Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1928)
- Date
- 1928-11-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME . Nr. 47 Zionisten! Meldet euch imwjimnii.1. jiimmmiw mumm ln euren Bezlrlcen tat Nifarlteii für die Kuliusgemeindewahl Die Czernowitzer Kultusgemeinde erhält ihre Autc Behandlung gezogen; dazu wurde, wie Felix VVarburg mgibt, eine Ersatzformel gefunden, die ausspricht, daß, im Falle es infolge mangelnder Uebereinstimmung zwischen den Zionisten und Nichtzionisten zu . einem Bruch kommen sollte, der Status quo ante wieder eintreten, d. h. die zionistische Organisation wie bisher die Funktion der Jewish Agency haben soll. Die Bostoner Konferenz hat beschlossen, die Kampagne des United Palestine Appeat unter dem 0 Sie brauchen einen (i j Jungen jüdischen Kopf | */ zum Sekretär, Geschäftsführer usw. Unter »Geringster 1$ =2 Gehalt« an die Adminis ration. Motto «Einheit des Judentums für den Aufbau Palästinas» ohne eine bestimmte Summe (ursprünglich sollten ly* Millionen Dollar als Ziel der Kampagne angesetzt werden) durchzuführen. 250.000 Dollar für die American Zion Commonwealth Der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas, Louis L i p s k y, teilte in der Bostoner Konferenz der United Palestine Appeal mit, daß eine G.uppe Zionisten die Summe von 250.000 D o 11 a r zur Deckung der Verbindlichkeiten der American Zion Commonwealth zur Verfügung gestellt hat. Damit sei die S anierung der Commonwealth vollzogen. Vor einiger Zeit hat, wie bereits berichtet, die Exekutive der amerikanischen zionistischen Organisation unter Zustimmung des Administrativkomitees beschlossen, zwecks Reaktivierung der American Zion Commonwealth Bons in der Höhe von 500.003 D o 11 a r auszugeben, deren Amortisation sich auf 10 Jahre erstreckt. Die Vertretung der französischen , Juden in der Jewish Agency Aus Paris wird gemeldet: Die Verhandlungen zur Bestimmung von zwei Vertretern des französischen Judentums für die Jewish Agency werden in Paris seit längerer Zeit geführt. Die «Alliance Israeli te Universelle» hat den Beschluß gefaßt, sich an der Bildung der Jewish Agency nicht zu beteiligen; dagegen treten die Familie Rothschild und die P ariser Jüdische Gemeinde für Entsendung von-Vertretern des französischen Judentums ein. Es wird als sicher angesehen, daß der sozialistische Führer Leon Blum eines der Mitglieder der französischen Delegation sein wird. Der Regierungswechsel in Rumänien und die Juden Hoffnungen auf Besserung — Die bevorstehenden Neuwahlen (Von unserem Bukarester M-Korrespondenten.) Das Bratianu-Regime mußte nach ihren Skandalaffären, von denen insbesondere der gigantische Petroleumfelderbetrug nachteilige Wirkungen auf die Kreditbemühungen Rumäniens im Auslände hatte, vom Schauplatz verschwinden und die Bauernpartei der National-Zaranisten hat unter ihrem Führer M a n i u eine Regierung gebildet, die sofort Neuwahlen ausschrieb. Mit der gesamten Bevölkerung erhoffen auch die Juden Rumäniens von der Regierung Maniu die lnaugurierung eines wirklichen demokratischen Regimes; cs ist zu erwa.-ten, daß Maniu auch die a n t i s e m i t iä c h e Verwalt u ngspraxis, die bisher mit der KorruptionHand in Hand ging, eindämmen wird. Die verschiedenen antisemitischen Gruppen verwenden in ihrer Propaganda gegen die neue Regierung natürlich auch Drohungen gegen die Juden; demgegenübei hat Maniu erklärt, die Regierung werde jeden Versuch, d.irch illegale Demonstrationen Anarchie hervorzurufen, mit den Wurzeln ausrotten. Antisemitische Exzesse werden von der Regierung als voMcs- und staatsfeindliche Aktionen angesehen und dementsprechend unnachsichtlich bestraft werden; die Regierung habe bereits den in Betracht kommenden Organen entsprechende strenge Weisungen erteilt. Der neue Premier hat unter den Abordnungen verschiedener Kreise der Bevölkerung auch eine Deputation der transsylvanischen Zionisten empfangen; ferne: werkstätte für /esse! und Tische] Saiongainliuren untü llnieimfthci tUcfe« ADLER, VII., APOLLOG. 