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Die Stimme · 1928-10-04 · Heft 40 (4.10.1928) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 40 (4.10.1928)
Date
1928-10-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. fcr Seil» 8 » ■ .- ■■ Hl»« INI ■ mm i MaimonWes-Instttut. Dienstag, 9. Oktober, W* Uivr abend», findet in den neuen vom Institut gemieteten und für die Vorträge entsprechend aus.ge$tatteten Räumen, Wien, II, Darwingasse 21, die Eimveihungsfeler und »«gleich die Eröffnung des Wintersemesters statt. Der Leiter, Rabbiner Dr. A. Kaminka, und Herr Rabbiner M. H o f o w 11 z werden Ansprachen halten. — Während des Wintersemesters werden an den Woche naben den im Institut, Darwingasse 21, in einer noch bekanntzugebenden Reihenfolge die Dozenten Dr. Kaminka, Dr. N. Goldstein und Rabbiner Horowitz Bibel, Talmud, Midrasch. More Nebttchlm, Kusri, Jüdische Ge* schichte und neuhebrämche Literatur vortragen. Die Wieder* Aufnahme der Umversitätsvorlesungen, und^ zwar über Ethik uird Theologie des Talmuds, über Saadja Gaon und über die Geschichte des Karäertums, ist für Ende 0 k to b e r in Aus« sicht genommen. — Die lnskriptionsgebiihr für Teilnehmer beträgt S 10.— für das ganze Studienjahr. Kleine Nachrichten Nach den neuesten statistischen Feststellungen ist die jüdische Auswanderung aus Litauen Im Steigen begriffen. 70 Prozent aller Auswanderer aus Litauen sind Juden, von denen die meisten nach Südafrika, die übrigen nach Süd- und Nordamerika gehen. 80 Prozent der jüdischen Emigranten sind Handwerker. * Die Leitung der litauischen Staats« nlversität teilt mit, daß in diesem Jahre an der medizinischen Fakultät 14 Juden Aufnahme gefunden haben. Von den 1037 Studierenden der litauischen Staatsuniversität sind 191 Juden. * Die karpathorussischeu Juden haben sich mit einem Memorandum an den Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Prof. M a s a r y k, gewendet, in welchem sie die Im Zusammenhang mit der Handhabung der Staatsbürgerschaftsgesetze für das karpathorusslsche Judentum entstandene Lage schildern und um Abhilfe ersuchen. Die Regelung der Frag« deT Flüchtlinge In def T ü r k ei. die laut Befehl von Kemal Pascha- Ws zum 6. Februar 1929 das Land verlassen müssen, Wird« der Nansen-Kommission des Völkerbund«! überwiesen. Viel Sorge verursachen die zahlreichen jüdischen Flüchtlinge der Türkei, die, de sie Gewerbetreibende, nicht Landarbeiter sind, sehr schwer ln anderen Ländern uri.erzubrfngen sind. * In Paris fand zur Feier des zehnten Jahrestages der Bildung der Jüdischen Legion eine große Versammlung statt, auf der Ansprachen von Wladimir Jabotinsky und Meir Großmann gehalten wurden. Die Gedenkversammlung wurde von Colonel J. H. Patterson, dem früheren Kommandeur des Zion Mule Corps und des Judeans* Regiments, eröffnet. Am Jom Kippur-Tage verschied, 57JältrIg, nach mehrwöchiger Krankheit in M fl n c b e u, wo er sich vorübergehend aufhfelt, Sanitätsrat Dr. Guata/v Bradf, der geschäftsführende Schriftführer der Akademie für die Wissenschaft des Judentums In Berlin, die er zusammen mit Hermann Cohen im Jahre 1917 begründet batte- * In New York ist unter dem Namen Mount Sinai Company eine Gesellschaft zur Förderung der i n d us t r I c 11 e n Entwicklung Palästinas in Bildung. Das Gründungskapital beträgt fünf Millionen Dollar. Präsident wird David A. Brown sein- Zu den führenden Aktionären zählen Bilükopf und Lamport. 4t T Von Anfang Oktober, an wird da« Organ der radikalen Zionisten in Polen, «Zionistische Blätter», unter der Redaktion von Abg. J. Grünbaum als Wochenblatt erscheinen. PALÄSTINA Meine „Anfänge“ ln Erez Israel Ein Brief von Baron Edmond de Rothschild. Der «Vater der jüdischen Kolonisation m Palästina?, Baron Edmund Rothschild, von der jüdischen Masse, tn der er sehr populär ist, kurz ■ <cl»r Baron? genannt, liebt es im allgemeinen nicht, viel von seinem Werke zu sprachen, Dennoch hat der Baron vor kurzem |n einem Briefe an den jüdischen Schriftsteller D, Druck, der ihm ein in englischer Sprach« abgefaßtes Buch über die Rothschild-Kolonien zugeeignet hat, aufschlußreiche Mitteilungen über die Anfänge