Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1928)
- Date
- 1928-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 DIE STIMME Seit« 3 lebendige» Zusammenhang mit dem We11- Judentum aufrechtzuerhalten. Mit der Durchsetzung des vorstehenden Programms erstreben wir eine Umgestaltung der jüdischen Gemeinde auf volkstümlicher Grundlage, die Entstehung eines geistigen, religiösen, sozialen und kulturellen Zentrums der Wiener Judenschaft, der jüdischen Volksgemeinde, die den anerkannten Mittelpunkt pulsierenden jüdischen Lebens und den Stolz der Wiener Judenschaft bilden sollt Die „neutrale“ Palästina- Konferenz Vorverhandlungen Weizmanns und Sachers mit Louis Marshall. — Politische Besprechungen in London. —■ Die unzulängliche Einwanderungsverordnung der Palästina-Regierung. (Von unserem Londoner K.-H.-Berichterstatter.) London, anfangs Oktober. Die zionistische Exekutive richtet gegenwärtig ihr Kcuptaugenmerk auf diß für £en 2 0. und 21. Oktober in den Vereinigten Staaten festgesetzte «neutrale Konferenz zur Behandlung von Palästinafragen», tn der die Beschlüsse der Londoner Konferenz zur . Erweiterung der Jewish-Agency einer realen Durchführung zugeführt werden sollen. Der Präsident der zionistischen Weltorganisation Dr. W e 1 z m a n n, der in den letzten Tagen in Paris weilte, wo er mit jüdischen Persönlichkeiten Frankreichs über Fragen der Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten im Palästina-Aufbau konferierte, reist am 10. Oktober nach Amerika, um noch vor der. neutralen Palästinakonferenz mit der Marshall- 0 r u p p e Fühlung zu nehmen. Zur Führung eingehender Vorverhandlungen ist das Mitglied der zionistischen Exekutive Harry Sacher bereits früher nach Amerika abgereist. Zur Vorbereitung der New Yorker Verhandlungen haben in London innerhalb der Exekutive eingehende Beratungen stattgefunden, in denen die Beschlüsse des 14. und 15. Kongresses, sowie die Berliner Resolutionen des zionistischen Aktionskomitees nochmals analysiert wurden. Es ist Herrn Sachers Aufgabe, vor allen Dingen die Bedeutung der Berliner Beschlüsse des A. K. in den jetzt beginnenden Besprechungen klarzulegen. Die Exekutive hat ihre Zustimmung dazu erteilt, daß alle Expertenberichte von wesentlicherer Bedeutung im Druck veröffentlicht werden. Dr. Weizmann hat während seines gegenwärtigen Aufenthaltes in London im Kolonialamt hauptsächlich die Fragen der Immigration, des Haifaer Hafenbaues und die Vorgänge an der Klagemauer sowie die allgemeine politische Haltung der Regierung gegenüber dem Zionismus behandelt. Er und Dr. Brodetsky hatten auch Unterredungen mit. dem neuen High Commissioner von Pamiges Gesicht, daß wir nicht mehr an uns halten konnten und hell auflachten. Der Rabbiner, ein geschniegeltes, selbstgefälliges deutsches Männlein, das bei seinem gottgefälligen Geschäft vor allem auf Würde und Manierlichkeit hielt, sah uns verwundert an und trippelte sofort nach der Zeremonie ärgerlich von dannen. Lisa stand beim Fenster und winkte mich heran. In ihren Augen standen Tränen: «Sagen Sie Boris,» sprach sie leise, mit unterdrücktem Schluchzen, «ich wünsche ihm Glück, obwohl ich sehr böse auf ihn bin.» Ich lief zu dem jungen Ehemann und überbrachte ihm die Botschaft. «Das weiß ich ohnedies,» antwortete Boris grimmig und trotzig. «Wenn Sie sie sehen, so sagen Sie ihr, daß i c h ihr Glück wünsche. Frechheit!» Jn dem ärmlichen Gasthaus Lidko, wo wir alle zu Mittag speisten, saß Boris an einem Ende des Tisches, Lisa am anderen. Es wurde ein wenig Wein getrunken und man kam in Stimmung, aber die beiden sprachen nicht miteinander. Vom Oasthaus gingen wir spazieren, dann in ein Kaffeehaus; es war Nacht, als das junge Paar, noch immer böse, heimging. