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Die Stimme · 1928-11-15 · Heft 46 (15.11.1928) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 46 (15.11.1928)
Date
1928-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite l DIE STIMME Nt 48 Ihm... .... ii i!■■■■■ ■■ den öffentlichen H nushatten fftr unsere kulturellen und sozialer Bedürfnisse entsprechende Beiträge zu verlangen. Für die katholische Religion gibt der Bund jährlich 106 Milliarden aus. für die evangelische Religion, die bedeutend weniger vertreten ist als die jüdische, 5 Milliarden, aber für die Juden gibt der Bund, als Subvention für die theologische Lehranstalt, im ganzen Jahr 8 00 Schilling. Wir erhalten ein Spital, ein Versorgungshaus und zahlreiche andere Fürsorgeinstitutionen, durch die wir die allgemeine Fürsorge entlasten. Deshalb haben wir ein Recht auf Beiträge aus den allgemeinen Steuern und dürfen auf diese nicht auf Kosten der Steuerzahler verzichten, weil es der «Union» nicht «paßt», sich auf den Friedensvertrag zu berufen, der längst in unsere Verfassung übergegangen ist. Nach hartem Kampf haben es die Zionisten durchgesetzt, daß die Kultusgemeinde einstimmig den Beschluß faßte, von diesem Rechte Gebrauch zu machen. In einer Eingabe, die erst kürzlich an das Bundeskanzleramt ln dieser Angelegenheit gerichtet wurde, beruft sich die Kultusgemeinde ganz strikte auf die Bestimmung des Artikels 68 des Staatsvertrages von St. Germain, den Kandidaten der «Union» als Schandverfrag bezeichnen, aus dem man keine Rechte ableiten dürfe. Unterschrieben aber ist diese Eingabe von demselben Präsidenten der «Union», der sich so krampfhaft gegen die Heranziehung des Friedensvertrages gewehrt hat! Auf Selten der «Union» beklagt man sich mitunter, daß die Zionisten die Ruhe in der Kultusgemeinde gestört haben, die früher nur von Problemen des Ritus bewegt war. Ja, wir haben Unruhe in die Kultusstube gebracht, und wir sind stolz darauf, daß wir die Kultusgemeinde zu neuem Leben erweckt haben, denn unter der Führung der «Union» hat dort eine Stille geherrscht, die man nur als Grabesstille bezeichnen kann. Wenn Sie wollen, daß junges, frisches Blut in die verkalkte Gemeinde komme, dann müssen Sie die zionistische Liste wählen I (Stürmischer Beifall.) Wie soll die erweiterte Jewish Agency aussehen? Der Worlaut der Beschlüsse der New Yorker Konferenz der Nichtzionisten Nunmehr liegen die beiden Resolutionen, welche die unter dem Vorsitz von Louis Marsh aII abgehaltene New Yorker Konferenz der Nichtzionisten zur Bildung der Jewish Agency für das jüdische Nationalheim in Palästina einstimmig beschlossen hat. Die erste Resolution, die den Bericht der Joint Palestine Survey Commission betrifft, rekapituliert die Verhandlungen und Vorgänge, die zur Bildung dieser Kommission führten, sowie die Arbeiten, welche die Kommission durchgeführt hat, und bekundet folgenden Beschluß: Der Bericht der Joint Palestine Survey Commission wird hiermit anerkennend zurKenntnlsgenommen und seine Empfehlungen werden als eine Basis für zukünftige Aktionen der Nichtzionisten Amerikas angesehen, die in Gegenwart oder Zukunft mit dieser Organisation verbunden sind oder sein werden; wobei aber angenommen wird, daß sich von Zeit zu Zeit Verhältnisse ergeben können, die Abänderungen einiger der in dem Bericht enthaltenen Empfehlungen als ratsam werden erscheinen lassen; vorausgesetzt wird ferner, daß, falls eine erweiterte Jewish Agency, wie vorgeschlagen, existent werden sollte, diese Körperschaft sich mit dem Gegenstand in einer Weise zu befassen hat, wie die3 der wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Entwicklung Palästinas am dienlichsten ist. Die Resolution, welche die Ernennung eines s i eoengliedrigen Organisationskomftees zur Namhaftmachung der amerikanischen Agency-Mitglieder betrifft, hat folgenden Wortlaut: «Indem nach angemessener Prüfung des Berichtes der Joint Palestine Survey Commission wiederum die Frage eingehend erörtert worden ist, ob Juden, die nicht Mitglieder der Zionistischen Weltorganisation