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Die Stimme · 1928-11-22 · Heft 47 (22.11.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 47 (22.11.1928)
Date
1928-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 47 DIE STIMME Seite 3 Natürlich kann die Gruppe B der Werktätigen, die I sich «Partei der nichtzionistischen werktätigen Juden» nennt, nicht Zurückbleiben. Sie gibt ihren eigenen Wisch! heraus, in dem sie alles anbelfert, am meisten die früheren Beitgenossen von der werktätigen Gruppe A. Cs genüge, zu sagen, daß diese proletarisch antinationale Liste Dr. Saul Raphael Landau, einstens Zionist, dann «bloß» JUdischnationaler, führt und neben ihm der gewerene zionistisch-misrachistische Mazzesbäcker Vortrefflich die Fr me der Revolution entfaltet, um eine Vorstellung von den Qualitäten dieser «Partei» zu vermitteln. Zum Schlüsse die ganz frommen Maulwürfe der Jüdischen Einheit, die Wiener Agudah-Ableger, die in einem jiddischen Aufruf die Werbetrommel für die «Union» rühren. Es fällt uns nicht ein, dieses langatmige Pamphlet zu zitieren, das nur so von Hetze und Lüge strotzt. Was soll man auch dazu sagen, wenn dem geduldigen Papier zugemutet wird, zu verbreiten, daß die Zionisten aus der erstrebten nationalen Kehiila alles Religiöse ausmerzen wollen, daß sie den armen Wiener Juden noch mehr Geld für Palästina erpressen wollen, daß sie aus den Steuergeldern die Hakoah sanieren, die «Morgenzeitung» wieder aufleben lassen wollen; wenn ein ganzer Kübel Unrat auf Palästina, Zionisten und Mlsrachisten ausgegossen, die zionistische Beamtenschaft aufs schmierigste verleumdet wird? Das Pamphlet, von einem Menschen verantwortlich herausgegeben, der sich vor etlicher Zeit unverantwortlich mit derFäischungvon Zertifikaten für Palästina-Emigranten befaßt hat, fügt sich ja würdig in den Rahmen dessen, was bei der Agudah politische Tätigkeit heißt; bei der Agudah, de;en Obermacher | während des Krieges die Juden Polens der preußischen I Knute auszuliefern unternahmen, deren slowakische j Exponenten Weber und H 1 r s c h I e r als Verräter an der jüdischen Sache erst jüngst bei Gericht gebrandmarkt wurden, bei der Agudah, die sich in Palästina sowie überall, wo sie auf den Plan tritt, als Schädling der jüdischen Sache erweist. So sicht ein Querschnitt durch das aus, was sich ln Wien jüdische Wahlbewegung nennt! Daß der Eindruck ein niederdruckender ist, läßt sich nicht leugnen, und es ist ein Ausdruck unseres jüdischen Solidaritätsgefühls, daß wir uns angesichts solcher Methoden f ü r die anderen schämen. In diesem Kampfe der Lügen und Verleumdungen bekennen wir freudig unsere Schwäche: auf diesem Gebiete haben wir keine Waffen! Aber weil wir das reine Programm der jüdischen Erneuerung verfechten und die Gewißheit der guten zionistischen Sache für uns haben, so gehen wir guten Mutes in diesen Wahlkampf und rufen alle, die ein starkes und stolzes, ein ganzes und großes Judentum wollen, die das G h e 11 o ablehnen, dem aller Geist entfahren und nur die Häßlichkeit und Enge geblieben ist, zu uns, zur Stimmenabgabe für die zionistische Liste! r. d. <999099009009909999999999000 90999999099 Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto befliegt, werden nicht zurückgesendet. Außerordentliche Tagung des zionistischen Aktionskomitees Vom 20« bis 24 Dezember 2n Berlin Der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, Leo M o t z k i fl, hat über Vorschlag der Exekutive die MUgL'eder des Aktionskomitees zu einer außerordentlichen Tagung, die v0m 20. bis 24. D ezember 19281 n Ber 11 n stattfinden wird, einberufen. Die Tagung wird hauptsächlich der Frage der J e w) s h Agency und den in den Vereinigten Staaten und in anc«e.en Ländern zur Herbeiführung einer endgültigen Konstituierung der Jewish Agency unternommenen Aktionen gewidmet sein. Sokolow beim neuen Oberkommissär von Palästina Wie das Zionistische Zentralbureau in London mitteilt, hatte der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, am 13. November eine längere Unterredung mit dem Oberkommissär für Paiä- # C MIR MB' mmn I., notier Mar hl 5 stina, Sir John Chancellor, über verschiedene mit der zionistischen Arbeit