Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1928)
- Date
- 1928-11-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. d6 5IE6IH. KORRMEHb, GroBfleisctihauepEl Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A17-3-99 «. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abtellunoen für ^^-Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kwtusgemelnde Wien IX, Boregasse 15 XVIII, WShringerstraße 97 Wie «ais New York gemeldet wird, wurde dort von McannteJi Personfächkeat-en des amerikanischen Judentums ine Ort-CredJt-Corporatäon mit einem Gmnd» Kapital von 250.000 Dollar tes Loben gerufen, die den Jfrveck verfolgt, amerikanischen Juden, dte Aren Verwandten ln Rußland und In anderen Ländern Osteuropas durch die Gesdlsdraft ORT Maschinen, Werkzeuge und r&ohstoffe öbenrittiteln woflSen, um ihnen zu einer se#bitäraßgea Existenz m verhelfen, Kredite gegen Ra- Aeozah Jungen z»r Verfügung zu stellen. * Der bekannte amerllfcamsc&e Anwalt Samuel Ifntrcrpeyer, durch sein Eintreten (für die Beibeshaltsrog des ii-Cerrt-Fahrpreises auf den Neayonker Bafonon überaus popidar, ist schwer erkrankt, (Untermeyer ist auch hervorragend für den PaiSstina-AwSha« täfög. Die Red.) Julius SteSueT in Zwic/kau än Böhmen hat dean Keren Kajeariefch (Jüdfccber Natiorraifcmds) in Prag ein Legat von 50.000 Kc. binterlassen. Die Zinsen dieses Betrages Mten dem Bruder des Verstorbenen »u: das Kapital wird bis zu dessen Ableben vom Jüdisdhe« Nattonalfomls und Dr. Kar! Hahn, Karlsbad, verwaltet* Nachher fättt der Beitrag dem Keren Kajemefh voll za. .. v , :■ ♦ 1 bi fifoskau Hst sich ein Verband sur Bekämpfung des Ant4«amlt*6tnus gebadet, m dessen Gründern der Sekretär der Akademie der Wissenschaften Prof. Oldenburg uwd der ffoimnschriftsttffer Fe<U« gehöre®. Jo Warechan te*d ate Auftakt zu der großen Kampagne für den PaMstfna-Airfbaufonds QCeren Hajeesod), die unter LeHamg des Ker ou-HaJessod-Detegtortefl L. J af I« ki ganz Folien veranstaltet wird, eine Konferenz der Keren-Hajessod-Vertiwuensmändver statt. Be hatten sich 443 Delegierte sowie Vertreter des pofctfccben Innenand Anßenminlsterf««» und der englische Konsul etngefuoden. Die Eröffnungsrede hieb der Direktor des Keren Hafessod in Polen Abgeordneter Färbstein. Es wurden BegrüBungsschre^ea vertesen von Nahum Sokolow, Lord Ball out, ein Telegramm von Dr. Weidmann, Briefe von Bmüe Vandervelde, Graf Berustorff, Minister Herriot, Justin Godard, M. M. Ussischkia, N. BiaJSk, Lord Melcihett, Colonel Wedgwood, Sir Wyndham Deeds «. v* a. Der Leiter der Aktion L. Joffe wurde vom Präsidenten der Republik empfangen. Sie haben Augen und sehen nicht... Die „gefährliche“ Wirtschaftseigenart der Juden Wiens •m dem zionistischen Kultusgemeindeprogramm flrird die Wiener Kultusgemeinde als die gesetzlich anlerkannte öffentlich-rechtliche Zusammenfassung der |üdischen Einwohnerschaft Wiens dargestellt, welche Sene Aufgaben, zu erfüllen hat, die sich aus der bestehenden religiösen, national-kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Eigenart der jüdischen Bevölkerung ergeben. Von der heutigen