Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1928)
- Date
- 1928-10-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 49 PIE SUMME Sette 9 ÄSSSSSJ: Rlchai u hu /. >y, .1. K eine Pfarrg. 28 Tel. K 23 4 90 den Besitz einer jüdischen Gesellschaft gelangt und. Das Gebiet befindet sich rm Tale Saron bei Tul K e r e m in der Nähe von Sichern. Der Kauf gehört zu den größten und wicht gsten, der von J'-den bisher abgeschlossen wurde. Er wird die jüdischen Kolonien von Samaria und Judäa verbinden. Arabische Zeitungen weisen darauf hin, daß durch diesen Kauf die ganze Strecke von Haifa bis Jaffa in jüdischem Besitz sei. Wie «Haaretz» meldet, haben die österreichischen Handelskammern und Exportinstitute sowie die Wiener Messe in Palästina unter der Leitung von Dr. Kurt G r u n w a 1 d eine offizielle Vertretung unter dem Namen «Österreichische Außenhandelsstelle» errichtet. In der Nähe von Giwath Hamore wurde mit den ersten Vorbereitungen für den Bau des zentralen Krankenhauses für den Emek Jesreel begonnen. Nach den Bauplänen wird zunächst die Station für innere Krankheiten errichtet werden, die 48 Betten haben wird. Die M'etervercinigung in Jerusalem hat 380 Dunam Boden in zwei Terrains auf der Straße nach Jericho erworben und wird darauf eine neue Vorstadt.Siedlung für ihre Mitglieder anlegen. WISSEN / KUNST / LITERATUR Jüdische Musik für Klavier Von Joachim Stutschewsky. IV.*) Jeder Mensch kann seine reinste Vollendung erreichen nur Innerhalb seines eigenen Wesens. Und auch dem Künstler gelingt es nur, wenn er seinen Weg geht, diese Vollendung im Werk in vollkommenster, reinster Weise zu vollbringen. Dieser Vollendung am nächsten gekommen zu sein scheint mir Alexander K r e 1 n. Der reifste Musrker innerhalb der heutigen jüdischen Musiker- Generation. Seine Lebensarbeit weist bis jetzt einige Schaffensperioden auf. Wie die meisten unserer Komponisten hat such Krcin ln Rußland seine Jugendeindrücke empfangen, bef den russischen Musikern gelernt. Die ersten Kompositionen stehen nach verschiedener Richtung hin unter dem Einfluß älterer, gefestigter musikalischer Werke. Im Ringen nach Wahrhaftigkeit des Ausdruckes, nach der Harmonie mit sich selbst, findet er sehr bald den Weg zu einem stärker betonten, jüdisch ausgeprägten Stil. Auch hier hat Krein viel früher als die anderen die «volkstümliche Periode» überwunden, durch intensives Studium der ältesten Synagogen-Melodien, ihrer harmonischen Eigenheiten unter Ihrer Ornamentik den eigenen Charakter, den reinsten Ausdruck jüdischen Lebens, jüdischer Kultur gefunden und gestaltet. Das Alte und Neue glücklich verbindend, gelingt es ihm, sein großes Talent zur vollen Entfaltung zu bringen. Kräftig, eigenwillig, voller innerer Spannung, von intensivstem Empfinden und leidenschaftlichem Temperament durchpulst, ist Kreins Kiaviersonate, op. 34, komp. 1922 (russischer Staatsverlag). Ein gedankenreiches, klangvolles, formal überzeugendes Werk, das nicht nur in sich selbst existiert, sondern noch viel mehr ln Gemeinschaft der jüdischen Musik. Kreins größte Eigenheit liegt in dem weit gespannten melodischen Bogen und der Art, wie er seine Themen, deren Echtheit von packender Wirkung ist, steigert und sie aufbaut. Von einer glühenden Flamme durchlodert, sprengt er die Grenzen des Klaviers. An manchen Stellen möchte man ein ganzes Orchester wahrnehmen. Vom rein klavieristischen Standpunkt aus natürlich ist im Qatz manches überladen, klanglich übersteigert, was aber der Wirkung der Sonate keinen Abbruch