Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1928)
- Date
- 1928-10-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nf. 42 PIE STIMME Seite 3 suche unternommen, um die mißlichen Reibung«* flächen aus der Welt zu schaffen. Leider scheiter* ten die damaligen Verhandlungen an dem Widerstand gewisser arabischer Kreise und vielleicht auch — ich möchte dies nicht mit Bestimmtheit behaupten — an dem ungenügenden Nachdruck, mit dem diese Angelegenheit von der zionistischen Oeffentlichkeit behandelt wurde. Jedenfalls wünsche und hoffe ich, daß es diesmal zu einer endgültigen, Juden und Araber befriedigenden Lösung des Klagemauerproblems, im Interesse der Inneren Ruhe des Landes, kommen wird. Man muß kein ausgesprochener Zionist sein — ich selbst stand und stehe auch heute noch mit anderen jüdischen Organisationen und Gruppen in freundschaftlicher Beziehung —, uni wahrheitsgemäß anzuerkennen, daß der Zustrom an jüdischem Kapital, jüdischer Energie und jüdischem Idealismus, der das wüste Land befruchtete, für die Araber ebenso wie für die Juden einen wahren Segen bedeutet —• und es ist nur eine Frage der Zeit und des Taktes, wie man den Wert und die hohe Bedeutung der jüdischen Aufbauarbeit in Erez Israel für die gesamte Landesbevölkerung auch den. nichtjüdischen Kreisen möglichst schmerzlos und mit Schonung gewisser. Neidempfindungen zum Bewußtsein bringen kann, ln dieser Richtung müssen die Bemühungen auf all en an der Entwicklung des Landes interessierten Seiten unablässig fortgesetzt werden. «Ich selbst» — beschloß Sir Storrs die in h e b r ä ischer und englischer Sprache geführte Unterhaltung — «gehe jetzt in mein neues Amtsgebiet Cypern, halte aber nach wie vor enge Verbindung mit zahlreichen jüdischen Persönlichkeiten Palästinas und anderen Ländern aufrecht. Ich werde mich freuen, bei jeder passenden Gelegenheit der Idee einer jüdisch-arabischen Verständigung dienen zu können und werde es mit besonderer Befriedigung begrüßen, wenn es gelingen wird, auch das leidige Kiagemauerproblem, mit dem auch mein Name in oft mißverständlicher Weise in Verbindung gebracht wurde, einer dauernden Lösung zuzuführen». Der Völkerbund wird eingrelfen? In einer in London abgehaltenen Pressekonferenz, »rs der die nächsten politischen Aufgaben der zionistischen Exekutive (über die unser Londoner K. H.-Berichterstatter bereits in der letzten Nummer unseres Blattes berichtet hat. — Die Red.) dargelegt wurden, gab das neue Mitglied der Exekutive, Prof. B r o d e t sk'y, auch zu dem Zwischenfall an der Klagemauer eine Erklärung ab; in der er m a. ausführte, selbst wenn zugegeben werden müßte, daß die betenden Juden irgendwelchen technischen'Fehler begangen hätten, müßte man die Aktion der Polizei als in jeder Hinsicht ungerechtfertigt empfinden; er identifiziere sich vollkommen mit den Protesten der Zionisten und anderer Teile der Judenheit in Palästina. Dr. Weizmann hat beim K o I an i a I a m t die notwendigen Schritte ergriffen, es bestehe keinesfalls die Absicht, den Zwischenfall ohne weiteres auf sich betuhen zu lassen. Das Problem der Klagemauer müsse endlich eine definitive Lösung finden; es wird erwartet, daß auch der V ö 1 k e r b u n d e i n g r e i f e n wird. Die Zionistische Exekutive wird dem Völkerbund durch Vermittlung des High Commissioners in Palästina bereits anläßlich der am 26. Oktober beginnenden Sitzung der Mandatskommission eine Petition Überreichen. In größerer Ausführlichkeit, unter Darlegung, der geschichtlichen Verknüpfung der Judenheit mit der Klagemauer und unter Erörterung der Bestimmungen des Mandats über die «Heiligen Stätten», soll die Frage in einem Memorandum behandelt