sind, s.ch mit der Zionistischen Weltorganisation zu der Biloung einer vereinigtenJewishAgency gemäß den Bestimmungen des Artikels 4 des vom Völkerbund verkünden Palästina-Mandates, und gemäß den «aus der Dttdaersctaweanine WI«sbsb*«h I., Dotfnerfliasse 4. Mai Mbefugnisson. und Pilich'en, die in diesem Mandat soc. efiziert sind, ferner gemäß den Richtlinien, die in ner von der sogenannten erparteiischen Konferenz vom 1. März 1925 angenommenen Resolution dargelegt sMi, zusammentun sollen oder nicht, und nachdem hierüber eine angemessene Erwägung angestellt worden ist, wird hiermit beschlossen: 1. Die in der Versammlung vom 1. Mörz 1925 angenommenen Resolutionen werden nochmals zum Beschluß erhoben, ratifiziert und anerkannt; 2. die Jetzt tagende Konferenz, die jene Juden der Vereinigten Staaten repräsentiert, die Nichtzionisten sind, bevollmächtigt — um den vorher erwogenen Plan hinsichtlich der Schaffung einer erweiterten Jewish Agency durchzuführen — hierdurch ein Komitee aus sieben Personen, das als «Organisationskomitee» bekannt sein wird und dessen Mitglieder von dem Vorsitzenden dieser Versammlung ernannt werden sollen, die nichtzionistischen Mitglieder des Rates der Jewish Agency, die den Vereinigten Staaten zugebilllgt sind, namhaft zu machen und zu ernennen: vorausgesetzt, Tel. U 25-2-57 TUCH HAUS MÜNZ tlflEfcJ I N,<4 WIKI« I KRAMERQAXSE II am dmport Orig. englischer, schottischer u. irischer 3)amen~ a, ZHerrenstoffe iDetailverkauf zu Sngrospreisen a) daß stets fünfzig Prozent der Mitglieder des Rates und der Exekutive der Jewish Agency durch die Zionistische Weltorganisation erwählt werden; b) daß von den nichtzionistischen Mitgliedern des Rates der Jewish Agency 40 Prozent die amerikanische Judenh e i t vertreten sollen, nicht eingerechnet jene amerikanischen Vertreter, die schon von der Zioni-; stischen Weltorganisation erwählt werden mögen; c) daß 50 Prozent des Exekutivk o m i t e e s zur Verwaltung der Angelegenheit der; Jewish Agency von den durch die Zionistische! Weltorganisation erwählten Mitgliedern des Aktionskomitees und die verbleibenden 50 Prozent von den Mitgliedern des Rates derjewish Agency, die aus den Reihen der Nichtzionisten hervorgegangen sind, ernannt werden sollen; d) daß Mitglieder des Rates des Exekutivkomitees der Jewish Agency stets berechtigt sein sollen, by proxy zu votieren; e) daß das Organisationskomitees, auf welches nachstehend Bezug genommen wird, hinsichtlich der Vertretung der Nichtzionisten anderer Länder; als der Vereinigten Staaten im Rate und im Exekutivkomitee der Jewi3h Agency konsultiert werden und daß das Organisationskomitee die Zuleitung einer solchen Vertretung gutzuheißen hat; 3. daß das Organisationskomitee ermächtigt und angewiesen wird, eine freie — oder eingetragene —■ Organisation zu bilden, um die Durchführung der Ziele dieser Resolution zu erleichtern und Satzun-; gen zu beschließen, wie sie als erwünscht erachtet werden mögen, und daß das Organisationskomitea die in dieser Sitzung angenommenen Resolutionen den Vertretern der Zionistischen Weltorganisation r* Mauschel als Kulturhistoriker Von Dr. Jehoschua Herschdörfer (Krakau). Dem Herrn Egon Frieden, der einst auf den Namen Friedmann hörte und neben Fritz Grün-baum als Spaßmacher am Salzgries und Franz-Josefs-Quai sehr beliebt war, hat der Erfolg Spenglers keine Ruhe gegeben. Er beschloß, es ihm nachzumachen, und schrieb eine Kulturgeschichte, ein Werk, das in seiner Art als Kuriosität gelten kann. Es ist bewundernswert, wie man über Dinge und Probleme, die da» Heiligste und Wesentlichste der Menschheit betreffen, im Stile eines Homunkulus schreiben kann; es ist fast genial, wie Frieden die geistigen Bewegungen der Neuzeit in Form eines Feuilletons schildert, sic derart banalisiert und verflacht, daß man sich oft fragen muß, warum dieses Buch Ullstein nicht als Eisenbahnlektüre verlegt hat. Es ist klar, daß Frieden, dem demier cri der geistigen Mode folgend, gegen den Rationalismus, Materialismus und die Wissenschaftlichkeit loszieht, da es