tut. Der Eindruck wird nach Jeweiligem Hören zum tiefem, anhaltendem Erlebnis- Von den zwei Poems op- 30 — Andante con anima, 19p0, und Lento, 1922 (ebenfalls im russischen Staatsverlag)-—, zwei kleinen, wohlgeformten Stimungsstücken, ist das zweite am ansprechendsten. Die Einfachheit der melodischen. Kurve wird durch die Beweglichkeit und durchgehende Chromatrk der Mittelstimmen etwas zerstört und wirkt dadurch nicht so unmittelbar- Aber auch hier offenbart sich die Besonderheit des jüdischen Wesens in Kreins Musik. — Die Gruppe der 'irdischen Komponisten vergrößert und erweitert sich in einem sehr raschen Tempo. Die Entwicklung nimmt Imme, bestimmtere Formen an. Während alle bisher genannten Komponisten erst durch innere und äußere Umwälzungen nach langem Suchen und Studium zu dem neuen Gehalt Ihrer Werke «bewußt» vorgedrungen sind, treffen wir in Alexander W e p r i k einen Musiker, der nicht mehr' den Ghetto-Geist ln slqh trägt, in dem das Jüdische sich ganz unmittelbar, unbewußt wiedersiegelt. Ein Musiker von besonderer Ausprägung Jüdischen Seins. Was den anderen zum Problem wurde, ist ihm eine tief erfühlte Selbstverständlichkeit, die Wahrheit seiner inneren Inspiration. Er kannte weder die Volksmusik noch die synagogalen Motive Er wußte auch nichts von Bestrebungen u.nd den Gesellschaften, die sich ntm Ziele setzten, eine jüdische Musik auferstehen zu lassen. Und doch — das ist das Wunderbare — war seine Musik von Anfang an ur- Jüdisch. Eine naturgegebene Schaffenskraft, die gefüllt ist mit musikalischen Einfällen. Wepri'k fehlt nur die geeignete Atmosphäre und die Zeit zum Schaffen. Aber er ist noch jung. Ein weiter Weg liegt vor ihm. Hoffentlich führt dieser Weg ihn einmal nach Palästina. Dorthin gehört er- Die zweite Sonate, op. 5, komp. 1925 (russischer Staatsvenlag), muß als eine der künstlerisch geschloss msten der neuen Jüdischen Musikllteratur bezeichnet werden. Der Impuls des Schaffens entzündet stich bei Wepri'k am Thema. Aus der Intensität der Themen, die stets von ungeheurer Spannkraft und rhythmischer Beweglichkeit eingefangen sind, entwickelt sich die ganze Anlage und Formung des Werkes. Eine frisch pulsierende, innerlich organisch ver- •) Siehe «Die Stimme» Nr. 37, 39 und 40. bundene Musik von ausdrucksvoller Melodik und auflodernder Wucht, Der 1928 komponierte «Tanz» Ist ein Kabinettstück von subtilster Zeichnung, klarer Stimmführung und ungemein suggestivem Rhythmus. Ohne bewußt den schlichten Ton der Volksmotivik zu kopieren, sind schon die Themen selbst in ihrer Natürlichkeit eine starke produktive Leistung. Dieser «Tanz» wird sicherlich eins der erfolgreichsten Konzertstücke. werden. V. Aus der Vielfältigkeit der hier besprochenen Werke, die nebst manchem Unnötigen, Vielseitigkeit, fruchtbare Versuche zu eigener Gestaltung und eigenem Stil zeigen, Nützen Sie noch die letzten Wochen für Ihren Körper aus! □ ER HERBST IST DIE SCHÖNSTE ZEIT FÜR TENNIS ERSTKLASSIGE TENNISPLÄTZE II., TABORSTRASSE NR. 63 a, AUGARTEN TELEPHON NR. R-46-1-44 Hochmodern * Zentralheizung ♦ Garderoben * SchileBkästen ♦ Kalta uhd warme Duschen •* Parkklub-Trainer * Sorgfältigster Unterricht Bei Berufung auf die „STIMME“ Begünstigung ui ergibt sich kein geschlossener Eindruck. Aber man vermag schon zu unterscheiden, woher die Musik kommt, wohin sie gelangen will, man vermag zu entscheiden, was von dem bisher Geschaffenen als Versuch in der Vergessenheit versinken und was, von überdauerndem Werte, bleiben wird. Die aufsteigende Entwicklungslinie