Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 44 S1E6AI. KDRNIHEHL, GroBfleiscbhaoepet Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3*99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für ^^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Beregasse 1b XVIII, VVähringerstraße 97 bis ihre Angehörigen sich zum Steuerzahlen melden und ihnen zur Belohnung für solches Wohlverhalten dann erst die Rechte eines Gemeindcmitgliedes oder Staatsangehörigen einräumen. Die Ktiltusgcmeinde ist nun einmal — da mag die «Union» so unpolitisch tun, wie sie will — ein Gemeinschaftsgebilde und kein Verein. Die Konsequenz einer solchen Anschauung ist, daß Reg.-Rat Oppenheim grundlegende Forcierungen des zionistischen Programms, wie das Eintreten für die volle Durchführung der Gleichberechtigung, die Koqperation der jüdischen Gemeinden Oesterreichs in der Form eines Gemeindebtindcs, Abwehr des wirtschaftlichen und sonstigen Antisemitismus usw. damit abtun zu können glaubt, daß er sagt, dafür genüge die «Union deutschösterreichischer Juden». Die «Union deutschösterreichischer Juden» ist jedoch ein aus einigen hundert Mitgliedern bestehender Verein und nicht die Repräsentantin der Wiener Judenschaft Wir begreifen, daß diejenigen Mitglieder des genannten Vereines, die bisher mit einigen Agudisten verbunden, die Majorität des Kultusvorstandes bildeten, gern unter sich sein würden. Es ist leichter, in einem Vereinsvorstand zu arbeiten, als die Verantwortung für Gedeih oder Verderb einer großen Gemeinschaft zu tragen. Aber die Wiener Judenschaft hat ein Recht darauf, daß die Körperschaft, welche sie in ihrer Gesamtheit vertritt, von ihr als Gesamtheit gebildet werde, nicht von einem Vereinsvorstand. | Die Kultuswahlen Wahlarbeit und Wahlfonds Zionisten! Wir haben bereits mit den Vorarbeiten zur bevorstehenden Wahlkampagne eingesetzt und ln sämtlichen Wahlkreisen Bezirkswahlkomitees und Sprengehvahlleitungen organisiert. Das Zentralwahlkomitee hat auch entsprechende Maßnahmen getroffen, um die Wahlkampagne erfolgreich durchzuführen. Im bevorstehenden Kulfuswahlkarnpf gilt es, die Atizah unserer Mandate zu vergrößern , um unserem Programm nach Verwirklichung der jüdischen Volksgemeinde zum Siege zu verhelfen. An Euch, Zionisten, ergeht nun der Ruf, sich dem Zentralwahlkonv'fc-c zur Mitarbeit zur Verfügung m stellen. Der eigentliche Erfolg unserer Wahlkampagne hängt vor allem davon ab. ob wir ln der Lage sein werden, eine entsprechend großzügige Wahlpropngarnla durchzuführen. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, den Wahlfonds zu stärken. Es ergeht an alle Zionisten die Aufforderung, ihre persönliche Pflicht dem Wahlfonds gegenüber zu erfüllen unc in ihren Bekanntenkreisen für den Wahlfonds zu sammeln. Das Zentralwahlkomitee fordert Euch auf, eine energische Sammelaktion durchzuführen. Die gesammelten Beträge sind sofort an das Zentralwahlbureau, I., Kärntnerstraße 28, abzuführen- Wir hoffen, daß alle organisierten Zionisten unserem Rufe Folge leisten und alles tun werden, um dem Wahlfonds größere Beträge zuzuführen. Das Zentralwahlkomlfee. Ver8amnibui£skatefider des zionistischen Zentralwahlkomitees Aus diesem irrtümlichen Vereinsstandpunkt erklärt sich auch die Furcht vor der sogenannten Politik, mit der Herr Reg.