Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1928)
- Date
- 1928-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 45 Zionisten! Meldet eodi In euren Bezirken zur Nilarbeil für die KuliusfSemeinilewulBl dauernden Beziehungen der zionistischen Parteien zu einander. — 9. Kongreß. — 10. System des Kongreßwahlrechts. — 11. Aktions-Komitee. — 12. Organisation der Landesverbände und Sonder verbände: a) Bedingungen für die Anerkennung von Landesverbänden; b) programmatische Grundlage der Sonderverbände. — 18. Inhalt des Arbeitsprogramms der zionistischen Landes- und Sonderverbände und ihrer Ortsgruppen. — 14. Der Platz der national-kulturellen Erziehungsarbeit im Galuth im Arbeitsprogramm: a) Der zionistischen Gesamtorganisation; b) der zionistischen Landes- und Sonder verbände. — 15. Organisatorische Stel-. lung der territorialen und interterritorialen Organisationen zionistischen Charakters innerhalb der Zionistischen Organisation. — 16. Schaffung. engerer Beziehungen zwischen der Gesamtbewegung und den zionistischen Verbänden der sehr entfernten Länder. — Unter dem Titel «Was bedeutet dies?» veröffentlicht die New Yorker jiddische Tageszeitung «Der Tog» am 3. Oktober ein Interview, das ihr Korrespondent mit Lord M e Ic h e 11 (Sir Alfred Mond) während seines Aufenthaltes in Kanada hatte. Die Stellung, welche Lord Melchett nach diesem Interview zur Frage der Erweiterung der Jewish Agency einnimmt, fällt so stark aus dem Rahmen der Jevvish-Agency-Konzeption, als deren wichtiger Teil der Präsident der englischen zionistischen Landesorganisation angesehen wird, daß wir den wesentlichen Teil dieser Aeußerungen vollinhaltlich wiedergeben. Es wird Sache der zionistischen Exekutive sein, festzustellen, ob dieses Interview in der Form, wie es gebracht wurde, authentisch ist, und die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Der Korrespondent des «Tog» berichtete seinem Blatte: «Es war für mich eine Ueberraschung, von Lord Melchett zu hören, daß er von der zionistischen Arbeit-in Palästina nicht sehr begeistert sei. Er halte, sagte er, sehr viel von Weizmann als Person, aber noch mehr halte er von dem Gedanken, daß das . Privatkapital in Palästina bisher mehr geleistet hat als die ganze zionistische Arbeit. Nun, bemerkte ich, wenn die Jewish Agency kommen wird ... Die Jewish Agency? lächelte Lord Melchett, — wer braucht sie, wer weiß, ob sie überhaupt entstehen wird?» Es lag etwas sehr Ironisches in dieser Bemerkung, und ich gestehe, daß dieser ironische Ton mich sehr überraschte. «Was heißt das, fragte ich erstaunt, Sie sprechen so über die Jewish Agency? Sie, eine der Säulen, auf welche die Agency gebaut werden soll? Der Vorsitzende der Expertenkommission, der Sie zusammen mit Marshall und Warburg den Bericht unterschrieben haben, der die Grundlage der weiteren Arbeit der Agency sein soll? Sie erklären jetzt, daß Sie nicht wissen, ob die Agency existieren wird?» Lord Melchett erwiderte: «Wer hat Ihnen gesagt, daß ich eine der Säulen der Jewish Agency bin? Woher wissen Sie, daß ich überhaupt in die Agency eintreten werde? Wem habe ich je erklärt, daß ich von der Notwendigkeit der Jewish Agency überzeugt bin? Ich weiß, was Sie sagen wollen, fuhr er fort, Sie wundern sich, warum ich mit einem solchen Standpunkt es übernommen habe, der Vorsitzende der Expertenkommission zu sein. Wenn Sie dies mir sagen wollen, dann begehen Sie denselben Irrtum wie viele andere. Sie sind dann unter einem ganz falschen Eindruck bezüglich meiner Stellung zur Zukunft Palästinas, die eine sehr positive ist, und meiner Stellung zu der Jewish Agency, die keinesfalls so sehr positiv ist. Vorsitzender einer jüdischen Expertenkommission zu sein, die nach Palästina geschickt wird, ist eine Sache, und Mitglied einer Institution wie die erweiterte Agency zu sein, ist eine ganz andere Sache. Man soll es ein für allemal wissen, daß ich dadurch, daß ich den Bericht der Palästina-Expertenkommission unterschrieben habe, noch nicht verpflichtet bin, in die Agency einzutreten. Die. Expertenkommission habe ich als ein Unternehmen von größter Wichtigkeit betrachtet, während ich w egen der Agency überhaupt eine sehr werkstätte für /essel und Tische I Salongarnlture» und Elnzr;?