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Die Stimme · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 DIE STIMME vor liquidiertem Engros-L&gor wtrdta HERRLICHE PELZMANTEL tief unter dem Preis abgs<|«b«n HOFFMAN« WIEN. Vi* WALLOXSIl NB. 9? Q«f*nQb«r dom R*lmu*d-Th#«t«r Köln Qautnftdsol blcm wenigstens zu erkennen. Ihre Unwissenheit macht es ihnen leicht, das schwere Problem der «Eigenart» zu leugnen und daraus Wahlschlager zu machen, das aber büßen die Wiener Juden, wenn sie sich die Vorherrschaft der Jüdischen Ahnungslosigkeit in ihrer Gemeinde gefallen lassen. Eine würdige Republikfeier Hakenkreuzler krawaltieren an der Wiener Universität. Dem Auftakt zu den Feiern anläßlich des zehn* *- jähriigen Bestandes der Republik Oesterrdoh bildete die Kundgebung an der Wiener Universität, Lehrkörper und Studentenschaft dokumentierten Ihre Stellung zur Republik, der österreichische Bundeskanzler Doktor Seipel war der Festredner. Jedem, der (die Wiener Universität von heute kennt, mußte eine solche Veranstaltung geradezu als Holm auf die Republik erscheinen, die Wiener Universität ist heute der Hort der Reaktion, die meisten ihrer Lehrer sind in Wort und Schrift Verfechter reaktionärer, undemokratisoher, antisemitischer Tendenzen, die von ihnen toerau- : gebildete Jugend erhält täglich diese Tendenzen vorigesetzt und es Ist daher nicht verwunderlich, daß die iRepublikfeier einen dieser Wiener Universität würdigen Charakter erhielt. Zu dem offiziellen Festakt waren an die Studentenvcrbände Passierscheine ausgegeben worden, und zwar erhielten die deutsche Studentenschaft etwa 1200, der sozialistische Studentenverhand zirka 200, der jüdische Hochschulansschuß 150 solcher Eintrittskarten. Die hakenkreuzlerischen Studenten, die dem Verband der deutschen Studentenschaft angehören, sammelten sich vor Beginn der offiziellen Feier in der Aula an und attackierten die jüdischen oder sozialistischen Studenten, welche sich zu der Feier begaben. Mit Rufen wie «Hinaus mit den Juden!» «Wir brauchen keine Judenrepublik» gingen die hakenkreuzlerischen Radaubrüder auf die jüdischen, sozialistischen Studenten los und schlugen auf sic ein. Da sie weitaus in der Ueberzahl waren, gelang es ihnen,;oinen «glorreichen Sieg» zu erringen und zu verhindern, |daß die vom Rektorat geladenen studentischen Gäste jan der Feier teilnefomen. Angehörige katholischer Studentenverbindungen suohten vergebens die Angegriffenen zu«schützen und die Hakenkreuzler an die Pflichten des' Anstandes zu erinnern, dm stolzen Bewußtsein ihrer Sendung prügelten die tapferen Helden auf die wehrlosen Teilnehmer der Feder los. Mehrere Studenten wurden verletzt. Es ist bezeichnend, daß sich unter den Exzedenten auch ein S u b p e d e 11 der Universität befand, dessen Name bereits festgestellt Ist. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor und hatte dabei auch das Bedürfnis, einen Geprügelten zu arretieren. Der Rektor verfügte für den 10. November die Schließung des Hauptgebäudes der Universität und erließ eine Kundgebung, welche die empörenden Vorfälle aufs Schärfste, mißbilligt und im Falle einer Wiederholung strengste Maßnahmen anordnet. Am 13. November war, um Wiederholungen der Exzesse zu vermeiden, das Betreten der Universität unter Legitimationszwang gestellt. Eine 'symptomatische Episode spielte «ich während der Vorfälle in der Kanzlei des medizinischen