-Rat Oppenheim und die anderen wahlwerbenden Vertreter der «Union» antizionistische Panik unter der Judenschaft hervorrufen möchten. Reg.- Rat Oppenheim erfindet flugs eine zionistische Forderung nach einem politischen Ausschuß innerhalb des Kultusvorstandes, die nie erhoben wurde, und malt weiters für ängstliche Gemüter einen politischen Numeros clausus an die Wand. Ein Anonymus, der im Vereinsorgan der .«Union» die Schale seines Zornes über die Minderheitsfechte ausgießt, erklärt bündig, Minderheitsrechte bedeuten den Numerus clausus auf allen Gebieten. Damit soll der jüdischen Bevölkerung eingeredet werden, die Zionisten wollten sie gewissermaßen deklassieren. Die zionistische Tätigkeit spielt sich bereits seit geraumer Zeit im Lichte vollster Oeffentlichkeit ab und es gibt wohl niemanden, der im Ernst glauben könnte, die Zionisten seien darauf aus, die rechtliche Stellung der Juden, von denen sie ein gut Teil sind, zu untergraben. Oie ominösen Minderheitsrechte sind, von n i c h t z i onistischen Juden, wie z. B. Louis M a r s h a 11 bei der Friedenskonferenz durchgesetzt, zum integrierenden Bestandteil der Verfassungen zahlreicher Staaten, darunter auch Oesterreichs, geworden und sie haben bloß den einzigen Zweck, die Gleichb erechtigung auch aller religiösen und ethnischen Minderheiten wirksamer zu schützen, als es bisher der Fall war. Mit dem Märchen von der Schaffung von Staatsbürgern zweiter Klasse kann man heute, weiß Gott, nicht mehr viel Staat machen. Auch dieses Argument ist bereits von vorgestern, ebenso wie das Klagelied über das tote jüdische Volk, das «leider durch das Rad der Geschichte nicht mehr besteht», welches Reg.-Rat Oppenheim immer wieder anstimmt. Wo immer im Leben Pläne und Programme für eine Arbeit aufgestellt werden, dort entspringen sic einem lebendigen Begriff und sind für eine Dauer bestimmt. Die verschiedentlichen Gruppen, die sich heute uni die Gunst der Wähler für den 2. Dezember bewerben, haben ihre Programme zumeist für diesen Tag zugeschnitten. Deshalb die demagogische Argumentation und die unwahren Komplimente gegenüber dem zionistischen Programm, das auch für den 3. Dezember und die folgenden Tage und Jahre Geltung haben wird. Es wird ersucht, für das Blatt bestimmte Einsendungen nicht an Einzelpersonen, sondern ausschließlich an die Redaktion, Wien, I., Rauhensteingasse 1, zu richten, da nur so für die zeitgerechte Erledigung resp. Veröffentlichung die Gewähr übernommen werden kann. HUM ausdrücklich abbeslellfe Abonnements selten als weit er bestehend! Donnerstag,!. November. II. Bezirk: 8 Uhr abends, Zentralkeller, II., Taborstraße 8, Wählerversammlung. Redner: Dr. Leo Goldhammer, Dr. Desider Friedmann. Dr- J. H. Körner. Samstag» 3. November. II. Bezirk: Versammlung sämtlicher Zionisten der LeopokJstadt zwecks Sichtung der KultuswäWer- Idsten. Sämtliche Sprengelleiter werden ersucht, die Wählerlisten mitzubringen. 