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Die Stimme · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 45 SIE6M. HORNMEHL, Broßfleischliauepßi Zentrale IX, Borggasse 19, Tel. A17-3-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen fOr ^^-Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse 1b XVUI, Währlngerstraße 97 Versammlungen und drückten offiziell ihre Sympathien mit dem Zionismus und ihr tiefes Interesse für die Erfolge des Zionismus aus. Bei der am 20. Februar dieses Jahres in Shanghai unter Vorsitz des britischen Generalkonsuls abgehaltenen zionistischen Massenversammlung hielt der damalige nationalistische Minister Quo t a i - c h i eine Rede, in welcher er unter anderem ausführte: «Ich hoffe, daß das jüdische Nationalheim schon in kurzem schon eine allgemein feststehende und anerkannte Tatsache sein wird. Ich lege Gewicht darauf, Sie zu versichern, daß China mit größter Bereitwilligkeit seine Hand hiezu reichen und eine chinesisch-jüdische Entente cordiale schaffen wird. Die Juden sowohl als auch wir chinesischen Nationalisten kämpfen für dasselbe Ziel, die Anerkennung unserer modernen nationalen Aspirationen.» Die Frage, ob der Chinese von Judenfeind- 1 i c h k e i t beseelt und von Haus aus Antisemit sei, muß entschieden verneint werden. Wohl wurde in jüngster Zeit wiederholt der Versuch gemacht, auch hier durch Verbreitung der berüchtigten «Protokolle» eine antisemitische Atmosphäre zu schaffen, doch wurde auch diese von Ausländern und nicht von Chinesen versuchte Verhetzung durch rasche Aufklärungsarbeit zunichte gemacht. Die Verhetzer waren zwei beschäftigungslose Weiße, die von ausländischen antisemitischen Stellen für diese antisemitische Propaganda gedungen waren. Ein anderer unliebsamer Zwischenfall ereignete sich am letzten Jomkippur, als die von dem Ehepaar S.A. Hardoon gewidmete neue Synagoge während des Gottesdienstes von einem Trupp Missionäre überflutet wurde, welche die Kühnheit hatten, an diesem höchsten jüdischen Feiertag Missionstraktate zu verteilen. Nur dem besonnenen Takt des Gemeindepräsidenten war es zu danken, daß keine Panik entstand und die Eindringlinge mit heiler Haut die Synagoge verlassen konnten. Am nächsten Tage brachten die führenden Blätter von Shanghai an leitender Stelle Proteste gegen diesen Ueberfall auf die jüdische Gemeinde, auch angesehene chinesische Persönlichkeiten haben ihrem Abscheu vor dieser unsauberen Propaganda der Missionäre und der Sympathie für die Juden Ausdruck gegeben. Die «lea» um l/2 Millionen Francs betrogen Aus Paris wird uns geschrieben: Die Pariser Zentrale der Jewish Colonisation Association, welche das von Baron Hirsch für jüdische Siedlungs- und Hilfsav/ecke hinterlassene Vermögen verwaltet, hat vor einiger Zeit mit der Anstellung eines Kassiers keinen sehr glücklichen Griff getan. Durch die Pariser Zentrale gehen die Subventionen der «lea» für Hilfsorganisationen in Polen und Rußland sowie jene Gelder, welche die jüdischen Emigranten in Argentinien und Brasilien an ihre europäischen Angehörigen senden. Die verantwortungsvolle Stellung eines Expedienten dieser Gelder erhielt aus noch unaufgeklärten Gründen ein gewisser Bernhard Glück, der aus Berlin nach Paris gekommen war. Br versah sein Amt in der Weise, daß er nur die Hälfte der ihm zur Weiterleitung übergebenen Gelder an die Steilen, denen sie zukommen sollten, sandte; die andere Hälfte floß in seine