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Die Stimme · 1928-10-11 · Heft 41 (11.10.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 41 (11.10.1928)
Date
1928-10-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 41 DIE STIMME Seite 9 'l=ISWIlBRäl«iai»aiVi « =* m Km ü I=* ■! a Ki I£ I kJ'1 H?l|3(i?«BiaWSI»f1i ZWI8CHEN PETER3PLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON «6-0-77 S&MTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KOPIEREN Pflege und Förderung jüdischer Musik Von Joachim Stutschewsky. In den Tempelgesängen und der Volksmusik besitzt das Judentum ausgeprägte musikalische Aeußerungen seines schöpferischen Genius, doch fehlte dieser Musikübung lange Zeit der Wille zur künstlerischen Gestaltung, die Durchdringung und Durcharbeitung zur Kunstform, zum Kunstwerk. Im letzten Jahrhundert haben wohl Komponisten jüdisoher Abstammung in der klassischen, romantischen und besonders in der neuzeitlichen Musik Bedeutendes geschaffen, doch bas vor kurzem gab es unter ihnen nur wenige, die innerhalb der jüdischen Gemeinschaft standen. So kommt es, daß die Werke von Mendelssohn, Meyerheer, Halevy, Rubinstein, Mahler und Schönberg als deutsche, russische, französische Musik ihre Geltung erlangt haben. Ihre Werke sind nicht unmittelbarer Ausdruck des jüdischen Volkswesens, wenn auch der unbewußte Einfluß des Blutes und Geistes vieler Generationen nicht geleugnet werden soll und darf. Was wir jedoch suchten und erstrebten, war keine europäische Musik aus jüdischem Geist und keine jüdische Musik aus europäischem Geiste, sondern eine Jüdische Musik auf jüdischem Geist und Empfinden, die den Lebens Charakter und die spezifische seelische Struktur des jüdischen Volkes auszudrücken vermag. Eine solche Renaissance der jüdischen Musik geht jetzt vor sich; der jüdische Komponist, einem neuen inneren Zentrum zustrebend, wächst immer mehr In das jüdische Milieu und findet dort eigene Melodien und Rhythmen, die ihn zu selbständigem Schaffen bringen. Nun bekommt er auch als vüdisober Musiker europäische Bedeutung. Leider verbreitet sich die Kenntnis dessen, was wir bereits an jüdischer Musdkliteratur besitzen, nur langsam und der in den letzten Jahren immer stärker aufblühenden jüdischen Musik wird vom jüdischen Publikum und auch von den jüdischen Künstlern noch viel zu wenig an Interesse entgegengebracht. Die Situation wird noch dadurch erschwert, daß die jüdischen Musiker, in der ganzen Welt zerstreut, nicht in der Lage sind, geschlossen für ihre Schöpfungen und Ideale zu wirken. Nicht einmal in Palästina kennt man die neue jüdische Musikliteratur in ausreichendem Maße. Freilich fehlt es dort an Mitteln, um Noternnateriai anzukaufen und neue Werke aufzuführen. Doch auch in der Diaspora geht es nicht besser, und es muß daher eine größere Aktivität in der Verbreitung der Kenntnis jüdischer Musik ednsetzen. Ein Schritt dazu wurde ln der «Stimme» getan, indem die Redaktion zusammen mit dem Schreiber dieser Zeilen als erste jüdische Zeitung den Fragen und Problemen der jüdischen Musdik systematische Aufmerksamkeit und Behandlung zuteil werden läßt und versucht, die Leser über das Schaffen der jüdischen Musiker in aller Welt ständig auf dem Laufenden zu halten.