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Die Stimme · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 45 DIE STIMME Sette 7 Die jüdische Frau in die jüdische Gemeinde! Die Zionisten fordern das passive Wahlrecht für Frauen» Getreu der Parole, daß aus der Israelitischen Kultusgemeinde die jüdische Volksgemeinde werden müsse, haben die Zionisten in ihr Wahlprogramm auch die Forderung nach Zuerkennung des passiven Wahlrechtes für Frauen aufgenommen. Die jüdischen Frauen, denen auf Grund ihrer Steuerleistungen wohl das aktive Wahlrecht für die Kultusgemeinde zuerkannt ist, werden jetzt mit lächerlichen Motivierungen von der Wählbarkeit in den Kultusvorstand ausgeschlossen. Die Frau darf wohl Steuern zahlen, sie darf auch — welch’ ein Fortschritt — wählen, aber sie darf sich nicht mit den hochmögenden allwissenden Herren von der Kultusstube an einen Tisch setzen, um ihre Arbeitskraft und ihren Rat in den Dienst der jüdischen Gemeinde zu stellen. In allen öffentlichen Körperschaften genießen die Frauen das passive Wahlrecht, ja man könnte sich eine Bezirksvertretung, den Gemeinderat oder den Nationalrat ohne die tätige Mitarbeit von Frauen gar nicht mehr vorst eilen. Die Frau ist aus dem öf ff entliehen Leben einfach nicht mehr wegzudenken, insbesondere auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge ist ihre Arbeitskraft unersetzlich. Nur die Pforten zu der Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse sollen ihr auch weiterhin verschlossen bleiben, weil nach dem jüdischen Gesetz die Frauen — zu rituellen Handlungen nicht zugelassen werden. Tn welchem jüdischen Gesetze steht es geschrieben, daß Frauen keine Kindergärten erhalten dürfen, daß Frauen Arme und Kranke nicht speisen und pflegen dürfen? Ja, wollen denn die jüdischen Frauen in die Kultusgemeinde, um dort an rituellen Handlungen teilnehmen zu können? Ist es nicht Hohn, wenn man Frauen, die jahrelang in der jüdischen Wohlfahrt mit beispielloser Aufopferung tätig sind, mit derartig windigen Argumenten abzufertigen sucht? Die jüdischen Frauen haben es in der Hand, das schreiende Unrecht, das an ihnen seit Jahr und Tag beg' gen wird, aus der Welt zu schaffen. Sie brauchen nur am 2. Dezember für die Partei ihre Stimmen abzugeben, die ihnen zu ihren Pflichten auch Rechte geben will. In einer Montag abends im Klubheim der „Hakoah“ stattgefundenen Frauenversammlung referierte der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz Über das Thema Frauenwahlrecht. In einer zündenden Rede trat er für die Zuerkennung des passiven Wahlrechtes an die Frauen ein, eine Forderung, die die Zionistische Partei seit Jahren erhebt. In Wien gibt es, so führte der Redner aus, 6000 Kultuswählerinnen, denen auf Grund ihrer Steuerleistungen das aktive Wahlrecht zuerkannt werden mußte. Durch die in der Nachtragsliste enthaltenen Wählerinnen dürfte sich diese Zahl noch erhöhen. Die jüdischen Wählerinnen stellen demnach etwa ein Sechstel aller Kult u «Wähler dar, ihnen ist also kraft ihrer numerischen Stärke die Möglichkeit gegeben, das Wahlergebnis gewichtig zu beeinflussen. Wir Zionisten sind die einzige der wahlwerbenden Parteien, die mit dem offenen und aufrichtigen Wunsche in den Wahlkampf zieht, den’Frauen auch das passive Wahlrecht in die Kultusgemeinde zu erstreiten, weil wir fest davon überzeugt sind, daß die Kultusgemeinde der tätigen Mitarbeit der Frauen auf die Dauer nicht entraten kann. Die Frau ist dazu berufen, auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge unersetzliche Arbeit zu 1 eisten. Ich «rtMb« mir, dem F. T. Publikum sw Kenntnis su bring« deO i«h eb 1. Juli 1928, eine streng Pf* “Pt Seldiwaren-FailtriK Wien, XX., KiosterneuburgarstreBe 00 ante* besonderer Auf icht des Oberhauptes der polnisch« Qeaeinds Wiens, Bhrwörden Rabbiner MU Meyeraoha onriND-unNVDtyi njun wsn riw nnam nnn uno mna DDiiaon .