in Palästina in Zusammenhang stehende Fragen. Am 15. November ist Herr Sokolow nach Deutschland abgereist, um an der dortigen Keren Hajessod-Kampagne mitzuwirken. Die Organisationskommfssion für die Jewish 'Agency New York, 13. November. (J. T. A.) Die von der Konlerenz der amerikanischen Nichtzionisten beschlossene und von Louis M a r s h a 11 gemäß dem von der Konferenz erhaltenen Aufträge ernannte Organisationskommission zur Herbeiführung einer endgültigen Verständigung mit der Zionistischen Organisation und zur Organisierung des amerikanischen Teiles der Jewish Agency hat, wie aus New York gemeldet wird, im Hause ihres Vorsitzenden Felix M. Warbürg, ihre erste Sitzung abgehaiten. Von zionistischer Seite nahmen an der Beratung der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor Chaim W e i zniann, der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation und Mitglied der Zionistischen WeltexellllllllUaMUMIIBIHIIIUIIIIIIini Soantat, den 28. November 1928, 8 Uhr abends Massenmeeting Im Hotel Continental, II., Taborstraße 8. Redner: Df. Robert Sonnenwald, Präs. d. isr. Kultusgem. in Graz Dr. Desider Friedmann, Listenführer der zionistischen Liste Dr. Josef Löwenherz, Vize-Präs, der isr. Kultusgemeindc Dr. Jakob Ehrlich, Kultusvorsteher Jüdische Wähler, erseht inet zahlreich! Ihr werdet Gelegenh it haben, aus dem Munde des Präsidenten der Graze- Kultusgem inde einen ßeiicht zu hö-en, wie eine jüdisch« Gerne.nde von einer zion stischen Majorität verwaltet wird. ■■■■■■■■■■■■■■■■■naiMMMMauMHain kutive, Louis L i p s k y, sowie der Präsident des amerikanischen Keren Hajessod, Morris Rothenberg, teil. Die Konferenz beschäftigte sich zunächst hauptsächlich mit dem Problem des Ausgleiches der zwischen dem Bericht des Joint Palestine Survey Commission und den Resolutionen der Berliner Tagung des Aktionskomitees in einigen wichtigen Punkten bestehenden Meinungsverschiedenheiten. Die Aussprache betraf die Fragen der K w u z o l h und des Jüdischen Nationalfonds. Es wurde einUebereinkomrnen dahingehend erreicht, daß die Frage, ob die Kwuzoth als Wirtschaftsform im Rahmen des allgemeinen Kolonisationswerkes in Palästina bestehen solle oder nicht, der zu bildenden jewish Agency zur Entscheidung überlassen werden soll. Mit Bezug auf den Jüdischen Nationalfonds wurde übereinstimmend festgestellt, daß der Jüdische Nationalfonds als Bodeninstrument der jüdischen Kolonisation bestehen bleiben soll. Am 13. November wurde in Boston die Konferenz des Komitees des United Palestine Appeal der amerikanischen Zionistischen Organisation, abgehalten. (Der United Palestine Appeal hat den Zweck, die Aufbringung der Summen für das Palästina- Aufbauwerk in den Vereinigten Staaten zu organisieren. Die Red.) Der Konferenz wohnten der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor W e I zm a n n, und der Präsident des American Joint Distribution Committee und Vorsitzender des amerikanischen Komitees für die Organisierung der Jewish Agency, Felix Mr, War burg, bei. Die Konferenz erließ einen Aui* rufandiegesamteamerikanlschejudenh e i t, die aufgefordert wird, sich an dem großen Werkel des Aufbaues des Jüdischen Nationalheimes und defl jüdischen Wirtschaft in Palästina nach Kräften zu beteiligen. Zum Vorsitzenden des United Palestine Appeal wurde Richter Lewis wiedergewählt. « Wie der Ansprache Felix Warburgs auf der von oöO Delegierten beschickten Bostoner Konferenz für den United Palestine Appeal (siehe oben) zu entnehmen ist, hat die Organisationskommission für die Jewish Agency in ihrer ersten Tagung auch die bekannte Resolution des letzten Zionistenkongresses, nach der die erweiterte Jewish Agency zunächst provisorisch für drei Jahre eingesetzt werden soll, in & ie „Zionistische £iste“ ist die cinxig wahre indische Jim 2. S)exember wähtt jeder Jude die „Zionistische £iste Uber die Schultern fiel, machten sich lüstern um die junge Dura zu schaffen; sie schmückten sie zum «Reiztanz», weichen sie vor dem Bräutigam tanzen mußte. Sie flochten Duras langes Haar in allerhand künstliche Gewinde, besprengten ihren kleinen, kupferfarbenen Schlangenleib mit Rosenwasser, färbten die Nägel ihrer Zehen und hüllten