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Die Stimme · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seile 8 DIE STIMME Nr. 40 Religiöse and religiös-nationale Wähler! Stimmt and werbet für die .Religiöse Liste nisradil i rationalen Werktätigen» Herr Dr. Sani Rafael Landau an. Herr Dr. Landau ist ein fähiger politischer Kopf. Er begann unter Herzi zionistisch, war za neugierig und verschwand- Dann war er Herausgeber der «Oesterreicbisefoen Nationalzeitung», eines Organs, das die Forderungen einer nationalen jüdischen Politik vertrat. Dr. Landau läßt sich auch gerne einen Mitbegründer der «Poale Zion» nennen- Und Jetzt führt er die wiahttiationalen, niciizionistische Wcrktätiskeit an, die den der anderen Abteilung der «Werktätigen» anhängen-deti Paale-Zion-Adncx energisch bekämpft. Ein vi-clgovviandtcr Herr, der Herr Doktor Landau; wir werden bei Gelegenheit mehr über ihn crcähfen.. Die „Union“-Religion (Von einem religiösen Juden.) Die «Union deutschösterreichischer» Juden, welche .zusammen mit den Vertretern der Schiffschul oder der Aguda (man weiß ja nicht recht, unter welchem Titel eigentlich diese Herren die Orthodoxie zu vertreten vorgeben), die Majorität im Kultusvorstand vertrat und für alle Handlungen und Unterlassungen dieser Majorität in der .Kultusgemeindeverwaltung zusammen mit den Schiffschulvertretern die Verantwortung trägt, findet es richtig, jetzt vor den Wahlen mit der Religion im Schilde und im Munde vor die Wähler zu treten. Sie behaupten, daß die Kurltusgemeinde lediglich zur Wahrung des Kultus und der Religion da wäre. Zuweilen wird auch von Ueberlieferung und Tradition gesprochen. Wie schaut aber in Wirklichkeit der Kultus aus? Ich will jetzt nicht davon sprechen, inwieweit die Gemeindetempel und der Gottesdienst in diesen Tempeln den überlieferten Satzungen entsprechen. Darüber mögen die Herren Mitläufer von der Schiffschul, oder, wie sie sich so gerne nennen: von der organisierten Orthodoxie ihr Urteil abgeben. Es genügt auch, auf die — sagen wir — pikante Tatsache hinzuweisen, daß nach Aussagen zuverlässiger Zeugen selbst an den hohen Feiertagen Roschaschono und Jomkippur bei dem von der Kultusgememde in eigener Regie veranstalteten Gottesdienst in den Sofiensälen an diesen allen Juden heiligen (Tagen Eintrittskarten offen verkauft und deren Erlös in barer Kassa einkassiert wurde. Hier soü jetzt bloß auf zwei Momente hingewiesen werden: Religionsunterricht ohne Methode und ohne Religion. Die Union deutschösterreichischer Juden behauptet in ihrem Programm, daß sie vornehmlich und hauptsächlich für den Religionsunterricht der jüdischen Jugend zu sorgen habe. Wie schaut aber dieser Religionsunterricht der Union aus? Ich will in diesem Zusammenhänge über die Affäre R e d i s c h nicht sprechen, obwohl über diese mißliche Sache, die für das ganze Unionsystem so charakteristisch ist, sehr viel zu sagen wäre. Ich will mich nur darauf beschränken, daß die Religionslehrer selbst behaupten, daß der von der Kultusgemeinde vorgeschriebene Religionsunterricht unmethodisch und untauglich ist. Während fast in allen Gemeinden aller Länder wenigstens Versuche und Anstrengungen gemacht werden, die veraltete Methode des jüdischen Religionsunterrichtes durch eine neuere und methodischere zu ersetzen, beharrt die Majorität unserer Kultusgemeindeverwaltung auf ihrem sehr bequemen und längst überholten Standpunkt, der zugleich die ganze Raison dieser verknöcherten Majorität darstellt: «Störe mich nicht und gib mir meine Ruh’!» Während in allen anderen Ländern ernste Versuche gemacht werden, neuere und methodisch verbesserte Lehrbücher einzuführen, sind in dem Religionsunterricht unserer Gemeinde noch immer Lehrbücher, die mehr als 30Jahre alt sind, beibehalten, und zwar aus purer Indolenz und Bequemlichkeit. Der Erfolg dieses verkalkten