Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1928)
- Date
- 1928-10-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sefte6 PTB iflWMB Nr. 41 Sorgfältige Lieferung fn plombierten Sicken ton 1 Sack (50 kg) tngefanpor franko Ihrer Kotlenkitte, ebenio in Fuhren und War gon franko Keller gestellt, liefert täglich 5?Kohf< niiohshandlunü^ n, Dortieid, ii , scbaitKM Knelpaassc $ S*5fiS> terntpredier R 49-t-OO 68399 „Werktätiges" Locarno Nach homerischen Kämpfen, in denen die Schimpfworte von hüben und drüben nur so flogen, haben die «Werktätigen Juden», der vorgeschobene Posten auf der strategischen Linie vom Wiener Rathaus zur Seitenstettengasse, mit dem verhaßten «nationalen Element» der jüdischen Arbeiterschaft, den Wiener «Poale Zion», Wahlfrieden und Wahlbündnis geschlossen. Vor einigen Tagen wurde unter dem Vorsitz des jüdisch «eingestellten» Stadtrates S e v e r, dessen Namen der berüchtigte antisemitische Sever-Erlaß trägt, von den beiden Gruppen das Kultusgemeinde-Locarno geschaffen. Die Wiener «Poale Zion» werden glücklich auf der Kandidatenliste der «Werktätigen» figurieren; allerdings scheint es, daß der Preis, den sie für das Heraustreten aus ihrem bisher wenig bemerkten Dasein zu zahlen haben, etwas hoch ist. Man muß sich bloß erinnern, daß erst vor wenigen Wochen dieselben «Poale Zion», die einen Teil der zionistischen Weltorganisation bilden, wegen ihres «Nationalismus* von ihren gegenwärtigen Bundesgenossen aufs Pflaster der «Werktätigen» gesetzt wurden. Dieser «Nationalismus», ein Fundament des zionistischen Programms, welches für die «Poale Zion» bindend ist, soll nun dazu dienen, um den «werktätigen» Leugnern des jüdischen Volkstums, die in die Kultusgemeinde bloß eindringen wollen, um zu zerstören, die Möglichkeit gaben, sich in die jüdische Gasse zu wagen. Dazu gibt sich eine Gruppe der «Poale Zion»-Partei her, welche das auf dem Krakauer Zionistentag im Jahre 1909 beschlossene zionistische Kuitusgemeindeprogramm, das bis heute unverrückt in Geltung ist, in das eigene Parteiprogramm unverändert aufgenommen hat. Man muß sich vor Augen halten, daß das sogenannte Programm der «Werktätigen» das gerade Gegenteil des von der «Poale Zion»-Organisation akzeptierten Kuitusgemeindeprogramms ist, da diese fragwürdigen Anhängsel der Wiener Sozialdemokratie jedes Bekenntnis zur jüdischen Religion ebenso wie zum jüdischen Volkstum bekämpfen und lediglich darauf ausgehen, den letzten Rest von Autonomie in inneren Angelegenheiten des Judentums zu untergraben. Es muß jedem Juden irgendwelcher Einstellung, der sich nur ein Restchen jüdischen Empfindens bewahrt hat, klar sein, daß diese Schädlinge in der jüdischen Gasse nichts zu suchen haben. Man kann sich zur Frage des Klassenkampfes innerhalb des Judentums stellen, wie man will — eines ist sicher: die Kultusstube und die ihrer Arbeit vorbeftaltenen Agenden bieten keinen geeigneten Tummelplatz für klassenkämpferische Betätigung. Die soziale Arbeit und die Wahrung der Interessen der Angestellten der jüdischen Gemeinde sind ein wichtiger Punkt des zionistischen Kultusgemeindeprogramms. Glauben die Wiener «Poale Zion» trotz der Uebereinstimmung des poale-zionistischen Kultusgemeindeprogramms mit dem Krakauer, daß die sozialen Forderungen in der jüdischen Gemeindearbeit durch sie selbst wirksamer vertreten werden könnten als durch die Zionisten, so hätten sie eigene Kandidaten aufsteilen können. Sie haben dies nicht getan, sondern haben e$ vorgezogen, die Grundsätze ihrer Partei einem Bündnis mit den «Werktätigen» zu opfern, den Zerstörern des Judentums in jeder Form die Mauer zu machen, um auf dem Papier als Mandatwerber figurieren zu können. Nützen wird ihnen diese Bettgemeinschaft mit der roten Assimilation nichts. Zur Frage der „Arbeitsgemeinschaft der Landesorganisationen“ Von Prot Dr. Wilh. Stein, Wien. Der in Nummer 40 der «Stimme» von Paul Stein propagierte Gedanke einer Zusammenarbeit der zionistischen Landesorganisationen Europas liegt eigentlich längst in der Luft. Seitdem die Exekutive nach London tibersiedelt ist und ihre Tätigkeit sich in äußerer und innerer Politik und mühevoller Geldaufbringung erschöpft, sind die einzelnen Landesorganisationen .’n ihren organisatorischen, propagandistischen und kulturellen Bedürfnissen eigentlich ganz auf sich, d. h. jede auf sich selbst angewiesen. Die Zerschlagung Oesterreichs und die Schwierigkeiten der Grenzüberschreitung haben diese Isolierung noch verstärkt. Und das in einer Zeit, in der sich die zionistische Arbeit aus dem Stadium fast ausschließlicher Propagandatätigket auf die höhere SIEßJH KQHNJHEHL, GroBfleiscliliDueFBi Zentrale IX, Berggassa 19, Tel. A 17-3-99«. A 10-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für nttfD-Flelech unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien jX, Berggasse 1*> XV»ll, Wfthringerstraße 97 Stuf« sachlicher und spezialisierter Leistungen emporentwickeln mußte, um den Forderungen der zu verwirklichenden Balfour-Deklaration gerecht 2u werden. Wir können viele Hemmnisse der zionistischen sehen Galutharbeit auch beim besten Willen nur langsam und schrittweise überwinden, weil sie aus unserer Mentalität oder auch aus der besonderen Eigenart unserer Bewegung fließen. Dagegen können uns auch die radikalsten Schlagworte und Methoden nicht helfen. Zweifellos aber können wir die vorhandenen Kräfte durch eine wohlüberlegte Rationalisierung steigern, vor allem Probleme, die alle Landesorganisationen angehen, gemeinsam beraten. Die überhitzte.Stimmung der Kongresse läßt gerade die Nüchternheit und Sachlichkeit nicht aufkommen, die die unerläßliche Voraussetzung für die Festigung und selbst auch nur der Fortbestand | einer Organisation sind. Nur wer die Kleinarbeit der ■ letzten Jahre, d. h. der Zeit seit dem Abebben des gej waltigen Aufschwunges nach der Balfour-Deklaration mitgetan hat, weiß so recht von den Schierigkeiten, aber auch von den Möglichkeiten. Die Katastrophenstimmung, die die Radikalen und Revisionisten gern und oft erfolgreich verbreiteten, entspricht doch nicht so sehr der wirklichen Sachlage, als vielmehr dem Unvermögen, zwischen mehr oder minder berechtigter Kritik und den Bedingungen aufbauender Leistung zu unterscheiden. Ueber die ganz praktischen Fragen der Parteiarbeit ist eine Aussprache und Verständigung nötig. Herr Paul Stein hat ein ziemlich reichhaltiges Programm aufgestellt und es ist durchaus nicht schwer, diese Reihe zu erweitern. Fast jedes Gebiet verlangt nach Zusammenarbeit. Drei iDnge scheinen mir besonders dringlich: Gemeinschaftliche Ausbildung der Chaluzim, Austausch von Rednern und spezialisierten Vortragenden und schließlich engere persönliche Fühlungnahme der Gesinnungsgenossen, besonders der Jugendlichem der einzelnen Länder, Die erste Forderung kann im gegenwärtigen Stadium nur von den gemeinsamen Kräften der einzelnen Landesorganisationen erfüllt werden. Sowohl die Fachleute, als auch die materiellen Mittel erfordern Planmäßigkeit und Zusammenarbeit. Mit der dritten Forderung haben Jugendgruppen und Vereine wiederholt Ernst zu machen gesucht — ich erinnere an die Fahrten nach Preßburg —, ohne daß man über einzelne zufällige Versuche hinausgekommen wäre, weil eben System Wirkstätte für /essel und Tische Salongarnituren und llnzelmöbalstttcke ADLER, VII., APOLLO«. 