Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1928)
- Date
- 1928-10-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite & DIE STIMME Nr. 41 besiedelt, trotzdem vermutlich schon damals von der einstigen Blüte nicht mehr viel übrig war. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts jedoch erreichte die Schwäche der türkischen Regierung in den syrischen Vilajets ein solches Maß, daß die tatsächlichen Herren die Bedufnenstämme waren, deren Macht bis an die Küste fühlbar war. Diese Periode ist gekennzeichnet durch einen vollkommenen Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Siedlungen und eine Vertreibung der seßhaften FcWh en. Es war für einflußreiche Bodenspekulanten ein Leichtes, große Flächen umsonst oder gegen Scheinstmrmen zu erhalten, — so ist die Familie Sursuk in den Besitz der Böden gekommen, die der Nationalfonds vor Jahren erworben hat — der größte Bodenspekulant war aber die kaiserliche Vermögensverwaltung, welche die Umgebung von Beth-Schan ins Eigentum des Sultans brachte. Die jungtürkische Revolution hat dieses Krongut in Staatsland verwandelt und der Finanzverwaltung unterstellt; init dem Friedensschluß ist die Verfügung darüber auf den Rechtsnachfolger, die britische Administration, übergegangen. Im ganzen handelt es sich um rund 400.000 Dunam, die zur Zeit der Okkupation durch die Engländer als Staatsland zu bezeichnen waren. Man darf aber nicht vergessen, daß der faktische Besitz an diesen Böden schon vorher teilweise auf Pächter übergegangen ist. Es haben sich ln den Jahrzehnten der Krongutverwaltung unter den verschiedensten Rechtstiteln Fellachen dort niedergelassen, neue Dörfer sind gegründet worden und das heutige Beth Schan Ist eigentlich selbst eine solche Siedlung. Es dürften aber etwa 200.000 Dunam noch verfügbar sein, immerhin so viel, wie der jüdische Nationalfonds insgesamt bisher um teures Geld erworben hat. Die noch freien Böden dürften für die Anlage von Pflanzungen nicht minderwertig sein, aber die Eroberung für moderne Landwirtschaftsinethoden dürfte nicht zu billig kommen. Sträucher und Büsche bedecken weite Flä- Ueber den Ursprung der jüdischen Namen Von Löbl Taubes.*) Ana <kw teÄratkBscben Periode sind außer den Namen AkSöa and Alexander, heute noch folgende im Gebrauch, and zwar» Alba, Ghana (nicht zu verwechseln mit dem biblischen Frauennamen Channah), Chankia, Moir, Naohman und Tanchum. Audi wird der Name Schamal, der allerdings zur biblischen Periode gehört.1 in der talmudisohen Literatur aber eine andere, mehr aramäische Scbretöbefortn bekam, heute nicht mehr in seiner ursprünglichen biblischen, sondern eben in der talmudischen Form geschrieben. Möglicherweise ist auch der zwar weniger, aber tameriiin gebräuchliche jüdische Name Godel auf das takmudlscbe Cjidcl zurückzuführen; eher wird er seinen Ursprung in den mit God (Gott) zusammengesetzten deutschen Namen, wie Godebald, Godwin u. dgl. finden. Zn der Groppe nicht biblischer, aber hebräischer Namen, die in dem Aufsatz angeführt werden, äst zu bemerken, daß der Name Sc ha lo an (Frieden) zweifelsohne eine Umstellung des Vokals äst vom bibiisohen Schalum; der Name Melech (König) nur eine Abkürzung darstellt, von jenen mit diesem Worte zusammengesetzten biblischen Namen, wie Afei-melech (Vater König), Achi-melcch (Bruder König) und EM-melch (Gott-König). Aehniiche Abkürzungen bilden schon 4n der Bibel selbst die Namen Chanan, Nathan u. dgl. Der an die deutschen Ticrnamen an gelehnte jüdische Vorname Wolf Ist bis zum heutigen Tage ein vielgebrauchter deutscher Vorname geblieben. Ebenso der Naane L fl w (Leo) und Bär (B e r n). Auch werden sie sehr häufig ln verschiedenen Zusammensetzungen verwendet, ■wie Leonhard (Löwenstarke), Bernhard (BäTstarke), Wolfhart (Wolfstarke) und viele andere. Nicht selten findet sich ira deutschen Namenschatz auch die Zusammensohließung zweier Tiernamen zu einem einheitlichen Vornamen, zum Beispiel Beroulf, auch Beruh" (Bär-Wolf), Wolfram (Wolf- Rabe) u. dgL Im Gebrauch steht auch als jüdischer Vorname der deutsche Falk (Falik) u. a. m. Bemerkenswert aber ist, daß die Verwendung von Tiernamen als Mensohennamen schon in der biblischen Periode sehr häufig im Gebrauch war, und zwar sowohl als Männerwie auch als Frauennamen. So unter anderen die eben vorher genannten deutschen (und jüdischen) Namen