und unmethodischen Religionsunterrichtes ist, daß die studierende Jugend nicht einmal mehr recht hebräisch lesen kann, geschweige denn von den Satzungen und dem Wesen unserer Religion und des auflebenden Judentums auch nur eine Ahnung hat. Und was Wunder, daß eine solche Jugend den u«ijüdischen Verlockungen und dem Abfall haltlos ge ge n ü b e rs t e h t. Während in allen selbst kleineren Gemeinden fast aller Länder und selbst in dem von der Assimilation meisf'betroffenen Ungarn, eigene jüdische Schulen erhalten werden, bildet unsere Kultusgemeinde auch in diesem Belange eine unrühmliche Ausnahme, in dem sie sich noch immer gegen die Errichtung von eigenen jüdischen Schulen sträubt, obwohl cs klar ist, daß selbst ein guter und methodischer Religionsunterricht dort unfruchtbar bleiben muß, wo der Religionslehrer, und selbst wenn er noch so wahrhaft jüdisch wäre, mit den Lehrern der weltlichen Fächer täglich in Kollision kommt, wobei er naturgemäß stets den Kürzeren ziehen muß. Der bisherige Vorsitzende der Unterriphtskommission unserer Kultusgemeinde hat erst unlängst bei einer Konferenz der iperopel- und Betfoausvereine die sehr kuriose und logisch unhaltbare Erklärung abgegeben, daß die Errichtung von jüdischen Schulen überflüssig wäre, denn: entweder wollen die Eltern ihre Kinder religiös erziehen, dann können sie das auch auf privatem Wege tun, oder wollen sie es nicht, da werden sie auch ihre Kinder in keine jüdische Schule schicken. Nach diesem einzigartigen Entweder-Oder, das logisch und pädagogisch ganz unhaltbar ist, käme heraus, daß sämtliche jüdischen Schulen in der ganzen Welt sofort gesperrt werden müßten, und keine einzige neue mehr eröffnet werden dürfte, denn ein Entweder-Oder, das für Wien gilt, gilt doch 'logischerweise für die ganze Welt. Wohltätigkeit ohne Zedakah. Die Union deutschösterreichischer Juden hebt ln ihremvProgramm und in ihren Versammlungsreden besonders hervor, daß sie bei ihrer sozialen Fürsorge in der Kultusgemeinde das Wesen und die | Form der angeblich althergebrachten Zedakah crj halten wolle. Aber wie in vielen anderen Belangen, scheinen die Herren von der Union auch in dem Belange des althergebrachten Zedakahwesens, das den Satzun'- gen und der Religion entsprechen soll, von diesen Satzungen überhaupt keine Ahnung zu haben. In unseren, alten, jedoch nicht veralteten und für alle Zeiten maßgebenden Religionsquellen werden sieben verschiedene Abstufungen der Ausübung von Zedakah aufgezählt. Naoh diesen Quellen besteht die erste und in erster Linie gebotene Pflicht des Zedakahgebens darin, daß man nicht abwarten soll, bis der Betroffene auf Almosen angewiesen ist, sondern daß man ihn, noch bevor er zu dieser letzten Stufe des Bedürfnisses kommt, durch Gewähren von Darlehen und dergleichen unterstützt. Nun beschränkt sich aber die sogenannte soziale Fürsorge der bisherigen Majorität unserer Kultusgemeinde fast ausschließlich auf das beschämende und herabsetzende Almosengeben, anstatt daß eine produktive Fürsorge in erster Linie in der Form von Errichtung von Leihkassen usw. einsetzen sollte. Nur dieser Vorgang würde wirkliche Zadakah bedeuten und den Satzungen unserer Religion entsprechen. Allein, wie gesagt, diese verkalkte bisherige Majorität schreckt vor einer jeden noch so notwendigen Neuerung zurück. Sie behauptet mit Unrecht, daß sie die «altchrwürdige» Kultusgemeinde erhalten wolle, während sie in Wirklichkeit nur ihre Ruhe und ihr Prinzip des Rührmichnichtans beibehalten will. Von den Wählern häng* es ab, ob diese Kultusgemeinde auch weiterhin nichts anderes als ein verrosteter fteoooaooeaoooeoaooeooeoeoeeoeaooeeooso» JVlar v-Müte Wien I., (RotenturmsttaßeJlr.22 Sßie Beste und Billigste finßaufsquelle Unheilspreise Verwalt«ngsapparat bleibe, oder ob In dieser großen Judengemeinde ein neues, wirklich jüdisch«! Leben entstehe und die altehrwürdige Kultusgemeind, zu einer neu ehrwürdigen jüdischen Gemeinde werde. Versammiungssalender des Zionistischen Zentralwahlkomitees. Donnerstag, den 15. November 1928: 1. Bezirk: 8 Uhr abends, «Olympia-Saal», I., Rothgasse 3, Wähle rinnen Versammlung. Redner: Fra« Anifcta M ü M e r - C o h e n, Dr. Jakob Ehrlich, Dr* Josef L Öw e n fa e r z. 2. Bezirk: 8 Uhr abends, Restauration Operer, H*, Taborstraße 14- Redner: Dfir. S. Alt mann, Dr. J. H. Körner, Dr. Josef Löweniierz. 