Tasche. Reklamationen aus Polen und Rußland kamen wohl in immer größerer Zahl, doch Glück, der die Bücher gefälscht hatte, wies stets nach, daß er auftinaggemäß manipuliert hatte, und dabei beruhigte man sich Ln der Verwaitungsdirektion der «Ica», bis — Glück eines Tages verschwand. Dann erst nahm man sich die Mühe, die Bücher genauer zu revidieren, und es wurde festgestellt, daß Glück 1 Yt Millionen Francs von den Unterstützungsgeldern unterschlagen hatte. Glück war indessen über Deutschland nach Riga geflüchtet und wandte sich von dort, da ihm auch der lettische Boden zu heiß wurde, nach Danzig. Dort wurde er verhaftet und wird nach Frankreich ausgeliefert. Wie vorsichtig die «lea» bei der Vergebung einer verantwortlichen Beanrtenstelle gewesen war, geht daran#} hervor, daß Glück, bevor er nach Paris kam, in Deutschland wegen zahlreicher Betrügereien und Wechselfälschungen zu langjähriger Kerkerstrafe verurteilt worden war, der er sich durch die Flucht nach Frankreich entzogen hatte. Alle iüdlscheu und hebräischen Gesänge, welche von Oberkantor Josef Rosen bla tt auf nebenjeräuscWreden Columbia-Platten aufgenommen wurden, hält das Mnsikhaus «E x c e 1 s i o r», Wien, „ Vdlergasse 5, und II., Kleine Pfarrgasse 28, stets auf jüer. (Entgeltlich.) Nicht ausdrücklich mmmmmmmmmmimBKmmmmmmmmammm abbesteilte Abonnements ■alten als weilerbestehend! Kleine Nachrichten Wie die Kisobinewer jüdische Zeitung «Unsere Zeit» mittelR, wurde durch die vom rumänischen Innenrnri-nisteriium angeordnete Untersuchung Uber die (bereits gemeldeten, — Die Red.) antisemitischen Ausschreitungen in Saiul C i smele, Bezirk Ismaas in Bessarabien, festgestellt, daß einige öffentliche Angestellte an diesen Ausschreitungen die Schuld tragen. Der Inmenanini-ster ordnete die sofortige Entlassung dieser Angestellten an. Der Chef der Gendarmerie der Gemeinde wu-rde dem Kriegsgericht überstellt, die anderen Schuldigen wegen hetzerischer Propaganda dem Gerichte eingeliefert. « Das Zentralbureau der vereinigten E m dgrationsgesellachaften Hias - 1 cafe migdi ree t (Hioem) ist von Berlin nach Paris verlegt worden. Durch diese Vereinigung soll eine Zentralisierung der gesamten Tätigkeit auf dem Gebiete der Regelung der jüdischen Wanderung und des Schutzes de rAus- und Einwanderer erreicht werden. Die Arbeit erstreckt sich sowohl auf die Au.swanderunigsa<ls auch auf die Einwanderungs- Iander wie auf den W&mtenmgsweg. # Vor kurzem verstarb in Berlin im Aiter von 62 Jahren Herr Hermann Goldberg, ein Abkömmling des Posener Gaon Raw Eiger und ein Enkel des Herausgebers der berühmten Berliner Talmud-Ausgabe, Abraham Goldberg. Der Verstorbene selbst hat pich als Zeitungs- und Buchverleger vielfach Verdienst erworben. Vor einigen Jahren gab er in Berlin die «Jüdische Illustrierte Zeitung», die die erste ihrer Art war, mit heraus. * Laut offizieller Statistik lebten im Jahre 1923 in Rumänien 13,062.806 (75 Prozent) Rumänen, 1,412.742 (3.2 Prozent) Ungarn, 717.683 (4.2 Prozent) Deutsche, 1,093.191 (63 Prozent) Juden, 981.844 (5.6 Prozent) Rutbemen, Russen, Bulgaren, Serben «sw. in der Generalversammlung der Jüdischen Fürsorgezentrale für die Tchechosiowakei in Prag wurde mitgeteilt, daß in dem mit dem 30. Juni abgelaufenen Berichtsjahre 1856 Durch- Hsua^Schule^JUi^E^WBSunasiuunst Inh. HILDE HOLGER und LlZZt P SK Wien. I., SJngeratraß« 16 — Telephon Nr. R-27-4-43 fianHMUCHE 6Y«N»STIK « HK » BtlLETIECHHH HH808MIKI