Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1928)
- Date
- 1928-10-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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GIB STIMME Nr. 43 mmmammmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmtm SIE6IH. KQRHMEHL, BroBfleiscliliaiiepti Zentrale »X, Bergeasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant fflr Heilanstalten» Abteilungen fflr l^-Fieisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien IX, Berygasse l> Xv»ll. Wöhringerstraße 97 mammmmammmmmmmmammamtmmmmaummpmmmmmm Aus einer im Warschauer Finanzarchiv aufbewahrfen Zählung aus dem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts ist zu ersehen, daß jede jüdische Familie wenigstens einige Bücher, zumindest das tägliche Gebetbuch, Machsorim für die Feiertage und das Volkslesebuch «Zeena Ureena» besessen hat, die reicheren Juden über eine größere Anzahl von Büchern verfügten, während zur selben Zeit fast neun Zehntel der übrigen Bevölkerung überhaupt kein Buch im Hause hatten. Die Zimmereinrichtung war bei den Juden besser und für jene Zeit moderner als bei der übrigen Bevölkerung. Im sechzehnten Jahrhundert waren bei den Juden L ö f f e I, bei vielen auch silberne Löffel, gang und gäbe. Gabeln waren damals noch unbekannt und das Messer pflegte jeder Gast mitzubringen lm achtzehnten Jahrhundert pflegte man bereits dem Gast auch Messer und Gabel zur Verfügung zu stellen, doch waren diese Kleinodien durch eiserne Kettchen an die Tische befestigt. Das bewegliche Vermögen der Juden Jn der besprochenen Zeit kann hauptsächlich aus Polizeiprotokoüen ermittelt werden. Sooft Juden überfallsmäß'g ausgeraubt wurden, hatten sie bei der Polizei anzugeben, was ihnen geraubt worden war; da ist es interessant, festzustellen, wie ungeheuer viele Pölster und Bettdecken die Juden besaßen. Zwanzig und mehr Pölster waren keine Seltenheit in einer Familie mit durchschnittlichem Vermögen. Eine Arbeitsgemeinschaft zionistischer Landesverbände in Europa Die konstituierende Konferenz in Wien Am 14. Oktober fand in Wien eine Konferenz <3er Präsidien mehrerer zionistischer Landesorganisationen statt, welche sich mit der Frage der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft aller zionistischen Landesverbände Europas befaßte. Im Namen des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, über dessen Initiative diese Konferenz zustande gekommen war, konnte Präsident Dr. G o I d h a m m e r die Vertreter folgender LarKfesorganisationen begrüßen: Jugoslawien ((Ing. Rechnitztr), Kongreßpolen (Dr. M. Haides), Oesterreich (Dr. Desider Friedmann, Dr. Z. Fimkelstein, Prof. Dr. Wilhelm Stein), 0 s t g a 1 i z i e n (Direktor Fischer, Dr. Leon Reich, Dr. Rothfeld), Polniscb-Schlesien (Dr. Sternhell), Transsylvanien (Redakteur Jamböck), Tschechoslowakei (Dr. Franz Kahn) Westgalizi'en (Dr. Zimmermann), Kontinental-bund der «WIZ 0» (Dr. Martha Hoffmann, Dr. Sophie Löwenherz); ferner waren das Hauptbureau des Keren Hajessod durch Prof. Arthur Freud, das Hauptbureau des Keren K a j e m e t h durch Dr. E. M. Zweig vertreten. Schriftlich hatten ihre Zustimmung zur Schaffung einer Arbeisgemeinschaft die Landesverbände von Bulgarien, Deutschland, Großrumänien, Litauen, Ostfrankreich (Elsaß), der Schweiz und Ungarn kundgegeben. Die zionistische Exekutive in London gab in einem Begrüßungsschreiben ihre Zustimmung zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft, die sie als organisatorische Notwendigkeit erklärte, r Den Rahmen für die Erörterungen gaben Referate von Prof. Dr. Wilhelm Stein und Paul Stein; das erste Referat beschäftigte sich vorwiegend mit den Ursachen des organisatorischen Rückganges, dem unbedingt gesteuert werden müsse; Herr Paul Stein machte eine Reihe (in unserem Blatte bereits dargelegter. Die Red.) Vorschläge zur Bildung einer europäischen Arbeitsgemeinschaft. An die Referate schloß sich eine eingehende, alle aktuellen organisatorischen Fragen behandelnde Aussprache, an der sich sämtliche Delegierten beteiligten. Mit S t i m m e n e i n h e 11 i gkeit wurden dann die folgenden drei Resolutionen gefaßt: 1. Die am 14. Oktober 1928 abgehaltene Konferenz der Vertreter der Zionistischen Leitungen von Jugoslawien, Kronpolen, Ossterre ch, Ostgalizien, Polnsch-Schlesien, Transsylvanien, Tschechoslowakei, Westgalizien begrüßen den Vorschlag zur Gründung einer Arbeitegemeinschait der zionistischen Landesorganisationen Europas. 2. Die Konferenz betrachtet als eine der wichtigsten Aufgaben der zu bildenden Arbeitsgemeinschaft, die Autorität der gewählten Instanzen der Weltorganisation sowie der Landesorganisationen aufrechtzuerhalten und den Geist der Disziplin als Grundlage einer jeden gesunden zionistischen Organisation ijum vollen Rechte zu verhelfen. Streng orfch. 1VD Gef ü$elhaudlung unter Aufsicht der Adas Jsroel Zu jcilsp Tageszuit feiscii geäraienss 6a sl Ungarisches Mastgeflü’el von bester Qualität Emanttsl Schlesinger II , Groß« Scnitfgasse 5 Tel. ß 40 5-00 3. In diesem Zusammenhänge betont die Konferenz die Notwendigkeit einer interterritorialen Propagendaarbeit, welche durch Austausch von Rednern sowie durch Anwendung aller modernen Methoden der Propaganda durch eine zu schaffende Zentrale im Sinne der Bestrebungen der zionistischen Gesamtexekutive betrieben werden soll. Zum Sitz für die gemäß diesen Resolutionen zu schaffende Arbeitsgemeinschaft ist für die erste Arbeitsperiode derselben Wien ausersehen. Die neue, erstmalig ßtberterritoriate Form zionistisch-orgamsatorischer Zusammenfassung wird in einer in der Zeit einzuberufenden Konferenz, an der s ä m 11 i c h e zustimmenden Organisationen direkt vertreten sein sollen, festgesetzt werden. Die «Helden» von Wiener-Neustadt Ans Wiener-Neustadt wird uns geschrieben: Der große Tag des 7. Oktober Ist vorüber, Angst und Besorgnis Ist gewichen und mit unbefangenem Sinne kann das Vergangene betrachtet werden. Wenn man so ln der Bevölkerung berurnhorchte, so konnte man allenthalben beobachten, daß eine Partei, oder besser gesagt, die Anhänger einer Partei, sich vor denen der anderen fürchtete. Ganz ängstliche Gemüter besorgten, es werde der Tag mit Mord, Brand, Plünderung und Schändung enden. Die Vorbilder der russischen Invasion aus der «großen Zeit» tauchten in der Erinnerung '»uf. Was Wunder, wenn es eine Anzahl von Juden gab, welche nicht nur an Flucht dachten, sondern auch die Flucht ergriffen. Hatten doch die Heim wehr blätter und die blutrünstigen Aufrufe der Wiener Antisemiten damit gedroht, daß cs nunmehr gegen die j Juden gehe. Daß solche aufgeregte und gefahrdrohende Zeiten auch komische Blüten treiben, kann darum ebenfalls nicht verwundern. So bat die hiesige Kuitusgemeinde, wiewohl die Leitung sich als orthodoxe schwärzesten und reinsten Wassers gebärdet, den Gottesdien st anläßlich