Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053796--0676-3055970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 DIE STIMME Nr. 44 Juxendverein «Erez Israel» (Wien, I!„ Zirkussasse 33). •Samstag, 3. November, 4 Uhr nachmittags, Vortrag mit anschließender Diskussion. Gäste willkommen. — Für die hebräischen Anfänger-. Mittel- und Fortgeschrittenen-Kurse, welche bereits begonnen haben, worden Anmeldungen entgegen genommen «Moadon Iwri» (Wien, I!.. Kleine Mohrcngasse 3). Samstag. den 3. November, präzise J4s Uhr abends, Eröffnungsvortrag. Referentin: Frau Dr. Wald manu. Thema: Rabbi Hliezer ben Hyrkanas. Hebräisch sprechende Gäste willkommen. — Fs wird bekanntgege'ben, daß ein hebräischer Chor unter der fachmännischen Leitung des Dirigenten Herrn Kühn erönnct wurde. Anmeldungen werden vor und nach dem Vortrag entgegensenommen. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschalt (II.. Untere Augartenstraße 35). Anmeldungen für den Kindergarten täglich von 2 bis 3 Uhr im Sekretariat, II-, Unt. Augartenstraßc 35. — Kurs für schulpflichtige Kinder täglich von 343 Uhr nachmittags Schulnachhilfe für Volkstmd Hauptschule. Handfcrtigkeitsuntexricht, rhythmische Gymnastik, individuelle Behandlung (HeilPädagogik). Leitung Berta Blankstein. Anmeldungen täglich von 2 bis 3 Uhr nachmittags wn Sekretariat, II., Unt. Augartenstraße 35. Hebräisch für Anfänger, Montag und Mittwoch von 7 bis 8 Uhr. Für Vorgeschrittene Montag und Mittwoch von s bk' 9 Uhr. Der Jugendgottesdienst findet Samstag, 3 Uhr nachmittags, .statt. Gäste herzlich willkommen. Wiener Beth Hamidrasch (Wien, II., Tempelgasse 3). Vorlesungsprogramm des Wintersemesters: Sonntag, 5—6: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Midrasch. Montag, 5—6: Rabb. Dt. Tag licht. Ajin Jakow: 6—7: Rabb. Dr. M. Rosenm a n ii. Die religionsphilosophische Literatur der jüdischspanischen Periode; 7—8: Rabb. Lekt. Dr. Rubin, Religion^ Philosophie. Dienstag, 6—S: Prof. Dr. Kraus, Jüdische Geschichte. Mittwoch. 6—7: Rabbiner M. Rosenmann, Iknrim.; 7—S: Rabbiner Lektor Dr. Rubin, Talmud. Donnerstag, 6—8: Professor Dr. Kraus. Lithurgie. Samstag, d-A'- Rabbiner Lektor Dr. Rubin, Woahenabschm'tt. Maimonldes-Institut- Die Universitätsvor!esungen aus dom Gebiete der Wissenschaft des Judentums werden von Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka wie im Vorjahre im Hörsaal 34 der philosophischen Fakultät abgehaltem worden. Der erste der wöchentlich am Mittwoch, 6/4 Uhr abends, Rbzuhaltenden Vorträge findet am 7. November statt. Die Kurse im Institut, II., Darwingasse 21, finden wie folgt statt: Jeden Sonntag. 6 Uhr. Dr. GoldsteUn.Mkira.sch; jeden Montag. Dr. Kaminka, 6 Uhr. Erklärung des Buches Ezechiel: 7 Öhr, Maimonides’ More Nebuchim: jeden Dienstag, Rabbiner M Horowitz, 6 Uhr, Midrasch; 7 Ulir, Kusari; jeden Donnerstag, 6 Uhr. Dr. Kaminka, Ezechiel; 7 Uhr, Dr. Gold stein. Jüdisches Fomilienrecht; ©den Samstag, 3—4 Uhr. Dr. Kaminka, Pentateudhvortrag. Der Mädchen- und Frauenverein «Krankenbesuch» (Bikur Ghaulim) veranstatet Sonntag, den 18. November 1928, um 3 Uhr nachmittags im Zentral-Kino, II., Taboristraße 8, einen Lichtbilder-vortrag «Das Prager Ghetto», gehalten von Hern Dr. Salomon Lieben (Prag), dessen