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Die Stimme · 1928-10-04 · Heft 40 (4.10.1928) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 40 (4.10.1928)
Date
1928-10-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 40 DIE STIMME Sefte 9 i=raaMiaR»is,«iKiaiw ’»=* m* larJcmi laiiatäMümausiafliiHr ZWISCHEN PETERSPLATZ UND TUCHLAUBEN TELEPHON 66-0-77 SAMTL. ARTIKEL, ENTWICKELN UND KODIEREN Ausfluß einer planmäßigen Hetze von seiten der Arbeit ifführer hingesteHt werden, enthält die Schrift auch sonst eine Reihe von Unrichtigkeiten". Vor allem verschweigt sie, daß in der Zeit der Krise des Orangenbaues die Kolonisten von Petach Tikwah, um Hilfe zu erlangen, Versprechungen für die Einstdhmg jüdischer Arbeiter gemacht haben, die sie später niemals einhielten. Ferner wird in der Schrift auf die Abhängigkeit der Kolonisten von den arabischen Orangenhändlern hingewiesen und hinzugefügt,, daß es zu riskant sei, wenn die Kolonisten selbst die Verwertung ihrer Orangenproduktion durchführen. Dabei geht die Schrift stillschweigend darüber hinweg, daß die Bemühungen eines Teiles der Orangenpflanzer, eine solche Absatzvereinigung zu schaffen, von einem Teile der Kolonisten in Petach Tikwah direkt sabotiert wurden. Einer der wenigen Punkte, in dem die erwähnte Broschüre etwas Richtiges anführt, ist der, wo davon gesprochen wird, daß die zionistische Palästina- Exekutive ohne genaue Informationen über diie Arbeitsmöglichkeiten ln den Kolonien eine große Zahl von Arbeitslosen sozusagen auf das flache Land warf. Auch die Anregung, sogenannte Notwirtschaften für die ländlichen Arbeiter zu errichten, wäre in modifizierter Form aufzunehmen. Die Broschüre erscheint jetzt, mehrere Wochen vor Beginn der neuen Orangenernte. Ist damit die Absicht verbunden, die neuerliche Abschnürung der jüdischen Arbeit neuerlich zu rechtfertigen? Dann sei den Pflanzern von Petach Tikwah, die noch in gar naher Vergangenheit aus den «Phantasien» des Idealismus die Unterstützung bezogen, welche es ihnen ermöglichte, sich zu erhalten, nach wie vor verpflichtet sind, den Grundsatz der jüdischen Arbeit in den jüdischen Kolonien — auch mit «idealistischen» Verringerungen ihrer Gewinnquote — zu achten. Gegen diese Pflicht werden keine Verteidigungsschriften aufkonimen dürfen. Neue Siedlungen ln Erez Israel. In der Nähe von Tel Awiw werden Anstalten zur Einrichtung einer neuen Kolonie deutscher Juden getroffen. 50 junge Siedler werden in dieser Kolonie seßhaft gemacht werden. Ehrte Gruppe von Juden aus Tel Awiw hat einen Teil der Böden von Abukischak erworben, wo große Plantagen angelegt werden sollen. * Mit einem Grundkapital von 60.000 Pfund, das von Londoner Geschäftsleuten gezeichnet wurde,, ist hier zwecks Förderung des Pflanzungswesens in Palästina eine Anglo-Palestinian Citrus-Company registriert worden. Palästinensischer Geschäftsführer der Company wird Herr S m i 1 i a n s k y, der bekannte Fachmann für Orangenzucht, sein. Die Gesellschaft beabsichtigt den Anbau von Orangen, Tafeltrauben und Bananen. Es sollen grundsätzlich ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Die Company dürfte innerhalb fünf Iahren bereits eine befriedigende Dividende abwerfen. Es ist beabsichtigt, zu dem jetzt am Anfang zu bebauenden Bodenareal einen größeren Bodekomplex in der Nähe von Rischon Lezionzu erwerben. * Wie «Times» aus Jerusalem melden, hat der deutsche . Gelehrte Dr. Weiter, der im Auftrag des deutschen archäologischen