Wanderer mit insgesamt Kc 88.564 unterstützt wurden, d. i. um 50 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für verlassene Kinder wurde ein Helm errichtet, fast 500 Interventionen bei Behörden und Körperschaften zugunsten jüdischer Petitionäre fanden statt. * Im Konkurs der Londoner Firma Brüder Epstein, die in Devisen spekuliert haben, verliert laut einem Bericht der «Jewish Times» die Jüdische Kolonialbank 10.130 Pfund. * ln Warschau verstarb am 30. Oktober nach längerer Krankheit der Führer der jüdisch -sozialistischen Arbeiterorganisation «B u n d» in Polen, B. M ic h a 1 e w 1 c z, in Alter von 52 Jahnen. Michaiewicz, der in der gesamten «Bund»-Bewegung eine Rolle spielte, war Mitglied des Vorstandes der Warschauer Jüdischen Gemeinde. An der Bestattung Michaiewicz’ nahmen etwa 40.000 Personen, darunter zahlreiche Deputationen aus allen Tellen Polens, teil. * In der Großen Synagoge «Victoire» zu Paris wunde zum Gedächtnis der Im ‘Kriege gefallenen jüdischen Offiziere, Soldaten und Matrosen ein Gottesdienst abgehalten. Die Synagoge war von Eltern und anderen Angehörigen der Gefallenen, die in Trauerkleidung erschienen waren, dicht gefüllt. Der Präsident der Republik hatte einen Vertreter entsendet. * In J a s n y wunde die vierte Konferenz der radikalen Zionisten Rumäniens (Gruppe «Renasterea») abgehalten, an der 45 Delegierte teiilnahmen; den Vorsitz führte Advokat Dr. S. Schechter. Referate hielten u. a. Dr. Nachum Ooldmann (Berlin) über die Lage im Zionismus, Dr. M. Krammer über die jüdische Politik in Rumänien, Dr. Schechter Uber die Kultusgemeindepolitik. Die Konferenz nahm eine Protestresolution gegen die Vorfälle an der Klagemauer an. * Das litauische Finanzministerium hat eine Verordnung erlassen, nach der in den jüdischen Volksbanken die gesamte Buch- und Geschäftsführung in litauischer Sprache zu erfolgen haben. Aus technischen Gründen iirt diese Verordnung undurchführbar, wodurch die 82 jüdischen Volksbanken Litauens in eine kritische Lage gelangten und vor der Gefahr stehen, behördlich geschlossen zu werden. Der Finanamin&ster hat eine ihm von den Volkshanken eingereichte Petition» in der die Bitte uni Wochen-Kalender Növ. 1928 Gedenktage twn »mn 8 Donnerstag 1000 — der Dichter des „Dytak“ fl. Aneki (Salomen ftopaport) In j IV *rscli&n cos(ot!kvti. 8 Freitag 1817 — Eroberung Jomcnlcm* durch die Engländer. 1818 — Albert Ballin, Gr Ander der Hamburg—Amertkn-Linie, gestorben. 8«-ID 10 Samstag - 1887 —- der ßchrUtsteller Arnold Zweig in Groß-Ologan geboren. 27 -D Haftarah: wehameleeh Dowid 11 Sonntag 1848 — der Ltfcerarhletoriker Gustav Karpelcs, bekannt durch seine Hefne-Fottcfoungen, in Lo- *chiU geboren. 1604 — aet Pazifist Alfred Fried, Träger de* Friedensnobelpreises, In Wien geboren. 1818 — der Führ« der flnterrotcMochcn SozialdOTiokratio Viktor Adler in Wien gestorben. 28 -riD 12 Montag 1619 — der Lexikograph Daniel Fanden! ln Alt-Stre! itz geboren. 1859 — der Philosoph Ludwig Stein ln Erdn-Benye geboten. 29-ÖD 13 Dienstag 1324 — der NoveUist, Lyriker und In»lrpleb.icht«T rouard Mautner in Bndnpnt geboren. 1921 — der berühmte Orientalist Frof. Ignaz Goldslher in Bud.v pest gestorben. 