~nöfeelsUicUe ADLER» VII.» APOLLOG. 18 Kaiseratr 12 I i 17. Schekel. — 18. Finanzierung der Organisation. — 19. Beamtenproblem. — 20. Statutarische Reformen. B. Propaganda. 1. Kritik der Grundlagen der zionistischen Ideologie. — 2. Kritik der Grundlagen und Methoden der Sammelpropaganda. — 3. Analyse der psychologischen und soziologischen Grundlagen der Propoganda. — 4. Besonderheiten der Propaganda unter Frauen. — 5. Verbreitung des Zionismus unter den Juden des Orients..— 6. Zentralisation und Dezentralisation auf dem Gebiete der Propadandaarbeit. — 7. Zentralisation und Dezentralisation auf dem Gebiete, des Sammelwesens. — 8. Technik der Propaganda. — 9; Schaffung und Verbreitung, von Literatur. — 10. Presse und Informationsdienst. 11. Schulung von Propagandisten. — 12. Propagierung des Zionismus unter Nichtjuder. — 14. Jügendprobleme. skeptische Meinung habe. Es ist wichtig zu wissen, was gut und was schlecht in Palästina ist und daher war die Arbeit der Expertenkommission wichtig; aber die Jewish Agency? Was ist sie, was will sie sein? Will sie die täglichen Sorgen der zionistischen Exekutive übernehmen oder, will sie sich bloß mit hoher Diplomatie beschäftigen? Wenn das erstere der Fall sein soll, wozu braucht man sowohl eine' zionistische Exekutive .und eine Jewish Agency? Im zweiten Fall sehe ich nicht ein, wie Juden von Amerika und Deutschland, die in New York und Berlin leben, diplomatische Arbeit in Palästina führen sollen, und was werden dazu die Juden in Palästina selbst sagen? Meinen Sie, daß es den Juden in Palästina, so angenehm sein, wird, am‘e- BUCHERSTUBE M. RATH BUCHHANDLUNG ANTIQUARIAT LEIHBIBLIOTHEK WIEN, II., TABORSTRSSE NR. 20 a TEL. R-43-1-58 M. RATH’S Neueröffnete LelMiibllothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen Bibliothekseinband ♦ Außer den deutschen Büchern auch französische, hebräische, jiddische u. Deutsch- Juda ica in reicher Auswahl * Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet MonatsgebQhr nur S 3*— ♦ Keine Bandgebühr rikanische Juden als diplomatische Vormünder zu haben?» Lord Melchett sprach noch sehr lang und die Quintessenz seiner Ausführungen war, daß die Jewish Agency keine einheitliche Fifont des gesamten Judentums für Palästina schaffen würde, sondern ganz im Gegenteil zu ständigen Reibungen führen müßte. Es wird immerzu die Frage der Konkurrenz da sein. Solange sowohl eine zionistische Exekutive wie die Jewish Agency existieren, wird jede Institution, ihre Politik machen und Konflikte werden unvermeidlich sein. Wenn aber doch unbedingt eine Jewish Agency geschaffen werden soll, so glaubt Lord Melchett, daß sie sich bloß und ausschließlich mit diplomatischen Fragen beschäftigen solle. G e l d f r a g e n und die L e it u n g der Arbeit soll sie der z i o n i.s t ischen Exekutive überlassen. Verpflichtungen der zionistischen Exekutive soll sie nicht übernehmen; ihre Funktionen sollen bloß beratende sein. . Und noch eines glaubt Lord Melchett, daß. die Zukunft Palästinas nicht von den allgemein zionistischen Unternehmungen abhängt, die dort geschaffen werden, sondern lediglich von dem Privatkapital, das hinfließen wird. Je mehr Privatkapital in der palästinensischen Industrie investiert werden wird, um so mehr wird das Land wachsen. Es * ist gleichgültig, ob das Privatkapital von Juden oder von Nichtjuden kommt. In dieser Meinung liegt auch die Antwort auf die Frage, warum Lord. Melchett-nicht sehr begeistert ist von der zionistischen Arbeit in: Palästina. Vor allem hält er sie für unbedeutend und* ferner glaubt er, daß sic an S y s t e m l o s i g k e i t leidet. Wer braucht Natahan Strauß’ Gesundheitszentren in Palästina oder die Arbeit der Hadassah? Und sogar die Kolonien, die die Zionistische Organisation in. Palästina besitzt, wie sehen sie aus im Vergleich zu d$n Kolonien der Pica? Und ist' es nicht eine Verschwendung, daß man allzu sehr den übertriebenen europäischen Bedürfnissen der Einwanderer entgegenkommt? Wenn sich jetzt ein guter Freund Palästinas finden sollte, der die volle Wahrheit' über all dies sagen würde, würde er Palästina mehr Nutzen bringen, als alle Lobartike! und die offiziellen verzuckerten Meinungen, die wir so oft in der Presse lesen. Noch einmal