ist hier vorn Engel über Wolfsohn, von Milner und Achron bis zu Krein und Weprik deutlich zu verfolgen und könnte folgendermaßen zusammengefaßt werden: Engel, noch Sehnsucht, schüchterner Versuch — Vorfrühling der jüdischen Musik: weiter vordringend Wolfsohn: Milner, Achron, die Ueberwindung des Stofflichen und der Gebundenheit an die Volksmusik, Vordringen zum eigenschöpferischen Element — Frühling: Krein und Weprik, so verschieden an Jrhren, Temperament und Erfindung, weisen sie klar auf die Erfüllung — den Sommer der jüdischen Kunstmusik. Ausstellung Moscheh Ziffer Der junge Bildhauer Moscheh Ziffer, auf den in diesen Blatte bereits hingewiesen wurde, hat jetzt in der Galerie Holbein (Wien,!., Franz-Josefs-Kai 41) eine Kollektivausstellung von Plastiken und Zeichnungen, ln zwei Sälen etwa ein Viertelhundert Stücke in Sandstein, Marmor, Terrakotta und Bronze, an den. .Wänden' vielleicht ein Dutzend Blätter ln Kohle, Stift uijkd Sbicjiel. Irgendwie atmet aus dem geformten. Stein Musik; Lied: die emrorgestreckten Hände einer Betenden scheinen zu singen, um eine Müde und eine Schlafende, deren Kopf in den Sandstein geprägt Ist, weht Melodie. Es scheint, als ob die Geschöpfe Ziffers ihre Träume, ihre Zukunftsgedanken nicht innerlich schauen, sondern hören würden. AehnMchen Eindruck geben die beiden Porträts dßs ver; storbenen Oberrabfciners Dr. Chajes, dem Ziffer Förderung seiner Ausbildung dankte; die Büste Chajes sowohl, als auch die Maske haben — insbesondeie im Blick der Augen — etwas Horchendes. Die Werke Ziffers, die bis 10. Oktober in der Galerie Holbein ausgestellt bleiben, vermitteln ungewöhnlichen Eindruck, und darum sei nachdrücklich auf sie aufmerksam gemacht Dieser Eindruck läßt sich nicht besser ln Worte fassen, als es durch Ziffers Lehrer, Professor Eugen Steinhof, geschehen ist: «In einfache, großzügige Kubik gebannt, ein zartes, tiefes, yrlsches Fühlen. Eine echte plastische Begabung, deren \uswirkung nunmehr eines erfordert: Die Zukunft, die sich groß und hoffnungsreich abzeichnet.» Wer Echtes ln de^ Kunst zu empfinden vermag, helfe die Zukunft schaffen. —tzlasipHpK.KUijaaiiaMi rflrMtt’-iiiHiiirii m — ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON 60-0-77 SÄMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN Kunstchronik Eine Monumentalausgabe der Bibel. Die Soncitio-Gesellschaft der Freund-’ des jüdischen Bucht»« hat sich von Marcus Behmer unter Benutzung guter alter Vorlagen eine neue hebräische Druckschrift schneiden lassen. In dieser Type, welche die Gesellschaft als eine Privatschrift mir in ihren eigenen Publikationen zu verwenden beabsichtigt, soll als erster Druck eine monumentale hebräische Bibel erscheinen. Der Text, der alle 24 Bücher in der masoretischen Tradition mit Vokalen und Musikzeichen b'eten soll, wird von einer unter der Leitung des bekannten Bebräisten Prof. Ludwig Blau (Budapest) stehenden Kommission hergestellt. Die Ausgabe wird in vier Großfoliobänden gedruckt, von denen jährlich ein Band erscheinen soll Das Granov.sky-Theater, dem, wie wir in unserer letzten Nummer berichtet haben, jetzt ein Kontrollor von der Sowjetreg erung nach-gescndet wurde, hat ein neuerliches Gastspiel in Berlin eröffnet. Als erste Novität brachte ei» die Burleske «T rouadeck» von Jules Romain, die respektvoll abgelehnt wurde. Dagegen errang die Aufführung von Perez' «Nacht auf dem alten Markt» (die erste Büihnendarsteliung dieses Werkes) einen starken Erfolg bei Kritik und Publikum. Die Ausstellung der