*) Doch die theoretische Erörterung allein genügt nicht; » darüber hinaus ist es von größter Wichtigkeit, die musika- J fischen Werke selbst erklingen zu lassen. In Wien ist nunmehr nach mehreren erfolglosen Versuchen, die früher gemacht wurden, vor einigen Monaten der «Verein zur Förderung jüdischer Musik» begründet worden, der unter dem Vorsitz von Professor Dr. Max Graf steht und.der Pflege und Verbreitung jüdischer Musik dienen will. Sein Ziel ist, die weitesten Kreise der Bevölkerung zum Besuch von Konzerten jüdischer Musik, zum Ankauf von Werken jüdisoher Komponisten anzuregen. Er beabsichtigt, im Laufe der Zeit ein genaues Bild von der Produktion der neuzeitlichen jüdischen Musik zu geben. In zyklischer Zusammenstellung, in geschlossenen oder gemischten Programmen mit einführenden Erläuterungen und Vorträgen soilen alle Gebiete der bis heute geschaffenen jüdischen Musik in Kammer-, Chor- und Orchesterkonzerten vermittelt werden. Der Verein hat nm rein künstlerische Ziele und seine Arbeit wird um so erfolgreicher sein, je mehr das jüdische Publikum aller Schichten und Anschauungen seine Bestrebungen unterstützt. Es handelt sich um die Realisierung einer Idee, die von Anfang an auf Schwierigkeiten stoßen muß. Diese Schwierigkeiten sind in erster Linie finanzieller/Art; an Personen, die sieb ganz uneigennützig der Sache widmen, fehlt es nicht. Die Mitglieder des Vorstandes und Arbeitsausschusses werden sicher keine Zeit und Mühe scheuen, um, was geiboten werden soll, den Hörern «ohrgerecht» vorzuführen. Dazu bedarf es jedoch der entsprechenden Mittel. Um den Vergleich auf möglichst breite Basis zu stellen, Ist der Mindestbeitrag für Mitglieder auf den gewiß ndoht hohen Betrag von 5 Schilling jährlich festgesetzt worden. Aus diesen kleinen Beiträgen kann der Verein die Mittel für die umfangreiche Tätigkeit, die er *) Wir freuen uns, daß die «Jüdische Rundschau» in Berlin uns auf diesem Gebiete gefolgt ist und nunmehr unter der Leitung von Frau Alice .) <i n eine Beilage «Jüdische Musik» in zwangloser Folge heraus- QM. sich zum Ziel gesetzt hat, nur erlangen, wenn er eine große Zahl von Mitgliedern hat. Wenn alle Juden Wiens ihre Pflicht gegen ihre eigenen Künstler, ihre eigene Kunst erfüllen, wird das Werk gelingen. Es ergeht daher der Ruf an die Wiener Judenschaft, durch massenhaften Beitritt ('Beitrittserklärungen können an den «Verein zur Pflege jüdischer Musik», Wien, IX., Universitätsstraßc 4, oder an die Redaktion «Die Stimme», Wien, I., Rauhensteingasse 1, gerichtet werden) die vorbereitenden Arbeiten des Vorstandes zu erleichtern und die Verwirklichung der wertvollen Bestrebungen des Vereines zu sichern. * Die erste Veranstaltung des Vereines zur Förderung jüdischer Musik findet als interner Abend Sonntag, den 14. Oktober, im Saale der Bnei-Brith-Loge (iX., Univrsitätsstraße 4) statt. Nach einleitenden Worten von Professor Max Graf gelangen musikalische Werke von Wolfsöhn, Engel, Achron, Krein, Gnessin, Mil ne r, Stutschewsky sowie Volkslieder zum Vortrag. Arno Nadels 50, Geburtstag am 3. Oktober fand in der deutschen Presse eingehende Würdigung; u. a. widmete dem Dichter, Musiker und Maler der Kunstkritiker Fritz Engel im «Berliner Tageblatt» eine ausführliche Würdigung. Am Vorabend von Nadds Geburtstag veranstaltete die Berliner zionistische Vereinigung einen. Arno-Nadel-Abend, bei dem Dr. S. Hildesheimer den'Jubilar als Künstler, Mensch un-d Jude würdigte und insbesondere auf seine Arbeiten zw Wiederentdeckung des jüdischen VoJksliederschatzes und zur Erforschung der jüdischen synagogalen Musik hin wies. Oberkantor Leo G’o Han in brachte von Nadel bearbeitete alte synagogale Gesänge zum Vortrag, Nützen Sie noch die n ihren Körper aus! OER HERBST IST □IE SCHÖNSTE ZEIT FÜR TENNIS ERSTKLASSIGE TENNISPLÄTZE II., TABORSTRASSE NR. 63 a, AUGARTEN TELEPHON NR. R-46-1-44 Hochmodern ♦ Zentralheizung ♦ Garderoben ♦ Schließkösten ♦ Kalte und warme Duschen « Parkklub-Trainer Sorgfältigster Unterricht Bei Berufung auf die „STIMME" Begünstigung