Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1928)
- Date
- 1928-10-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 40 Sorgfältige Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack (50 kg) angefangen franko ihrer KoMenkiste, ebenso in Fuhren und Waggons franko Keller gestellt, liefert täglich ^Kohlena KokshandlangX M. Barneid, II, Sebastian Kitelp«asse S QES$£) ■*«»■•»*»■•««*•«■■ 4M*- StfSäS geeignet sei, nicht allein die wirklichen Ausländer in Rumänien, sondern auch viele Tausende von Juden, die auf Grund des Minoritäten-Zusatzvertrages von 1910 und des Reichsgesetzes für Rumänien optiert und ein Recht auf die rumänische Staatsbürgerschaft haben, auf das tiefste zu beunruhigen. Diesen Optanten stellte die Regerung seiner- *e!t Staatsbürgerzertifikate aus, was zur Folge hatte, daß sie ihre Heimatscheine an die auswärtigen Heimatgemeinden zurückgeschickt und damit ihre frühere Staatsbürgerschaft verloren haben. In der Folge aber wurden die auf Grund der Friedensverträge und des Reichsgesetzes ausgestellten Staatsbürgerzertifikate annulliert und es wurde diesen sogenannten Friedensvertragsbürgern das Staatsbürgerrecht aberkannt. Mit einem Male wurde diese Kategorie von Bürgern staatenlos und so sind Tausende von jüdischen Familien, die seit Jahrzehnten im Lande ansässig sind und ihren Berufen nachgehen, vollständig rechtlos und schutzlos. Die Ausweisung dieser unglücklichen Familien aus dem Lande würde auf das Hindernis stoßen, daß keiner der benachbarten Staaten die Ausgewiesenen über die Grenzen lassen wird. Der ganze Effekt der Verordnung wird sein, daß Tausende unschuldige Familien monatelang in Angst und Sorge werden gelebt haben. In Rußland Ist die jüdische Arbeitslosigkeit größer als die nichtjüdische Nach einer Veröffentlichung des «Emess» Ist dSe Zahl tt Arbeitslosen unter den Juden in Sowjetr.ußland proportioill höher als die Arbeitslosenzahl der allgemeinen Bevölkeung. Es sind etwa 11,4 Prozent jüdischer Arbeiter und Handwerker von den Regierungunternehmungen in den Städten der Sowjetunion arbeitslos, während die Arbeitslosgfeeit in diesen Schichten der allgemeinen Bevölkerung nur 9 Prozent ausmacht. Das Verhältnis der Arbeitslosigkeit unter den Juden in der Ukraine zur allgemeinen Arbeitslosigkeit ist 23 Prozent, in Weißrußland 42 Prozent, in Moskau 8 Prozent und in Leningrad 6 Prozent. Das jüdische Mädchen im Plocker Mariawitenkloster Eine erschütternde Tragödie spielte sich am letzten Kol Nidre-Abend im Hause des alten jüdischen Schneiders Leib Möhrenhändler in Warschau ab. Der arme alte Mahn ist rrtit sedhi erwachsenen Töchtern' gesegnet, von denen die jüngste, Jente, zwanzig Jahre alt war. Da säoh der greise Schneidermeister, der trotz vorgeschrittener Altersschwäche schwer arbeiten mußte, um seine zahlreiche Familie zu ernähren, der Erziehung seiner Töchter nicht widmen konnte, wuchs die schöne Jente, die während ihrer ganzen Kindheit sich selbst überlassen war, ln völliger Fremdheit gegenüber ihrer Familie und besonders gegenüber dem «altmodischen» Vater heran. Das Mädchen verkehrte fast ausschließlich mit christlichen Freundinnen, die säe systematisch zum Haß gegen ehre jüdische Familie sowie gegen dde Juden überhaupt aufstachelten. Den heftigen Streitigkeiten, die darob zwischen dem Mädchen und &rem alten Vater ausbraohen, wollte Reb Lefb dadurch ein Ende machen, daß er der schönen Jente eines Tage« nach alter guter Sitte einen frommen Bräutigam vorstellte, den e r für sie in einer provinziellen Jeschiwa-h gewählt hatte. Diese väterliche Wahl