seiner (Rothschilds) Tätigkeit in Erez Israel gemacht; wir freuen uns, dieses wertvolle Dokument unseren Lesern Wiedergaben au können. „Was für mich bei meiner kolonisatorischen Tätigkeit in Erez Israel maßgebend war, ist nicht die philanthropische Idee, sondern lediglich der Gedanke an di© Zukunft des Judentums. Ich hegte damals die größten Befürchtungen um die Zukunft unserer Brüder im Osten, die in ihren Wohnländern unsägliche Qualen litten und zur Verzweiflung getrieben wurden. Das Schicksal unserer verfolgten Brüder hat mein Herz tief bewegt und ich nahm oft Gelegenheit, über diese Probleme mH dem Pariser Oberrabbiner Z a d 0 k K a h n, der sein ganzes Leben der Verteidigung der jüdischen Volksinteressen gewidmet hat, zu sprechen. Ich kam zur Uebeirzcugung, daß es nur einen möglichen Rettungsweg für das Judentum gibt: die Schaffung eines nationalen Zentrums ln Erez Israel, wo sich das jüdische Leben und die jüdische Kultur frei und ungehindert entfalten können, Trotz dieser festen Ueberzeugwig aber hätte ich es niemals gewagt, auf eigene Verantwortung die verfolgten russischen und rumänischen Juden aus ihren damaligen Heimatländern nach Erez Israel zu bringen. Aber der Ruf der ersten Chowewe Zion drang bereits durch alle Länder, wo Juden ln Massen lebten, und zahlreiche russische und rumänische Juden, die die Hölienq-ualen der Verfolgung nicht mehr ertragen konnten, gingen auf ihre eigene Gefahr nach Erez Israel, um als jüdische Bauern ein neues Leben zu (beginnen. Sie schufen die ersten kleinen jüdischen Siedlungen, die aber infolge der Unerfahrenhe.it dieser kotonisatorlsehen paniere bald in materielle Schwierigkeiten gerieten. Oberrabbiner Hadok Kahn informierte mich über die Notlage der jüdischen Kolonisten und Ich beschloß, Ihnen zu Hilfe zu kommen. Damals nahm ich eine Deputation der Kolonisten aus Risohon le Zion und den bekannten Rabbi M o h i* lewer auf, mit denen ich die Hilfsmaßnahmen besprach. Ich will darauf hin weisen) daß außer dem Qberrabblner Zadofc Kahn und einer ganz geringen Zahl »«derer Freunde die meisten jüdischen No. takeln gegen den Plan einer Kolonitierung von Juden in Erez Israel waren und meinen Bemühungen ein große» Debakel voraussagten. Meine eigene Ansicht aber war, daß die jüdische Kolonisationsarbeit wenn sie von Erfolg hegleitet wäre, entscheidenden Einfluß auf das Schicksal d«a Judentums in der ganzen Welt üben wird. Ich hatte gegen große Schwierigkeiten anzukämpfen, besonders aber gegen die Feindseligkeit der türkischen Regierung, die mich dazu veranlaßt hat, meine Arbeit, solange dies eben anging, unter Verheimlichung meines Namens «ml in völliger Anonymität zu vollbringen. Wir hatten ferner die ungeheure Verwahrlosung des Bodens in Betracht zu ziehen, die Unerfahrenheit der Kolonisten sowie die Schwierigkeit, geeignete jüdische Agronomen un<d Verwalter zu finden. Hindernisse, die weit gewichtiger und ernster waren, als die vereinzelten, sogenannten „Kolonistennufs-tände“ in Maske re t Batjaii und Risebon le Zion. Wien L, (fäot entnimm- &ie beste und billigste Üinüemfs* qiadle Wt. tlfei ’.A >T*T' Heute fit di« jüdische Kolonisation zu meiner gro- Den Freu-dc in eine neue Phase getreten. Erez Israel, da« durch Jahrtausende in den Herzen des jüdischen Volkes all «in wunderbarer, verheißungsvoller Traum leuchtete, ist nun die durch alle großen Staaten Europas und Amerikas anerkannte jüdische Heimstätte geworden. Airs der tausendjährigen Hoffnung des jüdischen Volkes ist eine lebendige Realität entstanden und Jetzt kann ich das größte Vertrauen in die Zukunft des jüdischen Volkes setzen.