Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1928)
- Date
- 1928-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053799--0714-3056011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 47 DIE STIMME Seite 7 "TT" 1 •*11 I Wählet die »Zionistische Liste«, die |\ 11 I fl 1 CJW/ CI rl I Pt* I für die wahre Demokratie und Neubelebung der Kultusgemeinde ein tritt Zionistische Ortsgruppe St. Pölten. Am 17. d. veranstal- .itc die Ortsgruppe einen Vortragsabend, zu welchem Herr Prof. Dr. W. S t e i n aus Wien als öasfredner erschienen war; er sprach über die Geschichte der Juden in Niederösterreich und schilderte in vorzüglicher 'eise, auf Grund seiner langjährigen Quellenstudien, einen Zeitabschnitt des Themas b.s in die Zeit des Mittelalters. Sodann bepprach Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Schlichter d»e Geschichte der luden des Burgenlandes. Die sehr gut besuchte Versammlung lohnte die Ausführungen der beiden Rvedner durch reichen Beifall. ~ Am 10., 11. und 12. d. fand hier ein Jugendtreffen des Linzer Blau-Weiß und dem Jüdischen Jugendbund St. Pölten statt. Nach der Begrüßung der Gäste durch das Mitglied der St. Pöltner Bundesleitung, Herrn Schächter, sprach namens der Zionistischen Ortsgruppe St. Pölten Herr Obmann Ing. Holzer und gab seiner Befriedigung Ausdruck, daß über Initiative St. Pöltens die Jugendbünde der Provinz begannen, miteinander hi Kontakt zu treten. Namens des Linzer Blau- Weiß sprach Ortsgruppenieiter Viktor Feder. In reger Debatte wurden diverse technische und organisatorische Fragen eingehend beraten. Als Abschluß der Tagung fanden gemeinsame Tageswanderungen der beiden Jugendverbände statt Jüdische Volksbibllothek «Zion» (Wien, 1L, Kleine Mohrengasse 3). Die Seminare für Talmud und Tanach finden jeden Dienstag um V28 Uhr abends statt. Seminarleiter Dr. A. Birnbaum. Neuanmeldungen nur noch bis zum 27. d. Zionistische Arbeitspartei «HitacHduth» (Wien, II., Ausstellungsstraße 19). Am 27. Oktober fand die Generalversammlung der österr. Organisation der «IMachdiith» statt. Dr. Steinberg hielt ein Referat über das Thema «Die Hitachdoth in der Galuth»; sodann wurden d<e Tätigkeitsberichte erstattet; sodann referierte H. Sslberherz über das künftige Arbeitsprogramm der Hitachdutii in Gesterreich; in der sich daran anschließenden lebhaften Debatte kam u .a. das Verhältnis der Hitachduth zum österr. Landeskomitee zur Sprache; cs wurde der nächsten Leitung dringend nahegelegt, diese Frage einer dringenden Lösung zuzuführen. In die neue Leitung wurden gewählt die Herren Bloch, Kohn, Kanner, Jehuda Meilen, Sifberherz und Salzhauser sowie FrJ. Birnbaum. Zionistische Veranstaltungen. Das Zionistische Landeskomitee macht die Gesinnungsgenossen im eigenen Interesse darauf aufmerksam, daß sie von allen geplanten Veranstaltungen dem Landeskoinitee Mitteilung machen sollen. Auf diese Weise wird es möglich sein, Konkurrenz zwischen den verschiedenen Gruppen und Veranstaltungen zu vermeiden. Diese Konkurrenz schadet erfahrungsgemäß allen Gruppen rücksichtlich der Veranstaltungen, die auf den gleichen Tag oder auf dieselbe Zeit fallen. Zionistische Sektion Prater (11., Jungstraße 8). Freitag, 23. November, '/2 8Uhr abends, Chumasch-Vortrag. Zugänglich auch für Nichtmitglieder. Verein zionistischer Hochschüler «Theodor HerzI». Samstag, 24. November, 8 Uhr abends, im Heim, IX., G’aser- Passe 4, Vortrag Dr. P e 11 c <r: «Sanitäre Verhältnisse in alästina.» Jüdische Hochschüler als Gäste willkommen. Moadon fwri (H., Kleine Mohrengasse 3). Samstag, 24. d., '/-jS Uhr abends. Vortrag Dr. Ch. Tartakower: «Sichronoth Mord’chai Ben-Hilel Hakohen.