Gad S h e I a s o rezitierte aus Nadels Lyrik, worauf Herr Felix S t ö ß i n g e r die dichterische Persönlichkeit Nadels umriß und einen Uaberblick über sein Lebenswerk gab. Zum i Schluß hörte man noch «Die jüdischen Lieder» Nadels, vorgetragen von der Sängerin Rahel Ermolnikoff, weitere Rezitationen von Gad Shelaso und Vo-lksliedervorträge in Nadels Bearbeitung von G o 11 a n i n. An dem gleichen Abend veranstaltete der Deutsche Rundfunk eine Arno Nadel gewidmete Stunde. Der Kritiker Alfred Kerr hielt den einleitenden Vortrag, die Schauspielerin Gertnud Eysoldt las aus Nadels Dichtungen. * Kunstchronik Ein Memoirenwerk von Professor Dubnow. In kurzem erscheint in Warschau ein neues Buch von dem jüdischen Historiker Professor Simon Dubnow, das den Titel führt: «Von Jargon zu Jiddisch.» Es enthält bisher unveröffentlichte Erinnerungen des hervorragenden Geschichtsschreibers und Denkers. Das Jubiläum der Czcrnowitzer Spracbkonferenz wurde aun 29. September in Czernowitz feierlich begangen* Einer Festversaromlung, in der u. a. der Leiter des Wilnaer jiddischen Sprachinstituts Salanan R c i s i n sowie der Folklorist N. P r i 1 u c k i sprachen und Glückwünsche aus allen Teilen der Welt, darunter von den repräsentativen Vertretern der jiddischen Literatur verlesen wurden, folgten eine Matinde, eine Volksversammlung sowie ein Festbankett. Mit einer Festakademic wurden die Feierlichkeiten geschlossen. Scholem Alechems «Schatzgräber», eine Komödie, die im Jahre 1906 entstanden ist, aber verschollen blieb, gelangt durch die «Wilnaer Truppe» in Warschau als zweite Novität der letzt beginnenden Saison zur Uraufführung- Die erste Neuauffübrung der «Wilnaer» wird, wie bereits berichtet, Ferez* «Die Nacht auf dem alten Markt» in der Inszenierung von David Hermann sein. Die jüdische Theatersaison in New York hat am 16. Septembr begonnen. An diesem Tage öffneten neun jüdische Theater ihre Pforten, und zwar Morris Sohwartz4 Kunsttheater mit Schalom Asch's «Glaubensmartyrium», das Volkstheater mit Llblns «Die neuen Reiohen», das Second-Avenue-Tiheater mit der Rumschinsky-Operette «Das Zirkusmädel», in der Mall Picon die Hauptrolle spielt Richard Herzog, II, Kleine Pfarrg. 28 / Tel. R 23-4-90 ■ 11 ■IIWIIBMWMMMMW———■— ferner das Public-Theater, das National-Theater, das Prospekt-Theater, Gabels Peoples-Theater, das Lyric- Thcater und das Hopkinson-Theater. Unter den neun Bühnen sind acht Operetten- und Melodramentheater. Sohwartz4 Kunsttheater, das wieder als einziges die ernste dramatische Produktion bringt, gehört für die Saison 1928/29 Abraham Morewski als Regisseur und Schauspieler au. Er wird u. a* Leonid Andrejews «Der^die Ohrfeigen kriegt» und A. Kacisnes «Dukus» inszenieren. Ein Sammelbuch über den Sabbat. Eine Gruppe hebräischer Schriftsteller mit Bialik an der Spitze bereitet ein Sammelbuch über den Sabbat vor, das die schönsten Aeußerungen über den Sabbat umfassen soll. Zehn Jahre «Habimah». Aus Anlaß des Jubiläums des zehnjährigen Bestandes hat das hebräische Theater «Haibimah», das jetzt in Palästina seinen Sitz hat, von der Stadtgemeinde T e 1A w i w ein Grundstück zum Bau eines eigenen Theaters zum Geschenk erhalten. Die Jubiläumsfeier erfolgt am 8. Oktober mit einer Festvorstellung des «Habimah'-Ensemblcs. Unter dem Vorsitz von Ch. N. Bialik hat sich ein Ehrenkomitee für die sonstigen Jubiläumsfeierlichkeiten gebildet, dem u. a. der russische Regisseur und Gründer des Moskauer Künsticrtheaters C. Stanis la wski angehört, welcher sich auch um die Gründung der «Habimah» große Verdienste erworben hat. Die polnischen Schriftsteller ehren Schalom Ascb. Der polnische P. E. N-nKlub gab zu Ehren des in Warschau weilenden jüdischen Dichters Schalom Asch ein Bankett. Bei dieser Gelegenheit haben sich die repräsentativen polnischen und jüdischen Schriftsteller zum erstenmal auf gesellschaftlichem Boden getroffen. Der Veranstaltung wohnten die bekanntesten polnischen Schriftsteller, wie Sieroszewski, Gottei, Lechon, Kaden-Bandrowski und andere bei. Kaden-Bandrowaki fungierte als Toastmeister und nannte Schalom Asch den «großen jüdischen Poeten und Ehrenmitglied des Weft-P. E. N.