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Die Stimme · 1928-11-08 · Heft 45 (8.11.1928) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 45 (8.11.1928)
Date
1928-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 45 DBB STIMME Sette 3 Joden! wählet die iloalstlsdie llstri jüdischen Walsenschutz, 30.000 Zloty für das jüdisch« Rettungskomitee, 24.000 Zloty für das Medem- Sanatorlum, 00.000 Zloty für dde jüdische Pflegerinnenschule. Politische Klagemauer- Offensive der Araber. Ein „Weltverbatui der Mosllms zum Schutze der heiligen Stätten14 — Arabischer Balfour-Trauertag (Von unserem I. G.-Berichterstatter in Jerusalem.) Organisiert von Musa Kam im Pascha, dem Präsidenten der sogenannten arabischen Exekutive, die als die Zentrale der antizionisti* sehen Hetze der arabischen Effendis anzusehen ist, wurde hier am 1. und 2. November eine panmosleniiti8che Konferenz abgehalten, an der etwa 400 Delegierte aus Palästina, Transjordanien, Syrien und dem Libanon tellnahmen. Die Konferenz war einberufen worden, um zu der Angelegenheit der Klagemauer „Stellung zu nehmen“. Nach scharfen Protesten gegen eine angebliche jüdische Bedrohung mohammedanischer heiliger Stätten wurde die Griindnng eines Weltverbandes zur Verteidigung der heiligen Stätten unter besonderer Berücksichtigung der Klagemauer beschlossen, sowie die Absendung eines Protestmemorandums an den Völkerbund und eines Appells an alle Gläubigen des Islams. Gleichzeitig wurde ein flammender Protest an alle arabischen Bewohner von Palästina erlassen, den Jahrestag der Balfour-Deklaration (2. November) als Traue rtag zu erklären und nicht zu ruhen, bis die Balfour-Deklaration abgeschafft sei. Die in früheren Jahren proklamierte Aufforderung an die arabische Bevölkerung, am 2. November ihre Läden geschlossen zu halten, wurde diesmal, offenbar wegen geringer Wirkung dieser Parole, n i c h t wiederholt. Der jüdische Appell an den Völkerbund Aus Genf wird uns berichtet: Die Petition der Zionistischen Exekutive in Angelegenheit der Klagemauer (wir haben den Inhalt des Elaborates in unserer vorigen Nummer rnitgegeteilt. — Die Red.), wurde am 31. Oktober der Mandatskommission übergeben, die sie wahrscheinlich am 8. November in Behandlung ziehen dürfte; die Tagung der Mandatskommission dürfte am 10. November beendet sein. Wie Ihrem Korrespondenten von gewöhnlich gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, dürfte die Mandatskommission in irgendeiner Form darauf hinweisen, daß der Distriktskommissär von Jerusalem an den beklagenswerten Vorfällen am Jom-Kippurtage in erster Linie die Schuld trägt; dies würde einem Verlangen nach Abberufung von Mr. Keath-Roach gleichkommen. Aktion des palästinensischen Oberrabbinats. Die beiden Oberrabbiner K o o k und Jacob Meir sandten telegraphische Petitionen an den König von England und an den Völkerbund, in denen sie bitten, für die Sicherung der Freiheit des Jüdischen Gottesdienstes an der Klagemauer, sowie für eine schnelle Hämorrhoiden sind heilbar! wenn Sie Haimalan-Salbe und Zäpfolwi verwenden Keine Sohinerzen! Keine BlutungenI Rathaus-Apotheke, Wien, I., Rathausstraße 3 Ja allen Ipetbaken erhalt Hebt Lösung des gesamten Problems der Mauer Sorge zu tragen. „Modernisierung44 der Höhle Machpelah Nach Meldungen einiger arabischer Blätter in Palästina hat die Palästina-Regierung beschlossen, die Umgebung der Höhle Machpela im modernsten Sinne zu regulieren. Es sollen alle umliegenden Gebäude niedergerissen werden, so daß die Höhle Machpela einen Anziehungspunkt nicht nur für die Bevölkerung von Palästina, sondern auch für die fremden Touristen, insbesondere die aus Amerika, bilden soll. Um die Höhle Machpela herum sollen Gärten und Parks angelegt werden, die das Schönste an orientalischer Gartenkunst bieten, Die reichen Araber von Hebron, wo die Grabstätte der Erzväter gelegen ist, haben sich bereit erklärt, die kleinen Gebäude in der Umgebung von der Höhle Machpelah abzulösen. Da auch der Präsident des moslemitischen Oberrates dem Projekt bereits seine Zustimmung erteilt hat, dürfte, so behaupten die arabischen Blätter, diese Reguiierimgsarbeit bald in Angriff genommen werden. Dazu wäre bloß zu bemerken, daß der Unterschied zwischen der Behandlung der von den Arabern in Besitz gehaltenen Kultstätten durch die Regierung und der erst jüngst während des Jom-Kippur-Gottesdienstes an der Klagemausr an den Tag gelegten Haltung der Regierungsbehörden in schmerzlichster Weise in die Augen springt. Organisation und Propaganda Die Enquete der Zionistischen Exekutive. Das Organieationsdepartement der Zionistischen Exekutive und die vom Aktionskomitee eingesetzte Kommission für Organisation und Propaganda leiten nunmehr die Enquete ein, die folgende zwei Hauptfragen in Detailerörterungen behandeln soll: „W ie stärken wir und erneuern wir die Zionistische. Organis a t i o n?