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie noch awei oder drei Tage böse und dann gingen sie mitsammen In die Berge. Und jetzt, nach fünfzehn Jahren, habe ich sie wieder getroffen — als liebendes, fest verbundenes Paar. Die sonderbare Hochzeit hat eine glückliche Ehe gegeben,... «Die Zukunft einer Illusion*» In dem Feuilleton «Die Zukunft einer Illusion» ron Adolf Böhm ln Nr. 40 Ist aus Versehen in der (kitten Spalte Mitte eine Zeile ausgeblieben. Der betreffende Satz soll richtig lauten: «Aber für den religiösen Urtnteb, der darauf gerichtet ist, an Stelle der ewig relativistischen Wissenschaft die Immer nur Phänomene, Erscheinungen zum Objekt hat zu dem letzten Grunde alle« Seins vorzudringen, es intuitiv zu erfassen . .» usw. lästifta Sir Robert Chanceller. Während seines Aufenthaltes in Amerika wird Präsident Weizmann auch der vom United Palestine Appeal für den 11. und 12. November einberufenen amerikanischen Palästinakonferenz beiwohnen, an der (ebenso wie an der neutralen Konferenz mit den Nichtzionisten) auch Lord Melchett teilnehmen wird. Diese Konferenz wird darüber Beschluß zu fassen haben, in welcher Form die Aufbringung von Mitteln für das Palästinawerk unter den amerikanischen Zionisten weitergeführt werden soll. Ende November kehrt Präsident Weizmann voraussichtlich aus Amerika zurück und wird dann eine kurze Reise nach Belgien und Deutschland unternehmen. Er beabsichtigt, von Mitte Dezember bis Ende März einige durch Reisen nicht unterbrochene Monate intensivster Tätigkeit der politischen Arbeit in London und sodann anschließend in Jerusalem, wohin er Ende März reist, zu widmen. Die zionistische Exekutive hat durch Eingabe vom 30. August 1928 die vom Aktionskomitee beschlossenen Resolutionen über Fragen der E i n w a n d e r u n g der Palästina-Regierung unterbreitet. Die Eingabe an die Regierung fordert, in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Aktionskomitees, die Zionistisches landeshnmifee TBr Oesterreich Montag, den 15. Oktober 1928, präzise 8 Uhr abends, Olympiasaal, I., Rothgasse 5 Zionistisches Meeting Redner: Die Delegierten der Arbeitskonferenz der zionistischen Landesorganisationen Europas Aus Jerusalem wird uns berichtet: Die Kundgebungen, welche sich an dem (bereits gemeldeten. Die Red.) einstündigen Proteststreik in ganz Palästina wegen der Vorfälle an der Klagemauer am Jom-Kippur-Tage anschlossen, verliefen in aller Ruhe und vollkommen ungestört. In allen Versammlungen wurden Resolutionen angenommen,' in denen Großbritannien als die Mandatarmacht Palästinas und der Völkerbund als Kontrollor der Mandate aufgefordert werden, die Klagemauer und den Platz vor ihr den Juden zurückzugeben. Gegen diesen Anspruch haben die Mohammedaner von Jerusalem Protest erhoben. Eine moslemische Deputation überreichte dem stellvertretenden Oberkommissär H. C. Luke ein Memorandum, in welchem behauptet wird, die westliche Tempelmauer sei ein Teil der Omar-Moschee, und daher würden die Mohammedaner niemals zugeben, daß die Juden die Klagemauer besitzen. Sollten sich die Juden — so heißt es in dem Memorandum weiter — ein höheres Maß von Rechten an der Klagemauer aneignen, als sie schon zur Zeit der türkischen Herrschaft besaßen, so würde es ernste Unruhen im Lande geben. Schließlich fordert das Memorandum, daß die Regierung den Juden verbieten solle, Gegenstände irgendwelcher Art an die Klagemauer heranzubringen. In ähnlicher Weise droht auch die arabische Presse und in solchem Tenor hielt sich eine mohammedanische Protestversammlung, die ln der Omar-Moschee abgehalten wurde und von etwa tausend Personen besucht war; sie saßte den Beschluß, an die britische iRegierüng und an den Völkerbund telegraphische Kundgebungen zu senden, in denen aufgefordert wird, daß die jüdischen Rechte an der Klagemauer nicht erweitert werden. Die Palästinaregierung hat sich beeilt, den Arabern entgegenzukommen. Auf Grund eines von dem Mouftl von Jerusalem im Namen des Obersten moslemitischen Rates überreichten Protestes hat die Regierung die Entfernung des Oron Kodescb, der vor der westlichen Tempelmauer stand, angeordnet. Solches Entgegenkommen hat wie gewöhnlich die Wirkung, daß neue Unzukömmlichkeiten entstehen; dies ist auch jetzt der Fall, denn während des Gottesdienstes an der Klagemauer am 30. September haben Araber die jüdischen Andächtigen mit Steinen beworfen. Zwei Araber wurden verhaftet. In Anbetracht der jetzt herr- Ersetzung der Einwanderungsverordnung vom Jahre 1925 durch ein neues Gesetz und kündigt an, daß die Exekutive Vorschläge für diese Gesetzreform unterbreiten wird. Die Eingabe wendet sich auch gegen die von der Regierung beabsichtigte Heraufsetzung der Kapitalsgrenze für Einwanderer mit eigenen Mitteln. Es wird vorgeschlagen, daß