Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1928)
- Date
- 1928-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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S«Ne 4 DIE STIMME Nr. 46 Kultus Wähler! Wählet die »Zionistische Liste«, die für die wahre Demokratie und Neubelebung der Kultusgemeinde eintritt J. V. »Erez Israel“, Wien, II., Zirkusgasse 33 Sonntag, d«n 18. Nov«mb«r findet in unserem Verointlokal«. II., Zlrhue* J4IM 33, ein LUerarisdaer Abend (Perez-AbentI) anter Mitwirkung bester KunstkrSfto statt. QSsto willkommen I Wenn aber Nationalismus die Schaffe n■g materieller Stützen in Palästina bedeutet, auf denen eine j ü d i s c h e Z i .v -i 1 i s a t i o n auf,gebaut werden kann, dann sind wir Nationalisten, und ich glaube, daß in dieser Hinsicht Schwierigkeiten nicht entstehen werden. Der Unterschied besteht nur in der Betonung: Für. uns Zionisten bedeutet Zionismus das erste Pro b lern derjudenh e i t. Wir haben unser Leben diesem Ideal geweiht. Wir werden in diesem Dienste fortfahren in der Hoffnung, daß andere uns folgen werden. Wir werden aber unser Ideai niemandem auizv/ingen, ebensowenig erwarten wir, daß man versuchen wird, unseren Eifer und unsere Begeisterung um ein Jota herabzudrücken. Wir sind für den Ruhm einer großen Sache und für den Ruhm eines großen Landes Ln einen Pakt getreten, dies ist der gemeinsame Nenner, der uns alle bindet; das Land ist uns allen nabe und teuer, weil es der Ursprung unseres Seins ist. Diese Agency, die nun ins Dasein treten soll, ist das Symbol der Einigkeit, sie stellt die einheitliche Front des Judentums wieder her, eine Front, die nur zu oft von unseren Inneren und äußeren Feinden zerrissen worden ist. Der gute Wille, den diese Versammlung gezeigt hat, ist ein Unterpfand für eine zukünftige, reibungslose Arbeit dieses neuen Instruments. Wie schon unser ausgezeichneter Vorsitzender dargelegt hat, haben wir von der Zionistischen Organisation den Bericht der Joint Palestine Survey Commission mit Sorgfalt geprüft. Wir schätzen und würdigen die von den Experten und besonders von den Commissioners gemachten großen Anstrengungen. Aber die Erfahrung einer 25jährigen Arbeit in Palästina hat , uns gelehrt, daß die Kolonisation von Juden u n d durch Juden ein -P r o b 1 e in von besonderer Schwierigkeit ist, und \vir .wiinschen, daß diejenigen, die vielleicht mit allen diesen Mühen und Anstrengungen der Kolonisation nicht verwachsen gewesen sind, unserem besonderen Gesichtspunkt Verständnis entgegenbringen. Die eingeieiteten Diskussionen berechtigen uns zu dieser Hoffnung. Niemand wünscht, einem Dogmatismus zu dienen, niemand will etwas anderes als nackte Arbeit, aber wie Dr. Adler und Lord M c I c h e 11 betont haben, Arbeit von lebhafterem Tempo und stärkerem Rhythmus im Aufbau Palästinas. ich teile nicht ganz den Pessimismus von Lord M-eichett, daß wir nur fünf jabre vor uns haben. Fünf Jahre sind nur eine Minute in unserer viel tausendjährigen Existenz. Wir waren gewohnt, in Jahrhunderten zu rechnen. Aber wir müssen nun wissen, daß Palästina durch den gegenwärtigen Prozeß der Regeneration ein Zentrum geworden ist, auf das die Aufmerksamkeit einer Welt gelenkt ist, die unseren Bestrebungen nicht immer freundlich gegenübersteht. Wir haben den Grundstein zu diex-m neuen Palästina gelegt, und wir wollen nicht die Früchte dieser Arbeit zugunsten anderer preisgebem Viele von Innen haben richtig bemerkt, daß Millionen Juden Palästina als das Zentrum ihrer Hoffnungen ansehen. Al-s ich vor einiger ^.eit durch Polen und Rumänien reiste, standen in jeder kleinen Station, auf jeder abseitigen Landstraße junge Männer, aufrecht, stolz, stark, intelligent, die eine einzige Frage an mich auf den Lippen hatten: «W a nn werden wir nach P a 1 ä s t i na gehen d ü r f e n?» Diese jungen Männer sind das beste, was das Judentum in einer Zeit der Drangsal und der großen Bedrückung hervorgebracht hat; ich möchte 4iese jungen Menschen nicht verlieren. Sic sind unser bestes Material. Die Besch 1 e u n i ig u n g des Tempos im Aufbau Palästinas ist im Interesse der Regeneration der Judenheit geboten. Wenn nun die amerikanische Judenheit unter der Führung der