrachtet, der weder durch Drohungen, noch durch Versuchungen vom Wege abgebracht werden kann, den sein Gewissen ihm vorschreibt, glauben Sie, einen Mann brauchen zu können, der innig an den Gebräuchen seiner Väter festhält, soweit sie historisch gegeben sind, der aber nicht auf das Recht der BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, ll„ TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-P58 M. RATH’S Neueröffnete Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen Ina Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutscb- Judaica in reicher Auswahl'** Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3*— * Keine Bondgebühr freien Kritik verzichtet, der das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden'weiß, — wenn Sie glauben, einen Mann brauchen zu können, der seine beste1; Arbeit der Erziehung der Jug.end wird widmen wollen, der nach Kräften jede Bestrebungfördern wird, die die Frau als gleichberechtigte Mitarbeiterin wird haben wollen (denn man braucht* kein*. Bismarck zu sein, um zu erkennen, daß ein Volksleben, das'die Frau vernachlässigt, auf Sand gebaut ist), wenn Sie glauben, einen Mann brauchen zu können, der innig und überzeugt von der Auserwühltheit unseres Volkes, der ein treuer Bürger des Staates ist; in welchem wir Ipbcn, der aber bereit ist, in dam Kampf für-unser R echt zu gehen, für unser Recht auf die-uns z ü k 6 mmen d e Beteiligung am politischen und wirtschaftlichen Leben, dann dtirfen-Sie dem Vorschläge Ihres Vorstandes zustimmerj. Ohne falsches Pathos, als Ausdruck meiner Ueberzeugung sage ich: 1 jeder Schlag meines Herzens, jeder Teil meiner Kraft, jede Frucht meines ödstes, jeder Tag meines Lebens soll und wird dem Wöhle des Judentums, dem Gedeihen unserer Gemeinschaft voll und ganz gewidmet sein. fcin Notruf Am 19. Kislew (2. Dezember d. J.)’ jäh-rt sich der Todestag des Oberrabbiners Prof. Dr. H. P. C h a jes s. A. Seine homane wie auch seine kulturelle Tätigkeit galt, wie es. jedes Mitglied der jüdischen Gemeinde beobachten konnte, hauptsächlich der jüdischen Jugend, insbesondere dem jüdischen K «de. Eine seiner ersten Leistungen in Wien war daher die Gründung des Vereines «Jüdische K i n d e t f r e u n d e», denn bis zu seinem Ableben sein weitestgehendes und .tiefstes. Interesse gegolten hat Die Jüdischen Kinderfreunde befürsorgen in Heimstätten und Kindergärten ü b e r 2 3 0 Kinder des jüdischen Proletariats und Mittelstandes. Die vorschuipfl chUgen Kinder in den Kindergärten werden tagsüber von pädagogisch geschulten Kindergärtnerinnen betreut und vollständig verpflegt. Die Heimstättenkinder, kommen von der -Schule direkt ins Heim, wo sie unter Aufsicht von geschulten Lehrkräften den ganzen Nachmittag verbringen, und erhalten Mittagessen und Jause, ln den He’mstätten bietet dqr Verein den Kindern, abgesehen von allgemein-erzieherischer Beeinflussung, Schulnachhilfe. Unterricht ip Hebräisch, jüdischer Geschichte, Handfertigkeiten usw. Durch die Erhaltung d-'eser Kindergärten und Heimstätte« ermöglicht der Verein de« Eltern dieser Kinder, oft nur einzelnen Eltern teilen — indem er ihnen die Sorgen um ihre Kinder während des Tages apnimmt — einem Berufe nachzugehen. In den Sqnrniermonateu entsendet der Verein ciö K’nder in ein Erhohmgsheim und gibt Hm«« somit Gelegenheit, :n frischer, gesunder Luft di« Ferien zu verbringen. Wer Gelegenheit hatte, den Verewigten ln der Mitte dieser Kleinen zu sehen, seine Freude an ihrem Speien und Tolle«, weiß, wie er die Arbeit dieses Vereines gewertet hat und welche' Wichtigkeit er ihr beimaß. Durch sein leider so frühes Hinscheiden Ist der Verein in eine s£hr schwierige Situation geraten. Unter Anspannung aller Kräfte gelang es bismm, seine Institutionen zu erhalten und jetzt kämpft er mit der Katastrophe der Sperre seiner Heime. ' ln der letzten, unter dem Vorsitze des Verewigten stattgefundenen Kürätoriumssitzimg des Vereines sagte er: «Der verein hat sich durch seine Tätigkeit ein historisches Verdienst um das Wxeiier jüdische Kind erworben.» Desca Verdienst, mit' dem Vereine zni teile«, werden alte Juden. Wiens ersucht Spenden für den Verein «Jüdische K n-äerfreur.de» (11., Obere Donaustraße 91, Postsparkassenkonto 184:197) nimmt die Administration entgegen. Eine Gede nk schrift für Oberrabbiner Chajes G1e:ch