18 Kal“V,r und Vorbereitung nötig ist; gerade damit aber ist das so oft zitierte Zusammengehörigkeitsgefühl der voneinander getrennten Judentümer zu festigen. Am leichtesten und raschesten scheint mir der Austausch von Rednern und als Spezialisten ausgebildeten Vortragenden durchführbar. Hier ist nur eine gutgeführte Evidenz der vorhandenen Kräfte and eine verläßlich arbeitende Korrespondenz nötig, um Anregung und Befruchtung zu bieten. Denn vielleicht ist augenblicklich nichts wichtiger als über die landläufigen Programmreden hinaus zu einer ernsteren und vertieften Behandlung der Probleme der Organisation, Palästinas und der Kulturarbeit zu gelangen. Jede Landesorganisation hat ihre Menschen und ihre Fachleute, die Wesentliches zu geben haben; aber auch jedes Land seine Massen, die müde geworden sind, die eigenen Leute noch einmal und immer wieder zu hören. Auf diesem Gebiet wird Sich ein Austausch ganz besonders lohnen. Im Hintergründe aber wartet die Schicksalsfrage des Galuthjudentums; das Problem der Gestaltung des jüdischen Lebens außerhalb Palästinas. Von den äußerlichen Aufgaben der Organisation, der Propaganda und der politischen Taktik her wird man sich notwendigerweise immer wieder dem Zentrum aller unserer Probleme nähern müssen. Diese Perspektive muß wohl aufgezeigt werden, wenn auch-zunächst die Forderungen der Stunde das Feld behaupten werden und es auch sollen. Vereinsnachrichten Der Verband der jüdischen Kaufteute und Gewerbetreibenden gibt bekannt, daß Zuschriften der 1 e g a 1 e n Verbandslei tun g außer der Unterschrift des Schrittführers 5. Sonnenmark die Unterschrift eines der folgenden Herren aufweisen: Kommerzialrat M. Markus, A. Taub, M. Kohn. Der Elternverein «Tarbuth» (zur Erhaltung der Hebräischen Schule, Wien, XX., Othmargasse 46, Saal 2) veranstaltet einen unentgeltlichen «Jesaja»-Kurs für Hebräischsprechende. Der Rurs findet jeden Mittwoch um 7 Uhr abends in obigem Lokal statt. Leiterin Frau Ester Schwarz. Beginn 10. Oktober. Organisation Zionistische Frauen Oesterreichs. Die Generalversammlung findet Montag den 15. d. um halb 8 Uhr Im Klubhelm der Hakoafy I., Wipplingerstraße 24, statt. Die Z. M. V, Mirjam veranstaltet Sonntag den 14. d. um 8 Uhr abend» einen GeseHschaftsabend mit Tanz ln den Sälen des Barockpalais, L Singerstraße 18. Zionistische Sektion Prater (II., Jungstraße 8). Freitag den 12. Oktober, 7 Uhr abends, beginnen in der Zion. Sektion Prater wieder die allwöchentlichen Cbumasch-Vor träge. Frei zugänglich, auch für Nichtmitglieder. Verband zionistischer Mittelschüler Samstag, den 13. d. m-, 7 Uhr abends, findet eine große Werbever satrnn- Wochen-Kalender Okt. 1928 Gedenktage nw »"Din 11 Donnerstag 1870 — der Wiege? Obembbiaer Dr. B. F. Chejes 1» Brody gebaren 27-0 11 Freitag 1837 — der berdhfi te Pee ne» Lendeerebbtner Aktbe Eger gestetben IW — der Mineraloge frei. Bmll W. G»Vn, läntdeev er der M'nen rn Klmberley, in Aakjaer (JotlsnA) gtbereu 28-na 13 Samstag 29 — 83 Bereaoh<th Heftsreh: wajomer le jehenethen 14 Sonntag 18W — ühsrlette Bmbden, die Schwester Heinrich Heines, in Hamberg gestoroen 30 —^ 1. Tag Besehchodeteh 13 Montag 1765 — der Lnsiepieldiehter Benedikt D. Arnstein in Wien geboren 188* —> der berühmte Heidelberger Mathematiker Praf Leo Königsberg« geboren