Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 44 DTE STIMME SeWt* GeseHselutft in Palästina nicht eingerechnet Der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, Louis Upsky, machte in seiner Erwiderung aul die Angriffe der Opposition geltend, daß die Commonwealth an der Begründung mehrerer blühender Kolonien in Palästina und an der Er* wertiung großer Landgebiete in der Umgebung der Haifa- Bucht, die auch von der Palästine Econodic Corporation als von großem Werte angesehen Wierden, mitgewifkt hat. — Die Red.) Jüdische Auswandererwege Bericht des Trlester Hilfskomitees für jüdische Emigranten. Das italienische Hilfskomitee für jüdische Emigranten in Triest veröffentlicht soeben seinen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit in den Jahren 1924 bis 1927, dem eine Uebersicht über die Entwicklung der jüdischen Wanderungsbewegung in den letzten 15 Jahren vorausgeschickt ist. Es war eine glückliche Idee cks Hilfskomitees, das Gesamtprobetm der jüdischen Emigration dem Tätigkeitsberichte vorauszuschicken, weil man dadurch woh! am besten feststelien kann, daß die Zwangsläufigkeit der immer im jüdischen Volke vorhanden gewesenen «Unruhe» in den letzten Jahren keineswegs schwächer, im Gegenteil viel stärker geworden ist, so daß das Eingreifen von Hilfskomitees in den einzelnen in Betracht kommenden Hafenstädten um so dringender wurde. Der trotz der knappen Form äußerst gründlich gehaltenen Darstellung der jüdischen Emigrationsbewegung in den letzten 15 Jahren seien zur Charakteristik der Verhältnisse nur folgende Daten entnommen: Die Zahl der Emigranten aus den nachfolgenden Ländern betrug in den Jahren 1912/13 1920/21 Oesterreich .... 137.245 4.947 Deutschland .... 34.329 6.803 Rumänien ..... 2.155 25.817 Rußland ..... 291.040 6.398 Außer Rumänien, wo in den Jahren 1920/21 die Zahl der Emigranten mehr als das Zehnfache gegenüber den Jahren 1912/13 betrug, vor allem deswegen, weil zwei stänke Auswanderungsgebiete wie die Bukowina und Bessarabien dazugekommen waren, betrug die Zahl der Auswanderer in den Jahren 1920/21 in den obeoangeführten jüdischen Aiuswanderungsländern nur einen Bruchteil der Zahl der Jahre 1912/13. Dabei ist es interessant festzustellen, daß die Zahl der Auswanderer in den Jahren 1920/21 mit Ausnahme Rumäniens viel niedriger ist als die für die Jahre 1921/22 vorgesehene Q u o t e. Diese betrug für Oesterreich 7419, für Deutschland! 67.607, für Rumänien 7419, für Rußland 24.405. Der eigentliche Rechenschaftsbericht beginnt damit, daß unserem unvergeßlichen Oberrabbiner Professor Dr. C h a» j e s, welcher mm gef ähr zehn Jahre in Italien wirkte, und zwar zunächst als Professor für die hebräische Sprache an der Universität Florenz und dann als Oberrabbiner in Triest, ein warm empfundener Nachruf gehalten wird, der schließt: «Das Hilfskomitee hat ln dem unvergeßlichen Meister einen Freund, einen Helfer, einen autoritativen und fachmännischen Berater verloren.» Das Hilfskomitee hat in den weiter unten angegebenen Jahren den jüdisohen Emigranten nach Nordamerika wesentliche Unterstützung geleistet und zwar: Im Jahre 1924 . , , , , 440 Personen „ „ 1925 . 135 „ „ „ 1926 . 221 „ „ ii 1927 . 274 M Für die Palästina-Emigranten war ursprünglich Triest der wichtigste Einschiftungshafen und es ist letbstverständiich, daß die Tätigkeit des Hilfskomitees in den FäUen der Auswanderung nach Palästina eine besonders intensive gewesen ist. Triest verlor aber immer mehr an Bedeutung für die Palästinawanderimg. So gingen nach Palästina über Triest: Im Jahre 1922 . . 45 Prozent der Auswanderer n n 1923 ... 22 n 91 *f n 1924 . . . 27 ii II i9 n 1925 ... 22 i« II »> n n 1926 . . . 18 91 91 ii 1927 ... 