des Slmchas-Thora-Festes abgesagt, wiewohl das Gotteshaus außerhalb der gefährdeten, bezw. neutralen Zone lag. Der Vorsteher wie dessen Stellevertreter, welche sonst ln der Ratsstube nur allzu große Helden sind, hatten den besseren Teil der Tapferkeit erkoren und schon einige Tage vorher das Welte gesucht. Der Stellvertreter hatte sogar bezahlte Privatwache auigesteUt und Schläuche an Amerikanisches I Kleider-Abonnement t Dauer 2 Jahre Kleider bleiben ihr Eigentum Monatlich S 60. - 1 1 Frühjahrs-Ulster Instandhaltung kostenlos Verlangen Sie Prospekt I Bei Einzelbestellung Zafcluneserlelchfevung American Taüor* Brüder Koch o. m. e. m. Nachfolger Max Alter VI.» Mariahilf* rstr. 17 (Mezzanin) t Fernruf B-29-4-84 der Wasserleitung angebracht. Von einem anderen Vorstandsmitglied wird erzählt, er habe die gastliche Stadt mit seiner Firmentafel unter dem Arm verlassen. Könnte man schon über solche Einzelerscheinungen herzlich lachen, so ist es umso mehr zu verurteilen, wenn in einer solchen, Insbesondere für die Juden gefahrdrohenden Situation ein Hüter seinen Posten verläßt, welcher Ihn nicht oder nur zuletzt verlassen durfte. Das geistliche Oberhaupt, ein Preßburger Zögling, der mit seinem hiesigen und sonstigen Anhang auf die «Pollschen» so gerne von oben herabsieht, hätte sich aus der jüdischen Geschichte, die er zu kennen vorgibt, Muster nehmen können, wie In ernsten und gefahrvollen Tagen die «teure* und «geliebte» Gemeinde vom Raw gestützt und geführt wird. Der hiesige zog es vor, vor allem sich ln Sicherheit zu bringen. Exempla trahunt. Auch der Ohasen und der Scbames folgten dem weisen Beispiel, ließen Weib und Kind zurück und gaben Fersengeld. Wie heißt das Sprichwort: «Das hamokom, das hakohol-» Kamm errat Moriz Kohn — 50 Jahre alt Vor kurzem vollendete der In Wien bestbekannte Kammerrat Moriz K o h n sein SO. Lebensjahr. Kammerrat Kohn. der bis zum Jahre 1927 der Bezirksvertretung Mariabllf angehörte, Ist eine angesehene Persönlichkeit in der österreichischen Handelswelt. Feit vielen Jahren steht er aktiv in der zionistischen Bewegung, gehörte dem Präsidium der zionistischen Sektion Vl—VIII und dem Parteirat der österreichischen Organisation an. Aus Anlaß seines oO. Geburtstages empfing der allseits beliebte Jubilar zahlreiche Glückwünsche und Beweise der aufrichtigen Sympathie, deren er sieb in den weitesten Kreisen erfreut: auch das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich, sowie die Leiter des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth brachj ten dem ausgezeichneten Gesinnungsgenossen ihre auf- 1 richtigen Glückwünsche dar. Wochen-Kalender 1 ' Okt. 1928 I Gedenktage n»n »"Bin 18 Bonnerstag lööa — der Philosoph tleuri Berg* Bon in Paris geboren. 1808 — der jüdische Romanand KovoUemMcliter Moses von Wassermann In Stuttgart gestorben. 1899 — der italienische Dichter nnd Patriot David Levf (Hauptwerk das Drama „11 Profeta“) gestorben. r 1 19 Freitag 1870 — der hervorragende Meteorologe Karl Jelinek. Direktor der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie, ln Wien gestorben. 1SM — der berühmte Orientallst James Darmesteter gestorben. 5-n SO <820 der Dyrlker und Novellist Wilhelm Wolfsohn in Odesra Samstflg ffeboren. 6-1 Haftarabt rsn akstsh 21 Sonntag 1847 — Edvard Brandes, dänischer Finanzmlnister, in Kopenhagen gehören. 22 Montag 1848 — Moses Leib Lillcnblum, berühmter hebräischer Schriftsteller, in Keldnn bei Kowno geboren. 