“ Vom Bauen im jüdischen Palästina Ein Vortrag von Professor Dr. Josef Frank. Ueber Einladung des Ocsterreichischen Pro-Palästina «Komitees hielt bbnntag abend» Im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereine» der Professor der Wiener Technischen Hochschule, Dr. Josef Frank, einen bemerkenswerten Vortrag über seine Eindrücke in Palästina. Professor Frank Ist erst vor kurzem von einer Palästina-Reise zurückgekehrt, die er über Auftrag der Zionistischen Exekutive als Mitglied der Jury für den Bau de» neuen Verwaltungsgebäudes der Zionistischen Exekutive in Jerusalem unternommen hat, Einleitend schilderte der Redner die politische Lage ta Palästina und den Nachbarländern, deren Verwaltung von den Interessen der Mandatarmacht diktiert wird. Was in Palästina für die Juden geschieht, wird im Interesse der englischen Politik unternommen. Professor Frank schilderte sodann das Verhältnis zwischen den Juden und der arabischen Bevölkerung, die heute noch auf einer Kulturstufe wie etwa zur Zeit Abrahams steht, Dem Einfluß der jüdischen Einwanderer Ist es zuzuschreiben, daß auch die Araber sich allmählich die Fortschritte der Kultur zu eigen machen. Palästina mache heute noch den Eindruck einer Steppe, die stellenweise von Siedlungen unterbrochen wird. Erst jetzt, durch die jüdische Besiedlung, nimmt das Land, das bei Ausbau seiner Bewässerungsanlage mindestens 3MlllionenMenschen ernähren könnte, einen ungeahnten Aufschwung, Im Städtebau kann man heute In Palästina noch von keiner ausgeprägten Stilart sprechen. T e I- Avlv, die Stadt, an der so viel ausgesetzt wird, hat mich, so sagte Professor Frank* nur angenehm enttäuscht. Es ist richtig, daß sie nicht planmäßig angelegt ist, daß in ihr kein einheitlicher Baustil herrscht, aber man wird sich darüber nicht wundern dürfen, wann man die Entstehungsgeschichte dieser Stadt kennt. Einwohner aus Jaffa, für die die alte Stadt keinen Raum mehr bieten konnte, und Juden aus Galizien und Polen bauten die Häuser nach ihrer Eigenart. So kommt es, daß man jedem Hause schon von außen den Geist anmerkt, dar darinnen herrscht, Die Stadt ist vollständig wahr, ihre Bewohner suchen sich nicht hinter falschen Fassaden, die nur Kulisse sein könnten, zu verbergen, und das ist das Interessante an dieser Stadt, Von den übrigen Städten hat Haifa die beste Aussicht auf Entwicklung, weil dort — wieder Im Interesse Englands -- der große Hafen angelegt wird, Jerusalem vereinigt die Altstadt, die noch heute aus der Zeit der Kreuzzüge und der Araberherracliaft erhalten ist, mit einer modernen, wenn auch planlos angelegten Gartenstadt. Man bat schon daran gedacht, wie es ja auch Herzls Plan war, die Altstadt gänzlich zu evakuieren und nur als Museum zu erhalten, doch stößt die Verwirklichung dieses Planes auf mannigfache Hindernisse. Ein neuer Baustil konnte sich noch nicht herauskrjstalli'sieren, auch ein jüdisch-nationaler Stil hat sich noch nicht durchdrungen, obwohl til8 Bautätigkeit Jetzt schon zum größten Teil von Jüdischen Baumeistern und Arbeitern bestritten wird, Das neue zionistische Jerusalem wird das Repräsentativgeibäuide des palästinensischen Judentums darstellen. Jedenfalls merkt man an den palästinensischen Bauten etwas Neuartiges, das man leider bei den Bauten, die die Wiener Kultusgcmelnde ausführen läßt, vermissen muß; In Wien scheint die Angst vor Neuem sehr groß zu sein, obwohl hier alle Voraussetzungen für deren Schaffung sicher günstiger sind als ln Palästina, Man will scheinbar hier nichts Neues schaffen, Ich habe in Wien sehr viele Juden getroffen, die gich über Jeden aus Palästina gemeldeten Mißerfolg hämisch freuen; Ihnen konnte Ich bei meiner Rückkehr aus Palästina keine Freude bereiten, denn ich wußte Ihnen nur Günstiges aus Palästina zu berichten. In Palästina geht es vorwärts, jeder einzelne, und mag er auf noch so unbedeutendem Posten stehen, ist voll von Zuversicht, daß auch seine Arbeit zum Gelingen de* großen Werkes beitragen wird. «Palästina Ist nicht mehr das Versorgungsland russischer Flüchtlinge, es ist das Land der Regeneration dos jüdischen Volkes», — schloß der Redner seine mit großem Beifall mitgenommenen Darlegungen. Die Jüdische Arbeit lit den Pflaiizungslcolonien Das Agrarkoinltee in petach Tlkwah, die Organisation der dortigen Pflanzer, hat unter dem Titel «Die Ereignisse in Petach-Tikwali» eine Schrift veröffentlicht, in dier die Frage der jüdischen Arbeit in den Pflanzungskolonien von Ere« Israel erörtert wird. Sehr tendenziös erörtert, wie vorweg fcstgestellt sei. Abgesehen davon, daß die Geschehnisse' bei der vorjährigen Orangeuornte als dez .

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