«Pli ne rV» nun tatt R»«U «rtiCf B«4Mt habe. TBeU«h frische und tretklaeelge 8pe*ial-Br*engnlese feinster Wiavfii- *Hca«l Seldawaren. auch Prorinmraand Hochachtungsvoll ToL A 41*149 Selchwemfebrik, Wise, 2QL, Klsiternsuburgorst*. <0 Wenn die Genu Io Wien heute mit großem Applomb eine Aktion durchführt, durch die allen Wöchnerinnen die nötige Wäsche kostenlos ins Haus gestellt wird, s können wir darauf hinweisen, daß die Kultusgemeinde eben nur auf Initiative dc^ Frauen diese Aktion im Stillen schon seit langem für bedürftige jüdische Wöchnerinnen durchführt. In fast allen Vorständen der jüdischen Wohlfahrtsvereine sitzen jüdische Frauen, ohne deren Mitarbeit jede soziale Fürsorge einfach lahmgelegt wäre. Die jüdischen Kindergärten, die jüdischen W aisenhäuser, Kranken! ür sorgeverein e usw. werden nur durch Frauen erhalten, die in ihrer segensreichen Tätigkeit von den zionistischen Mandataren im Kultusvorstand wirksam unterstützt werden. Warum sollen dieselben Frauen die sich in der privaten Ftir- I sorgetätigkeit so glänzend bewährt haben, von der sozialen Fürsorgearbeit der Kultusgemeinde ausgeschlossen sein? Eine der wichtigsten zionistischen Forderungen geht dahin, das jüdische Fürsorgewesen neu zu organisieren, auf das System der jüdischen Fürsorgeräte und Ftirsorgerätinnen in den einzelnen Bezirken auf zu bauen. Wir wollen nicht jüdisches Bettlerwesen züchten, wir wollen bei dem Empfangenden nicht das Gefühl des Almosennehmens aufkommen lassen, wir wollen wirkliche soziale Hilfe bringen, gescheiterte Existenzen wieder aufrichten. Wer kann uns dabei behilflicher sein, als die jüdische Frau? Wem wird die be¬ >vm< Dauerbrandofen D. Anavi, vorm. H. Heim, Baden HröOle Sparsamkeit Solide Konstruktion Ueberall zu haben Fabriksniederlage: Ludwig Keisner Wien. l„ Sdioffenrlnp 33 drückte, beladene jüdische Mutter ihr Herz ausschütten können, wenn nicht ihrer jüdischen Schwester? Ohne Mitwirkung der jüdischen Frau ist eine wirksame jüdische Fürsorge nicht mehr zu denken. Aber auch in kultureller Hinsicht braucht die Kultusgemeinde die tätige Mithilfe der jüdischen Frau, der jüdischen Mutter. In Wien gibt es 18.000 jüdische Schulkinder von der ersten Volksschulklasse bis zur höchsten Stufe der Mittelschulen. Die jüdische Mutter ist in erster Reihe dazu berufen, diesen Schatz des jüdischen Volkes zu hegen und zu pflegen, den innigen Kontakt zwischen der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Jugend herzustellen. Dann wird es nicht mehr Vorkommen können, wie es mir jüngst in einer jüdischen Jugendversammlung passierte, daß ein Jugendlicher sich stolz in die Brust wirft und erklärt, er sei Freidenker und deshalb längst aus dem Judentum ausgetreten; dann wird es nicht mehr Vorkommen können, daß in jüdischen Häusern statt der Menorah-Kerzen Christbaumlichter erglänzen. Die Herren von der Union und der Agudah wollen den Frauen das passive Wahlrecht nicht zuerkennen, weil sie nach jüdischem Gesetze an rituellen Funktionen nicht teilnehmen dürfen, weil sie nicht zur Thora aufgerufen werden dürfen. Nur als Pharisäertum übelster Art, läßt sich diese Argumentation bezeichnen, denn jeder Mensch ist doch fest davon überzeugt, daß keine einzige Frau, die in der Kultusgemeinde in Fürsorgeangelegenheiten ein Wort mitsprechen will, jemals den Wunsch äußern wird, zur Thora aufgerufen zu werden oder einschneidende Aenderungen im jüdischen Ritus I einzuführen. Die Wiener Kultusgemeinde hat ein Budget von 6 Millionen Schilling, wovon ungefähr 2 Millionen durch Steuern gedeckt werden, ein Betrag, der kaum ausreicht, um den Fttrsorgeapparat aufrecht zu erhalten. rv*v*r! M <1* I# ■ JFf ‘ÄV •* ' taf6 (Reklame WIEN, II., PRATERSTRASSE NR. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlergpiele". — Inhaber: Jakob G o 1 d f I i e fl. — Vorzügliche Getränke and Kalte Speisen zu billigen Preisen. — Rummy-Spieltische. —- Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft. In Berlin werden von einem 10-MiIIionen- Mark-Budgcf 6 Millionen, also 60 Prozent durch Steuerleisti gen hereingebracht. Dort werden einfach 15 rozent von der Einkommensteuer als Kultussteuer vorgeschrieben. Bei uns betragen die Steuerleistungen nur 83 Prozent des gesamten Aufwandes, und doch gibt es Juden, die nur wegen der Steuerleistung aus dem Judentum austreten oder die mit dem Austritt drohen, falls ihre Steuerleistungen nicht herabgesetzt werden. Es gibt aber keinen einzigen Juden, der durch die Kultussteuer zugrunde gerichtet worden wäre, der sich, auch nur einen Theater- oder Kaffeehausbesuch wegen der Kultussteuer hätte absparen müssen. Wir haben 6000 jüdische Steuerzahlerinnen, Frauen, die selbständig im Erwerbsleben stehen, die meist den fehlenden Familienerhalter durch ihre Hände- oder Geistesarbeit ersetzen müssen. Zu ihrer Ehre sei es gesagt, daß unter diesen 6000 keine einzige Frau ist, die wegen ihrer Stcwerleistung aus dem Judentum ausgetreten ist oder auch nur mit dem Austritte gedroht hätte. Wir müssen ins verbeugen vor dem Opfermut dieser Frauen, wir können lind wollen sie nicht als unsere Weggenossinnen im Kampfe um die Erneuerung unserer jüdischen Gemeinde missen! Nach dieser mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede des Vizepräsidenten Dr. Löwenherz konstituierte sich unter dem Vorsitz des Mitgliedes des Zionistischen Landeskomitees Frau Sofie Löwenherz ein Frauenkomitee, daß die AgitnMon für das passive Frauenstimmrecht bei den jüdischen Wählerinnen durchführen wird. Der werktätige Israelit Was äst schon Trotzky und Lenin, Gemessen an Herrn Siegmund Grün?! Wenn die Proleten revoiuzzen, ‘ Mit ihren Revolutzernrntzen, Dann revoluzzt der Siegt! mit Als werktätiger Israelit! Sein Vater war seit altersher 'Bekannt als FJeiischkomimiissi/onär; Er war ein Stolz der Orthodoxen Und handelte mit Kiih* und Ochsen Und war beliebt bei Jud und Christ: •Al® radikaler St. Marxist. Er selber hat ein Strumpfgeschäft; Doch macht er auch, wenn es sieh trefft, In Abwlsohfetzen, Fensterriegeln, In Zeitungen und alten Ziegeln, Denn wie den Rosenstook der Tau, - Erquickt ihn ein Gemeindebau! Vor Stadtrat Br eit fl er hat er Ruh’ Und Ist mit Renner fast per Du; Er kämpft für die bedrängte Klasse Und kriegt von der Zentralsparkasse Das Geld mit 5V& Prozent, Sonst wär’ er längst schon insolvent! Daher ist er auch ein Zelot; Sogar im Tempel ist er rot! Ha! Welch ein forscher, ungebröch’ner Vorkämpfer! ruft Genosse Bochner. Und ist auch Ramsch sein Seidenst™ mp f, Die Politik ist heute Trumpf! Was ist schon Trotzky und Lenin, Gemessen an Herrn Siiegimund Grün?! Im Zug der miesesten Baldower. In einem rötlichen Pullower Marschiert der wilde Siegt mit Als werktätiger Israelit! Beda. Englische Herrenstoffe Beim Tuchhaus Rudolf.Teweles, VI., Mariahilferstraße 125, ist eine große Post ganz feiner Herren- und Damenstoffe von einem günstigen Schluß aus England eingelangt. (Entgeltlich.) Herren mü Hamen-Kleider nach Haft Kaki" tuffnaawahl. Zahlung nach Uobatolaheam« Johann äaeflna Wie«, YI., Msriabllferstraüe 107, Tel. B 07*24§

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