28 91 II H Die Hafenstädte Marseille und C on s t a n z a laufen allmählich der Stadt Triest den Rang in der Palästina-Auswanderung ab. Im Jahre 1925 gingen bereits über Marseiile 10.511, über Constanza 7812 und über Triest bloß 7649 Personen, im Jahre 1926 über Marseiile 4037, über Constanza 4374 und über Triest bloß 2165 Personen, im Jahre 1927 über Marseille 1270, über Constanza 166 und über Triest bloß 948 Personen. Die Summe die zur Unterstützung der Palästina-Emigranten in den Jahren 1923 bis 1927 verausgabt worden ist, beträgt ungefähr 50.000 Lire. Dem Berichte ist eine Anzahl äußeret gelungener Aufnahmen beigeschlossen, die die Einschiffung, <Üe Einquartierung 4n den einzelnen Emigrantenheimen, das Leben und Treiben auf den Schiffen vjsw. Äußerst plastisch zur Darstellung bringen. Dr. Leo Goldhammer. Alle jüdischen und hebräischen Gesänge, welch« von Oberkantor Josef Rosen bl att auf n«bengeräuschfreien Columbia-Platten aufgenömmen wurden, hält das Musikhaus «Excelsior», Wien, )., Adlergasse 5, und Ii., Kleine Pfarrgasse 28, stets auf Lage«, (EntgdtHch.) Kleine Nachrichten Die «Zionistische Korrespondenz», die bisher in Berlin erschien, wird vom 1. November ab in Je r u s a- 1 em (P. 0. B. 731) herausgegeben. * In T e I - A v i v verstarb im Alter von 85 Jahren der Oberrabbiner von Kairo, Rafael Ben Sch Im e o n, einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrten des Orients und Verfasser mehrerer viel beachteter talmudischer Schriften. * In Mateszalka (Komltat Szatmar) ist im Alter von 106 Jahren Herr Jakob Kuhn gestorben. Er hatte an den ungarischen Freiheitskämpfen des Jahres 1848 aktiv teilgenommen. Der Direktor des Agro-Joint, Herr Dr. Joseph Rosen, und der Sekretär des American Joint Distribution Committee, Herr Joseph C. Hyman aus New York, sind in Moskau eingetroffen, um die Verhandlungen mit Repräsentanten der Sowjetregierung Über die Errichtung einer jüdischen Bank in Sowie t r u ß I a n d mit einem Kapital von 20 Millionen Dollar zwecks Fortführung der jüdischen Kolonisationsarbeit in den Ländern der Sowjetunion und Förderung des jüdischen Handwerks und anderer produktiver Tätigkeit der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland fortzuführen. Die zu errichtende 20-MilIionen-Dollar-Bank soll von der Sowjetregierung und dem Agro-Joint gemeinsam In den Wochen vor dem 2. Dezember, da sich der «Kampf der Wagen» abspielen wird, ist der «Kampf der Gesänge» im vollen Gange. Die verschiedenen Gruppen, die wahlwerbend für den neuen Kultusvorstand auftreten, legen in Wort und Schrift den Wählern ihre programmatischen Argumente dar. Mit diesen mündlichen und schriftlichen Erörterungen hat es nun eine sonderbare Bewandtnis: Die wahlwerbenden Gruppen fühlen allesamt das Bedürfnis, sich dialektisch mit dem zionistischen Kultusgemeindeprogramm aus- Amerikanisches Eaeider-Aboimenunt Dauer 2 Jahre Kleider bleiben Ihr Eigentum Monatlich S 60.- 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Herbst-Anzug 1 Frühjahrs-Ulster 1 Winter-Ulster 1 Modebose Instandhaltung kostenlos Verlangan Sie Prospekt I Bei Einzelbestellung Zahlungserlelchterung American Tailors Brüder Koch O. nt. b. II. Nachfolger Max Altar VI., Mar Iaht Iferstr. 17 (Mezzanin) -■ Fernruf B-29-4-84 einanderzusetzen. Dabei werden zwei Methoden angewendet, das Kompliment und die Verleumdung. Beide sind uralte demagogische Propagandamittel, die darüber hinwegtäuschen sollen, daß man dem bekomplimentierten oder begeiferten Programm aus eigenem nichts entgegensetzen kann. Wir Zionisten fühlen uns weder geehrt, wenn der oder jener Redner einer gegnerischen Gruppe vor unserem Programm höfliche Verbeugungen macht, noch auch trifft uns eine dialektische, zumeist demagogische Ablehnung sonderlich; wir wissen: die Komplimente der Gegner sollen den Mangel Ihrer eigenen programmatischen Anschauungen decken und die heftigen Ablehnungen sind nur dadurch verursacht, daß die Schärfe unserer Argumente mit den ehrlichen Mitteln der Logik nicht erschüttert werden kann. Das zionistische Kultusgemeindeprogramm ist das einzige unter den Programmen aller wahlwerbenden Parteien, das festgefügt ist, weil es von einer Grundanschauung ausgeht, die nicht bloß für den 2. Dezember, sondern für alle Tage gilt. Die «werktätigen Juden», die diesmal dem Janus gleich ein Doppeigesicht den Wählern zuwenden, haben für den gegenwärtigen Kultuswahlkampf nach bewährtem Kinomuster ein Doppelprogrammm zurechtgekleistert; der eine Teil tritt für die s o z i a I e n Forderungen ein, für die nach eigener Aussage