Löwe (Arie) und Wolf (Seew), dann: Ajah (Habicht), Chamor (Esel), Chulda (Maulwurf), Deborah (Biene), Jona (Taube), Orew (Rabe), PaTOSoh (Floh), Rachel (Schaf), Zippor, in der weiblichen Form Zipporah (Vogel) u. a. m- Der im Osten geläufige Name S a n w e 1 ist nichts anderes als eine korrumpierte Leseart des biblischen Samuel, da das «u», namentlich irn lateinischen Alphabet, dem «v» — «w» ähnlich Ist. Bezeichnenderweise lautet der sogenannte ' sc hem bakodesclp (heiliger Name), worüber *) Zu döit unter dem oben angeführten Titel in Nr. 39 unseres Blattes veröffentlichten Darlegungen ist uns eine Reihe von Zuschriften zugekommen, von denen eine in unserer letzten Nummer publiziert wurde. Wir veröffentlichen heutu die grundlegenden Bemerkungen von Löbl Taubes, einem Kenner der einschlägigen Materie, und schließen damit die philologische Diskussion, welche der kleine Aufsatz in Nr. hervorgernfe» hateben, großzügige Drainageartoeiten müssen durclrgeführt werden. Was den Böden aber einen besonderen Wert verleiht, ist die Möglichkeit leichter Bewässerung. Das in der Gegend von Beth Schan verfügbare Bewässerung:;; i! wird auf rund 85.000 Dunam geschätzt (mehr als im Küstengürtel bisher als Orangenpflanzungen angelegt ist). Es besteht kein Zweifel, daß das Klima im Verein mit dem Wasser günstige landwirtschaftliche Möglichkeiten bietet, vor allem dürfte die Bananenkultur in diesem Gebiete viel Aussichten haben. Doch dies alles ist noch Zukunftsmusik. Man muß sich darüber klar sein, daß, selbst wenn die Regierung zu einer Lösung der Frage der Bet-Schan- Böden kommt, die dem von den Juden vertretenen Rechtsverhältnis entspricht, damit nur ein erster Schritt zu einer verstärkten Kolonisation gemacht ist. Der zweite ist die mit finanziellen und physischen Anstrengungen durchzuführende Besiedlung. Die Palästina-Einwanderung im Juli. Im Monat Juli kamen 193 Einwanderer, unter ihnen 13 7 Juden, nach Palästina, (im Juni betrug die Einwandcrungszifier 216, wovon 143 Juden waren.) * Die Palästina-Regierung hat mit der Anlegung einer Luftfahrtstatdon und der Erbauung eines Aero- ' droms ln der Nähe von Kelandia, 10 Kilometer nördlich von Jerusalem, begonnen. * Die von New Yorker Juden begründete «Aohusa Aleph», die bereits die Kolonie Raananah in der Nähe von Jaffa besitzt, hat weitere 4 00 0 Dunam für die Orangenkultur besonders geeigneten Bodens erworben. Raananah soll zu einer der größten Kolonien Palästinas ausgestaltet werden. weiter unten die Rede esra wird, vom profanen Sein wcl,' auch richtig Samuel, was also mit «Sein Wille» nichts gemein hat Wegen des Namens Scbneur (eigentlich Schnetur) ist folgendes bekannt: Wie bekannt, werden neugeborene Kinder, aus Pietät, mit Namen verstorbener Ahnen, Verwandten und auch Freunde väterlicher .oder mütterlicher Seite, benannt. Nun kam es einmal vor, daß die Eltern eines neugeborenen Knaben um den dem Kinde beizu-, legenden Namen uneinig waren. Der eine Teil plädierte für r den hebräischen Namen Uri (Licht), der zweite für den aramäischen Scheraga (ebenfalls Licht). Und da einigten sie sich auf den Namen Sdhner-Ur, das heißt doppeltes Licht (Seltner —• zwei, Ur — Licht). Wien I., MotentuvwmsivaßeJZ&.2Z!Dte beste und billigste Quelle Hinfieits preise ui Wm - Der Jüdfeöh« Name H e n o c b Ist der hebräische, richtiger der biblische Name Chanoch in seiner deutschen Transkription. Ebenso wie z. B. Isaak die Transkription vom biblischen Jizchak, Simon von Schimon, Samuel vou Schetnuel u. dgl. Audi der deutsche Namensschatz, der bekanntlich eine Unmasse hebräischer, namentlich biblischer Namen aufgenommen hat — bei weitem viel mehr, als wir Juden diese im Gebrauch haben — besitzt diesen Namen und bezeichnet Ihn als das, was er wirklich ist, als hebräisch. Auch lautet dessen «Schem-hakodesch» ganz rieh tig Chanoch. Der Name B e r o c h a (Segen) gehört ebenfalls zur Kategorie der biblischen und wird, trotz seiner weiblichen Form, als Männername angeführt, kommt aber viel häufiger in der männlichen Form Baruclt in der Bibel vor. Auch der Name Malka (Königin) ist biblischen Ursprungs, nur lautete die Leseart Milka. In dieser letzteren Form fand er auch seine Aufnahme im deutschen Namen schätz. Zum Schlüsse noch ein Wort über den sogenannten «Schem-hakodesch'» (Heiliger Name) im Gegensatz zu« «Schem-hachol» (profaner Name). Einen