die britischen Konsularbehörden in New York, Warschau, Bukarest und Paris bevollmächtigt werden, Visen an Einwanderer dieser Kategorie ohne die umständliche Prozedur der Rückfragen in Jerusalem zu erteilen, urid daß für Lo n d o n entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Die Eingabe fordert ferner Einwanderungserleichterungen innerhalb der Kategorie der sogenannten Angehörigen, insbesondere für Verlobte und Großeltern. In einer besonderen Eingabe, die durch wiederholte mündliche Verhandlungen unterstützt wurde, hat die Exekutive der Regierung das Gesuch für die Gewährung von 1000 Zertifikaten für neue Einwanderer ohne Mittel (Chaluzim) unterbreitet. Das Gesuch bezieht sich auf das erste Halbjahr 5689. Da außerdem bereits früher für politische Flüchtlinge aus Rußland 200 Zertf f i k a t e angefordert worden sind, so umfaßt die jetzt geplante Immigrationsaktion 1200 Personen. Bei dieser Anforderung von Zertifikaten werden nicht'die Hafenarbeiten in Haifa sowie andere Regie*« rungsarbeiten in Betracht gezogen. Die Sicherung jüdischer Arbeit beim Hafenbau in Haifa ist heute ein wichtiges Problem, umso dringender, als die Palästina-Regierung ihren ursprünglichen Plan, die Arbeiten in eigener Regie auszuführen, aufgegeben hat und die Arbeiten im Wege der Offertenkonkurrenz vergibt. Darüber hat die Exekutive ein Memorandum mit eingehenden Vorschlägen an die Regierung ausgeatb eitet. Die nächsten zionistischen Tagungen Wie vom Organisations-Departement der Zionistischen Exekutive in London mitgeteilt wird, werden ln der nächsten Zeit die folgenden zionistischen Tagungen stattfinden: Vom 3. bis 6. Oktober die zionistische Landeskonferenz in Bulgarien, vom 21. bis 23. Oktober die Landeskonferenz der Zionistischen Organisation Italiens in Mailand und vom 31. Oktober bis 1. November die Landeskonferenz des Zionistischen Landesverbandes für W e s t g a 1 i z i e n Ln Krakau. sehenden Stimmung hat die Regierung Straßen- Kundgebungen jeder Art verboten, dar* unter auch den traditionellen Un.iug an der .Tempelmauer am Hoschanah Rabbah. Der stellvertretende Oberkommissär von Palästina, der gegenwärtig zusammen mit dem Leiter der zionistischen Palästinaexekutive, Colonel Kish, eine Reise durch Nordpalästina unternimmt, erhielt in allen jüdischen Kolonien und Siedlungen, die er besuchte, von der Bevölkerung Proteste gegen die Vorfälle an der Klagemauer überreicht. Er erwiderte darauf, die Regierung bedauere die Vorfälle und hoffe, daß sie sich niemals wiederholen werden. Von Maßnahmen zur Verhinderung einer solchen Wiederholung sprach der gegenwärtige Chef der Palästinaregierung nicht. Oberstleutnant K e n w o r t h y, Mitglied des britischen Unterhauses, hat wegen der Vorfälle eine Interpellation angekündigt, in der er dem Unferhause die skandalöse Behandlung der betenden Juden durch die Jerusalemer Polizei schildern und fordern wird, daß Maßnahmen getroffen werden, um eine Wiederholung solcher Vorkommnisse auszuschließen. Charakteristisch ist übrigens, daß die ursprünglich ~ Meldung, der Polizeinspektor. Duff, welcher die «Aktion» der Polizei vor der Klagemauer geleitet hat, sei in Untersuchung gezogen und vom Dienste bis auf weiteres suspendiert worden, sich nicht bestätigt. Die Vorfälle werden übrigens auch ein g e r i c h tliches Nachspiel haben; zwei Frauen, darunter eine Amerikanerin, welche von der Polizei bei der berüchtigten Wandschirmattacke beschimpft und geschlagen wurden, haben gegen die schuldigen Polizisten Klage bei Gericht eingereicht. Araberüberfall auf eine jüdische Kolonie. Aus Jerusalem wird berichtet: Am 26. September wurden zwei jüdische Kolonisten der Kolonie Nachlath Jaakob beim Pflügen von Arabern, die in der Nachbarschaft der Kolonie wohnen, angegriffen und s c h w e r m i ß h a n d e 11. Der Zustand eines der Kolonisten, namens S c h a p i r o, ist er n s t. 18 Araber wurden Im Zusammenhang mit diesem Zwischenfall verhaftet. Zionistischer Studenteoverelu gibt Heim in Untermiete an Jüdischen Verein ab. Zuschriften unter «Geräumig» an die Administration «Die Stimme», Wien, I., Raubenstein* gasse L Die Regierung bedauert... Nach dem Polizeisturm auf die Klagemauer — Arabische Drohungen •— Verbot von Straßenkundgebungen