Männer, die an der- Agency beteiligt sind, beschlossen hat, ihr Gewicht zugunsten des Aufbaus Palästinas in die Wagschale zu werfen, dann werden die übrigen jüdischen Gemeinschaften der. Welt diesem Beispiel folgen, und so wird die Agency innerhalb einer sehr kurzen Zeit ein arbeitendes Instrument werden. Im Rahmen dieser Arbeit werden wir erst ziur reohten Einigkeit kommen. Liebe wird vollbringen, was Forme Ln. nicht .vermochten. Meine Damen und Herren, ich beglückwünsche Sie aus tiefstem Herzen zu dem Weg, den Sie beschritten haben, zu der Tat, die wir viele Jahre erträumt und für!ie wir gearbeitet haben. Die Bajfour-Deklaration wurde nicht den Zionisten gegeben; sie wurde ganz Israel gegeben, und ganz Israel soll diese Urkunde mit reinen Händen, reinem Herzen und mit dem Gefühl der Hoffnung empfangen, aus Palästina etwa« zu machen, daß Ihnen hier zur Erhöhung gereichen und Ihnen helfen wird, die jüdische Tradition fortzuführen. * Lord Melchett über sein Internet Wir haben in der vorigen Nummer der «Stimme» das Interview, das Lord Melchett (Sir Alfred Mond) einem Vertreter des New Yorker «Tog» gab, im Wortlaut wiedergegeben. Das Interview hatte in den weitesten Kreisen des amerikanischen Judentums Aufsehen erregt; in Unterredungen, die ein Mitarbeiter des «Tog» mit hervorragenden Vertreten verschiedener Richtungen im amerikanischen Judentum, wie Felix W a r b u r g Richter Mack, Morris Rothenberg u. a. hatte, gaben diese ihrer Ueberraschung über die Erklärungen Lord Melchetts Ausdiuck. Diese Wirkung seines Interviews suchte nun Lord Melchett, der in seiner Eigenschaft als Präsident der Joint Palestine Survey Commission nach Amerika gekommen war, durch nachstehende Erklärungen abzuschwächen, die er in seiner Rede bei der Eröffnungssitzung der New Yorker Konferenz der Nichtzionisten abgab: «Die Bewegung für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims ist nicht allein für uns, sondern auch für die ganze Welt von großer Wichtigkeit. Nach zweitausendjähriger Wanderung in der Wüste ist uns eine Chance und eine Gelegenheit gegeben worden; unverständlich ist es, wie nun viele Zurückbleiben wollen und vorgeben können, die Sache habe für sie kein Interesse. Ich freue mich, die Gelegenheit ergreifen zu können, um einige Mißverständnisse .aufzuklären, die sich in verschiedene, in der Presse erschienene Erklärungen eingeschlichen haben. Ich bin immer nervös, wenn ich über Palästina spreche, ob- BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, I!., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL R-43-1-58 M. 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Aus einem anderen ersah ich, daß ich ein Gegner der Jewish Agency sei, einer Körperschaft also, der anzugehören ich wohl eines Tages die Ehre haben werde. Aus einem dritten Interview entnahm ich, daß ich für die Abschaffung alles dessen in Palästina bin, das nicht mit privaten Unternehmungen zu tun hat; ich hatte aber nichts anderes bemerkt, als daß private Unternehmungen beim Aufbau Palästinas in einem hohen Maße beteiligt sein müssen, wie dies in jedem anderen Lande der Welt der Fall ist. Die Entwicklung Palästinas ist keine Phantasmagorie, sie unterliegt Bedingungen wie in jedem anderem Lande. Mit dieser Erkenntnis sollte ein Großteil der zwischen uns bestehenden Differenzen aus unseren Gemütern verschwinden.» Der letzte Verteidiger Dreyfus* gestorben Wie uns aus Paris b erd eiltet wind, ist dort Henri Mornard, Advokat barm AppellaHons j; erichIshof, der letzte dar drei Rechtsanwälte, die seinerzeit Kapitän Dreyfus verteidigten, gestorben. Seine Mitkämpfer in diesem aufsehenerregenden Prozeß, däe Anwälte Labori und Demange, sind schon seit langem tot. Von den Hauptpersonen der Dreyius-Afifäre, wie Esterhazy, Oberst Picquant, General Mercier und Oberst Henry, ist keiner mehr am Leben außer Dreyfus selbst, der als pensionierter Oberst in Paris wohnt. Dreyfus ist jetzt 69 Jahre alt. Von den Persönlichkeiten, die außerhalb des Gerichtes sich für die Rehabilitierung Dreyfus’ ednsebzben, labt niur noch C l firne nceau, der gegenwärtig 87 Jahre alt ist. Seine Mitstreiter Emile Zola und Anatode France weHeai nicht mehr. auf Erden. Der „Status