betonte Lord Melchett den Unterschied zwischen der Notwendigkeit der Expertenkommission und der Ueberflüssigkeit der Agency, ’as haben die Empfehlungen der Kommission mit der v_ ündung der Agency zu tun? fragte er. Können diese Ratschläge nicht durch die zionistische Exekutive durchgeführt werden? Muß man eine neue Agency haben, um diese Ratschläge zu veifvirklichen? An den Vorschlägen der Expertenkommission läßt sich nicht rütteln, und seiner Ansicht nach, darf keinerlei Konzession bezüglich dieser Forderungen gemacht werden.» Das Interview hat in ganz Amerika größtes Aufsehen erregt. Julius Rosenwald sagt ab. Aus New York wird berichtet: Der Chikagoer Millionär und Philantrop Julius R.osenwald, der unlängst fünf Millionen Dollar für .das jüdische Kolonisationswerk in Rußland gespendet hat, gewährte Vertretern der Presse ein Interview, in dessen Verlauf er erklärte, er werde nicht in die Jewish Agency eintreten; er stimme mit Bezug auf Palästina mit den Herren Louis M a r s h a 11 und Felix M. Warburg nicht überein. Er könne sich nicht zu dem Glauben.bekehren, daß man mit Hiifsgeldern eine Immigration machen könne. Mit dem Gelde, mit welchem man in Palästina eine einzige Familie, ansiedelt, könnte man in Rußland fünf Familien. helfen. , Die Pressevertreter stellten an Herrn Rosenwald die Frage, was z. B. mit den Juden in P o 1 e n, und in anderen Ländern, in denen die jüdische Bevölkerung wirtschaftlich entwurzelt . wird,, geschehen solle. Herr. Julius Rosenwald erwiderte: Wenn die polnische Regierung Siedlungsland. :zur Verfügung stellen und eine jüdische Kolonisation auch sonst .unterstützen würde, dann würde man für die polnisch en Jp den eine Aulbauaktion ähn lich wie in Ru ß 1 and, durchführen. Zusammenkunft Weizmann—Allenby. Feldmarschall Lord Allenby, der Eroberer Palästinas, besuchte den Präsidenten' der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann in New York, und gab seiner großen Befriedigung über den Verlauf der New Yorker Konferenz der N i chtz1onisten Ausdruck. Er sagte, die Jewish Agency sei geeignet, die geteilte Judenheit im Zeichen des Palästina-Aufbaues zu einen. Colonel Wedgwood in Rnmänien. Auf seiner Propagandareise. für den Palästina-Aufbau ist der bekannte englische Labour- Politiker Colonel Wedgwo od, der in den letzten Wochen Berlin, München, Hamburg, Breslau und andere Städte Deutschlands besueht hatte, in Rumänien eingetroffen. Er kam am 1. November in Bukarest an, wo er feierlich empfanden wurde. Dem Gast zu Ehren gab der rumänische Außenminister D u c a ein Diner. Am 4. November sprach Colonel Wedgwood bei einer Massenversammlung der Bukarester Judenschaft. Er wird am 11. November ln Czernowitz eintreffen. Die rumänische Antisemitenliga wieder in Aktion Aus Bukarest wird uns berichtet: Seit eitriger Zeit macht sich eine neue gesteigerte Tätigkeit der .antisemitischen Liga von Rumänien fühlbar. Der oberste Rat der Liga beschloß dieser Tage, mit Rücksicht auf die bevorstehenden politischen Ereignisse. eine Reorganisation der einzelnen Verbände vorizunehmen, um sie aktionsfähiger und schlagfertiger zu machen. In der unter Vorsitz des Professors C u z a abgehaltenen Konferenz wunde unter anderem auch beschlossen, in allen Tellen des Landes . Volksversammlungen abzuhalten, in denen die «Gefährlichkeit der'Juden für das Land» beleuchtet werden soll.'.'Wie diese Aufklärungsarbeit aussieht,■ zeigte sich in der ersten dieser Versammlungen, welche ‘vor kurzem in Radauz ahgehalton wurde, und ln welcher Cu za' selbst'-eine große- Rede hielt. Cu za hetzte seine- Zuhörer ganz offen zu- Pogromen auf indem er behauptete; daß die Weigerung clör-Juden, produktive Arbeit zu leisten; oder solche Arbeit durch andere ohne Sabotage zuzulassen, Schuld au der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Landes sei. Deshalb müssen die Juden aus dem Lande gejagt werden, wozu alle Mittel der Gewalt anzuwenden wären. Zu gleicher Zeit hat auch in Siebenbürgen und dem Banat die ‘antisemitische Propaganda der der reorganisierten Liga begonnen. Hier wurde die Führung der Pogromhetze dem Rechtslehrer an der Klaus enburtwr Uttfvtrsdtät, Professor C a i u m e a n u, übertragen. Was geht da vor? Ein merkwürdiges Interview Lord Melchetts