Dekans Dr. Arzt ab, der antwortete einer Abordnung von jüdischen Studenten, welche ihm Vorschläge zur Verhinderung der unwürdigen Exzesse machte. «Mit Ezes bin ich versehen!» Man kennt wohl die schmierigen, aus dem antisemitischen Instinkt geborenen, Jargonanwandlungen» der Figuranten vom Sohlage des Herrn Dekans Arzt und nimmt sie nicht tragisch; doch sei der Oeffentlichfceit nioht vorenthaiten, wie sich ein Dekan der Wiener Universität benimmt. Anläßlich der Republikfeier an der Universität hat der Rektor, Prof. Dr. Innitz er, auch den Jüdisohen Hochechulausachuß eingeladen, vor Beginn der offiziellen Feier Vertreter zu entsenden, um eine Kundgebung anläßlich dieser Feier zu übermitteln, da es nicht möglich erscheine, daß die verschiedenen studentischen Körperschaften sich auf einen gemeinsamen Sprecher einigen. Der Jüdische Hochschulausschüß sandte drei Vertreter zum Rektor, die ihm folgende Kundgebung übergaben: «Eure Magnifizenz! Der Gesamtverband jüdischer Hochschüler «Judäa» versichert Sie aus Anlaß der Feier des zehnjährigen Bestandes der Republik Oesterreich durch uns, seine gewählten Vertreter, der steten und unwandelbaren Treue und Ergebenheit der jüdischen Studentenschaft gegenüber dieser Republik. Die jüdische Studentenschaft benützt die heutige festliche Gelegenheit, um die Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß die künftige Entwicklung der Republik Oesterreich den Geist., der Demokratie und Völkerversöhnung stetig stärken wird als die wahre Grundlage wirklicher Freiheit für alle ihre Bürger.» Cand. jur. Robert Mehl er richtete eine A«- sprache an den Rektor, die dem Inhalte der obigen Kundgebung entsprach. Die Kultuswahlen Ein Volk - ein Volk Bilder aus zionistischen Wählerversammlungen. Zionistische Wählerversammhmg. Der Listenführer Dr. Deslder Friedmann spricht, der Mann, der ln den schwersten Zeiten als Vizepräsident das arg gefährdete Schiff der Kultusgemeinde vor dem sicheren Untergang rettete, als die Mitglieder der Union schon verzweifelt resignieren wollten. Sachlich und gemessen, jedes seiner Argumente ist überzeugend, hieb- und stichfest. Ein blendender Redner, den nur selten seine Ruhe verläßt. Manchmal, da und dort, setzt er dem laufenden Band seiner gleichmäßig dahinfließenden Rede ein Lichtchen auf, plötzlich blitzt es auf, wie eine Stichflamme und zündet: Ein Witz, sarkastisch, schlagend. Etwa: «Wir sind ja kein Volk, sagt Dr. Ornstein, wir haben ja keine eigene Sprache, wir sprechen ja alle Deutsch. Ja, Sprechen wir denn alle deutsch, können denn die Herren von der Union alle deutsch sprechen? fragt Dr. Friedmann. Damit sind sie abgetan, mit ihrem Deutschtum werden sie bei diesen Wählern nicht mehr krebsen können. «Wir habe n eine Sprache, die uns alle eint, unsere Brüder in der ganzen Welt, die Sprache unserer Thora, die wir zu neuem Leben erwecken. Wer kan« noch zweifeln, daß wir ein Volk sind?» * Ein Bethaus in. der jüdischen Gasse, wo sie am engsten ist. Dicht gedrängt sitzen alte bärtige Juden in Kaftans neben moderner jüdischer Jugend. Viel ist die Rede von deffi arg umstrittenen Problem des Ost- und Westjudentums. «Für uns gibt es diese Frage nicht,» läßt der Redner Dr. L ö w e n h e r z seine mächtige Stimme erschallen. «Wir sind e i n Volk! Ich bin stolz darauf, als erster die Tore der Wiener Kultusgemeinde auch den Ostjuden eröffnet zu haben, an denen sie bisher als