wesentlichen Bestandteil der jüdischen Liturgie und des Gottesdienstes bildet das Vorlesen aus der Bibel und zwar aus einer auf Pergament mit besonderer Behutsamkeit handschriftlich geschriebenen Rolle, welche alle fünf Bücher Mosis umfaßt. Zu diesen Bibelvorlesungen, die an jedem Samstag, an den Neumonds- und Feiertagen und auch am Montag und Donnerstag vorgenommen werden, werden jedesmal auf der Mitte der beim Gottesdienst Anwesenden einzelne Leute «aufgerufen», welche dabei einen bestimmten Segensspruch sagen und dem vorgelesenen Abschnitt mit besonderer Andacht zuhören. Dieser «Aufruf zur Thora» erfofgt nach alter Sitte und Tradition mit dem Namen des hiezu Auserwählten und dem seines VateTs: «Es steige auf Rabbi N. N. der tSohti des Rabbi N. N-!» Hiebei werden an Stelle der profanen Rufnamen des Betreffenden — wenn diese nicht schon an und für sich hebräisch sind — die entsprechenden hebräischen Namen gesetzt. Meistens sind es Uebersetzungen des profanen Rufnamens ins Hebräische; B äf in Dow, Löwe (Leib) i;i A r j e, Hi r s ck in Zcw'i, Wolf in Seew u. dgl. Ebenso werden abgeleitete oder korrumpierte Namen auf ihren Ursprung zurückgeführt; Schaje auf Jcschajabn, Leiser auf Eli es er, Jankei oder Jukel (auch das deutsche Koppel wie das polnische Kuba) auf. Jakob, Itzig oder Eisik (englische Leseart von Isaak) auf, Jizchak u. dgl. — und. dies bildet eben den «Schern hakodesoh». Bemerkenswert ist, daß manchmal auch, fremdsprachige Namen, als . Schern - hakodesch in Verwendung kommen. Zum aramäischen Scheraga (Licht), das ebenso wie.das hebräische Uri (Licht) als «heiliger Name» für den profanen Feibisch (pliöbtis)’ in Verwendung' kommt,. gesellt sich das griechische Alexander für den davon abgekürzten jüdischen (profanen) Namen Sender und der Träger des profanen Namens Kalman wird mit dem vollen griechischen Kalonymus zur Thora-Vorlesung aufgerofen. . , , In Moskau Ist man mit dem jiddischen Staatstheater unzufrieden Der-Moskauer «Emes» bringt über die Tournee des unter der Direktion A. -Granowsky reisenden jüdischen Staatstheaters von Moskau eine Mitteilung, die geeignet ist, in den Städten, in denen das Theater bisher gespiblt hat, wie iri Paris, in Berlin, einigen deutschen Städten und in Wien nicht geringes Aufsehen zu erregen. Nach den im russischen Volkskommissariat für Volksbildung erhaltenen Informationen des Blattes bat Direktor Granowsky die Erlaubnis au seiner Europagasttaumeie nur unter der Bedingung erhalten, wenn der abztjschließmdf Vertrag vollkommene Sicherheit gewährt, daß die Tournee ohne Defizit abschließen werde. Die Verträge wurden auch vorher vom Volksbildungskommissariat begutachtet und genehmigt. Laut diesem Vertrag hätte das Theater einen reinen Nutzen von 15.000 deutschen Mark zu gesichert wlialten. Bevor jedoch das Theater Rußland verlassen hatte, wurde der Vertrag gelöst, weil die Agentur, mit welcher er geschlossen wurde, angeblich ihre Verpflichtungen nicht erfüllt hatte. Die Gastspiele in Deutschland^ Paris und Wien wunden ohne Wissen des Moskauer VolksWlctongskormnis sariates mit anderen Theateragenturen abgeschlossen. Aus dem aus Paris übersandten Bericht Granowskys gehe nun hervor, daß die Tournee ein nicht unbedeutendes Defizit aufweise, weshalb Granowsky um die Erlaubnis angesucht' hat, die Tournee in Europa bis zum 15. Februar 1929 ausdehnen und1 nachher eine längere Gastspielreise nach N o r d- und Südamerika unternehmen m dürfen. Dem Bericht und Ansuchen ist der Vertragsentwurf einer französischen Theatenfirma beigelegt, welche die amerilcaniische Tournee finanzieren soll. Das Volksbildungskonimissariat hat nun, wie «Emes» berichtet, die weiteren Gastspiele in Europa und Amerika mit Rücksicht auf das bisherige Defizit und auch in Anbetracht dessen, daß eine Amerikatourmee keinerlei Sicherheiten gewähre, bis auf weiteres sistiert, um nicht die Existenz des Theaters vollends zu gefährden. Zur Klärung der ganzen Angelegenheit wunde ein mit weitestgehenden Vollmachten ausgestatteter Delegierter des Volksbildungskommissariates ins Ausland entsendet, dem Direktor Granowsky über sein bisheriges Verhalten und Gebahren wird Rechenschaft ablegen müssen. Redaktionsschluß und Schluß der luseratenannabmo Dienstag um 12 Uhr mittags. Später ©inlangcade Einsendungen können keine Aufnahme In die laufende Nummer finden.