Majorität im Kuttusvorstande wird jede Eigenart der jüdischen Bevölkerung bestritten. per Präsident der Union Dr. Ornstein meint: «Es jist ein Unding, von einer sozialen Eigenart des jüdischen Volkes zu sprechen. Seine soziale Schichtung unterscheidet sich in keiner Weise von der übrigen Bevölkerung.» Ebensowenig, meint er, kann von einer •wirtschaftlichen Eigenart der jüdischen Bevölkerung die Rede sein, weil «das ganze wirtschaftliche Leben nach iiestiramten Gesetzen, welche uns die Nationalökonomie ehrt, vor sich geht». Solche Behauptungen können nur dann aufgestellt .werden, wenn man sich mit den tatsächlichen Verhältnissen unter der jüdischen Bevölkerung überhaupt nicht beschäftigt, oder, wenn man sie bewußt übersehen will; denn, wenn es auch richtig ist, daß die jüdische Bevöljkerung überall und auch in Wien weder eine einheitliche Wirtschaftsgruppe, noch einen geschlossenen •Wirtschaftskörper bildet, wenn wir also innerhalb :der jüdischen Bevölkerung fast die ganze reichhaltige Lagerung der auch sonst bei anderen Völkern vorhandenen Berufs- und Standesschichten finden, so ist dennoch das zahlenmäßige Verhältnis, in welchem .die einzelnen Bevölkerungsschichten innerhalb der Judenheit zueinander stehen, ein ganz anderes als bei jder nichtjüdischen Bevölkerung. Während jedes andere Volk, das unter normalen Verhältnissen lebt, einen selbständigen Wirtschaftsorganismus bildet, der sich ursprünglich und zur Not auch später selbst genügt, so ist dies bei den Juden nicht der Fall. Nur dieses Volk bildet keinen geschlossenen Wirtschaftskörper, denn es fehlt ihm hiezu die unentbehrlichste Grundlage: der Bode n. Mit Recht wirft daher der weiß Gott keiner zionistischen Gesinnung verdächtige A. S i n g a 1 o wsky (Aufbau und Umbau, Philo-Verlag, Berlin 1928) die Frage auf: «Kann es denn etwas Anormaleres und Krankhafteres geben als ein Volk, das keine Wurzeln im Erdboden hat, von dessen Säften nicht gespeist wird und mit Ihm nicht organisch verknüpft ist?» Die Folge dieser Äbnormaütät ist eben die vollständig verschiedenartige und abnormale wirtschaftliche und soziale Gliederung der jüdischen Bevölkerung hier und überall. Die Volkszählung vom Jahre 1910 (die Ergebnisse der Volkszählung 1923 sind nach den Konfessionen nicht verarbeitet und publiziert worden; deswegen erscheint die Schaffung eines eigenen statistischen Amtes bei der Kultusgemeinde als dringend notwendig) ergab Hehl ausdrücklich abbesiellte Abonnements gelten als weiterbestehendl für Wien folgende Resultate. Von je 100 Berufstätigen entfielen auf die nebenstehenden Beru-fsklassen: bei den bei de» Jude» Nichtjuden Land- und Forstwirtschaft. . 0.13 0.97 Industrie und Gewerbe . . 28.19 50.42 Handel und Verkehr .... 43.23 28.01 Häuslicher Dienst und Lohnarbeiter .. 19.83 6.48 Oeffentüche Dienste und freie Berufe . . .. 