-KIubs». Schalom Asch antwortete hi einer eindrucksvollen Dankrede. Wiener Aufführung eines Streichquartetts von Ernest Blocb. Das Wiener Rothschild-Quartett hat ln das Programm der Konzerte, die es ln der jetzt beginnenden Saison in Wien absolvieren wird, edn Streichquartett des jüdischen Musikers Ernest Bloch, ein Frühwerk de» Komponisten, ausgenommen. Jüdisches Theater in der RolandbUhne. Die Jüdische Bühne (Direktion Podzamcze) hat die Rolandbuhne, 2. Bezirk, Praterstraße, vorläufig für ein Jahr gepachtet. Die Spielzeit wurde vorige Woche eröffnet. Neu verpflichtet wurde der bekannte Bukarester Opernsänger Bravianu L u d o v i c. Außerdem wird die berühmte jüdische Schauspielerin Mali Picon aus New York im Dezember 4n der Rolandbühne gastieren. In der kommenden Woche wird aufgeführt: Von Freitag, den 12., bis Sonntag, den 14- Oktober, «Die drei Matunes», Legende in drei Akten von J. L. Perez, Musik von Ch. Wo!fsthal. Montag, 15. Oktober: «Der grüne Bücher», Komödie mit Gesang in vier Akten von Scharr (Titelrolle L. Glücksmanu). Dienstag, 16. Oktober: «Die rumänische C h a s e n e», Komödie in drei Akten von Söhorr, mit Lora Glücksmann, Bravianu Ludovic und der Tanz-, gruppe Dreiblatt Mittwoch, 17- Oktober: «B o rg mir dein Weib», Komödie in drei Akten von Schorr. Donnerstag, 18. Oktober:. «S ul ami t h», historisches Lebensbild in vier Akten. Täglich Beginn 8 Uhr. Volkstümliche Preise von 1 bis 3 Schilling. Jüdisches Künstlerkabarett (II., Praterstraße 60). Die neue Spielzeit dieser Bühne hat mit reger Tätigkeit begonnen. Es wurde bereits eine Reihe bisher wenig bekannter Melodramen und Lebensbilder von Kobrin, Libin u. a. zur Aufführung gebracht. Gegenwärtig beherrscht daa dreiaktige Singspiel «Reisele ■ von China» (Text von Sigall, Musik von Perlmutter) das Repertoire. Die etwas komplizierte Familiengeschichte wird flott gespielt, gesungen und getanzt. Leopold Jungwirth, die Herren Bell und Urdck, die Damen Bell, Rosenbcrg und Weinberg sind alle Bekannte des Publikums, das ihre Dar-, bietungen herzlich und freundlich aufnimmt. Herr Nach-, bar gibt einen «chinesischen Charakter» mit eindringlicher Charakteristik. Eine alte Bühnenbekanntsohafi bester Erinnerung wird erneuert: Frau Urich, noch aus den ersten Zeiten der «Freien Jüddsohen Volksbühne» als interessante Darstellerin bekannt, zeigt (nach langer Abwesenheit von Wien) wieder ihre vornehm-delikate Kunst. Einen Komiker mit Begabung für gute Clownerie scheint die Bühne in Herrn Grimminger gewonnen zu haben. Es gab viel Beifall, der zahlreiche Wiederholungen erzwang. — Von Freitag, den 12. bis Sonntag, den 14. Oktober, gelangt das dreiaktige Lebensbild «Die neuen Reichen» von Markowicz (Musik von J. Rumschynsky) zur Aufführung. Montag, den 15., und Dienstag, den 16. Oktober, «Masel Tow», Lebensbild in drei Akten, von Libiin (Musik OOOOOOOOOOOOOCOCOOOOOOCOOOOfvyyxXTOGOOO Herren- und Damen-Kielder nach Mao R»!cbe 3Uff**fw»hl. Za&Unir ateh Uofc«telftk«maMn. Johann laclna Wien, YI., Mariahüferstraße 107, Tel. B S7-2-38 i I 4 I

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