Instituts in B a 1 a t a und am Berge G e r i z 1 m Ausgrabungen unternimmt, die Stadtmauern, ein Tor und den Tempel des Baal Berdth freigelegt, der bereits ln der Bibel ton Buche der Richter erwähnt wird. Unter den freigelegten Befestigungen der alten Stadt wurden noch Spuren einer früheren A n s i e d 1 u n g gefunden, deren Alter auf ungefähr 1800 v. Ohrzurückgeht. Wie hier verlautet, dürften während der kommenden Pessachfeiertage Lord Melchett, Lord Reading, Felix M. Warburg und Dr. Weizmann zu gleicher Zeit Palästina einen Besuch abstatten. * Der Führer der Zionisten-Revlsionlsten, Vladimir J a« botlnsky, hat vom Einwanderungsamt der Palästina- Regierung das Einreisevisum für Palästina erhalten, wegen dessen Ihm längere Zeit Schwierigkeiten bereitet wurden. Er übernimmt eine Stelle bei der Judaea Insurance Company, wird sich aber weiter journalistisch, literarisch und öffentlich-politisch betätigen. * In T e 1 A w i w verfärb Herr C'halm E111 n g e r, einer der ältesten Zionisten, der noch Mitglied des Odessaer Zentralkomitees der Ohowewe Zion war, ton Alter von 74 Jahren. Er kam 1922 nach Palästina, wo er die Geitia Land Company begründete und leitete. * Die Regierung der Vereinigten Staaten beabsichtigt, ln Anerkennung der Bedeutung Jerusalems als Zentrum des mittleren Ostens ihr Generalkonsulat von Beirut nach Jerusalem zu verlegen. Der Verwaltungsbezirk des amerikanischen Generalkonsulats ln Jerusalem wird Palä- «9m« den Libanon, Syrien und den Irak umfassen, b Im Verlaufe des Monats August sind beim Hauptbureau des Keren Hajessod ln Jerusalem im ganzen 16.327 Pfund an Spenden eingegangen. Es ist dies der niedrigste Monatseingang seit 1923» Die Traee der Haifa—Damaskus-Eis en bahn, die über Semach ging, ist verlegt worden und führt jetzt über die von der Rutenberg - Company erbaute Jordan-Brücke. Richard Herzog, II, Kteftw Pfarrg. 28 / Tel. 73-4-90 WISSEN / KUNST / LITERATUR Jüdische Musik für Klavier Vom Joachim Stutschewsky. (Fortsetzung von Nr 37 und 39.) ML S. Al man: «Verzweiflung» — «Die Zelt des Sanges ist gekommen» sind zwei kleine Stücke von schwachen Eingebungen und bewußt einfachem Gefüge. In einem anderen Stück «Pilpul» will AJman durch eine durchgehende Sechszehmtel-Bewegung und das Hervorheben einzelner Stimmen ln der Art einer Tokkata den Eindruck des Disputes beim Talmud-Studium erwecken. Ein belangloses Beweg« ngss-tück. Michael Gn essin, der wie wenige zum jüdischen Musiker prädestiniert zu sein scheint, fand erst in späteren Jahren den Weg zur Musik seines Volkes, zu den Melodien seiner Kindheit zurück. Erst mit Op. 24 (Variationen für Streichquartett über ein Jüdisches Thema, komponiert 1916) drängt sich in Gncssins Wesen das Jüdische vor. Besonders in den Liedern, diie In stark ausgeprägter Weise den Stempel seiner künstlerischen Persönlichkeit tragen, erreicht er die volle Meisterschaft der Faktur, den Anschluß an die jüdische Musik. In den Variationen «Orah» (Tanz der Arbeiter ln Galiläa) für Klavier vierhändig Op. 35, benutzt Gnessin als Thema das bekannte Innige Lied aus Palästina «El Jiwneh Hagalil». Es sind keine großen Umgestaltungen des Themas, das, rhythmisch gewandelt und klaviermäßig zerlegt, in jeder der sieben Variationen creinzelnen zu virtuos angelegt, die Einheit vermissen läßt. Aber die Entwicklung Achrons drängte Immer mehr in« Wesenseigene. Die folgenden Werke zeigen ihn als vorwärtsstrebendien und zielsicheren Musiker. Seine künsitlerische