werden, das zu der Sitzung der Mandatskommission im Juni 1929 eingereicht werden wird. Ferner wird die Zionistische Exekutive Maßnahmen treffen, daß die Frage im britischen Parlament durch ein einflußreiches Mitglied des Hauses zur Sprache gebracht wird. Der Oberste moslemltische Rat fordert eine Status-quo- Erklärung Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Mitglieder, des Obersten Rates der Moslemiten besuchten den stellvertretenden Oberkommissär für Palästina, Herrn H. C. Luke, und ersuchten ihn, eine Erklärung der Regierung zu veröffentlichen, wonach derStatusquoan der K Jagemau er gegenüber den jüdischen Ansprüchen gewahrt werden wird. In Jerusalem sind Abordnungen arabischer Gemeinschaften aus Palästina und Transjordanien ein- SCHIRnE Ä sssm MONIT l , Hoher Markf 3 getroffen, die beim Obersten Rat der Moslemiten vorspracheri und ihn aüfforderten, eine Status-quo-Erklärung der Regierung bezüglich der Klagemauer durchzusetzen. Ansprüche marokkanischer Juden auf die Tempelmauer ln Jerusalem wird behauptet, daß der Sultan von Marokko seinerzeit das Grundstück vor der Klagemauer, auf dem sich jetzt Häuschen der Moslemiten befinden, käuflich erworben und es dann der gesamten marokkanischen Gemeinde Jerusalem s, die Juden inbegriffen, zum Geschenk gemacht hat. Auf Grund dieser Dokumente erheben jetzt die aus Marokko stammenden Jerusalemer Juden den Anspruch, daß ihnen ihr Teil an dem Grundstück zur Verfügung gestellt werde. Sie wandten sich an einen bekannten arabischen Juristen, der ihre Ansprüche rechtlich vertreten wird. Araber versuchen, den Bau der jüdischen Landwirtschaftsschule zu stören Aus Jerusalem wird berichtet: Soeben wurde in der Nähe von M e s c h a mit dem Bau der jüdischen Landwirtschaftsschule begonnen, die von der Regierung aus der Hinterlassenschaft des jüdischen Philantropen Kadoorie errichtet wird. Während die Ingenieure und die Arbeiter mit den Vorarbeiten beschäftigt waren, versuchten in der Nachbarschaft wohnende Araber, die Weiterführung des Baues mi l Ge wa 11 zu verhindern. Polizei schritt ein und verhaftet* mehrere der Störenfriede. Die Bauarbeiten werdet! unter der Aufsicht der Polizei fortgeführf. Eine Protestversammlung in Wien Am k>. September fand, vom Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich einberufen, in den Olympiasälen m Wien eine massenhaft besuchte Protestversammlung gegen die Vorfälle, die sich am jom-Kippur an der Klagemauer in Jerusalem abgespielt haben, statt. Auch die Wiener Zionisten fühlten das Bedürfnis, zu den Vorgängen, die bei der Judenschaft der ganzen Welt Empörung und Erbitterung hervorgerufen haben, Stellung zu nehmen. Redner waren der polnische Sejmabgeordnete Dr. Leon Reich und der Stadtrat der Warschauer Gemeinde Dr. Hin des. Dr. Hmdes, der über Wunsch der Versammlungsteilnehmer jiddisch sprach, erinnerte daran, mit welchen Schwierigkeiten seinerzeit Herz! zu kämpfen hatte, wenn er m*r eine kleine Notiz über den Zionismus in der Presse veröffentlichen wollte 'Ä’te anders heute; durch die Presse der ganzen Welt gehen die Nachrichten von den Vorgängen in Palästina, von dem Unrecht, das am jüdischen Volke begangen wurde. Wir können heute mit unserer Beschwerde an den Völkerbund appellieren, das Instrument der großen Weltpohtik. Dr. Hindes kam dann auf die Lage in Erez Israel zu sprechen Noch vor zwei Jahren herrschte im Lande, so führte er aus, eine Wirtschaftskrise, welche die Juden, die nur allzu leicht zu Uebertreibungen neigen, sehr pessimistisch werden ließ. Diese Krise konnte durch eigene Kraft überwunden werden. Was wir in Palästina leisten, darf aber in der Judenschaft der Galuth nicht spurlos