des «werktätigen» Wahlaufrufes die Mandatare der «Werktätigen» nichts geleistet und nichts HUM Workslltt« fOr Pafskonfakfton Qbornlmmt aucti siMlIfcha Raparaturan ALEXANDER BRAUN KURSCHNBRMBISTBR WIEN, II. CILOCKBNQASSB18/5 TBL. R40-8-B5 verwaltet werden; das Kapital soll jeder der beiden Vertragspartner zur Hälfte beistellen. * In Chicago verstarb im Alter von 78 Jahren de* langjährige Präsident der Internationalen Loge des Un-» abhängigen Ordens B n e i B r i t h und jetzige Ehrenpräsident der Weltloge Herr Adolph Kraus, ein gebürtiger Oesterreicher. In Paris starb im 82. Lebensjahre General Perein, der zur Zeit der Dreyfuß-Affäre als Kabinettschef des damaligen Kriegsministers AndrSe eine viel bemerkte Rolle spielte. Er war einer der eifrigsten Vorkämpfe für die Unschuld Dreifuß’ und hatte deshalb mehrere schwere Duelle mit nationalistischen Offizieren auszufechten. * Justin Seiigm an, Präsident der Zivilkammei; des französischen Kassationshofes, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Bevor er vor 18 Jahren Mitglied des Kassationshofes wurde, war er Vorsitzender de$ Gerichtshofes von Paris. erreicht haben; der andere Teil operiert nach dem efe strebenswerten Vorbild der «Union» mit dem «nichtjüdisch-nationalen» Schlager. Und dann gehen diff poale-zionistischen Adnexe des «werktätigen» Wahlbetriebes hin und fordern ein Gottesurteil darüber heraus., ob sie das zionistische Kultusgemeindeprogramm vet* raten haben 1 Die «Union» arbeitet zumeist mit den Argumenten von vorgestern, aus denen sich, weiß Gott, ein deui wirklichen Leben entsprechendes Programm nicht bilden läßt. Ueberdies aber gibt es eine andere Form de£ Unionargumentation, die einer der wenigen guter! Köpfe unter den Unionleuten, Reg.-Rat Dr. Oppen-* heim, bereits seit längerer Zeit handhabt und audf jetzt in den Wählerversammlungen anwendet: es ist dies •#' die irrtümliche Verwechslung des Kultusvorstandes ' mit einem Vereinsvorstand. In einer der letzten WäMerversammkingen erörterte Dr. Oppenheim die zionistische Forderung nach dem' allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrecht und’ stellt die Behauptung auf, daß das allgemeine Wahlrecht auf der Grundlage der indirekten Besteuerung basiert und für die Kultusgemeinde deshalb keinen Sinh’ hat, weil die Kultusgemeinde keine indirekten Steuern einhebt. Es ist doch sonderbar, daß der bisherige Rete* reht des Kultusvorstandes es schließlich vergesset! haben sollte, daß ein sehr erklecklicher Teil der Einnahmen der Wiener Kultusgemeinde aus indirekten Abgaben (Koscherfleischabgabe, Taxen, Gebühren u. dgf.) stammt, aus indirekter Besteuerung, welche, um Herrn Reg.-Rat Oppenheim wörtlich zu zitieren, «gerade die ärmeren Schichten weit härter trifft, als die reicheren», und daß nur ein Drittel der Einnahmen der Kultusgemeinde aus direkten Steuern zustande kommt. Hat dieses Argument gegen das allgemeine Wahlrecht schon so kurze Beine, so ist es mit Dr. Oppenheims Hinweis auf die geringe Beitragsleistung, zu def man sich melden kann, nicht besser bestellt. Ein Verein zur Ausspeisung von Armen oder zur Bekleidung von Negerkindern ist eine gelegentliche Zweckorganisation, in der Mitglied zu werden, jedem freisteht, dej sich meldet und den Mitgliedsbeitrag entrichtet; die Kultusgemeinde ist eine gesetzlich festgelegte Zwangsorganisation, der jeder Jude angehören muß, ebenso wie Jeder Bewohner eines Landes Irgendeines gemeindlichen und staatlichen Zusammenfassung slctö nicht entziehen kann. Es ist noch nirgends erhört wor-* den, daß die Gemeinden oder Staaten darauf warten, Jedes Plafllnßlelden schmerzlos behoben Erzeuge fiir Frostballen, empfindliche, leidende sowie Senkfüße leichte orthopädische Schake. Was anf Grund meiner langjährig erprobten Praxis eingebaute Einlagen, daher von normalen Schuhen nicht zu unterscheiden ist Garantie für Heilung und jede Paßform und angenehmes Gehen Romme out Beil«lluni Isis Haue HANS VE1GL vorm. Bubentcek speasiwerMsiaiie ittr woiiuisa mmhk IV., Sterhemberggasse 5/7, Psrterr« Komplimente und Verdrehungen Die Argumente gegen das zionistische Kultusgemeindeprogramm ■I-: / ■! ia