6/7. Bezirk: 8 Uhr abends, Hotel Palace, VI., Mariahilferstraße 99. Redner: Dr. Leo Goldhammer. Dr. Jakob Weiner, Dr. Max Bernhardt. 12/15. Bezirk: 8 Uhr abends: Mariensäle, XV., Relndorfgasse. Redner“- Dr. David Roth bl um, Dr. Desider Fr ied mann, Dr. Georg Weine r. 20. Bezirk: 5 Uhr nachmittags, Bethaus Arische Dafli \v* Zedek, XX., Traanfekvsassc 3. Redner: Dr. Z.. Pinkelst e i n. 20. Bezirk: 5 Uhr nachniitiags, Bethaus Biial Brith, XX., Karajangasse 20. Redner: Dr. N. M. Gelber, Doktor S. B e c r. 20. Bezirk: 5 Uhr nachmittags, Beteus Biku-r Cbolim, XX., Treustraße 7. Redner; Dr. Abraham Schmer! er. Samstag, den 17. November 1928: 2. Bezirk: 8 Uhr abends, Zentralkeüer, LL, Taborstraße 8. Redner: Dr. Isidor Kl ab er, Dr. S. Sonderling, Dr. N. M. Gelber. 20. Bezirk: 8 Uhr abends, Sektionshezm, XX., Jägerstraße 30. Redner: Dr. Georg Weiner, Komm-Rat Max Markn s, Alfred May. Sonntag, den 18. November 1928: Prater» y,\\ Uhr vormittags, Pumzengruber, II., Aus« steiiungsstraße, vis-a-vis Molikerdstraße. Redner: Doktor J. H. Körner, Dr. Josef Löwen'herz, Prof. M. Rath. 20. Bezirk: 5 Uhr nachmittags, Bet haus Scfoomre Ha* dath, XX., Klncikygasse 20. Redner: Aron *S c h wertfinger. 20. Bezirk: 5 Uhr nachmittags, Bethaus Schomre Ha*? brith, XX., Haunovergasse 4. Redner: Alfred May. Montag, den 19. November 1928: 9. Bezirk: 8 Uihr abends, Cafe Colosseum, IX*, Nuß*> dorferstraße 6. Redner: Dr. Jakob Ehr lieh, Dr. Jakob Weiner, Dr. Fr. K o b J e r- 17. Bezirk: 8 Uhr abends, Saal der Bezinksvertrc. fcun.g, XVI'I., EHerieimpIatz 4. Frauenversamimlung. Redner: Dr. Isidor Klafter, Dr. S. Sonderling, Doktor P a * c h k e 6. Dienstag, den 20. November 1928: 9. Bezirk: 8 Uhr abends, Caf6 Industrie, IX., Porzek. langassc. Redner: Dr. Georg Weiner, Dr. Josef Löwe n h c r z, Komm.-Rat Max Markus. 17. Bezirk: HS Uhr abends, Gasthaus Rath, XVI* Neulerchenfelderstraße 47. Redner: Dr. Desider Friedm a n n, Dir. S. A11 m a n n, Dr. J. H. Körne r. Mittwoch, den 21. November 1928: 20. Bezirk: 8 Uhr abends, Volksküche, XX., KindTy« gasse 7. Redner: Dr. Fr. Kobler, Dr. IsMor Klafter, Dr* Georg Weiner. Donnerstag, den 22. November 1928: 8. Bezirk: 8 Uihr abends, Caf6 Ilion, III., Löwengas««* Frauenversammil'Ung. Redner: Frau Annita Müllers Cohen, Kom.-Rat Max Markus. * Jüdische Angestellte, Achtung! Montag, den 19. d. M* H8 Uhr abend«, findet dm Lokal der Zion. Bezinkssckttofl Leopotidstadt, II., Zirkusgasse 33, 1. Stock, eine Besprechung von Jüdischen Angestellten zwecke Bildung eines eigenen Wahlkomitees und Gründung einer Organisation der eionfstlseften Angestellten statt- Gäste willkommen! Zuschriften sind bis auf weiteres an Herrn Max Schatt- «er, Wien, XX., Petraschgasse 4/1, zu richten. Der Wahlfond, Zionisten! Im bevorstehenden Kultuswahlkampf gilt es, die Anzahl unserer Mandate za vergrößern, um unserem Programm naoh Verwirklichung der Jüdischen Volksgemefode zum Siege zu verhelfen. An Euch, Zionisten, ergeht nun der Riuf, sich dem Zentralwahlkonritee zur Mitarbeit zur Verfügung m steMeu. Der eigentliche Erfolg unserer Wahlkampagne bängt vor allem davon ab, ob wir ln der läge sein worden, eine entsprechend großzügige Wahlkampagne durdftzuftthren. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, den Wahl!ende za stärken.

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