30 — 1. Tag Roschchodesch 14 Mittwoch 1835 — der hervorragende Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Altertumekunde tuid Literatur Abraham Ella Harkavy in Xowogro-' o': geboren V?D3 1 — N 2, Tag Rosch-chodeseh Minderung der Verordnung ausgesprochen war, zurück g e w i e s e n. * Die lettische Regierung hat eine Verordnung erlassen, wonach den Staatenlosen jede Art Handel ohne eine besondere Erlaubnis des Innenministeriums in jedem Spezialfall verboten Ist. Von dieser Maßnahme sind etwa 1 5.0 0 0 j ü d isch e Staatenlose betroffen. * Im Alter von 64 Jahren verstarb in New York der bekannte jüdische Publizist und sozial-religiöse Fürsorger Leon Kamaiky, der seit 1889 das «Jiddische Togblatt» die älteste jüdische Tageszeitung Amerikas und Organ der Orthodoxie, heraungab. Die Zeitung wurde vor kurzem mit dem «Jewish Morning Journal» verschmolzen, deren Vizepräsident Kamaiky geworden ist. Nach Ausbruch des Krieges organisierte er das Central Relief Committee, das 14 Millionen Dollar für HUfsarbedt ln Europa auf brachte. * Am 28. Oktober fand in Olten diie Fortsetzung des ln Zürich am 9. September nicht beendeten Delegiertenitages des Sch/weifzemscben Zionisfceiwerbandes statt. Es war nicht möglich, ein arbeitsfähige« Zentralkomitee zusammenzustellen, weshalb ein provisorisches Zentralkomitee gewählt würde, das den Auftrag hat, sei es durch Cooptation, sei es durch Einberufung eines neuen Delegiertentagea eine arbeitsfähige Leitung zu bilden. «Galizische Methoden» Geschäftliche Streitigkeiten zwischen Szekely und Ladanyi: Der eine sagt dem anderen allerhand, darunter, auch, jener halte nicht, was er verspreche, und das sind «galizische Methoden». Der so apostrophierte Mann mit dem Budapester Namen läuft zum Bezirksgericht; der andere, aus dem Lande der Ritterlichkeit, wird, da die Kritik über das berechtigte Maß hinausging, zu einer Geldstrafe verurteilt. Berufung. Und da wird vom Richter (Hofrat Dr. N e u w i r t h) nach durchgeführtem Wahrheitsbeweis ein Freispruch gefällt mit der Begründung, Jas unlautere und hinterhältige Vorgehen des Kläge s sei «m i t v o 11 e m Rechte als galizische Metlnde bezeichnet» worden. So geschehen in Wien, das . or noch nicht langer Zeit Hauptstadt jenes Reiches wa , zu dem Galizien als sogenanntes Kronland gehörte. Di Methoden aber, für die das Beiwort «galizisch» vom G .rieht als zulässig bezeichnet wurde, sind, weiß Gott, International; wenn wir uns recht erinnern, ist der Weltkrieg unter anderem auch daraus entstanden, daß das Versprechen, die Neutralität Belgiens zu achten, von gewissen ln Berlin lebenden Nichtgaüzianem nicht eingehalten wurde; man könnte also auch von deutschen Methoden sprechen; der Länder- und Völkerkreis ließe sich aber beliebig erweitern; auch Wien oder Budapest dürften wohl nicht fehlen; es ist den Klägern und den Richtern anzuraten, mit geographischen oc'l.r nationalen Beleidigungen vorsichtig zu sein und ihre beschränkten Haßinstinkte zu zügeln. Mas wäre sonst versucht, auszuspucken. Hämorrhoiden. Haimalan-Salbe und -Zäpfchen sind wirksame Mittel zur Heilung von Hämorrhoiden, Rissen und Stillung von Blutungen. Dieselben wirken schmerzlindernd und werden von zahlreichen Aerzten verordnet. Die Gebrauchsanweisung ist wie folgt: Bei innerlichen Hämorrhoiden nimmt man die Zäpfchen, bei äußerlichen Hämorrhoiden die Salbe; zweimal im Tag, früh und abenidte, verwenden, am nächsten Morgen du warmes Sitzbad. Der Preis einer Schachtel, oder Tube beträgt S 6.50 und sind diese Mitte! viel billiger als andere gleichwertige Präparate. Erzeuger: Rathaus-Apotheke, Wien, I., Stadionga6te 10. (En tgÄ* *.)

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