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Die Stimme · 1928-10-25 · Heft 43 (25.10.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 43 (25.10.1928)
Date
1928-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 48 DTE STIMME Seite 8 Fischhandlungen 1 m* billiger -m Prima iiiiiniii Erhältlich in allen ■■■■■MMMaBaMaaaaaaMAaaHWMMiMMwamBPipBHifMi der Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde an den Unterrichtsminister als an den Protektor des Rfeligionswesens mit dem Ersuchen gewendet, im administrativem Wege Vorkehrungen zu treffen, daß dje jüdische Religion gegen ähnliche Ausfälle geschützt werde. Gegen die Friedhofsschändungen in Deutschland ln Berlin fand, vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet, im ciichtgefüHten Saale des preußischen Herrenhauses eine Kundgebung unter dem Motto «Versündigung an der deutschen Kultur. Gegen Friedhofsschändungen und rohe Gewalt» statt, in der u. a. der Reichsjustizfninister Dr. Koch, der Präsident des preußischen Landtages Bartels und Vertreter des preußischen Justiz- und Innenministeriums sowie der Berliner Polizeidirektion sprachen. Die Versammlung nahm einmütig folgende Entschließung an: «Die zu der Kundgebung im Herrenhaus versammelten Hunderte von deutschen Bürgern und Bürgerinnen erklären: Die Tatsache, daß Judengegner zur Durchsetzung ihrer Ziele an Stelle geistiger Waffen rohen Ueberfall, verbunden mit schweren Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, insbesondere Schändung von Gra.bmäl?m, «tfiwenden, ist in so bedrohlichem Maße durch die Ereignisse der letzten Jahre bewiesen, daß das öffentliche Gewissen aller Teile des deutschen Volkes aufgerufen werden muß, um bei aller politischen Verschiedenheit aus innerstem Billigkeitsgefühl heraus die dem Denken und Tun der Täter zugrunde liegende Gesinnung als eine S c li m a c li für D'e utschland und die d c u tsche Kultur zu empfinden. Die Versammelten rufen das gesamte Volk zur entrüsteten Ablehnung der Untaten und zur Schaffung eines Geistes auf, der, bei aller Freiheit der Meinungen, eine Austragung von politischen Fragen nach den Begriffen von Recht, Sitte und Ansfand fordert» „Nicht nur freie Menschen, sondern freie Juden“ Colonel Wedgwood in Berlin — 100000 Mark für de« Pa?ä$tira-Aufbati *- Wedgwood über die jüdische Arbeit in Erez-lsrae! Wie schon berichtet, hat sich der bekannte Abgeordnete der britischen Arbeiterpartei und frühere Minister im Kabinett Mac Donald, Colonel Josiah C. Wedgwood, wieder der Propaganda für den jüdischen Palästina-Aufbau zur Verfügung gestellt; er weilt gegenwärtig in Berlin, von wo er eine Reihe deutscher Städte besuchen und dann seine Propagandareise in Rumänien fortsetzen wird. In B e r 1 i n fand am 35. Oktober, von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einberufen, eine große Kundgebung für den Palästina-Aufbau, mit Wedgwood als Hauptredner, statt. Die Kundgebung wurde u. a. durch ein Schreiben des Staatssekretärs Dr. P ü n d e r im Namen der Reichsregierung begrüßt; in dem Briefe gibt die Reichsregierung neuerlich ihren Sympathien für das jüdische Palästina-Werk Ausdruck. Unter den Begrüßungen ist besonders ein Brief Albert Einsteins iiervorzuheben; der Gelehrte ,der nach schwerer Krankheit als Rekonvaleszent an der. Ostsee weilt, schreibt: «Ich bin leider durch Krankheit verhindert, an dieser wichtigen Veranstaltung teilzunehmen. Es ist der jüdischen Oeffentlichkeit noch immer nicht'völlig zum Bewußtsein gekommen, eine wie große Bedeutung das Palästina-Werk für die jüdische Psyche und für die äußere Position der Juden hat. Gemeinsames Werk neben gemeinsamer Tradition und Gesinnung ist nötig zur Lebendigerhaltung der Gemeinschaft und hat in diesem Sinne schon Großes geleistet Furchtsame und Kleinmütige, hört aus fremdem, wohlmeinendem Munde, was Ihr dem eigenen nicht glaubt, und was Ihr deshalb oft nicht sehen könnt, weil Ihr in den Sorgen des Alltages steckt Kritisiert nicht von außen, wie Unbeteiligte, unsere eigene Sache, sondern trachtet darnach, sie zu stützen ur.d