“ „Wie beleben und erweitern wir die zionistische Propaganda?“ Die Ergebnisse dieser Enquete sollen auf einer Sachverständigen konferenz verwertet werden, über die weitere Mitteilungen noch folgen werden. Die Enquete wendet sich an die zionistischen Verbände und Körperschaften ebenso wie an e i nz e l n e erfahrene Gesinnungsgenossen. Im nachstehenden veröffentlichen wir eine Liste der Fragen, auf die sich die Enquete erstreckt. Auf Wunsch werden jedemMitgliededer Organisation ausführliche Erläuterungen zu den Fragen der Enquete sowie Mitteilungen über den Termin für Einlieferung von Aeußerungen zugesendet. Diesbezügliche Zuschriften sind zu richten an die E x e k uk u t i v e der Zionistischen Organisation, 17, Great "Russell Street, London, W. 0. 1. Gegenstand der Enquete A. Organisation. 1. Rückwirkung der Erweiterung der Jewish Agency auf die organisatorische Tätigkeit der Zionistischen Organisation. — 2. Kritik des gegenwärtigen Organisationssystems der Zionistischen Organisation und eventuelle Vorschläge zu seiner Ersetzung durch ein anderes System. — 3. Zentralisation und Dezentralisation (Autonomie der Vei'bände) auf dem Gebiete der Organisation und Politik. — 4. Problem des zionistischen Parlamentarismus. 5. Reohte der „Kongreßfraktionen“. — 6. Das zionistische Budgetrecht. — 7. Problem der, landesoolitischen Arbeit. — 8. Regelung der, Diener dem Kuvert den kaiserlichen Brief entnommen, als er sofort tot zusammenstürzte. Das Innere des Kuverts und das Briefpapier waren mit starkem, sofort tötendem Gift gefüllt. Moses Montefiore, erschrocken Übei den ihm zugedachten Anschlag, ließ sofort die Pferde anspannen und fuhr, trotz des Sabbats, weiter. Zu Hause angekommen, ließ er sich sogleich bei der Königin von England melden, und erzählte ihr alles, was ihm in Rußland widerfahren war. Die Regierung der Königin von England fühlte sich durch dieses Vorgehen des Kaisers Nikolaus des Ersten tief beleidigt; daraus entstand zwischen England und Rußland ein Konflikt, der schließlich — zur Schlacht bei Sebastopol führte. Der letzte Waldjude*) Die Berliner jüdische Buohgemainde «Der Heinebund» hat sich ein wirkliches Verdienst erworben, indem sie das Werk O p a t o s c h u s, des in Amerika schaffenden jüdischen Dichters, im Original «Polnische Wälder» betitelt, dem deutschlesenden Publikum erschlossen hat. Dieser großangelegte Roman hat, wie man weiß, bei seinem Erscheinen in der jüdischen literarischen Welt und in der jüdischen Presse allgemeines Aufsehen erregt, hat viele laute Zustimmung gefunden und ist verschiedentlich auch strengen kritischen Analysen unterworfen worden. Man versteht dies; denn Opatoschus Werk ist Bedeutsamkeit in keinem Falle abzusprechen und es ist insofeme epochemachend in der jiddischen Literatur, als es ihr einen neuen und geschichtlich wichtigen Stoff kreis erobert. Opatosctou gehört zu den «Jüngeren» der jiddischen Literatur. Die Welt seines Schaffens ist nicht mehr der enge, aber so wunderbar geschlossene Kreis, aus dem ein Mendel«, Scholem Alechem oder Perez ihre Gestalten holten; sein« jüdische Welt kennzeichnet Unsicherheit und Problematik, neuartige Beziehungen eröffnen, alt« lockern sich, Festgegründetes gerät ins Wanken. Mordcchai, die Hauptfigur des Romans, ist der *) J, Opatoschu: «Der letzte Waldjwte», Roman. Aus dem Jiddischen übertragen von Siegfried Schmitz, 1928. (Vertag: Der Heine-Bund, Berlin.) letzte Abkömmling eines Geschlechtes lebensstarker Waldjuden, di«, in Wohlstand lebend, wie rechte Herren in ihren Pachtwäidern walten; eine naturnahe, kraftfrohe und heißblütige Familie, die Männer