Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1928)
- Date
- 1928-10-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 41 ntyr dTKffifP i/ic giiiyiwip Seite 9 bi diesen Tagen beging HHM ZUtopoUltf lebten 60. Geburtstag. Gr gehörte noch dem alten Ohowewa Ziofl an und arbeitete mit Professor Mandelstamm an dem Ausbau der Zionistischen Organisation fai Rußland. Er gehörte öfters dem zlonns tischen Aktionskomitee an. Nach dem Kriege siedelte er sich hi Paris an und setzt hier seine zionistische Tätigkeit fort. Br ist einer der Gründer des Keren Hajessod. Vor dem Kriege war er einer der größten Zuckerindustrlelien Südrußlands. Vor einiger Zeit wurde er wegen seiner Verdienste um die französische Industrie zum KavaMier der Ehrenlegion ernannt. Unter «Wallstreet» versteht man in der Finanzwelt aller Kontinente die New Yorker Effektenbörse, die in der Wallstreet steht, und von wo aus, seitdem Onkel Sam der Gläubiger ganz Europas geworden ist, das volkswirtschaftliche Leben in den europäischen Staaten dirigiert wird. Antisemitische Preßerzeugnisse in Europa lieben es nun, ihren uninformierten Lesern zu erzählen, daß Wallstreet ein großes jüdisches Räubernest sei, in welchem die Juden die ausschließliche Herrschaft führen. Selbst Henry Ford hat, als er noch nicht zur Ueberzeugung gekommen war, daß sein Antisemitismus seinem Geschäft abträglich sei, die Lüge, daß die Juden das gesamte Bankwesen in Amerika und selbst die großen Trusts kontrollieren, mit seinem Namen gedeckt. Als Ford seinen Antisemitismus in den Schutt seines «Autofriedhofs» geworfen hatte, erfuhr er erst an der Hand des ihm vorgelegten, einwandfreien Materials über die großen amerikanischen Industrien und Banken die ihm als unglaublich scheinende Tatsache, daß Juden in einem kaum nennenswerten Prozentsatz unter denen zu finden sind, von deren Meinung und Gebaren die großen Trusts, die Riesenindustrien und so auch Wallstreet beeinflußt werden. Wenn in solchem Zusammenhang von Juden gesprochen wird, so versteht man darunter die in den letzten 40 Jahren aus Osteuropa eingewanderten Juden. Die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nach Amerika eingewanderten deutschen Juden haben sich inzwischen so sehr assimiliert, und vom jüdischen Leben so entfernt, daß sie als jüdische Exponenten kaum mehr in Betracht kommen. Es ist . in ganz Amerika heute kaum, ein Dutzend dieser deutschamerikanischen Juden, die große Industrien und Bankhäuser kontrollieren; allerdings haben diese Juden, wie z. B. die Guggenheim, diese führende Stellung nicht durch Ankauf von Aktien, .von anderen gegründeter Industrien, sondern dadurch erworben, daß sie selbst industrielles Neuland entd e..c k t und durch eigene Arbeit und eigenen Geist in die Höhe gebracht halben. Hingegen zeigt sich in Wallstreet eine ändere, weniger erfreuliche Erscheinung. So oft es in diesem Hexenkessel zu einer Werte mordenden Explosion kommt, gehören zu den Hauptleidtragenden der Börsenkatastrophen die Einwandererklassen, und ganz besonders stellen die jüdischen Einwanderer das Hauptkontingent der wirtschaftlich Ruinierten. Diese bei jeder Börsenkatastrophe in Amerika sich wiederholende. Tatsache gibt Anlaß, ihren' Ursachen nachzuspüren, Ein im amerikanischen Wirtschaftsleben führender Jude, dessen Großvater bereits aus Deutschland eingewandert ist, äußert sich nun hierüber in interessanter Weise, indem er ausführt: «Den Beobachtern unserer wirtschaftlichen Entwicklung ist es geradezu ein Rätsel, daß gerade die eingewanderten polnischen und russischen Juden, die so schöne und große Erfolge auf verschiedenen wirtschaftlichen Gebieten in Amerika, so z. B. ln der Film- und Kinoindustrie, der Bauindustrie u. a. erzielt haben, sich also als kluge, besonnene, ja In mancher Beziehung gerissene Menschen erwiesen haben, gerade im Börsenverkehr stets die Rolle der Düpierten, der Zielscheibe gewissenloser Spekulanten spielen. Die Ursache hiefür Hegt jedoch viel tiefer, als man nach oberflächlicher Beobachtung anzunehmen geneigt ist. Die Juden sind vor allem mit dem amerikanischen Bankgeschäft nur in loser Verbindung. Gewiß haben eingewanderte Juden in den letzten Jahrzehnten einige erfolgreiche Bankinstitute geschaffen, die sich jetzt allmählich in die vordersten Reihen durcharbeiten. Aber auch diese Banken haben noch yiel zu schwache Beziehungen zum industriellen Leben des Landes; ihre finanziellen Operationen dienen hauptsächlich den sogenannten spezifisch jüdischen Fächern, in dene* die jüdischen Immigranten ihre Geschäftstätigkeit konzentriert haben. Aber auch in diesen Geschäftsfächern sind selbst die größten Unternehmungen nur selten aus dem Sttdium des Familienbesitzes oder einer Kompagnieschaft herausgetreten und auch die Unternehmungen solcher Art, die in Aktiengesellschaften umgewandelt wurden, konnten ihre Aktien nicht unter die breiteren Volksmassen bringen. Aus diesem Grunde begegnet man unter den jüdischen Einwanderern nur selten dein Typus eines Bankmenschen, der mit der Wc ans Berlin berichtet wird, werden fn der Nacht vom 1. zum 2. Oktober die neuen Fenster der Srnagoge ta Krefeld, die wenige Tage zuvor eingesetzt worden waren, von Bubenbänden etngeworfen. Auf Intervention der beiden Jüdischen Deputierten von Saloniki beim Finanzminister hat sich die griechische Regierung entschlossen auf Rechnung der schon von der vorigen Regierung Zaimis für die Jüdischen Schulen von Saloniki und Jannina bewilligte Subvention ein Drittel, d. s. 400.000 Drachmen für Saloniki und 100-000 Drachmen für Jannina, zur Auszahlung zu bringen. Verwaltung großer industrieller Unternehmungen in Verbindung steht und über alle internen Vorgänge daselbst unterrichtet ist. Daher ist der Kreis der jüdischen Effektenspekulanlen über den wirklichen :nneten Wert der einzelnen Papiere viel weniger informiert, als die große Masse der erbgesessenen Amerikaner». «Dazu kommt, daß die Juden erst in den letzten Jahren sich mit Börsengeschäften überhaupt und mit dem Erwerb von Industrieaktien als Kapitalsanlage befassen. Sie haben früher die viel solidere Methode bevorzugt, ihr Geld in ihr Spezialfach, das sie durch und durch beherrschten, zu investieren. Als sie nun mit einem Male auch in den Börsenbureaus auftauchten, betrachteten sie dieses Geschäft als ein reines Spiel, wie jedes Hasardspiel. Sie sind deshalb diejenigen, die am meisten verlieren. Während in Amerika, genau so wie in England und Frankreich, die Mittelklasse seit undenklichen Zeiten gewöhnt ist, einen großen Teil der Ersparnisse in Aktien und Bonds anzulcgen und auf diese Weise im Laufe det Generationen eine feste Grundlage gesunden geschäftlichen Konservatismus entstanden ist, sind die jüdischen Einwanderer in Amerika noch gar nicht dazu gekommen, alle Fäden des wirtschaftlichen Lebens kennen zu lernen und wirkliche Erfahrung bei der Anlage ihrer Ersparnisse zu Rate zu ziehen. Es ist jedoch kein Zweifel, daß die jüdischen Immigranten auch hierin sich in verhältnismäßig kurzer Zeit , den amerikanischen Verhältnissen anpassen werden. Schon die Tatsache, daß die Juden allmählich sich aus der NsdeHndustrie zurückziehen und auch im Realitäten märkt bereits große Zurückhaltung bekunden, ftih^t'sre^MnfJr'mehr'den amerikanischen Industrien zu; sobald sie deren verzweigtes Geäste besser erfassen, werden sie auch auf denv Effektenmarkt eine größere Sicherheit bekunden, als es in den letzten Jahren der Fall war. Das ist um so mehr zu wünschen, als ja bekanntlich eine große Deroute in Wallstreet wie ein Tornado Existenzen hinvegfegt,“ die für die j ü dische soziale Arbeit in Am er i k a das "Rückgrat bilden.» Die Kultuswahlen Jüdische Kultuswähler, sichert Euch das Wahlrecht! Da Zionistische Ze ntral wähltet re au teilt mit: Alb Montag, den 8. Oktobet, bis Montag*, den 22. Oktober, werden von der Kirltnsgemeinde die Wählerlisten Mich (mit Ausnahme von Samstag) von 9—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags zur Einsichtnahme an nachstehenden Stellen aufgelegt: 1. Bezirk: ,1. Seltenstettengasse 4; 2. Bezirk: 1U Tempelgasse 3; 3. und 11. Bezirk: III-, Untere Viaduktgasse 13; 4., 5. und 10. Bezirk: V„ Siebenbrunnengasse 1; 6. und 7. Bezirk: VI., Schmalzhof-. gasse 8; 8. und 9. Bezirk: IX., Müllnergasse 21; 12. bis 15. Bezirk: XV., Turnergasse 22; 16. und . 