« Vorher Ausschiußwahien. Gäste willkommen. Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. Freitag, 23. d., Talmudvortrag d. H.!sak Schön fei d. Sonntag, 25. d., Jubiläumsfeier nach dem verstorbenen Dichter Rubin Ascher Braudes: Mitwirkende Dr. David R o t h b 1 u vn u. a. Dienstag, 27. d.. Vortrag Julius Rosenfeld, Matrikdamtslfciter der Israel. Kultusgemeinde: «Probleme unserer Bevölkerungsbewegung.» Alle Veranstaltungen finden im Heime, XX., Jägerstraße 30, um >/28 Uhr abends statt, bei freiem Eintritt auch für Nichtmitglieder. — Die Sektion eröffnet demnächst ein Seminar für hebräische Sprache und Grammatik für Erwachsene, welche im Alt-Hehräisclien bewandert sind; ferner Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene. Emschrelbiwgen allabendlich zwischen 1 und 8 Uhr im Sekretariate. Zion. Jugendorganisation Brigittenau (XX., jilgerstraße Nr. 30). Samstag, 24. d., V68 Uhr abends, Heimabend mit äußerst reichhaltigem Programm; u. a. gelaugt «Die Klabriaspartie», Sketch von A. Bergmann, zur Aufführung. — Sonntag, 25. d., findet anläßlich des ersten Todestages des M'tgl’edes Adolf La ü ber ein Grabgang statt. Treffpunkt yi2 Uhr mittags vor der Zeremonienba’le (111. Tor). Um 5 Uhr nachmittags im Heim Trauerandacht. Miszellen Baron Edmont de Rothschild hat den der PICA nahestehenden Jüdischen Kolonisten große Kapitalen für die Anlage neuer großer Plantagen und Weingärten im Umfange von 1000 Dunam, sowie mm Bau von Bewäseerurtgsanlagen Im Kroditwege zur Verfügung gestellt Innerhalb des moslemitischen Rates ln Palästina, der gegenwärtig von der Familie Husseini beherrscht wird, entstanden sehr scharfe Differenzen, da das Präsidium einen Entwurf eingebracht hat, wonach der Präsident des Obersten Rates für eine neunjährige Dauer gewählt und zur zweimaligen Wiederwahl berechtigt sein soll. Sein Monatsgehalt solle 100 Pfund betragen. Die Opposition tritt für eine Wahldauer von vier Jahren und Ausschließung einer Wiederwahl ein- Das Monatsgehalt solle nur 50 Pfund betragen. Der Streit nimmt so scharfe Formen an, daß man eine Spaltung der Moslem!- ien ln Palästina für wahrscheinlich hält. « Rabbi Hiskla Schabtai, bisher Mitglied des O'berrabblnats von Palästina, ist zum Oborrabblner der Jüdischen Gemeinde von Damaskus gewählt worden. e Am WafrenstiHstandstage (11, November) fand in Jerusalem vor dem stellvertretenden Oberkommtssfir H. C. Luka eine Parade ehemaliger jüdischer Legionäre der britischen Armee statt; an Ihrer Spitze marschierte der Gründer der jüdischen Legionen, Wladimir J a b otinsky. H. C. Luke sowie Colonel Ki-sh hielten Ansprachen an die Legionäre* Die schädliche Politik der „unpolitischen“ Union Von Dr. Jakob Ehrlich. In einer großen Wählerversammlung im Schützensaale ln der Josefstadt rechnete Doktor Ehrlich in meisterhafter Weise mit der «nichtpolitischen» Union ab. Wir geben seine Rede im Wortlaut wieder. Das Niveau der Wahlkämpfe in Wien ist bekanntlich kein sehr hohes, aber das Niveau des jetzigen Kultuswahlkampfes ist an Niedrigkeit kaum zu unterbieten. Es ist fast unglaublich, mit welchen Argumenten unsere Gegner vor die Wähler hinzutreten wagen, mit welchen Waffen sie gegen uns kämpfen. Nur der völligen Ahnungslosigkeit der jüdischen Wähler von den Dingen, die ln der Kultusgemeifade Vorgehen, ist es zuzuschreiben, daß die Union mit der Behauptung ln den Wahlkampf ziehen kann, die Zionisten hätten die ruhige Arbeit in der Kultusgemeinde