Reinertrag zur Gänze armen Spdtalskranken zugeführt wird. Karten zu normalen Kdnopreisen in den Buchhandlungen Josef Schlesinger, I.. Seitenstettengasse 5, Josef Bell, .Wien, 1., Raibensteig 3, und L. D. Kirschler, Wien, I., Rabensteög 6, und bei sämtlichen Vorstandsdamen des verunstaltenden Vereins. _ Austritte aus dem Judentum Leopoldine Hendl, 21. März 1902, Wien, ledig, XX., Pappeiheimgasse 20; Hans Lichtenstein, II. April 1901, Wien, verh., XX., Karajangasse 15; Herbert Frank Lichtenstein, 13. Dezember 1925, •Wien, selbe Adresse; Alois Klein, 1. April 1904, Sarajevo, led., I., Singerstraße 7; Fritz Pollak, 28. Februar 1909, Wien, led., II., Praterstraße 54; Mano Schnabel, 18. April 1885, Neupest, verh., XIX., Döblinger Gürtel 21; Elisabeth Schnabel geb. Jeliinek, 15. Dezember 1883, Boskowitz, verh., selbe Adresse; Friedrich R a s c h k e s, 23. Jänner 1902, Wien, led., VI., Linke Wienzeile 142; Elise Grosz, 17. Jänner 1909, Wien, led., VI., Webgasse 25; Margarethe Beer geb. Morell, 10. Juli 1906, Wien, ger. getr., VII,, Schottenfeldgasse 2; Wiihelmine Segal, 21. August 1895, Wien, led., VI., Sandwirtgasse 2; Robert Werne r, 3. Jänner 1892, Wien, led., X., Laxenburgerstr. 89; Camilla Heinrich, 11. April 1887, Wien, led., XV., Mariahilferstraße 161; Irene Frey geb. Mandl,7.März 1874, Wien, verw., I., Riemergasse 11; Felix Hermann, 10. September 1884, Budapest, led., II., Obere Donaustraße 33; Sali Schwarz, 14. Mai 1869, Nadlan, led., II., Obere Donaustraße 33; Ernst Klaus, 10. August 1903, Wien, led., III., Lorbeergasse 15; Albine .Thal er geb. Fanto, 15. Februar 1904, Kimpolung, verh., III., Hegerg. 21; Friedrich Großmann, 26. Juni 1902, Stanislau, led., III., Rudolf-von-AIt-Platz Nr. 5; Josef Benedeie, 12. Juni 1883, Eperjes, verh., XV., Grimmgasse 37; Bertha Bencdek geb. Löbl, 1. September 1886, Sasvar, selbe Adresse; Johanna Ben edek, 12. Jänner 1900, Wien, led., selbe Adresse; Grete Benedek, 20. April 1914, Wien, L, selbe Adr.; Arthur Holz, 10. Juni 1893, Wien, led., VII., Zieglergasse 63; Richard L i 1 i e n t h a I, 9. Dezember 1899, Wien, led., II., Volkertplatz 19; Elise Pili er, 10. Jänner 1908, Wien, led., XIV., Reindorfgasse 7; Rudolf ^Saphir, 6. April 1907, Wien, led., II., Ybbsstraße 3; Lilly Stern fei d, 17. März 1900, Wien, led., XVI., Altgasse 17; Rosa Adler, 29. März 1911, Wien, led., XX., Wallensteinstraße 46; Anna GUnsberger, 27. August 1896, Wien, verh,, XIII., Linzerstraße 128; Gertrude GUnsberger, 27, Februar 1922, Wien, selbe Adresse; Franz Rona, 14. Dezember 1898, Budapest, XVIIL, Mes8erschmiedgassc 34; Irma Br ick, 19. November 1897, Straubing, led., XII., Schönbrunnerstraße 230; Sofie S c h ö n f c 1 d, 15. Juni 1899, Drohobyez, ied., IV., Preßgasse 8—10; Friedrich Goldblatt, 27. März 1902, Wien, ied., II., Haasgasse 10; Friederike Kraus, 18. Mai 1898, Aussig a. d. Elbe; Paul L u s t i g,vJ2. Juni 1897, Wien, led., II., Rembrandtstraße 23; Rosalie Lustig geb. Kraus, 3. August Wien, vejrii.» IX., Sechsschimmelgasse 18. PALÄSTINA Die britische Beamtenschaft in Palästina Der niedere und mittlere Beamte entscheidet — Missionseinflflsse — Die „natifs“ und die „unheimlichen" Juden Von Dr. Ch. Arlosoroff (Tel-Awiw). | Die letzten Vorfälle an der Tempelmauer