18 Kalsersir l?J hatte Maniu mit dem Präsidenten der «Union rumänischer Juden», Dr. F i l d e r m a n n, eine Besprechung, die den bevorstehenden Parlamentswahlen galt. D> Regierung will die Wahlfreiheit garantieren und es wird erhofft, daß sie diese Garantie einhalten wird und sich die skandalösen Formen der letzten Wahlen nicht wiederholen werden. Ueber die Haltung der jüdischen Parteien bei den Wahlen sind noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen. Die «Union rumänischer Juden» hat in Sachen der Wahlen einen Kongreß in Bukarest abgehalten, der von 153 Delegierten beschickt war und dem Präsidenten Dr. Fildermann das Mandat erteilte, über die Haltung der «Union» bei den Wahlen die entsprechenden Bestimmungen zu treffen. Das Gerücht, daß die «Union rumänischer Juden» den National-Zaranisten ein Wahlbündnis vorgeschlagen habe, wird von ihr offiziell dementiert. Sicher ist, daß die Zionisten Transsylvaniens mit den National-Zaranisten ebenso wie bei den vorigen Wahlen einen Wahlblock schaffen werden; dies wurde auch in der oben erwähnten Besprechung zwischen dem Premierminister und der zionistischen Deputation aus Transsylvanien zum Ausdruck gebracht. In Transsylvanien dürften auf der Liste der national-zaranistischen Regierung Maniu der Präsident der Zionistischen Organisation Transsylvaniens, Dr. Joseph Fischer, der Redakteur von «Üj Kelet», Dr. M a r t o n, und Herr Nobel als Parlameniskandidaten und Dr. Theodor Fischer als Senatskandidat figurieren. Auf der Liste der National-Zaranisten in Bessarabie.n. werden die folgenden jüdischen Kandidaten figurieren: Advokat R o s e n b e rg (Kisehineff), Nathan Lern er (Chotin), Advokat Gopman (Beiz) und Zipstein (Bender). In den zionistischen Kreisen der übrigen rumänischen Gebiete wird für die.Schaffung eines einheitlichen jüdischen Blocks sehr stark Propaganda.gemacht. Dieser Block soll ein Bündnis mit den Nationaj- Zaranlsten eingehen, wodurch eine Erhöhung der Zahl der jüdischen Parlamentssitze erreicht, werden wirde. BÜCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S Neueröffnete LeinbUüiatliek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. .geschmackvollen Biblioihekseinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische. hebräische, jiddische u. Deutsch- Juda i ca in reicher Auswahl Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3a— ♦ Keine Bandgebühr . Der Block soll die Zion.sien Transsylvaniens,,' dieBukowinaer «Einheitspartei» unter der Führung von Dr. Mayer E b n e r, die Zionisten Bessarab i e n s, die radikalen Zionisten («Renasterea») und die Partei Zeire Zion-Hitachduth umfassen. Das jüdische Gemeindegesetz publiziert Das Amtsblatt «Monito.ul Ofiiciab publiziert, das neue Gesetz über die Organisation der jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände in Rumänien, das noch von der Regierung B r a t i a n u geschaffen wurde. Danach stellt die jüdische Gemeinde eine Vereinigung aller Juden und jüdischen religiösen Anstalten (Synagogen, Gebelhäuser usw.), sowie der Anstalten für .Kultur und für soziale Hil-fe dar. Mehrere dürfen sich zu einem Verband zusammenschließen. I n jeder Ortschaft darf nur eine emzigt jüdische Gemeinde bestehen, $er automatisch alle Juden dieser Ortschaft angehören. Einzig den spaniol i sehen Gemeinden in Altrumänien und den orthodoxen Gemeinden in Transsylvanien ist es gestattet, außerhalb der Gemeindeorganisation als Sonder-Gemeinden zu bestehen. Jede Gemeinde hat das Recht, einen oder einige Rabbiner anzustellen. Die Rabbiner müssen aber rumänische Staatsbürger sein; begründete Ausnahmefälle werden Berücksichtigung finden. Wo in einer Ortschaft eine jüdische Gemeinde nicht besteht, wird das Ministerium eine solche innerhalb 6 Monaten organisieren. Der Verkauf von Koscherfleisch und Mazzoth kann .nur mit Bewilligung der Gemeinde und unter der Aufsicht des Ortsrabbiners geschehen. Alle Ge m ei n d e n b i l d e n einen allgemeinen jüdischen Kongreß, der die Aufgabe hat, ein allgemeines Statut der Organisation des jüdischen Kultus abzufassen und einen Verreter des jüdischen Kultus für den rumänischen Senat f.u wählen. Der erste Gemeindekongreß wird innerhalb?ines Jahres vom Kultusministerium einberufen werden; die Stimmenzahl jeder Gemeinde auf dem Kongreß wird iach der Zahl ihrer Mitglieder bemessen Die neue Regierung hat die von Dr. S t r a u c h e i versehene Gerentschaft der jüdischen Kultusgemeinde von Czernowitz aufgelöst und zu Gerenten Dr. Saiomon Kinsbrunner und Dr. Lazarowicz ernannt. Die neuen Gerenten