8 Uhr abends, II., Zirkusgasse 33. Neue Schule für Bewegungskunst Inh- Hüde Holger un-d Llzzl Plsk, Wien, I, Smgerstraße 16, Tel. R 27-4-43. Unterrichtsfächer: a) Praktische: Rhythmische Gymnastik, Tanz. Baflettechnik, Akrobatik. — b) Theoretische: Anatomie und Physiologie, Pädagogik und Psychologie, Harin-oiwc- und Formenlehre. Musikgeschichte, Geschichte der Gymnastik und des Tanzes, Kunstgeschichte und Kostüm kund«, omamenntJes und fiigUTales Zeichnen. XX- Bezirk: Sektionsheim, XX., Jägerstr,aße 30, 8 Uhr abends, Wählerversammlung. Redner: Dir. Josef Boksenbaum, Dr. J. H. Körner, Prof. M. Rath. Montag, 5. November. Fraiienversa.mmlung, 7 Uhr abends, Kl:ibheim der Häkoah, I-, Wipplingerstraße 24^26. Referenten: Dr. Desider Friedmann, Dr. Josef Löwe n h e r z. Donnerstag, 8. November. VIII. Bezirk: 8 Uhr abends Wählerver^ru-.-iilung im Heim, VIII., Bennoplatz 1. Redner: Dr. Desider Friedmann, Dr. J- H. Körner. Aufforderung an die Zionisten! Wir wenden uns an alle Gesinnungsgenossen mit dem Ersuchen, im Laufe der nächsten acht Tage die Wählerlisten, die in sämtlichen Sektionsheimen sowie im Zentralwahlbureau, I., Kämtncrstraße 28, erliegen, durchseheii zu wollen, um sich die Namen ihrer Freunde und Bekannten für Propaganda zwecke herau.szuschrei.ben. Es handelt sich um eine wesentliche Förderung unserer Propagandaarbeit, und das Zentralwah 1 körnitee gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sämtliche Gesinnungsgenossen dieser Aufforderung Folge leisten werden. Ferner fordern wir alle Gesinnungsgenossen auf, sich m ihren Bezirken sofort zur Mitarbeit für die Wahl zu melden. Das Zionistische Zentraiwahikomitee. Das Programm der religiösen Liste „Misrachi * Die religiöse Liste «Misrachi» tritt mit folgendem Programm vor die Kultus Wählerschaft: Die Wiener Kultusgemeinde muß in ihrer Führung und in allen ihren, der Gesamtheit der Wiener Juden dienenden Institutionen auf der Basis des wahren historischen Judentums und des überlieferten Thoragesetzes stehen. Die Wiener Judengemeinde muß einheitlich bleiben, um jederzeit mit dem Gewichte der zusammengefaßten, ganzen Wiener Judenheit für gefährdete jüdische Interessen überall eintreten und darauf achten zu können, daß die den Juden staatsgrundgesetzlich zustehenden Rechte nicht geschmälert werden.! Wochen-Kalender Nov. 1928 Oedenktage twn 1 Donnerstag 1867 — der RonuMHchriftetoUer Felix Holländer in Loobfiohüt* geboren. -iS -n» 2 Freitag 1517 ~ die BaJfour-DeklnTation wird veröffentlicht. j ~ «o i B l -* i 3 Samstag 1873 — der Dichter l/nchvtg Kos- »arsld gestorben. 1850 — der jüdische Religionepbilosoph Rabbiner Dr. Manuel Joel in Breelau gestorben. 20-O Haftarah : w«Tschoh achath 4 Sonntag 1S-I7 — 4er Komponist Felix M w> d ol * o h m- Bo.rt h ol i y (R n k cl Moses Mendelssohns) in Berlin gestorbr.i. 1&47 — der berühmte Archäologe Gustav Ilirechfeld, Leiter der Ausgrabungen in Olympia, geboren. st 3 Montag 186-1 — der bekannte I’hilantrop David Sassoon in Bombay (Indien) gestorben. 1-838 — der Xumi&mutike-r uml ArchÄolog Ludwig J.oowe, fiele re- Ult Moees Montofiore«, in Brighton geetorlien. 23-» 6 Dienstag 1836 — der weltberühmte Psychiater Cosaro Lombroro in Verona gröberen. 1S<0 — Sir Herbert Swmuel, dor erst« Oberkommiteär von Falltsiiua, geboren. 88-33 7 | Mittwoch 1830 — der berühmte Münchener Dirigent Hermann Leva, Vorkämpfer für Richard Wagners Musik, in Gießou geboren. 