sie in ein rosafarbenes, durchsichtiges, offenes Schleierhemd, aus dem sich harte Brüstchen jugendlich stolz hervorreckten. So wurde die Braut in feierlichem Zug und mit Musik und Gesang zu dem Platze geführt, wo der Bräutigam wartete. Auf dem freien Platze zwischen den Hütten saß der Bräutigam Mehmed All mitten unter den Gästen; sein Gesicht war schweißbedeckt und gierig warteten seine Augen auf die junge Dura, die er gekauft hatte und die j jetzt mit Ihrem Tanz die Leidenschaft seines Alters reizen sollte. Als die Braut und ihre Eltern auf den Festplatz kamen, wurde ein Schaf geschlachtet und Dura und ihre Eltern mußten des Opfers fließendes Blut durchschreiten zum Schutz gegen böse Geister und Genien, die nach der Ansicht der Beduinen in der Hochzeitsnacht umhe»’' streifen. Auf schmalen Pfeifchen, lammfellbespannten Tarn-! bourins und klingenden Tassen begannen die Beduinenmusikanten eine leise Melodie. Es klang, als spielten Sie, um Schlangen und Gnomen zu bezaubern. Traurig mit gesenkten Augen, aus denen Tränen niederfielen, schritt die junge Dura mitten unter die Menge, die aus- . sah wie eine Schar von Nachtgespenstern. Auf einem! großen Teppich, der auf die Erde gebreitet war, begann sie ihren Reiztanz für den Bräutigam. i Immer stärker wird die Musik, immer grausamer, die Pausen in der Melodie werden mit dem Gemurmel heiserer Kehlen ausgefüllt, ölig glänzen gierige Augen, und der tanzende Körper, auf den das Licht der Feuerzungen ringsum fällt, hebt sich immer stärker, bewegt sich immer heftiger, durchzittert vom wilden Kochen des Blutes. Die Rosaschleier des Hemdes haben sich gelöst und die nackten vollen Brüste bewegen ihre spitz emporgereckteh Warzen, die im Feuerschein wie zwei dunkle Rubine aussehen. Wild entfesselt, mit den Fingern schnalzend, springt Dura hoch empor und sinkt dann wieder, durchbebt von den tausend verborgene». Kräften, die plötzlich in ihrem jungen Leib erwacht sind, auf die Knie, beginnt sich im Rhythmus zu drehen und enthüllt dabei alle Teile ihrer Nacktheit den wild zerwühlten Gesichtern, die mit leidenschaftlich durstigen Blicken ihre Bewegungen trinken. Bewunderndes Gemurmel, besinnungslose Worte: «Wola jarassil» (Für dich mein Haupt!) entreißen sich den Kehlen und muntern das Mädchen auf, den Tanz mit all seiner Leidenschaft, mit den alle Sinne reizenden Bewegungen des aloß mit Perlenschnüren bedeckten Bauches zu wiederholen. Immer wieder beginnt das Mädchen halb besinnungsos im Sturm ihrer Sinne zu tanzen, bis sie endlich niederfällt und müde, den Kopf in die Erde gewühlt, liegen bleibt. Von allen Seiten werden ihr Geschenke und Qeldmünzen ^geworfen. Der Bräutigam Mehmed Ali, der jetzt aussieht wie ein gereizter Bär, ritt auf Dura zu, hebt sie empor und hüllt sie ln seinen Mantel. Die Menge schreit ihre Glückwünsche. Die Nacht war weit vorgeschritten, der Mond stand mitten am H’mmel. Auf Spießen briet Schöpsenfleisch, mit dem den Gästen aufgewartet werden sollte. Eine Gruppe von Scheichs mit großen Schwertern begann einen Tanz und die Zuschauer klatschten in die Hände; rauschende Musik gellte durch die Nacht. Ganz allein ln einem Winkel saß Hali!, ein junger Beduine mit schwarzen, glühenden Augen und jugendlich blühendem Gesicht; er sang ein träumerisches Liebeslied: «Dunkel ist mein Lager, 0 Dura, Geliebte! Schön bist du wie der Mond —» Und schlank wie eine Palme ... 0 — o — a — a — ach!» Die Stimme klang weit Uber die Berge und TäleT: und nach jedem Vers klang das schmerzliche «0 — a —- ach I», das ln dem Festgetümmel unterging. In der dritten Nachtwache, als es im Osten langsam hell wurde, war alles still, ln tiefen Schlaf versunken; die Gestalten wilder Teufel, welche die Nacht hindurch ur.ter freiem Himmel zu toben schienen, waren in den Hütten verschwunden. Bei dem halb erloschenen Feuer, das träg dem Morgenstern entgegenflackerte, saß Halil und sang im Halbschlummer sein Lied der Sehnsucht nach Dura, Am Morgen hörten wir, daß in dieser Nacht dei junge Halil, der auf der Hochzeit sein schmerzliches Liebeslied gesungen für seine geliebte Dur«, den Dattelhändler Mehmed Ali erschlagen hatte.

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