vorüb ergehen. Auch hier muß unsere Front einheitlich geschlossen werden. Einer der wichtigsten Faktoren zur Erreichung dieses Zieles ist die Eroberung der jüdischen Gemeinden für unsere Ideale. Nur die Idee mit einer straffen Organisation vereint können dieses Ziel erreichen. Mit dem Wunsche, daß auch die Wiener Zionisten bei dem bevorstehenden Kampf um die Wiener Kultusgemeinde dieses große Ziel erreichen mögen, schloß Dr. Hindes seine geistvolle, mit reichem Beifall angenommene Rede. Der zweite Redner des Abends, Abgeordneter Dr. R e f c h„ führte der Zuhörerschaft in rhetorisch vollendeter Rede die alte Klagemauer vor Augen, an der er vor Jahren nur alt« Juden weinen und klagen sah und stellte dazu das neue Judentum in Erez Israel in Kontrast Das ist die wunderbare Metamorphose, die wir in den letzten 30 Jahren durch die rastlose, aufopferungsvolle zionistische Arbeit durohgemacht haben. Die Idee, an der so viele skeptisch zweifelten, sie wurde von uns in Tat um,gesetzt. Sie hat uns aus einem Volke von Knechten zu einem freien Volk gemacht; wir sind aus einem Volke des Mitleids und der Gnade ein Volk des Rechtes geworden, das nicht nur demütig bitten, sondern das sein Recht fordern kann. Man wirft uns Zionisten vor, daß wir überall di.e Hegemonie anstreben. Ja, aber es ist nicht die Hegemonie der Würden, es ist die Hegemonie der Arbeit. Reicher Beifall lohnte die enthusiastischen Worte des Vortragenden. Die Versammlung nahm sodann einsiftnmig folgende Resolution an, die das Zionistische Landeskomitee dem britischen Kolonial amt und dem Sekretariat des Völkerbundes zu übermitteln beauftragt wurdet «Die am 15. Oktober 1928 Im Olympiasaale versammelten Juden Wiens haben mit Schmerz und Empörung erfahren, daß Beamte der Palästinaregierung den jüdischen Gottesdienst bei der Tempelmauer in Jerusalem am höchsten und weihevollsten Festtage der gesamten Judenheit gestört haben. Die Versammelten erheben schärfsten Protest gegen diese Verletzung der nationalen ihre Mitglieder mußten, wenn sie eine Synagoge besuchen wollten, nach Budapest fahren; die Gemeinde •war arm und hatte nicht die Mit*«!, einen Baugrund zu erwerben. Hingegen besaß der Hofschatz in Promontor riesige Grundstücke und so richtete die jüdische Gemeinde an ihren König Franz Joseph die Bitte, aus dem kaiserlichen Grundbesitz ein Stück als Baugriuü für die Synagoge zu spenden. Der Kaiser empfing die jüdische Abordnung und gewährte ihre Bitte, indem er die Zustimmung gab,daß das erbetene Grundstück für den Synagogenbau auf die jüdische Gemeinde von Promontor übertragen werde. Freudigen Herzens kehrten die Promontorer Juden heim und meldeten ihren Gemeindemitgliedern die frohe Botschaft, Als es aber dann da2u kam, von der kaiserlichen Gutsverwaltung den Schenkungsakt entgegenzunehmen, erfuhren die Promontorer Juden m Ihrem Erstaunen, daß gerade das Grundstück, das ihnen der Kaiser geschenkt hatte, bereits an andere weitergegeben worden war Abermals wandten sich die Juden von Promontor an den Kaiser, diesmal jedoch mit der Bitte, iihnen, wenn auch nicht ganz unentgeltlich, so doch wenigstens zu ermäßigtem Preis ein in der Eingabe genau bezeichnetes Stück Grundes für die Synagoge zu überlassen. Der Kaiser gab, wie die Kabinettskanzlei in einer Zuschrift vom 19. Jänner 1909 bekanntgab, auch dieser Bitte statt. Am 3, Februar wurde auch tatsächlich der Vertrag zwischen der Gutsverwaltung des kaiserlichen Hofes und der Promontorer israelitischen Kultusgemeinde, betreffend den K a u f e i n e s G r u n dstückes im Ausmaß von 350 Quadratklafter, abgeschlossen, Im Sinne dieses Kaufvertrages hatte die jüdische Gemeinde von Promontor auf