3.62 14.12 Demnach waren bet den Jude» im Handel 43.23 % tätig gegenüber 28.01 % bei den Nichtjuden, somit uni ungefähr 60% me-hr als bei der nicht jüdischen Bevölkerung; dagegen waren in der Industrie und im Gewerbe bei den Juden bloß 28.19 %, bei den Nichtjuden 50.42 % berufstätig; es ergibt sich also in dieser Kategorie beinahe das umgekehrte Verhältnis wie in der vorhergehenden, immerhin aber noch eine sehr hohe Zahl, die in gar keinem Verhältnis zu dem Anteile der Juden an der Ge- JJ«nte|Jajn{riiBm|e^nM Inh. HILDE HOLGER und L.IZZI R3K Wien. L Slnger8traße 16 — Telephon Nr. R-27-4-43 HHYTBMIS6KE GTHHASTlK * TMZ ♦ BALLETlECBHIK . tKUMTIK S fl je# ü w Samtbevölkerung steht. Die geringere Anteilnahme der Juden in der Berufskategorie «O e f f e n 111 c h e Dienste und freie Berufe» (8.62 % gegenüber 14.12 %) ist vor allem darauf zurückzuführen, daß den Juden öffentliche Stellen bekanntlich fast ganz verschlossen sind und daß sie daher in dieser Kategorie zu. mehr als neun Zehnteln freie Beru fe ausüben, so daß die relative Anteilnahme der Juden an den freien Berufen ebenfalls abnorm hoch ist. Wie sieht es nun in bezug auf die soziale Schichtung innerhalb der einzelnen Berufsklassen aus? Von je 100 Berufstätigen der nachstehenden Berufsklassen waren: bei den Juden bei den NIcblJudea m w w « , =5 % a - s £» e£ a S S 8 s Land-und Forstwirtschaft 68.12 37.88 28.45 71.55 Industrie und Gewerbe . .38.11 61.89 30.64 69.36 Handel und Verkehr . . . 29.52 70.48 9.75 00.25 Oeffentüche Dienste und freie Berufe . . ... 95.73 4.27 73JBO 26.10 Häusliche Dienste u. Lohnarbeiter .— 100.00 — 100.00 Im Durchschnitt aller Berufstätigen . 45.09 54.91 28.55 71.45 Die Berufsklasse nrrt dem kleinsten Anteil an Nichtsel'b ständigen ist unter den Juden die der «Oeffentlichen Dienste und freien Berufe», ganz entgegengesetzt dem Resultat, das wir bei den Nichtjuden konstatieren können; auch darin liegt eine Bestätigung unserer schon früher gemachten Ausführungen, daß der größte Teil der Juden dieser Berufskategorie in freien Berufen, wie als Aerzte, Anwälte, Ingenieure usw. tätig ist, wo naturgemäß die meisten selbständig sind. In der Industrie und im Gewerbe sind bei den Juden 38.11 % Berufstätige selbständig, bei den Nichtjuden 30.64 %. Auch daraus läßt sich der Schluß ziehen, daß in dieser Kategorie mehr selbständige Handwerker (Schuster, Schneider, Spängler usw.) vorhanden sind als Pefsonen, die in der eigentlichen Industrie tätig sind, Wochen-Kalender NOV. 1928 Gedenktage trenn 13 Donnerstag s — a 13 Freitag 1R34 — kf.nißlicivc'r Mtl*anAk«ktOT Moria IAfTf, eiaar äf>r Ixdoiitendnt«n rinanxieT* DünAmrkA, in KopcmhAtfan geboren. 1306 — der SpracWerarlLor Ar- MO» Ptmrtoabrt*?, Uftraiwgobor d«> großen GenemUeiftona d«t irenzMischen Spteeh», in Pa-rtä gertoi&on. 3-2 17 Samstag 1856 — der bafinbrechoaio Ertersohnr der KebMoptkraiokhe&cn Professor Bernhard Frfnwl in FJberfeid geboren. 1900 — kgL Moäbdkoklor Heia* cloh PonpM, Vorkämpfer für d.-w Work Ructetri Wagners, fa Mttaohen gnotorhen. 4 — *1 Hoftarab: massoh dewar 18 Sonntag 1901 — der taibr&incho Dichter and PhBoeoph Dt. kfletn Joeaf Ber> drcximeki (iL T. bsu Gorion), BeJvrtieftor dcT iöfieohen Legen. dsnweit („Der Bo«i Jn<iaO. in Borttn gestörtem. 5 -n 19 Montag 6-1 20 Dienstag 48ß0 — der früher« «starr. Reichemial’geordnete Dr. ß. J. Bloch m Diia geboren. 