pwi (Cbeeebwani l-K 9. Tag Besch* ehedeeeh 16 Dienstag 186? — der Prager Oberrabbl&et Salemen Leb Bapaport, dessen Leistingen aat dem Gebiete der jüdischen Literaturgeschichte and Ohronelogta bahnbrechend waren, gesterben 2-a IT Mittwoch 1808 — der Wiener Babbiner Irak Noah Mannheimer gestorben s-a Jung im Lokal der «Scholle», II„ Lilienbrunngasse 1 (Dianabad-Gebäude) statt, ln der Herr Dr. Löwen'herz über das Thema «Die Aufgaben der jüdischen Mittelschuljugend* sprechen wird. Jüdische Mittelschüler, erscheint in Massen! Zionistische Bezirkssektlon IV—V. Die Hebräischkurse finden derzeit 1m Schullokal, V., Siebenbrunnengasse I a, in drei Abteilungen statt, und zwar: 1. Erwachsene Anfänger, jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends. 2. Vorgeschrittene, jeden Montag und Donnerstag von 9 bis 10 Uhr abends. 3. Bin Kinderkurs. (Die Zeit für diesen Kurs wird noch bekanntgegeben werden.) Die Kurse werden von dem bekannten I eh rer Bratinf e 1 d, Absolvent des hebräischen Pädagogiums, in moderner. vorbudiicrier Weise geleitet. Ainnoiuuugen '.veixlen jeden Montag und Donnerstag, 8 bis 9 Uhr abends, in obigem LokaJ entgegengenommen, eventuell telephonisch unter Nr. B 25-3-81- Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler In Wien. Eröffnung des Wintersemesters 1928/29 mit dem ersten Konvent, welcher am Samstag, den 13. Oktober, 8 Uhr abends, stattfindet. Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 13. Oktober d. J. findet um 3 Uhr nachmittags der erste Jugendgottesdienst im Schuljahre 1928/29 für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Pazmanitentempel. Freitag, den 12. d- M., findet bei dem um 5 Uhr beginnenden Abend-Gottesdienst eine Gastpredigt des Herrn Rabbiners K. Nürnberger aus Ungarfsch-Brod statt. AmtlicheVerl au tbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Die Wahl des Kiiliusvcrstandes Interpretation des § 12, Ut. b, der Wahlordnung. Der Präsident Professor Dr. Pick hat auf eine Anfrage betreffend die im § 12 b der Wahlordnung enthaltene Bestimmung «Die Vorschläge müssen von wenigstens 100 Wahlberechtigten und den Vorgesch’agenen unterzeichnet sein» auf Grund des § 29 der Wahlordnung folgende Erläuterung bekanntgeben: Die für die Wahl als Mitglieder des Kultusvorstandes Vorgeschlagenen dürfen unter die «wenigstens 100 Wahlberechtigten», von welchen die Vorschläge unterzeichnet sein müssen, nicht eingerechnet werden. Diese Erläuterung beruht auf der Erwägung, daß die ausdrückliche Hinzufügung der Worte «und den Vorgeschlagenen» zu den Worten «von wenigstens 100 Wahlberechtigten» nur dann einen Sinn hat, wenn die Wahlvorschläge außer von den Vorgeschlagenen von noch von wenigstens 100 Wahlberechtigten unterzeichnet werden. Dagegen können die für die Wahl als Vertrauensmänner (§ 30 der Wahlordnung) Vorgeschlagenen die Wahlvorschiäge ihrer Wählergruppe gültig unterzeichnen, dieses in der Erwägung, daß, während für die Wahl des Kultusvorstandes das Gesamtgebiet von Wien einen einzigen Wahlkreis bildet, dieses Gebiet für die Wahl der Vertrauensmänner in zehn Wahlkreise eingeteilt ist, so daß in diesem Falle die Sachlage eine andere ist, als bei der Wahl der Mitglieder des Kultusvorstandes. Jugend-Gottesdienst für Volks-, Bürger Haupt- und Mittelschüler (Schülerinnen) im 1. Halbjahr des Schuljahres 1928/29 In den Synagogen: I., Seitenstettengasse 4, II., Tempelgasse 3, HI., Untere Viaduktgasse 13, V„ Siebenbrunnengasse 1 a, VI., Schmalzhofgasse 3, VIII,, Neudeggergasse 12,1X„ MUUnergasse 21, X., Humboldt-