Palästäna-Presse, welche, wie berichtet, von der Kultuskommission der palästinensischen Arbeiterorganisation veranstaltet wird ist ln Tel-Awiw eröffnet worden. Sie umfaßt 610 verschiedene jikfösche palästinensische Presseerzeugnisse, die von 1856 bis September 1928 gedruckt, hektographiert oder handschriftlich erschienen sind, davon 500 in hebräischer Sprache, 110 ln anderen Sprachen (spaniolisch, jiddisch, arabisch, englisch, deutsch, französisch, Esperanto). Von den ausgestellten Zeitschriften sind 141 in Jerusalem, 84 in Jaffa, 105 in Tel-Awiw, 42 in anderen Orten Palästinas. Die Entwicklung des palästinensischen Zeitungswesens geben die folgenden Ziffern: Von 1856 bis 1860 erschien in Erez Israel ein« einzige Zeitung, von 1861 bis 1870 gab es 4 Zeitungen von 1881 bis 1890 kam ihre Zahl au? 6, von 1890 bis 1900 auf 14, 1901 bis 1910 auf 21, 1911 bis 1920 auf 57, 1921 bis 1925 auf 108; ln den letzten Jahren ging die Zahl der Zeitungen auf 102 zurück. Lia Rosen, die zuletzt eine Zeitlang an Morris Schwarte’ jüdischem Kunsttheater in New York wirkte und jetzt In Oesterreich gastiert, wird dauernden Aufenthalt tn Palästina nehmen, wo ihr Gatte, Ing. Mark Schwarz, bereits ansässig ist. Henry Bergson, heute der repräsentative Vertreter de« französischen Philosophie, soll nach einer Meldung von «Stockholms Dagbladet» heuer den Nobelpreis ffl« Literatur erhalten. Salman Silberberg, der Begründer des jetzt in New Yolfc im Erscheinen begriffenen großen jüdischen Theater- 1 e x i k o n s, weilt gegenwärtig zu kurzem Aufenthalt in Wien. jüdische Künstlerspiele (Wien, II., Praterstraße 34, Theater Reklame). Samstag, den 20. Oktober eröffnen Vera Kaniewska -und Paul ßreitmann ihr diesjähriges Gastspiel mit der Operette «Palaschka», die in den folgenden Tagen allabendlich wiederholt wird. Jüdisches Theater (Rolandbühne, II., Praterstraße 25)* Wochenprogramm: Freitag, 19., bis Sonntag, 21. Oktober: «J u d i t h», historisches Bild in fünf Aufzügen von Goldfaden. Montag, 22.: «D^e rSchneider als Gemein derat», Lebensbild in vier Akten von Richter. Dienstag, 23.: «J a n k a! e», Komödie in drei Akten von Kolich (Titelrolle) Lisa Gucksmann). Mittwoch, 24.: «Cipke Feier», Komödie in vier Akten von KaFch. Donnerstag, 25.: «Jlkale B 1 o f f e rs>, Komödie in drei Akten von Joumg. Beginn täglich 8 Uhr. Volkstümliche Preise von 1 bis 3 Schilling. — Anfangs November beginnen die populären Schauspieler Mischa F i s c h r o n und Vera Z a s I a w s k a j a aus Chisinau (Rumänien) mit ihrem Ensemble ein Gastspiel. . Jüdisches Künstlerkabarctt (II. Praterstraße Nr. 60). Wochenspie’plan: Freitag, den 19. Oktober findet die Erstaufführung «A u g’ um Aug’», Lebensbild in drei Akten von Max Gebe!, Musik von B. Perlmutter, statt. Die Novität wird Samstag, den 20., Sonntag, den 21., und Montag, den 22. Oktober wiederholt. — Dienstag, den 23. Oktober: «Masel To w», Gesangskomödie in drei Akten von J. Wolf, Musik von J. Rumsdynski. Mittwoch, den 24. Oktober: «Oer Straßensängcr», Lebensbild in drei Akten von Leo Kcbrin, Musik von J. Rumsdynski. Donnerstag, den 25. Oktober: «R c i s c I e von China», Gesangskomödie ui, orei Akten von, ].. Sigel, Musik von B. Perlmutter. An allen AufTiImmgen nimmt das ganze Ensemble teil. Ein neues Schauspiel von J. Rehfisch, «Der Frauenarzt», kam im Wiener Carltheater (Direktion Berisch) zur Iteiren und Damen-Sf leider naeü Maß Riic"e -t«rr.iunw»h Z»hlans uach Debeieln «doWi. lactna Wien, VI., MailaliUferstraße 107, Tel. B *7-248 I I i y\ v-;J