günstig zu beeinflussen, wo sich Irrtümer und Uebelstände zeigen.» Nach einer Begrüßungsansprache des Präsidenten der zionistischen Organisation Deutschlands, Kurt BI u m e n f c I d, folgte Wedgwoods Ansprache; er sagte u. a.; «Am heutigen Abend beschäftigen wir uns mit einem Gegenstand, über welchen Deutsche und Engländer sich leicht einigen werden, denn es geht um nichts Geringeres als um die Schaffung eines neuen, freien Volkes. Hier aber haben wir etwas gemeinsam. Es gibt nationale Freiheit und persönliche Freiheit. Beide Arten von Freiheit schulden der deutschen Unterstützung mindestens so viel wie der britischen. Und wenn sowohl Deutsche als auch Engländer zu Zeiten vom rechten Weg abweichen, dann tun wir dies im Bewußtsein, Unrecht zu tun. In solchen Fällen sind es die Juden unter uns, die uns daran erinnern, daß wir fehlen. Denn die Juden sind es, die als c~-*e die Freiheit geliebt haben, als sie aus Aegypten ,;en, der priester^chen Herrschaft entrannen und selbständig zu denken begannen. Diese Liebe zur Freiheit ist den Juden gcbl.cben, und sie sind darin oft die Lehrmeister anderer Völker gewesen. Aber sie selbst mußten viel nntcr nationale? und persönlicher .tyn f r e ity g 11 leiden . f , Nicht hur freie Menschen wollen wjr i'fyafr fen, sondern freie Juden. DJe Juden, btaüch$r ei am meisten, nicht nur als Individuen, sondern als VclÜ. Glauben Sie mir: Nicht nur für jene, die selbst hinausziehen, um in,Palästina mit den Widerständen der Natur zu kämpfen, bringt diese Sache die Freiheit, sondern für das ganze Volk. Der Respekt der Welt wendet sich jenen zu, die den rechten Weg gehen, Kultur verbreiten, Freineit begründen. Dies aber ist es, was die Juden tun, die für Palästina arbeiten.» Der Redner zeichnete in großen Zügen ein Bild des jüdischen Palästina von heute und schloßeMan sieht ein neues Volk im Werden. Der jüdische Name wird zu großer Ehre gebracht Die Juden, die selbst niemals nach Palästina gehen werden, werden stolz sein, überall als Juden erkannt ^eftti Einkauf von Koscherwürfeln achten Sie auf die Inmutio Fürst vom chiff empd JEDER ECHTE „GRAF i KOSCHER WÜRFEL“ trägt diese I n s i g n i e n : zu werden. D i e S che u. u n (d U n f r e i h e i t der Diaspora sin d .vorbei. ' Ihr, die Ihr über djer ganze Weit zerstreut seid, und die schlimmsten Auswirkungen des Nationalismus fühlen mußtet, Ihr sollt es als Ectr$ Aufgabe betrachten, mitzuwirken bei der Betielun'g ■- der Völker von den Lastern der UeberhebliChkeit ';der Verachtung anderer, der Ungerechtigkeit, so daß wir zusammen e inentue Welt aufbauen können, wo Völker einander n^ht fürchten und einander nicht hassen. Diese Hoffnung verbinde ich mit dem Palästina-Werk der neuen, freien Juden.» , , Nach . Wedgwood' sprachen' Professor Dr. Franz Ö p p e n h.e I m e r, Reichstagsabgeordneter Prof. Georg Bernhard und Direktor ^Hly D r e y f u ß. Bei der Kundgebung wurden 100.000 Mark für den Keren Hajessod, darunter eine Spende von 30.000 Mark, eine solche von 10.000 Mark und mehrere von je 5000 Mark gezeichnet. Eine politisch bedeutsame Rede hielt Colonel Wedgwood bei einer Kundgebung, welche d*e zionistische Arbeiterwartei «Poale Zion» in Deutschland im Rahmen ihrer Landeskonferenz am 14. Oktober veranstaltete. Wedgwood überbrachte der Tagung die Grüße der englischen Arbeiterpartei und führte dann aus: «Wenn auch Ereignisse, wie die Vorfälle an der Klagemauer es nicht gestatten, viel Erfreuliches über die gegenwärtige Lage Palästinas zu berichten, so stehe ich doch unter dem Eindruck meines letzten Besuches in Palästina, wo nicht alle Juden an der. Mauer Wagen, wo yi£le Juden des zweitausend,- hrigen. Klagens genug haben und produktiv afi, üeift Werden ihres nationalen Heims .arbeiten, das £jej der Befreiung vor Augen haben. Es ist dabei selbstverständlich, däß dle Labour- Party das Unrecht an. der Klagemsüer mißbilligt. ■ Wir Engländer haben die Aufgabe übernommen, an der Verwirklichung der zionistischen Idee mitzu- PELZUBERZUGE PELZE. FEDERLEICHT GOTTLIEB VERTRÄUM SIE MIR IHREN ALTEN PELZ AH, ICH STELLE IHREM EIN WIEN I FEOERLEICHTIS STÜCK HER FRANZ-JOSEF$*KAI NR. 5 arbeiten. Es wird vielleicht lange dauern, bis eine jüdische Mehrheit inPalästina zustandekorrmt nid bis der j tl d i s c h e S t a a t geschaffen wird. So lange aber die Juden in der Minderheit sind, müssen wir dafür sorgen, daß in Palästina kein Parlament entsteht Ich glaube, daß keine englische Regierung zu einem Parlament ihre Zustimmung geben wird, das die Errichtung des National Home gefährden könnte. Ich habe den Eindruck, daß die Juden und die Araber freundschaftlich Zusammenleben können. Die arabische Bevölkerung ist aber augenblicklich auf einer niedrigeren Zivilisationsstufe und kann von wenigen Intelligenzlern zu einem Kampf gegen das jüdische Siedlungswerk mißbraucht werden. Im Rahmen der großen Aufgabe, die wir übernommen haben — die Verwirklichung des National Home — wollen wir dem jüdischen Volke verhelfen, einen jüdischen Staat zu bilden. Aber nicht einen Staat von Maklern uivd Händlern, sondern einen Staat mit einer produktiven arbeitenden Bevölkerung. Diese Idee kann verwirklicht werden, wenn der Zionistischen Organisation eine starke Arbeiterschaft an gegliedert ist. Ich sehe in dem jüdischen Nationalfonds und seinem Bodenankauf für das arbeitende Volk die Lösung eines Problems, das in der neueren Geschichte bei vielen Völkern zu dauernden Kämpfen und Reibungen geführt hat, nämlich des Problems der Agrarreform. U m- $o bedeutender ist der Keren Kajemeth, der, wenn ihm genügend Gelder zur Verfügung stehen, die Erscheinung der Arbeitslosigkeit in Palästina aus der Welt zu schaffen vermag. Boden ist In Palästina genügend vorhanden; es ist die Pflicht der Regierung, die Bodenerwerbungen, des Keren Kajemeth zu stützen, weiter ist es ihre Pflicht, die Möglichkeit zu einer Anleihen schaffen, damit dieser Boden bebaut werden kann. Ich kann Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß der neue High Commissioner, der jetzt nach Palästina kommt, ein Mann von großen kolonisatorischen Ideen ist Pas Zentrale, das ich an dem heutigen Abend »u sagen habe, ist dies, daß die Regierung in kürzester Zeit einen Kontrakt betreffend den Hafenbau i n Haifa in Höhe von einer Million Pfund Sterling schließe» wird, und daß es uns gelungen ist, f a i r w a g e s durchzusetzen, so daß für die jüdischen Arbeiter gute Arbeitsaussichten bestehen.» Am 16. Oktober sprach Colonel Wedgwood m einer großen öffentlichen Kundgebung der Berliner zionistischen Vereinigung, bei der u. a. auch eine P r o~ t's'tresolutiofl gegen die Vorfälle an derKlagemauer einhellig angenommen wurde. Wechsel in der Leitung der Jüdischen Kolonialbank Wie vom Zentralbureau der Zionistischen Organisation mitgeteilt wird, scheidet Dr. Georg Hai per« am 1. November aus sduem Amte als geschäftsf ü ft r e n d e r Direktor der Jewish Colonial Trust. Dr. Halpern, heißt es in dieser Mitteilung weiter, hatte bereits während des 15. Zionistenkongresses den Wunsch ausgesprochen, sein A m t n i e d e r z u 1 e g e «, aber dem Ersuchen des Direktoriums, bis zur Erledigung gewisser laufender Angelegenheiten im Amte zu verbleiben, stattgegeben. Er verbleibt weiter Mitglied des Ausschusses des Jewish Colonial .Trust und der Angto- Palestine Company. Samuel Pineies gestorben In G a 1 a t z ist im Alter von 86 Jahren Herr Samuel P i n e I e s, einer der ältesten Zionisten, verstorben. In Galats geboren, nahm er schon in früher Jugend an der damals aufgekommenenen Chowewe Zion-Bewegung teil, und seither war sein ganzes Leben dem jüdischen Werke in Palästina gewidmet. An der Gründung der jüdischen Kolonien «Sichroo Jaaco' »> und «Rosch Pinah» nahm er tätigen Anteil. Als Theov. a Herzl seinen «Judenstaat» veröffentlicht hatte, trat Pineies mit ihm in enge Berührung und wirkt* für seine Ideen in Rumänien. Samuel Pineies nahm als Delegierter der CI «fl« w«rkst«tta für Pe(*konf«kt*eit Qteapitlmmt auch sämtlich» R»poratair»« ALEXANDER BRAUN KU*SCHNERMBISTBR WIEN, HGlOCKCtMSAS*« 18/5?«l. 848.9*8

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