Grundeinstellung zum jüdischen Musikschaffen je-, doch tritt erst ln den Liedern Op. 52 und 53 scharf Umrissen und gefestigt in Erscheinung. Von da an wurzein alle seine Kompositionen sowohl Im thematischen als tn def Intension im Jüdischen. Sein spezifisch jüdischer Impuls wirkt sich besonders in der melodischen Entfaltung def Themen aus. Die Klavierstücke Op. 56 (komp. 1923) säud im Wesen den Liedern verwandt und zeugen, wtenn auch nicht mit gleicher Eindringlichkeit, für Achrons große Bo-i gabung and seinen aus dem Inneren Erleben schöpfende^ Gestaltungswillen. In beiden Stücken Ist das Melodisch# vorherrschend. Tm «Traum» mehr kontrapunktlsoh (die Gegenüberstellung des ersten Themas in einer Verschiebung voo einem Takt zum Schluse des Stückes wirkt eher instrumeiH tal als klavleristtech), in der «Begrüß ung» mehr afcko« disch umrahmt. Die «Tre Corali su Melodie Ebradche» von M. Casteft nuovo-T edesco (Un. Ed.) vermitteln die Bekannt* schaft mit einer starken kompositorischen Begabung, bei der Jüdisches und Italienisches ungefähr zu gleichen Teilen wirksam ist. Diese drei Choräle, die musikalisch mehr all-, gemein gefärbt und wenig charakteristische jüdische Wesenszüge aufweisen, interessieren durch die Haupt* melodien selbst, die allgemein weniger bekannt sein dürften. (Fortsetzung folgt)’ DIESCHONSTE^EITJFU^TeWIS ERSTKLASSIGE TENNISPLÄTZE II., TABORSTRASSE NR. 63 a, AUGARTEN TELEPHON NR. R-4S-1-44 Hochmodern * Zentralheizung 4 Garderoben 4 Schließkäaten 4 Kalte und warme Duschen ♦ Parkklub-Trainer 4 Sorgfältigster Unterricht Bel Berufung auf die „STIMME“ Begünstigung scheint, sondern fein ausgearbeitete Studien spielerischen Charakters in MinlatUTstil. Ein dankbares und anregendes Werk. M. Mllner ist unter den heutigen jüdischen Komponisten die ursprünglichste Begabung. Bin Musiker von eigener Haltung und eigenem Temperament, der, an der Vergangenheit anknüpfend, stets Neues schafft. Leider ist der größte Teil seiner Werke den meisten unbekannt. Vieles Ist noch ungedruckt. Was wir kennen genügt, um zu konstatieren, welche schöpferischen Kräfte Mllner Innewohnen und ln welcher Fülle und Reife sie sieb auswirken müßten. Sein eigentliches Schaffensgebiet Ist die Vokalmusik. Hier zeigt er eine meisterliche Beherrschung der kleinen Form. Eine gewisse Verwandtschaft mit Mussorgsky kann festgestellt werden. Mllner hat auch, wenn Ich nicht irre, die erste jüdische Oper «Die Himmeln brennen» geschrieben. (Vollendet 1923.) Von seinen Klavierwerken sind nur zwei In Druck erschienen. Im älteren Stück «Balm Reb’n zu Mlawe-Malke» über eine Vplksmelodie lebt sich seine Phantasie und sein eigener Einfall aus. Durchwegs lebendig und effektvoll gehalten, trägt das Stück mehr improv'isatorlscben Charakter, das gegen Schluß etwas Ins Opernhafte Mn überneigt. Wie ganz anders dl« «Agada»! Hier tritt Mllner’s musikalisches Naturell deutlich hervor. Er hat seinen Stil bereits gefunden. Die melodische Erfindung Ist von bestechender Innerlichkeit ganz Jüdisch — der das Harmonische und Klangliche untergeordnet wird. Eine feine, zarte Stimmung von tiefgreifender Wirkung erfüllt dieses Stück. — In S. R o s o w s k y’s «Poem», einer sich im Stimmungshaften erschöpfenden Komposition, kommt das Typikch-jüdische hauptsächlich in der lyrisch-getragenen, brett-gesponnenen Melodie zum Ausdruck. Die ausgehaltenen Akkorde und die sich wiederholende Trlolenbegleitimg der rechten Hand erwirken eine Monotonie, aus der nur