gestört. Ich will Ihnen ein WIEN, IX., KQLINGASSE NR. 13 WÄHLEN fg———n—i«—rf ii i im ■ i mm ui ii 111 im ii mi hihihi inniiinimiiiiuiMi WENN SIE wenig vor Augen führen, wie die Zionisten edie Ruhe in der Kultusgemeinde» gestört haben. Im Jahre 1920, in der Zeit der heillosen Inflation, als die Steuereingänge über Nacht ln Nichts zerrannen, als ln der Kultusgemeinde das Chao9 ausbrach und ein Heer von buchstäblich hungernden Beamten nach Brot schrie, da wollten die Herren von der «Union» das sinkende Schiff verlassen und konnten von den Zionisten nur förmlich mit Gewalt daran verhindert werden, ihre Mandate niederzulegen, was die Einsetzung eines Regierungsvertreters und damit das Ende der Autonomie der Wiener Judengemeinde bedeutet hätte. Da war es ein Ziomist, der damalige Vizepräsident, unser Listenflihrer Dr. Desider Fr i ed m a n n, der es v«n liquidiertem Lr.gros-Lager «•rdan lief unten* dem Preis abgeqe^eci aorrMANN WtEN. VI., WAZLGAiÜE; Mt. QogenQbar dem Raimund-Theater Kein Osaeen sdenl zuwege brachte, die Finanzen der Kultusgemeinde in Ordnung zu bringen und zu stabilisieren, Das ist d‘ie Störung der friedlichen Arbeit durch die Zionisten. Man wirft uns aber noch etwas anderes vor, man sagi, wir wollen den nationalen Hader in die Kultusgemeinde bringen. Die «Union deutschösterreichischer Juden» hat sich für die Wahlen einen neuen Namen zurechtgelegt, sie nennt sich plötzlich «Jüdische Union, Partei zur Abwehr jeglicher Politik ln der Kuitusgemelude». Es ist unwahr, daß die Herren der «Union» jede Politik aus der Kultusgemeinde ausschalten wollen. Sie wollen sehr wohl Politik, aber nur eine solche, die ihnen paßt. Wir bekennen uns offen und ohne jeden Vorbehalt als Juden und jüdische Politik ist es einzig und allein, die wir in die Kultusgemeinde bringen wollen. Die Union will keine jüdischnationaie Politik, sie will deutschnationale Politik. Heißt cs nicht viel eher nationalen Hader in die Kultusgemeinde tragen, wenn sich Juden als Deutschnationale, als wenn sie sich nur znm Judentum bekennen? ich will Ihnen nur das Beispiel zweier Nachbarländer skizzieren, um Ihnen zu zeigen, welche Politik für uns Juden die j segensreichere ist. In der Tschechoslowakei haben es die Juden unter dem Einfluß der Zionisten abgelehnt, sich zwischen den zwei großen Mühlsteinen der tschechischen und deutschen Politik zerreiben zu lassen und sich offen zur jüdischen Nation b e k a n n t. In der Tschechoslowakei geht es den Juden infolgedessen grt, sie erhalten vom Staate für Ihre kulj turellen und sozialen Einrichtungen reichliche Subventionen und leben mit der nichtjüdiscben Bevölkerung ir. Frieden. Wie anders liegen die Verhältnisse in Ungarn, in dem Lande, in dem die Juden immer nur das Rezept der «Union» befolgt und sich womöglich noch nationalistischer gebärdet haben als die ärgsten Chauvinisten. Die Folgen dieser Politik müssen sie heute am eigenen Leibe verspüren. Bedrückt und verfolgt wie in keinem anderen Lande müssen sie Jetzt ihre Sünden büßen. Der Numerus clausus, den die «Union» immer als Schreckgespenst der zionistischen Politik an die Wand malt, herrscht nur in Ungarn, wo die Juden Immdr die Taktik der «Union» verfolgt haben und jetzt noch verfolgen. Man will die jüdische Bevölkerung damit schrecken, daß die Forderung der Zionisten nach Geltendmachung der Minderheitsrechte die Juden zu Staatsbürgern zweiter Klasse machen könnte. Die Minderheitsrechte sind nicht nur in unserer Verfassung verankert, sie beruhen auf internationalen Bindungen, die nur mit Zustimmung