unerwünschte Bettler vergeblich pochen mußten.» Da plötzlich glänzt es in den zermarterten Gesichtern der alten Juden heil auf. Sie brauchen nicht mehr geduckt und gebeugt, wie gehetztes Wild, selbst vor ihren eigenen Glaubensgenossen in Demut zu er- SPORTHAUS WENN SIE WIEN, (X., KOLINGASSE NR. 13 WÄHLEN schauem. Da ist ein Mann, jung und tatkräftig, zu ihm dürfen sie kommen, wenn Kummer sie bedrückt, er weiß, was ihnen nottut. Vier Jahre lang hat er ihnen bewiesen, daß er mit seinem warmen Herzen und seinem starken Arm wohl imstande ist, gebeugte Juden wieder aufzurichten. Sie wissen, ihm ist es zu verdanken, daß jetzt auch «Ostjuden» in der Kultusgemeinde ( respektiert werden. Begeistert jubeln sie ihm zu: «Bravo Löwenherz!» * In der Leopoldstadt Dr. Jakob Ehrlioh. Er setzt sich mit den «Werktätigen» auseinander. «Ja, sind wir nicht werktätig, wir jüdischen Anwälte, Aerzte, Kaufleute, Beamte, nur weil wir nicht zur roten Fahne schwören? Warum segeln sie unter falscher Flagge, warum nennen sie sich nicht offen, was sie sind, Sozialdemokraten, Angehörige einer Partei, auf deren Programm es steht, jede Religion zu negieren? Ihnen sollen wir unser kostbarstes Gut, unsere jüdischen Kinder anvertrauen, damit sie dem Judentum entfremdet werden? Im Saale sind einige jüdische Sozialdemokraten als Unruhestifter werktätig. Zwischenrufe werden laut, die Versammlungsteilnehmer geraten in Erregung. Dr. Ehrlich mahnt zur Ruhe; er selbst will ihnen die gebührende Antwort erteilen. «Sie täten wahrlich mehr für das Judentum, wenn Sie Ihre Parteigewaltigen bewegen wollten, aufzuhören, die jüdischen Kinder systematisch dem Judentum zu entfremden.» Dann steht ein Versammlungsteilnehmer auf und sagt: «Wenn wir uns zum Judentum bekennen, dann sind wir doch automatisch Zionisten, und wenn wir Zionisten sind, dann sind wir doch Sozialisten. Wir brauchen keine sozialdemokratische Partei, die uns den Sozialismus lehrt. Ist nicht die Bibel das erste sozialistische Werk? Sie aber wollen das Höchste und Edelste, das wir besitzen, sie wollen unsere Kinder dem jüdischen Glauben entfernen. Ich selbst war Zeuge, wie einer ihrer Führer in der Provinz eine wüste antisemitische Hetzrede hielt. Von solchen Leuten lassen wir unser Heiligstes uns nicht aus dem Herzen reißen I (Stürmischer Beifall.) Ziporah Qlasberg— Chaim fjägmdorf WIEN N Verlobte IM NOVEMBER 1998 - - ■- - - -----------• - Hietzing. Restaurant «Weißer Engel». Mehr als 300 Menschen, die zur Elite jüdischer Intelligenz Wiens zählen, füllen den Saal. Vorsitzender Dr. Franz j Kobler, ein durchgeistigter Kopf, der bedeutendste Reciitsphilosoph Oesterreichs, dessen Begrüßungs- und Dankesworte Kabinettstücke rhetorischer Kunst sind. «Die Verhinderung der Politik in der Kultusgemeinde, die die Union anstrebt, ist ja nichts anderes als eine Politik mit negativem Vorzeichen.» Als erster Redner geißelt Dr. J. H. Körner in seiner bekannt sarkastischen Art die Verlogenheit und Unaufrichtigkeit unserer Gegner. In einem Atemzug wird uns die Verantwortung für die bisherigen Arbeiten dec Kultusgemeinde auferlegt und der Vorwurf gemacht; daß wir eine positive Tätigkeit der anderen störend Dr. Leo Goldhammer legt dar, daß die Forderungen der Zionisten nichts anderes sind, als die eherne Konsequenz der gegebenen Verhältnisse, unter denen die jüdische Bevölkerung Wiens lebt. «Nur wer mit den Gegebenheiten nicht rechnet, nur