mit wenig jüdischem Wissen eine naive Frömmigkeit verbindend, dabei glühende Chassidim aus Familientradition. So wächst auch Jung-Mordechai in den weiten Wäldern auf, von Lehrern (Melamdim) im Nötigsten unterwiesen, in naher Berührung mit den Fischersippen am großen Waldstrome, deren naiver Christenglaube seltsam durchsetzt Ist von uraltem Naturmythus, der hier hart an Mordeofoais ohassid'ische Mystik stößt. Mordechais Jugendliebe zur jungen Tochter des armen jüdischen Pächters, der die in ihrem Standesgefühl verletzten Eltern stärksten Widerstand, entgegensetzen, bestimmt seinen weiteren Lebenslauf: er wird an den «Hof» des cbassidischen Rabbi von Kozk geschickt, wo er in Berührung mit der niedergehenden chassidischen Mystik wie mit der jüdischen «Aufklärung» der Haska- Iah, tritt und neue jüdische Typen kennen lernt, die geistig und physisch aus der Ghettoenge den Schritt in d/ie große Welt getan haben. Mordechai wandelt sich, wird plötzlich von der polnischen Unabhängigkeitsbewegung mitgerissen, stachelt di« getretenen Knechte gegen die Gutsherren auf, wird von den Behörden gesucht und beschließt, seinen schon früher gehegten Entschluß zu verwirklichen und Polen zu verlassen, um den unbekannten Weg zu schreiten nach einem ihm noch unbekannten Ziel. In diesem Rahmen ist eine bunte Reihe bewegter Bilder und Szenen gespannt, eine abwechslungsreiche Fülle der verschiedenartigsten Figuren gestellt Juden und Jüdinnen der verschiedensten Sphären, gesellschaftlichen, religiösen und geistigen, treten handelnd auf, schlichte Traditionsjuden, Ekstatiker, Chassidim von Kozk, Aufklärer und «europäisierte» Schwärmer, Nachklänge des «Frankismus» spielen in die Handlung hinein und ebenso die polnische Freiheitsbewegung. Das Werk will kein historischer Roman sein, nichtsdestoweniger treten darin historische Personen auf geschichtlichem Hintergründe handelnd auf — so Nachklänge an den jüdischen Freiheitskämpfer Berek Jossclowitsch, Kahane, ein Teilnehmer am polnischen Aufstand, der das Ende der Kirche vorauszusehen glaubt und, ein Schüler von Moses Heß, das messianischc Königreich, aufrichten möchte, sowie Rabbi Mendelc* von Kozk. Der Dichter will die inneren Triebkräfte einer bestimmten Epoche im polnischen Judentum bloß- Iegen. Mordechai, der Heid des Romans, durchschreite! alle Stufen. Die künstlerischen Höhepunkte des Romans Hegen in den breiten Abschnitten, in denen das chassidisohe Leben geschildert wind; prächtig ist das Bild des «Kozkers» geraten, der, zerfallen mit Gott, mit sich und der Welt, von den Seinen durch Jahre unter Beobachtung gehalten wird, zu dem umsomehr die wundergläubigen Anhänger eines entarteten Chassidismus pilgern, je mehr er sich weigert, das Amt des Wunderrabbis auszuüben. Neben ihm steht die ergreifend gezeichnete Idealgestalt des jüdischen «Heiligen», Reb Itsche, der den Zaddik'ismus auf neuer gereinigter Grundlage wiederaufrichten möchte. Weniger fest Umrissen erscheinen die Gestalten, die außerhalb des Rahmens des jüdischen Traditionalismus stehen, hier erscheint vieles in Charakterzeichnung und Dialog, mehr angelesen und ersonnen, als innerlich geschaut. Es ist ein großer Wurf, den der Dichter — und Opatoschu ist einer — .gewagt hat. Daß er nicht restlos gelungen ist, zeigt sich am deutlichsten an der. Schilderung von Mordechais Entwicklungsgänge. Der geistige Weg des chassidischen Jünglings in die große Welt, sein Schritt von Chassidismus in eine neue Romantik erscheint künstlerisch nicht recht glaubhaft und hier Hegt wohl der hauptsächliche Mangel des großangelegten Werkes. Was seinen künstlerischen Wert und seine Schönheit ausmacht, ist die Fülle plastischer Szenen und ebensolcher Einzelschilderungen und hier, erreicht die Kunst des Dichters eine bemerkenswerte Höhe. Opatoschus Roman ist ein Werk von großem Zuschnitt. Er bedeutet mit seiner psychologisch-historisch gefärbten Darstellung einer bedeutungsvollen Epoche des Ostjudentums eine neue Entwicklungsstufe der jidischen Romanliteratur, ein Werk, das neben manchem unleugbaren Mangel bedeutende Schönheiten aufweisf. Kein Freund der jüdischen Literatur wird dieses Buch unbeachtet lassen dürfen. Pi of> A r tiiuß> V*

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