nach dem Ableben des unvergeßFchen Oberraibbners Prof., Dr. H. P. Chajes haben sich einige Vertreter der jüdischen Wissenschaft, die dom Verstorbenen besonders nahestanden, zu einem Komitee vereinigt, um eine Gedenkschrift für ihn hmuszugeben. Das Komitee wandte sich an eine größere Anzahl namhafter Gelehrter mit folgendem Aufruf: «In der umfassenden, aufopferungsvollen Arbeit des leider so früh heimgegangenen Oberrabbiners Prof. Dr. H. P. Chajes für das jüdische Volk nahm die Tätig-4, keit für die 'Wissenschaft des Judentums einen hervor-' ragenden P'-?.tz ein. Wie er ihr als Gelehrter mit seinem Geiste und seiner Liebe diente, so widmete er ihr als Förderer einen großen Teil seiner Tatkraft und seines Einflusses. Es soll daher auch die Wissenschaft des Judentums ihren Dank und ihre Verehrung für. diesen großen Sohn unseres Volkes zum Ausdruck bringe«, Indem sie ihm mit einer dem Inhalte nach gediegenen, der äußere« Form nach würdig ausgestatfeten wissenschaftlichen S a m m e 1 s ch ri 11 ein. Denkmal setzt.» .Es haben ■ folgende Herren Beiträge zugesagt: EN. A dl er, London; Doz. Dr. Ch. Al b ec k, Hochschute,. Berlin; Prof. Dr. V. Aptowitzer, TheoL Lehranstalt, Wien; Doz. Rabbi S. A s s a f, Universität, Jerusalem; Pröf. Dr. S. Baron, Jewösh Institute of Religiön, New York; Ch. N. Bialik, Tel-Aviv; Direktor Prof. L.'BIäö, Landesrabbinersehnte, Budapest; Dr. Joshua B1 o c h, Public Library, New York; Rektor Prof. Dr. Ä. Büchler, Jews CoMege, London; Prof. Dr Umberto Cassuto, Universität, Florenz; Prof. Dr. J, Davidson, Theologica! Semjnary, New York; Doz. Dr. Z. D i e s e n d r u c Universität,- Jerusalem; * Prof. Dr. EJ.bogen, . Hochschule, .Berlin; Prof. Dr. J. N. Eps t e} o, Universität, Jerusalem; Prof. Dr. A/FreHih:atin; Stadtblblföthek;'Frankfurt'a; M.; Prof. Dr. \ U. G i n z b org; Tfräological!Serritey, Ndw-Yotk; Prof. Dr.; M.-G‘udtimah n, Jüd. Seminar, Bresfauj Prof, Dr S; KI cl n, Nove-Zamkyij vDr; G.;A. Koh üt; New Yc>rk;v Prof. Dr.; S. Krauß, Theol. Lehranstalt, Wien; Prof. Dr. j! Z. Lauterbach, Hobrew UiVtro College, Cincinnati; Oberhausmitglied . Oberrabbiner Dr. . J. L ö w, Szeged; Prof. Dr.: J_\ Man n„ Hebrew Union College,.'Cincinnati; Prof Dr. L M a rgolis, Dropsie College,. Philadelphia; -FiuE. Dri j. Marion, Berlin; Prof, ’ Df. A. Marx, Theofog’-cal Seminary, New York; ' Prof. Dt. Eugen Mittwoch, Universität, Berlin; Dr. B. Mur meiste in, Wien; Rabbiner Prof. Dr. , F. Perl.es, Universität, Königsberg; Dr. C. Roth, London; Doz. Dr. G.' Sc hodem, Universität, Jerusalem; Rektor Prof. Dr. A. Sch wärz, Theol. Lehranstalt, Wien; (?ab- : biner Prof., Dr. Ä.: Z. ,Sch warz, .Wien; A.- S ch w a rzb e r g, New York; Prof. S. S e e 1 i g m a n n, Rabb'nersemi-nar, Amsterdam; Prof. Dr. D. Simonsen, Kopenhagen; Doz. Dr. H. Torczyner, Hochschule Berlin; Dr. B, Wachste in, Bibliothek der Israelit'scheu Kultus^ geme'unde, Wien; Prof. Dr. H. Ä. W o 1 f s o h n, Harvard, Universlty; Prof. Dr. H. J. Zimmel's, ^ien; Prof. Dr. M. R o s e n f e I d gemeinsam mit Herrn Sau! Chajes besorgen die Bbl-ographie. Die größtenteils hebräisch geschriebenen Aufsätze gehören folgenden Gebieten an: Bibel, Halacha; Agada, Patristik, Philosophie, Geschichte, Poesie, Folklor, Bibliographie und andere. Die Mrtgleder des Komitees sind: Hofrat Rektor Prof. Dr. A. Schwarz (Vorsitzender), Prof. Dr. V. Aptowitzef, Prof. Dr, A. Frei man n, Dr. George A. Kobout, Prof. Dr. S'. K r* u ß, Oberhausmitglied Öberrabbiner Dr. L L ö w, Rabbiner Prof. Dr. A. Z. S c h w a r z. Aus verschiedenen Ursachen konnte die Gedenkschrift rriclit rechtzeitig zur ersten Wiederkehr des Todestages erscheinen, es ist aber bei derart gen. Verspätungen Usus, am bestimmten Tage wenigstens ein Verzeichnis der Mitarbeiter zu veröffentlichend Diesem Brauche folgte ich hier. Prof. Dr. V. AptowHzer. wMwooeaeopooQQaaoaQQBQoooaooQBaoeoooia Alle jüdischen und hebräischen Gesänge, welche von Oberkantor Josef Rosenblatt auf nebenseräuschfreieu Columbia- P j a 11 e n aufgenomroeü wurden, hält das M u s i k h a u s «E x c e 1 s i o r», Wien, I., AdJergasse 5 und II., Kleine Piarrgasse 28, stets auf ^ager* (Entgeltlich-) Wählet die »Zionistische Liste«, die für die wahre Demokratie und Neubelebung der Kultusgemeinde eintritt

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