106) — der jüdisch« Historiker M«rkne Jost in Frankiert «m Main gestorben. 7-t 21 Mittwoch sn weil in der letzteren naturgemäß die Anzahl der Selbständigen nicht so groß sein kann wie im Gewerbe. Das schon seif je überall konstatierte Bestreben der Juden, eine selbständige Stellung, also eine höhere soziale Stufe zu erlangen, wird durch die eben angeführten Tabellen vollkommen bestätigt Im Durchschnitt aller Berufstätigen waren b ei den Juden 45.09 % selbständig, während es ihrer bei den N i c h t j u d e n lediglich 2 8.5 5 %\ waren; es gab also um ca. 40 % weniger Selbständige' bei den Nichtjuden als bei den Juden. Die nachfolgende Zusammenstellung gibt die Aufteilung der Unselbständigen nach der Art ihrer sozialen Stellung wieder. Auf je 100 Selbständige entfielen: Angestellte Arbeiter Lehrlinge Jaden Nichtjöden Jaden Nlchtjadcn Jaden Nlehtjud. . 39,00 12,42 14,63 171,54 3,66 8,56 . 82,83 36,80 127,10 479,08 24,16 59,05 Landai. Forstwirtschaft Industrie u. Gewerbe . . Handel u. Verkehr . . . 91,03 54,73 Oiffentf. Dienste ml freie Berufe Im Durchschnitt 56,51 151,95 7,82 7,28 40,5G 200,64 3,91 o o 4,43 22,84 54,32 31,G9 Eine sofort in die Augen springende Tatsache Ist, daß bei den Nichtjuden auf je 100 Selbständige mehr als die doppelte Anzahl Arbeiter entfallen, während bei den Juden kaum fünfzig Arbeiter komme#. Der bekannte marxistische Lehrsatz erscheint also bei den Juden in sein Gegenteil verkehrt; es laufen nicht «zwei Arbeiter einem Meister», sondern zwei* Meister einem Arbeiter nach. Während in dem Verhältnis der Lehrlinge zu den Selbständigen bei den Juden und Nichtjuden fast kein Unterschied bestellt, ist die Zahl der Angestellten bei den Juden relativ genommen fast doppelt so groß als bei den Nichtjuden. Wenn wir den Prozentanteil der Juden an den einzelnen sozialen Kategorien ermitteln, so ergibt sich folgendes Bild. Juden waren von je 100 Angestellten Arbeitern Lehrlingen Land- und Forstwirtschaft . 3.97 0.27 1.32 Industrie und Gewerbe . . 20.15 2.89 4.32 Handel und Verkehr . . . 25.24 Oeffentüche Dienste und freie 7.03 16.99 Berufe ....... 2.31 5.89 — Lediglich in der Kategorie der Angestellten in den Berufsgruppen «Industrie und Gewerbe» und «Handel und Verkehr», wo die Juden ein Fünftel, beziehungsweise eh) Viertel aller Angestellten bilden, nehmen sie mit einem bedeutend größeren Prozentsatz teil, als ihrem Verhältnisse zur Gesamtbevölkerung entsprechen würde, in allen anderen Kategorien (mit Ausnahme der Lehrlinge im Handel und Verkehr) bleiben sie hinter diesem Verhältnisse zurück. Aus dieser Darstellung geht wohl zur Genüge hervor, daß die wirtschaftliche und soziale Struktur der jüdischen Bevölkerung Wiens die von den Union-Leuten perhorreszierte «Eigenart» aufweist. Daher sind Maßnahmen, welche die abnormale Lage der Juden Wiens günstig verändern sollen, nicht ausreichend im Rahmen der allgemeinen Wlrtsohaftsmaßnahmen. Eine Gruppe, welche sich in anmaßender Weise ihre angebliche Prädestination für die Führung jüdischer Angelegenheiten awogiert, müßte zunächst doch so weit sein, das Pro-