quo“ an der Klagemauer. Die Palästina-Regierung wird eine neue Erklärung erlassen. Aus Jerusalem wird gemeldet; Eine Abordnung der am 1. und 2. November stattgefundenen M ^lcmiten-Konferenz unterbreitete dem stellvertretenden Ob.erkommissär Luke die von der Konferenz gefaßten Resolutionen. Herr Luke versprach, demnächst eine Erklärung der Regierung zu veröffentlichen, des Inhalts, daß die Beobachtung des Status quoanderMauergesichertwerdenwird. Die Beschlüsse des Jüdischen Nalionalrattrs von Palästina. In der'Sitzung des jüdischen Nationalrates (Waad Leumi), die am 21. Oktober in Jerusalem stattfand und sich mit den Ereignissen an der Klagemauer beschäftigte, wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Waad Leumi beschließt, ein Aufklärung ss ch r e i ben an die Araber zu erlassen, in welchem klargestellt wird, daß unsere Absichten in dieser Angelegenheit in keiner Weise die' heiligen Stätten der Mohammedaner berühren. 2. Der Waad Leumi erklärt öffentlich, daß er den n e u e r I i c h en U e b c r f a 11 der Araber auf die Beter an der Kisgemauer am 6, Cheschvan als ein natürliches Ergebnis der Taktik aasieht, die die Regiert! n g in der Angelegenheit der Klagemauer den Juden gegenüber für angebracht hält. Diese Taktik habe klar gezeigt, daß die Regierung ihre Verpflichtung nicht erfüllt hat, der ungerechten Behandlung und Kränkung der. Juden ein Ende, zu machen. Der Waad Leumi legt die volle Verantwortung für die durch die Frage der Klagemauer entstehende Unsicherheit und. die darausmöglichen Konsequenzen auf die Regierung;.. 3. Der Waad Leumi verlangt von der. Regierung, daß sie de.n Worten und Taten der "Verhetzung gegenüber den Juden und der Verbreitung von Verleumdungen in', arabischen Kreisen in Palästina und außerhalb des.Landes ein Ende mache. 4. Der Waad Leumi wählt eine Ko;m miss Ion von drei Mitgliedern, die zusammen mit der Leitung, alle mit der Klagemauer in Verbindung stehenden. Fragen bearbeiten soll. Als Mitglieder dieser Kommission wurden die Herren: M: Ussischkin, Rabbi Berlin und Dr. A, K at z en e Iso n gewählt. .. . Der Appell des Waad Leumi an die Araber. Der Appell, den der Waad Leumi (Jüdischer . Nationalrat Palästinas) an die arabische Bevölkerung erlassen . hat, besagt u. a.: Der Zwischenfall an der Klagemauer am Versöhnungstage hat Anlaß zur Wiederholung der Verleumdung gegeben, daß die Juden Aspirationen auf die Omar-Moschee haben. Die Juden aber beanspruchen nichts weiter als das Recht auffreien Z u t r i 11 zur Westmauer, um dort zu beten. Dieses Recht wurde durch R o m, durch die. arabisohen Kalifen und durch die türkischen Sultane anerkannt. Die Juden hatten den moslemitischen Eroberern Palästinas Hilfe geleistet, als Gegenleistung wurden die jüdischen Rechte in Palästina und besonders das Recht auf Ausübung der Andacht in ihren heiligen Stätten garantiert. Niemals werden die Juden zügeben, daß dieses ihr Recht aufgehoben oder eingeschränkt wird. Wir Juden wollen das Land gemeinsam mit unseren arabischen Brüdern aufbauen. Wir fordern die arabischen Führer auf, mit den antijüdischen Verleumdungen aufzuhören, um eine Basis für Zusammen arbcit schaffen zu helfen. Eine offizielle Erklärung der Zionistischen Exekutive. Die palästinensische Zionistische Exekutive hat eine Kundgebung erlassen, die besagt: «Im Hinblick darauf, daß die jüdischen Bestrebungen nach einer Sicherung der notwendigen Bedingungen für einen freien und ungestörten Gottesdienst bei der als Klagemauer bekannten Westm'auer in einer . unrichtigen Weise dargestellt worden sind, so etwa, als würde die Absicht bestehen, das Haram-Grundstück (der Platz, auf dem die Omar-Moschee steht) anzutasten, wünscht die Zionistische Organisation von neuem ihre schon wiederholt abgegebene Erklärung zu bestätigen, daß sie ohne Einschränkung die Unantastbarkeit d e r m os 1 ein i 11 s c he n Heiligen Stätten anerkennt.» . Eine Protestkundgebung in New York. Unter der unübersehbaren Zahl van Proteskundgebungen gegpn die Vorfälle an der Klagemauer, welche überall, wo Juden wohnen, veranstaltet werden, sei d(e Kundgebung in; N e w Y o r k heryorgehoben, bei der der Präsident der zionistischen Weltorganisation Doktor