17. Bezirk: XVII., Hubergasse 8; 18. und 19. Bezirk: XVIII., Schopenhauerstraße 29; 20. Bezirk: XX.,. Kfucky gasse 11; 21..Bezirk: XXL, Holzmeistergasse Nr. 12. In sämtlichen zionistischen Sektion slokalen Hegen ebenfalls Wähler-r 1 isten. zur Einsichtnahme auf. Zur Information der Wählerschaft geben wirr bekannt, daß das aktive Wahlrecht jene Kultuissteuerträger ohne Unterschied des Geschlechtes besitzen, welche das 21. Lebensjahr vollendet haben, mindestens seit dem Verwaltuiigsjahr 1926 ln Kuitussteuervorscbreibimg stehen und die ihnen für das Verwaltuugsfaftr 1927 oder Verwaltungsjahr 1928 statutengemäß vor geschriebene Kultussteuer bis zum Ablauf der Reklamationsfrist, das tat bis einschließlich 22, Oktober 1928 entrichtet haben. Reklamationen wegen Auslassung von wahlberechtigten oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind bis spätestens Montag, den 22. Oktober 1928, in der Amtsdtrektion der Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, schriftlich etnzubrlirgen. Wir fordern alle zionistischen Wähler auf, in ihren Wahlkreisen und Sprengelnin die Wählerlisten Einsieht su nehmen und eventuell notwendig ueder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die Kunerol»Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur» fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks» rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL IOO% REINES KOKOSNUSSFETT erscheinende Reklamationen sofort vorzu nehmen. _ s Zionisten! Sichert Euch Ei? r r w ih 1recht! ■'**? Der Wahlfond Zionisten! Wir haben bereits mit den Vorarbeiten zur bevorstehenden Wahlkampagne eingesetzt und in sämtlichen Wahlkreisen Bezirkswahlkomitees und Sprengelwahlleitungen organisiert Das Zentralwahfkomltee hat auch entsprechende Maßnahmen getroffen, um die Wahlkampagne erfolgreich durchzufuhren. Im bevorstehenden Kultuskampf gilt es, die Anzahl unserer Mandate zu vergrößern, um unserem Prgrairame nach Verwirklichung der jüdischen Volks* gemeinde zum Siege zu verhelfen. An Euch, Zionisten, ergeht nun der Ruf, sich dem Zentralwahlikomite« zur Mitarbeit zur Verfügung *n stellen. Der eigentliche Erfolg unserer Wahlkampagne hängt vor allem darvon ab, ob wir in der Lage sete werden, eine entsprechend großzügige Wahlpropaganda durchzuführen. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, den Wahlfonds zu stärken. } Es ergeht daher an alle Zionisten dfe Auffonfe- rang, ihre persönliche Pflicht dem Wahlfonds gegenüber zu erfüllen und in ihren Bekanntenkreisen für den Wahlfonds zu sammeln. Das Zentralwahlkomitee fordert Euch auf, eine energische Sa mmol* aktion durchzuführen. Die gesammelten Beträge sind; sofort an das Zentralwahlbureau, 1., Kärntnerstraße Nr. 28, abzuführen. Wir hoffen, daß alle organisierten Zionisten unserem Ruf Folge leisten und alles tun werden, um dem Wahlfonds größere Beträge zuzn» führen. Das Zentratwahllkomlteo* \ * Zionisten des 20. Bezirkes, meldet Euch zur frek willigen Mitarbeit für die Kultuswahlen allabendlichzwischen 7 und 9 Uhr bei Herrn Samuel Weintrau b im Zionistischen Helm, XX., Jägerstraße 30/8, woselbst auch Einsichtnahme in die Wählerliste und Wahlrechtsreklamationen durchgeführt werden. „Unionistfsche“ Splitter Aus der konstituierenden Versammlung des «U n k> ri*> WaMkomitees*- «Unser Judentum, meine Herren, Ist ntu eine Religion, und zwar eine, über deren Gebote wir um hinwegsetzen.» — «Wir wollen Juden bleiben weä däi Bibel eine hohe Ethik enthält!» Zwischenruf: «Sinkt die Ethik der Bfbel, wenn wir aufhören, Juden zu sein?». Zwei Versammlungsbesucher auf dem Heimwege. Sie suchen den Sinn des Judentums. A. zum B«: «Zweifeln Sie nicht, Herr B., der Dr. O r n s t e 1 n hat Recht. Nur die Religion ist es, die uns von den Nichtjuden unterscheidet.». Sie diskutieren lebhaft, als sie ein angeheiterter Passant anrempelt: «Mocbts kan Lärm, Saujuden!» — B. überrascht zu A.: «Sie mögen Recht haben, es wird doch nur an der Religion Hegen,» * Dem Vernehmen nach wäl die zukünftige «unlondstisehe» Kuitusvorstehung beschließen, Jedem aus dem Juden-, tum Austretenden das Werk «Die Ethik der Babef*1 gratis überreichen zu lassen, um auf solche Weise den» Abfall vom Judentum Einhalt zu tun, Ein Führer der «Union» erhält den Besuch eines Mannes, der ihm sagt: «Ich habe Ihren Wahlaufruf erhalten. Seine Dürftigkeit wirkt anziehend. Wenn Sie mir den Inhalt Ihres Programmes in einem Worte sagen können, so wie der milde Hfl lei dem Helden gegenüber verfuhr, der Jude werden wollte, wenn er ihm dessen Lehren verkünde, während er auf einem Fuße stehe, — dann bin Ich ganz der Ihre-» Der Führer dachte nicht lange nach, dann antwortet« er schlagfertig: «Nebbich!» t, d. Juden in Wallstreet Die Opfer der amerikanischen Börsenkrachs i