I in Jerusalem haben das Problem der Beamtenschaft, welche Palästina verwaltet, und ihre Stellung zu den Juden wieder in den Vordergrund gerückt. Die nachstehenden Ausführungen des Leaders der zionistisch-sozialistischen Arbeitspartei über dieses Problem beanspruchen daher erhöhtes Interesse, Insbesondere seine Untersuchung über die gewissermaßen seelischen Dispositionen für die Haltung der britischen Beamten. Die Red. Seit die Diskussion über die britische Politik in Erez Israel im Gange ist — und das ist sie seit dem Tage, da die Engländer das Land erobert haben — bildet das Problem der englisch-jüdischen Beziehungen in der Verwaltung des Landes eines ihrer Hauptthemen. Gewöhnlich wird sie auf der jüdischen Seite in der Form geführt, daß die Beamten antisemitischer oder antizionistischer Gesinnung geziehen werden, eine Beschuldigung, die fast allen höheren Beamten vorgeworfen wurde, darunter auch solchen, die, wie Sir Windham Deeds, sich später offen als Freunde und Förderer des Zionismus bekannt haben. Daraus ergibt sich schon die Oberflächlichkeit dieses Standpunktes von jüdischer Seite. Dennoch bleibt das Problem ein ernstes. Während der zehn Jahre des englischen Regimes hatten wir Gelegenheit, zu erlernen, was die Engländer selbst schon seit langem wissen, daß die Verwaltung nicht weniger wichtig ist als die Verfassung und daß die ‘alltägliche Verwaltung — Polizei, Gerichtbarkelt, Büros und Steuerämter — die heiligsten Deklarationen und die feierlichsten verfassungsmäßigen Prinzipien wegwischen kann. Wir hatten Gelegenheit, zu lernen, daß es für den Charakter eines Landes oftmals wichtiger ist, wer seine Briefträger sind, als wer der High Commissioner ist. Es sind die mittleren und niederen Schichten der Verwaltungsbeamten, die Tausende von Angelegenheiten im täglichen Gang der Verwaltungsmaschine entscheiden-, Angelegenheiten, die nicht zu den hohen politischen Instanzen kommen. Doch die Wichtigkeit des Problems liegt nicht nur In der Tatsache, daß heute Jllaru-Müte Wien h, (Rotenturm~ stvaßeJtv.22 .J Die beste und billigste linbaufsquelle ütnfkeitspreise S 1Z das Schicksal unserer Arbeit zum großen Teil mit der britischen Verwaltung verbunden ist und während der schweren Uebergangszeit, die seht viel Verständnis' von seiten der Verwaltung fordert, verbunden bleiben wird, sondern auch, daß diese Verbindung der Juden mit den Engländern anscheinend nicht auf wenige Jahre, auch nicht auf eine Generation begrenzt ist. Ueberdies darf man nicht Übersehen, daß die etlichen hundert englischen Beamten, weicheaus dem Dienst in Palästina nach England zurückkehren, kleinere oder größere Zentren des Einflusses auf die öffentliche Meinung Englands und der Expertise über Palästina und Zionismus werden; es kann uns durchaus nicht gleichgültig sein, ob sie feindliche oder freundliche Propagatoren werden. Bes näherem Zusehen läßt sich die englische Beamtenschaft in Erez Israel und ihr Verhältnis zu den Juden und zum Zionismus in drei Gruppen einteilen: Die erste Gfuppe umfaßt etwa 10 Prozent der beamteten Engländer im Lande und besteht aus hochintelligenten Menschen mit guter Erziehung und Verständnis für Idealismus. Sie gehört fast zur Gänze zur höheren Klasse der Beamtenschaft. Entweder