der kurze, straffer gefaßte Mittelteil ln wohltuendem Aufschwung sich heraushebt. Wenn die «Symphonischen Variationen* über das Thema «El Jiwneh Hagalil» Op. 39 (komp. 1915) von Joseph Achron als Ganze« nicht in allen Teilen als gelungen zu bezeichnen sind, so Interessiert das Werk dennoch ln seinem gv igen Aufbau in der kontrapunk tischen Reichhaltigkeit, mii der das Ti ui «ausgebeutet» wird, in der Mannigfaltigkeit und Krafi des Ausduokes einzelner Variationen und ln dem großen Können der sechsstimmigen Fuge. Daß dieses großaugelegte Variationenwerk so selten gespielt wird, ist darauf zurückzuftthren, daß es, im Kunstchronik Ein jüdischer Tonfilm. In Berlin rollt ton Glorfa-tPaUwl ein ln Amerika hergestellter Film mit Tonbiidelnlagea «Der Jazzsänger», dessen Hauptdarsteller der be« kannte AI Jolson ist. Der Film behandelt das Motiv der alten und neüen Jüdischen Generation, etwa mit der Devise «Vom Chasen zur Revuestar», nicht immer geschmackvoll, aibeg auf Fublfkumwirku n« bedaoht Neue Lieder von Wilhelm Grosz. Von Wilhelm G r osa* der vor einigen Jahr bereits jüdische Volkslieder bearbeitet hat, ist soeben die I'I. Folge der Liebeslieder (op. 22) erschienen, die Grosz nach ostjüdischen Volkslieder texten komponiert hat . Vorträge über moderne jüdische Musik. Die bekannte Pianistin Alice Jakob-Loewenson, die sich stark für die jüdische Musik einetzt, wird auch in dieem Winter an der «Freien jüdischen Volkshochschule» in Berlin sowie in mehreren Städten Deutschlands Vorträge über neue jüdische Musik halten. Mitwirkend Rahel Kaufmann (Sopran) und Leo Riasanzew, Mitglied der Hablmah (Bariton). Im Verlaufe dieser Vorträge werden zahlreiche neue und selten gehörte Werke zu Gehör gebraoht, die die Veranstalterin zum TeiÜ auch ln ihren Konzerten Jüdin scher Musdk spielt und singen läßt. Organisationen und Vereine, die sich für das Arrangement ähnlicher Veranstalt tungen interessieren, werden gebeten, sich an das Kultur* dezernat der Berliner zionistischen Vereinigung (Berlin, Melnekenstraße 10) zu wenden. Ein Palästina-Roman Max Brods* Im Verlage von Paul Zsolnay (Wien-Berlin) erscheint demnächst ein neuer Roman von Max B r o d unter dem Namen «Zauberreich der Liebe». Der Roman behandelt das Leben in der palästinensischen Kwuzah auf Grund der Eindrücke, die der Dichter auf seiner Palästina-Reise gewonnen bat. Wiener Gastspiel Anschel Sehorr. Der bekannte jüdische Theaterdirektor aus Amerika, Anschel Schorn, einer der erfolgreichsten Autoren und Regisseure der jüdl-i sehen Bühne, hat die Reorganisierung des altrenommierten jüdischen KamJnsky-Theaters in Warschau übernommen- Die Hauptdarstellerin des neuen Ensembles rs\ der amertt kandsche Star Dora Weißmann, eine Dartellerln voo großem Format. Das neu organisierte Theater, das den Namen «Anschel Schorrs amerikanisch-jiddisches Theater* trägt, beabsichtigt, wie wir erfahren, auf seiner europäischen Tournee das erste Gastspiel ln Wien ziu absolvieren. Jsdes Piattfußlelden schmerzlos behoben Erzeuge für Frostballen, empfindliche, leidende sowie Senkfüße leichte orthopädische Schuhe. Was auf Grund meiner langjährig erprobten Praxis eingebaute Einlagen, daher von normten Schuhen nicht xu unterscheiden ist. Garantie für Heilung und jede Paßform und angenehmes Gehen Komm* auf DealelCunm Ina Haus HANS VEIGL vorm, ßubenicek Speztalnerhsiü<ie lür orthopädische SOiu?^ IV., Starhembmgjiasse 5/7 Partei««

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