werden schon in kürzester Zeit Neuwahlen für die Repräsentanz der Kmltusgemeimde ausrehreiben, so daß die lange entbehrte Autonomie dieser Gemeinde wiederh enge stellt sein wird. Der Beirat, der schon jetzt eingesetzt werden muß, wird allen Schichten der jüdischen Bevölkerung entnommen wenden. Antisemitenterror in Posen Aus Posen wird uns berichtet: In Hohensalza im Posenschen Gebiet, einer Stadt von zirka 30.000 Einwohnern, darunter etwa 125 Juden, dekorieren die polnischen Kaufleute ihre Schaufenster mit j u d e n f e i n d 1 i c h e n Plakaten. Täglich werden Plakate antisemitischen Inhalts verteilt mit der Aufforderung, n i cht bei Juden zu kaufen. Außerdem wird eine j u d e n f e i n d 1 i c h e Zeitschrift «Scliabbes' Kurier» verteilt, in der Schmähungen gegen die Juden enthalten sind. Darin erscheinen sogar Bilder von Polen, die bei jüdischen Geschäftsleuten kaufen. Antisemitische Plakate werden von Polen durch die Stadt getragen, die als Juden kostümiert sind. Vor kurzem hatte ein Jude ein neues Geschäft eröffnet. Zur Eröffnung wurde ihm die Tür besudelt. Zwei Juden wurden mißhandelt, ferner hingen wochenlang judenfeindliche Plakate inderstädtische n Straße nb a h n. In Bromberg sind einige Polen in die Synagoge eingedrungen und haben dort betende Juden mißhandelt. In Posen selbst wurde nach einer Versammlung, die das Komitee für wirtschaftliche Selbstverwaltung in Posen einberufen hatte, ein Umzug veranstaltet, an dem tausend Personen, hauptsächlich Studenten, teilnahmen. Die Menge drang in zahlreiche jüdische G e s c h ä'f t e ein und zerstörte d i e Sch a uf e'rr s f e r, fn denen ausländische Waren“ sichtbar-wären. Einige jüdische G e sc h ä f t s I äd e n würden v o 11 s tä n d i g’d e m o 1 i e r t, in einem Läden das gesamte Lager ä u s g e r a u b t. Die geschädigten Kaufleute wandten sich an die Polizei um Hilfe, aber es wurde nur in einem Falle der Täter ermittelt. Der angerichtete Schaden ist ziemlich groß. Die 64. Friedhofsschändung in Deutschland Aus Hamburg wird gemeldet: Friedhofsschänder haben auf dem jüdischen Friedhof in Harburg große Verwüstungen angerichtet. Sie haben eine große Anzahl Grabsteine um geworfen und zum Teil zertrümmert. Es handelt sich anscheinend um halbwüchsige Burschen, die bisher nicht er. iltieit werden konnten. Auf die Ergreifung der Täter hat die jüdische Gemeinde eine größere Belohnung ausgesetzt. (Dies ist der 64. jüdische Friedhof, den die Antisemiten in Deutschland seit November 1923 geschändet haben! Die Red.) Die wirtschaftliche Verelendung der Juden ln Polen Während der Budgetdebatte im polnischen Sejm hielt im Narnen des Jüdischen Klubs der Deputierte J. Grünbaum eine großangelegte Rede, in der er die Wirtschaftslage der Juden und die Behandlung des Jüdischen Elements durch die Regierung eingehend darlegte. Er führte dabei unter anderem aus: Wir wissen, daß , der Prozeß, des Hin ausdränge n.s der Juden aus verschiedenen wirtschaftlichen Positionen zu einem Teil ein Resultat der ökonomischen. Umschichtung in Polen nach dein Weltkriege ist- Aber zu diesen objektiven Ursachen gesellt sich eine von fast der gesamten polnischen Gesellschaft •mterstützte Politik der Regierung, die die wirtschaff','-'he Verdrängung des jüdisdrn Elements zum Ziele hat. Aus der Staatsbahnverwaltung wurden 3000 ‘iidlsche Arbeiter hinausgeworfen. Die Tabak- und die Z ü n d h o I z f a b r i k a 11 o n, früher eine Domäne des jüdischen Arbeiters, sind nach Einführung des Staatsmonopols iudenrein gemacht worden. Aus den Staatsämtern in Galizier', wo es noch indische Beamte In einer großen Zahl von früher her gegeben hat, sind diese Beamten entlassen worden Auf anderen Gebieten wurden viele Tausende Jüdischer FamUten brotlos gemacht. Was In Rußland auf revolutionäre Art gemacht worden Ist, das geschieht In Polen auf dem Wege der Evolution: die w I r t s c h a f 111 c b e Vernichtung der J u d e n. In Ruß'and . versucht die Regierung-wenigstens, den deklassierten Hidlschen Massen andere Beschäftigung zu verschalenbei uns aber sagt man den Juden; wartet,-bi« die Reihe an euch kommt. - Inzwischen sterben dre jüdischen Städtchen dahin und die Ve rar* m u n g der I ü d I s c b e n Massen schreitet mit Riesenschritten vorwärts. Unserem Proletariat sind dt* Fa*