1316 — der Komponist Ignaz Brüll in FroBnitz (Mähren) gebe ron. 24-“15 Die jüdische Gemeinde hat die Pflicht, für die Errichtung und Erhaltung aller durch die religiösen Erfordernisse bedingten Einrichtungen zu sorgen und dafür, daß deren Inanspruchnahme allen Gemeindegliedern, auch denen strengst religiöser Richtung und Lebensweise durch entsprechende t h o r a m äßi.ge Führung aller dieser Institutionen ohne jedwede Skrupel ermöglicht werde. Die in Wien existierenden Beth aus vereine, Bäte Midrasch, Talmud Thoras und ähnliche Institutionen bilden einen integrierenden Faktor zur Erhaltung und Entfaltung des wahren jüdischen Lebens und müssen daher von der Kultusgemeinde entsprechend gewertet, gefördert und auch materiell unterstützt werden. Pflicht der Kuitusgemeinde ist es, ganz besonderes Augenmerk der Erziehung der jüdischen Jugend und der erforderlichen Aus- und Umgestaltung des ganz unzulänglichen Religionsunterrichtes zu widmen. Nur durch ein eigenes, w i r k 1 i c h jüdisches Sch ul werk und durch ein methodische jüdische Erziehung kann dem bedrohlich anwachsenden Abfall vom Judentum gesteuert werden. Demgemäß ist es auch Pflicht der Kultusgemeinde, den J e s c h iw o t h, Talmad-Thoras und sonstigen jüdischen Unterrichtsanstalten die weitestgehende Förderung und finanzielle Unterstützung zuzuwenden. Die soziale Fürsorge der Judengemeinde muß in großzügiger und zweckentsprechender Weise ausgebaut und so gestaltet werden, daß dieselbe allen notleidenden Schichten der Wiener Judenheit zum Segen werde. Sie soll sich nicht auf Almosengeben und Unterstützung .von Kranken und Siechen allein beschränken, sondern soll auch eine großzügige p r odu-k t i v e. F U r s org e in. sich einschließen. Die Tätigkeit der Kultusgemeinde und ihr Interesse für alle jüdischen Fragen soll dazu führen, daß die indolenten Mitglieder dieser großen Judengemeinde für die Gemeinde und ihre Institutionen Interesse bekommen. Alle in Wien lebenden Juden sollen ohne Rücksicht auf ihr Herkunftsland und auf ihre Steuer! eistu ng das Wahlrecht zur Kultusgemeinde haben und in allen ihren Beziehungen zur Kultusgemeinde als gleichwertige und gleichgeschätzte Mitglieder dieser Gemeinde betrachtet und behandelt werden. Selbstverständlich hat die Wiener Kultusgemeinde die Pflicht, das Palästina-Aufbauwerk mit allen Kräften zu fördern und zu unterstützen, damit aus Palästina das auf der Thorabüsis 'fußende, geistige, wirtschaftliche, soziale und politische jüdische Zentrum werde, dessen wohltätige Wirkungen die geistige und materielle Lage aller Juden der Diaspora günstig beeinflussen und damit dem Heile der gesamten Menschheit dienen werden. Die Wiener Kultusgemeinde muß gleich den meisten Großgemeinden der Welt aus ihrer Lethargie erwachen und dahin streben, daß in dieser Gemeinde ein rege pulsierendes, echt jüdisches Leben einsetze und der jüdische Nachwuchs gesichert werde. Wählerversammlungen der religiösen Liste «Misrachi». Samstag, den 3. November, abends halb 8 Uhr, im Bethaus «Ansche Emos», X., Favoritenstraße 106. •Sonntag, den 4. November, abends 5 Uhr, in den 3ethäusern «Ahawat Achim», VI., Millergasse 43, «Amsche Dath Wazedek», XX., Traunfelsgasse 3, und Prater Wohltätigkeitsverein, I!., Stuwerstra&e 46. Unverlangte Manuskripte, denen kein Rückporto DeSiegt, werden nicht zurückgesendet. Bar-Mlzwah-Fder