doch seit Bergson für sehr schick gilt, sich als Spiritist und Vitalist zu gebärden, den Glauben zu vertreten, daß «das Transzendentale das allein wirkliche sei». Dies allein hätte uns aber nicht veranlaßt, das Buch zu erwähnen, wenn Mauschel nicht das Bedürfnis hätte, bei dieser Gelegenheit sein «Chaserfüßchen» herauszustecken. So charakterisiert Frieden z. B. im 2. Bande, der eben erschienen Ist, Moses Mendelsohn als «honetten Handelsprokuristen und beliebten Popularphilosophem, was uns übrigen» ziemlich kalt läßt, da uns nationalbewußten Juden Mendelsohn Hekuba ist und wir der Meinung sind, daß der Friedellismus ein geistiges Kind des Mendelsahnismus ist. Nun erlaubt er sich aber, so nebenbei auch dem Judentum eines zu versetzen, indem er schreibt: «Denn der autochtone Geist des Judentums behält selbst dort, wo er sich kl die allerspiritulistischen Höhen verliert (undMendelsohn gehörte wahrhaftig nicht zu jenen Höhenwanderem), nooh immer den Charakter des Materialismus, der sich verstiegen hat, und immer bleibt er rationalistisch. Di« Annahme, daß di« Wirklichkeit aus jenen Dingen bestehe, die man beweisen, womöglich abtasten kann: dieser himmelschreiende Nonsens ist eine jüdische Erfindung». Es wäre müßig, sich mit Herrn Friede!! in eine ernste Diskussion über das Wesen des Judentums einzulassen, der seine Argumentation den obskursten antisemitischen «Theorien» von anno dazumal (Dtihrlng, Chamber!in) entlehnt hat. Auch er hofft, nach bewährtem Muster durch freches Antisemitein die Tatsache zu vertusch *1, daß er ein Abfallprodukt des Judentums ist. Was würde es nützen, ihm die Tatsache vor Augen zu führen, daß kein Volk solche Höhen «transzendenter» Geistigkeit erreicht -hat wie das Judentum, der Schöpfer der Psalmen; dieses Werk göttlicher «Transzendenz», und innigster Frömmigkeit charakterisiert Rudolf Kittel, ein eclfter «Arier» und Christ (kein Talmideutscher wie Herr Friede!!) folgendermaßen: «In Ihnen reden wie in den Schriften der Propheten wahre Propheten, wahre Klassiker der Religion, große in Israel, Meister und Gewaltige des religiösen Lebens aller Zeiten, Männer, die das an sich verspürt haben, was‘die innerste Versenkung In den lebendigen Gott und die tiefste Berührung der Seele mit ihm aus einem Menschenherzen mchen kann. Das Wort Luthers über den Psalter bleitot ewig wahr: «Da »lebst Du allen Heiligen — allen wahrhaft Frommen — Ins Herz». (Rud. Kittel: «Die alttestamentliche Wissenschaft».) Oder sollte man dem Herrn Friedeil die jüdische Apokalypse, da« Buch Daniel oder den Sohar in Erinnerung bringen? Weiß er vielleicht zufällig, daß die christliche Mystik aus dem Borne des Sefer Jezlra geschöpft hat, daß Raimundus Lullus, Francesco Zorzl und Paracelsus mittelbar Jünger der Kabbala waren, deren «transzendente» Weisheit noch bei Swedenborg und Sotowieff den Grundton angifot. Es wäre zwecklos, ihm noch vom Chassidismus zu sprechen* da er wahrscheinlich das Wesen dieser Bewegung — bei den «Budapwtem» studiert hat. Friede!! stellt dem Judentum den Geist des Christentum« gegenüber, indem er schreibt: «Daß die Welt nicht mit dem Schwert erobert werden kann* erobert werden darf, sondern nur mit dem Geist, da« war ein schlechthin neuer Gedanke der vorher ln kelnesjuden und keines Heiden Kopf gekommen war.» Man muß sich unwillkürlich fragen, ob diese Behauptung ein Ausfluß bodenloser Ignoranz, oder gar bewußte Verlogenheit ist. Es ist doch eine sogar von unseren Gegnern anerkannte Tatsache, daß es zuerst das Judentum war, da« den Primat des Geistes gegenüber der materiellen Gewalt predigte. So finden wir z. B. den von Frieden dem Christentum ^geschriebenen «neuen Gedanken» wörtlich bei Zacharia, der fünf Jahrhunderte vor Christus lebte. Wir lesen: «Nicht d u r c h M a c h t u n d n I c h t d u r c fr S t ä r k e, o *• dem durch meinen Geist spricht der Herr Zebaot.» (Zacharia 4. 6.) Und derselbe Gedanke in anderen Worten findet sich fast durchwegs im ganzen aithetoräischen Schrifttum; es sei nut noch

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