der Völkerbundsmächte abgeändert werden können. Es ist lächerlich, zu behaupten, daß ein Doktor Riehl oder Jerzabek die Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich außer Kraft setzen könne. Die Minderheitsrechtc wurden eingeführt, um nicht nur, wie bisher, das einzelne Individuum zu schützen, sondern die in der Minderheit befindlichen Volksgemeinschaften in ihrer nationalen Eigenart zu erhalten. Es waren wohl in letzter Linie die Juden, an die man gedacht hatte, als man die Minderheitsrechte schuf. Aber auch uns Juden müssen diese Rechte zugute kommen, die den Deutschen in Polen, den Ungarn in Rumänien oder den Deutschen in der Tschechoslowakei zugute kommen. Der österreichische Staat gibt für die katholische Kirche im Jahre 17 Millionen Schilling, für die Protestanten, die weniger als ein Viertel der Juden zählen, 550.000 Schilling, für die jüdischen Bedürfnisse aber im ganzen Jahr den lächerlichen Betrag von 800 Schilling aus. Nahezu zehn Jahre haben wir kämpfen müssen, bis endlich vor wenigen Monaten ein einstimmiger Beschluß des Kultuisvorstandes gefaßt wurde, die Minderheitsrechte geltend zu machen. Derselbe Dr. Orn stein, der in Versammlungen gegen die Inanspruchnahme der Minderheitsrechte zetert, hat die Eingabe an die Bundesregierung unterschrieben und erst vor wenigen Tagen sprach er mit unserem Vizepräsidenten Doktor L Ö w e n h e r z beim Bundeskanzler Dr. Seipel vor, um die Angelegenheit ins Rollen zu bringen. Der Bundeskanzler hat merkwürdigerweise nichts davon gesprochen, daß von nun ab die Juden Staatsbürger zweiter Klasse sein würden, er hat nichts von einem Numerus clausus gesprochen, er sagte bloß, daß er die Forderungen der Judenschaft anerkenne, er müsse nur mit den beteiligten Ministerien über die Höhe und die Modalitäten der Beträge verhandeln. So sehen die Gefahren aus, die zu bekämpfen die Union immer vorgibt. Sie sind einfach nicht vorhanden und leben nur in <..er Phantasie dieser Herren. Auch die zweite Gruppe, die uns im Wahlkampf gegenüberste-ht, die sogenannten «Werktätigen Juden» führen diesen Kampf mit Verleumdungen gegen die Zionisten. So behaupten sie, daß wir es waren, die das Wahlrecht verschlechtert hätten. Ich will Sie an die Zeit vor 20 oder 30 Jahren erinnern. Damals waren die Wahlen in die Kultusgemeinde geradezu idyllisch. Im ganzen wurden nicht mehr als 60 Stimmen abgegeben. Im Jahre 1919 gab es noch das .Kuriensystem in der Kultusgemeinde. Dann erkämpften die Zionisten Das Geheimnis des Erfolges ist zum großen Teil in der repräsentativen Wirkung eines Menschen zu suchen. Die Anschaffung einer eleganten, reichhaltigen Herrengarderobe war früher kein leicht lösbares Problem, wenn man mit seinen Einkünften rechnen mußte. Duroh das von der altrenommierten Firma «American Taliors», Brüder Koch, G. m. b. H. Nachfolger Max Altar, VI., Mariahilferstraße 17 (Mezzanin) geschaffene, verblüffende Abonnementsystem, kann man Sommer und Winter elegantest angezogen gellen, ohne auf einmal, eine, sein Budget schwer belastende Ausgabe tun zu müssen. Im Gegenteil, die Monatsquote dieses allerersten Herrensalons ist derart gering, daß es sogar bei bescheidenen Einkünften möglich ist, den stets gehegten Wunsch nach tadelloser and modernster Kleidung zu erfüllen. Im Uebrlgen verweisen wir auf das Inserat unsere heutigen Nummer auf Seite 9. (Entgeltlich.) Hämorrhoiden sind heilbar! wenn Sie Hafmaian-Salbe und Zäpfchen verwenden Keine Sohxuerzen! Keine Blutungen! Rathaus -Apotheke, Wien, I., Rathausstraße 3 Ia »llcu ipotheVeo «luüliehj