wer das erschreckende jüdische Defizit an Menschen und wirtschaftliche« Existenzen nicht sieht oder sehen will, kann mit dei], gleichen -Frivolität auf die gesetzlich fesfcgelegten, Grenzen der Kultusgemeindearbeit hinweisen, wie die heutigen Machthaber in der Kultusstube. Diese, das «ewige Gestern», scheinen sich als die einzigen; «Deutschösterreicher» dieser Republik den Ausspruch des österreichischen. Dichters Nestroy zur Devise gemacht zu haben: ein intelligenter Mensch hat nicht heugierig zu sein. Sie sind nicht neuigerig zu wissen, wie die Juden Wiens leben, sie sind nicht neugierig, zu erfahren, welche Abbröcklungstendenzen die Wiener Judenheit allmählich dezimieren, sie sind daher auch nicht neugierig, zu -hören, was Juden mit noch warmen" jüdischen Herzschlägen an Maßnahmen ergreifen; wollen, um die dringender denn je gewordene Drehung zum Besseren zu vollziehen.» Mit -feinem Humor zeigt Dr. Sonderling, daß unsere Gegner selbst dort, wö sie logisch richtig zu denken scheinen, unrecht haben-. «Wenn Dr. Haase meint, daß das Gesetz vom Jahre 1890 unserer Gemeinde nur die Pflege des Kultus gestattet, so ist das -richtig, wie es heu'f} Dienstag ist. Das hindert aber nicht, daß auf den Dienstag zwangsläufig der Mittw-och folgt, daß mit anderen Worten die Bedürfnisse der Wiener jüdischen Bevölkerung den bisherigen Rahmen der Kultusgemeindeaufgaben bereits gesprengt haben und noch erweitern werden.» Frau Baurat Pisk war der schlagendste Beweis dafür, daß wir mit unserer Forderung auf Erteilung des passiven Wahlrechtes an die Frauen Recht haben. Was Frau Pisk von den. Pflichten der Kultusgemeinde sagte, zeigte, daß sie würdiger als so mancher Herr der Kultusgewaltigen wäre, anitzuberaten und mitzuentscheiden. Für die allgemeine Erheiterung sorgte der Unionist Kommerzialrat Stern, der sich als Deutscher mit den Worten elnführte: «Ich war eingerückt; habe das Signum laudis erhalten und trotzdem niemand ge sch i ndet.» * Kleine Bilder aus großen Versammlungen, Momentaufnahmen aus dem großen Werbefilm im Kampfe für die jüdische Volksgemeinde. R. S. Ein Vielgewandter Die «werfctätii®en»; Juden halben ihre streng israelitische Abteilung, die sich, je nach Bedarf, «-«leiht national», oder «nicht zionistisch» nennt, vor Nemuinigsschiuß ein wenig umgesteüt; an Stelle de-s ln Aussicht genommenen vortrefflichen Mazzesbäökers führt diese Liste der «nicht Das Geheimnis des Erfolges ist zäun großen Teil in der repräsentativen Wirkung eines Menschen zu suchen. Die Anschaffung einer eleganten, reichhaltigen Herrengarderobe war früher kein leicht lösbares Problem, wenn man mit seinen Einkünften rechnen mußte. Durch das von der altrenommierten Firma «American Tailors», Brüder Koch, 6. m. b. H. Nachfolger Max Altar, VI., Mariabilferstraße 17 (Mezzanin) geschaffene, verblüffende Abonnementsystem, kann man, Sommer und Winter elegantest angezogen gehen, ohne auf einmal, eine, sein Budget schwer belastende Ausgabe tun m müssen. Im Gegenteil, die Monatsq-uote dieses allerersten Herrensalons Ist derart gering, daß es sogar bei bescheidenen Einkünften möglich ist, den stets gehegten Wunsch nach tadelloser und modernster Kleidung zu erfüllen. Im Uebrlgen verwel-sen wir auf das Inserat unserer heutigen Nummer auf Seite 9. (Entgeltlich.) Richard Herzog» II, Kleine Pfarrg. 28 / Toi. R 234-80 S.

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