8~n 24 Dienstag 1887 — der bahnbrechende Dermatologe an der Wiener Universität Professor Morlti Kaposi In Kaposvar (Ungarn) geboren. 1374 — der bekannte Vorkämpfer der Reform Dr. Abraham Geiger In Berlin jestorben. 9-63 24 1 Mittwoch 1784 — Moses Montofloce In Livorno geboren. 10 — > Kleine Nachrichten Wie aus Kapstadt gemeldet wird, Ist dort der Führer der südafrikanischen Zionisten Idel S c h w a r t z, Mitglied des Aktionskomitees, plötzlich verstorben. (Idel I Schwartz wohnte mehreren Zionistenkongressen, zuletzt dem j Baseler Kongreß hn Jahre 1927, bei. Vor einigen Jahren ' stiftete er für die Hebräische Universität 5000 Pfund. Die Red.) * In den nächsten Tagen kann das vom Jfewish Board of Depaties und der Anglo Jewish Association begründete Joint Foreign Committee, das für die Rechte der Juden in allen Ländern eintritt, das 50jährige Jubiläum seines Bestandes begehen. Die Jubiläumsfeier wird am 21. Oktober lm Westminster-Palais in London stattfinden. Das Landeskomiteee der Zet’re Zion in Lettland hat Df. Jakob H e 11 m a ri n, einen der Führer der zionistischen Arbeitspartei Hitachduth und Redakteur der Tageszeitung «Frimorgen», Mitglied des zionistischen Aktionskomitee, aus der Partei ausgeschlossen. Grund zu dieser Maßnahme, die in Lettland ungeheures Aufsehen erregt, gab »Mit aus Anlaß der letzten Parlamentswahlen von Dr. Hellmann veröffentlichter Artikel, in welchem er im Interesse der B,emokratie die jüdischen Wähler aufforderte, der Parlamentskandidatenliste auf dem Wahlzettel den Namen des Buuc d i s t e n J. Rabbinowitsch h.inzuzufügen. * Seit mehreren Tagen wird die Judenschaft des litauischen Städtchen Zarschunischok (Kreis Troky) von Hnligans terrorisiert, die die Schilder der jüdischer Geschäfte beschmutzen, die Fenster in den jüdischen Hä-usem ausschiagen und jüdische Passanten schwer m 1 ßhandeln. Im Orte selbst und in der weiteren Umgebung gibt es keine Polizei, die den Huligans entgegen treten könnte. Das britische Unterhausmitglied Colonel Wedgwood, welcher seinerzeit dem Kabinett Macdonald angehörte, bat sich, wie schon in früheren Jahren, so auch jetzt der Propaganda für den Palästina-Aufbaufonds, dt*1 Keren Hajessod, zur Verfügung gestellt und bereist Deutschland und Rumänien. Er hat am 15. Oktober seinen ersten Propagandavortrag in Berlin gehalten, der massenhaft besucht war. An der V o!k s u n i v e r s i t ä t der belgischen Arbeiter* partei in Antwerpen wurden Kurse für Hebräisch ein geführt. Leiterin der Kurse ist die palästinensische Lehrerin FrL Bergmann. Die Kurse haben großen Zuspruch. Der Präsident der Zionistischen Weltexekuflve Nahum Sokolow wird demnächst nach Athen reisen, um mit dem griechischen Premierminister V e n i z e 1 o s zusamanenzutreffsn. Die bevorstehende Reise Sokolows steht tm Z»*- sammenbang mit den bei der Zionistischen Weltexekutive eingelaufcnen Klagen der zionistischen Organisation Griechenlands, betreffend die Behlnder u n g der zionistischen Arbeit. i * Dr. Max K1 u in e 1, der seit vielen Jahren in der jüdischen Genossenschaftsbewegung in Polen hervon/agend tätig ist und seit 1921 an der Spitze des Zentralinstituts der j jüd'scli -:i Kr:d‘tgenossenschaften, der «Bank der Kooperativen», steht, hat diese Stelle zurückgelegt. Die Tätigkeit der Bank soll reorganisiert werden. Unverlangte Manuskripte, denen kein Kädkporit befliegt, werden nicht znrückgeeendet.