dem mit 3500 Kronen festgesetzten Kaufpreis 1500 Kronen sofort j|tt «liegen und den Rest in. Raten zu tilgen, Di« 1500 Kronen wurden durch eine Sammlung aufgebracht und in die Kassa der Krongüterverwaltung eingezahlt. Mit schwerer Mühe wurde auch die erste Rate beglichen. Da ergab sich eine neue Komplikation. Die Maria- Immakuiata-Kongregation in Fiume beabsichtigte nämlich, In Promontor ein Kloster, verbunden mit einer Kirche und einem Waisenhaus, zu errichten, und wandte sich daher gleichfalls an Kaiser Franz Joseph mit der Bitte, ihr für den gedachten Zweck das erforderliche Grundstück gratis zu überlassen. Der Kaiser erfüllte auch diese Bitte und die Schenkungsurkunde wurde prompt ausgestellt. Sonderbarerweise verlangte die genannte Kongregation genau dasselbe, Grundstück, von welchem ein Teil bereits an. die Promontorer jüdische. Gemeinde verkauft worden war, weshalb dem Klosterorden wohl das ihm geschenkte Grundstück, jedoch abzüglich des kleinen Baugrundes für die .Synagoge der Promontorer Juden, überwiesen werden sollte. Die Zumutung, eine Synagoge als unmittelbare Nachbarin des Klosters zu haben, wies der Frauenorden der Maria-Immakulata-Kongregation mit Entrüstung zurück und verzichtete lieber aut den Bau des Klosters, der Kirche u»d des Waisenhauses, Jahre vergingen, die wirtschaftlichen Verhältnisse gestalteten sich so schlecht, daß die kleine Promontorer Judengemeinoe mit einm kleinen Teil des Kaufpreises im Rückstand blieb. Da jedoch im Kaufvertrag für die Abstattung der einzelnen Raten und die Tilgung des ganzen Kaufschillings keine Bestimmung enthalten ist, wartete die Gemeinde ruhig auf bessere Zeiten. Inzwischen hat die Gutsverwaltung etwa sechzig Grundstücke in Promontor an die Firma Bleyer & Weiß fix verkauft, aber auch bei diesem Kaufvertrag waren die an die Judengemeinde bereits veräußerten 350 Quadie Kronverwaltung über dieses Grundstück nicht mehr, verfügt. Vor etwa zwei bis drei Jahren hatten die Juden von Promontor die letzte Rate des Kaufpreises aufgebracht und wollten den Betrag bei der Kassa der Verwaltung der Krongüter in Promontor einzahlen. Wie überrascht waren sie jedoch, als sie hier erfuhren, daß das fragliche Grundstück überhaupt nicht Eigen Juni der Kultusgemeinde sei, daß die bisher eingezahlten Beträge nicht Teilzahlungen, sondern bloß ein V ad i u m waren, welches die Kronverwaltung großmütig, obgleich es verfallen war, inPapiergeldzurücicz u z a h 1 e n bereit sei. Die Promontorer jüdische Gemeinde konnte sich natürlich mit dieser Auffassung nicht abfinden und wandte sich an die Exkaiserin Zita persönlich mit der Bitte, der jüdischen Gemeinde zy ihrem Rechte zu verhelfen, da sie ja heute als Erbin der Krongüter hierüber zu verfügen “habe. Aber auch Exkaiserin Zita hat sich auf den sonderbaren Standpunkt gestellt, daß die jüdische Gemeinde von Promontor bloß ein Vadium und nicht einen Teil des Kaufpreises erlegt habe, da der von Kaiser Frans? Joseph bewilligte Verkauf des Grundstückes nicht als abgeschlossen zu betrachten sei, weil er die vorgeschriebene Zustimmung der Obersten Generaldirektion niemals erlangt habe. Da nun alle Versuche der jüdischen Gemeinde, auf friedlichem Wege zu ihrem Rechte zu gelangen, gescheitert sind, hat sie sich gezwungen gesehen, in einen Klage gegen die Exkaiserin Zita und ihre GQterverwaltung die Entscheidung der Gerichte anzurufer. Der interessante Prozeß, in welchem alle diese kaiserlichen Dokumente zur Verlesung gelangen werden, dürfte, wenn nicht inzwischen «fat Ausgleich zustande kommt, in etwa zwei Woche* durchgeführt werden. dratklafter Grund au« dem Verkauf ausgeschlossen da, „wie ausdrücklich betont würdig