kommt sie bereits in das Land mit einem bestimmten Begriff über di« Juden frage in aller Welt und mit einer gewissen Sympathie gegenüber der zionistischen Bewegung, oder sie lernt erst im Lande selbst diese Fragen kennen und ihre Ueberzeugungen kristallisieren sich m dem oben erwähnten Sinne heraus. Das bedeutet jedoch nicht, daß diese Beamten Reden zu halten beginnen oder sich so verhalten wie Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees; sie sind im Amt korrekt, wahren das Prestige administrativer Gerechtigkeit, wenn es notwendig ist, auch gegen die Juden und dienen ihrer Ueberzeugung verschlossen und zurückhaltend. Zu diesem Typ gehören unserer Ansicht nach Männer wie Sir W&ndham Deeds und Sir Gilbert C1 a y t o n oder der letzte High Commissioner Lord PI u m e r, auch der gegenwärtige Gouverneur des Süddistrikts Major Campbell. Die zweite Gruppe ist ungefähr so groß wie die erste und besteht aus ebenso intelligenten Menschen, mit demselben Bildungsgrad und, wie wir glauben, auch mit demselben Verständnis für Ideale, Auch in dieser Gruppe finden wir meist höhere Beamte. Ihr Verhältnis zu den Juden und zum Zionismus ist jedoch von allem Anfang an gegnerisch. Der Grund hiefür liegt bei einigen von ihnen in dem Einfluß der christlichen Missionärkreise, welche Schreckbilder von einer jüdischen Herrschaft über das heilige Grab ausmalen; doch bei den meisten Männern dieser Kategorie ist der Grund ein anderer: Sie sind nicht so sehr Gegner der Juden, als enthusiastisch pro-arabisch eingestellt. Es scheint, daß es heute eine ganze Schule ln der Beamtenschaft des Imperiums gibt, die pro-arabisch eingestellt ist, beinahe bis zu den Grenzen des Nichtengliischen. Es genügt, auf die Berichte und Briefe von Miß Gertrud Bell hinzuweisen, welche vor kurzem in Bagdad als Regierungsmitglied gestorben ist, um dlies zu wissen. Zu diesem Typ gehören nun in Palästina Männer wie Phi 1 by und Cox, die britischen Beamten am Hofe von Abdallah von Transjordanien, ein ähnlicher Typ ist z. B. Mr. R i c h m o n d, der gegenwärtige «Director of Antiquieties» der Palästinaregierung. Die dritte Gruppe umfaßt mehr als drei Viertel dei: Beamtenschaft im Lande, * die große Masse der mittleren und niederen Beamtenschaft, soweit sie englisch ist. Zu ihr gehören die Offiziere und Sergeanten der Polizei, die mittleren und niederen Hafenbeamten, die höheren und mittleren Richter, der Stab des Boden- und Gesundheitsdepartements, die Ingenieure des Departements für öffentliche Arbeiten. Es darf nicht übersehen werden, daß unter den Verhältnissen in Erez Israel alle diese Aemter hochpolitisch sind. Ein Postmeister vierter Klasse hat im täglichen Leben sehr viel darüber zu bestimmen, ob in seinem Büro die hebräische Sprache wirklich oder nur lauf dem Mandat Geltung haben soll; ein Polizeioffizier kann eiine ganze Prozession zum Grabe von Simon ben Jochai verhaften; ein Ingenieur des Departements für öffentliche Arbeiten kann mit seiner Auffassung die Lage der Arbeitslosen im Lande erschweren oder e/- leichtern, ein Richter kann entscheiden, ob an den Jaffaer Unruhen die Juden oder die Araber schuld sind. Die große Masse der mittleren und niederen Beamten, dl« in all diesen Departements arbeiten, komm» ti