erregte erst recht den Widerspruch des Mädchens und Jente drahte mit Selbstmord oder Taufe, wenn sie zu dieser Partie gezwungen werden sollte. Vor ungefähr zwei Jahren verschwand das Mädchen eines Tages spurlos und erst nach einiger Zeit fand man eines -ihrer Kleidungsstücke in der Nähe des Städtchens Mlozin am Ufer der Weichsel- Es war nun kein Zweifel mehr, daß die schöne Jente ln den Tod gegangen war. Der alte Reb Leib trauerte, quälte sich mit Vorwürfen und fügte sich schließlich dem göttlichen Willen . . . Am Vorabend des letzten Versöhnungstages geschah nusi folgendes: Als Reb Leib, in Trauer um seine allzu früh verlorene Tochter versunken, am Tische saß, klopfte es plötzlich an die Tür und herein trat — Jente. Der alte Maun erstarrte fast vor Schreck, beruhigte sich aber auf Zureden seiner verstörten Tochter urnd ließ sich von Ihr die traur«‘?e Geschichte ihrer zweijährigen Irrungen erzählen. Als sie vor zwei Jahren das Elternhaus fluchtartig verließ, hatte sie wirklich die Absicht, Ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie ging an die Weichsel, und in der Nähe von Mlozin sprang sie in die Fluten. In diesem Augenblick aber kam ein Passagierdampfer vorüber, der gegen Plock fuhr. Einige Passagiere bemerkten noch rechtzeitig den Todessprung des Mädchens, retteten es und brachten es auf das Schilf. Auf dem Dampfer befanden sich zufällig auch einige mariawitische Geistliche und Nonnen, dl« sich der Selbstmörderin annahmen und ihr zuredeteu, SIEBM. HORHMEHL, Erüßfleisctiiiauem Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, Abteilungen für HEJD-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Berggasse IS XVUI, Währlngerstraße 97 In den Mariawiten-Orden!n Plock ednzutreten. Das verzweielte Mädchen willigte ein und wurde kurz darauf vom berüchtigten Erzbischof Kowalski getauft. Vor einigen Monaten beschloß nun der Erzbischof, dde getaufte Jente an einen jungen Geistlichen, einen ehemaligen frommen «Bocher», zu verheiraten. Die heilige Hochzeit, für die sich der fürsorgliche Erzbischof besonders lebhaft Interessierte, hätte bereits vor Rosch-Haschonah stattfinden sollen, mußte jedoch wegen des sensationellen Marlawiten- Prozesses verschoben werden. Jente nützte nun diie im Kloster entstandene Verwirrung aus, flüchtete und kam nach Warschau zu Ihrem alten Vater, dessen Verzeihung sie erbat. Der alte Mann versprach, alle« vergessen zu wollen. Als er aber nach dem Kol Nidre-Gebet nach Hause kam, lag Jente, mit Laugenessenz vergiftet, bewußtlos da. Sie schwebt in -höchster Lebensgefahr. Eine zionistische Organisations¬ und Propagandakonferenz Die vom Zionistischen Aktionskomitee auf Grund eines Kongreßbeschlusses eingesetzte Kommission zum Studium der Fragen der Organisation und Propaganda hat, wie das Zentralbureau der Zionistischen Exekutive meidet, am 27. September 1928 in London ihre erste konstituierende Sitzung unter Vorsitz des Mitgliedes der Exekutive, Herrn Felix Rosenblueth, abgehaltcn. Der Kommission gehören die Herren Prof. S. Brodetsky, Dr. B. Feiwel, Rev. J. K. Goldbloom, M* Großmann, Dov Hos und Michael Schiff und als Schriftführer Dr. L. Lantenbach an. Die Kommission beschloß, zuerst eine schriftliche Enquete in den weitesten Kreisen der Zionistischen Organisation über die von ihr festzustellenden Probleme der Organisation und Propaganda durchzuführen und nach deren Abschluß eine Konferenz von Sachverständigen einzuberufen, bei der eine mündliche Diskussion über die zur Beratung stehenden Hauptprobleme erfolgen so-M. Die Ergebnisse dieser Konferenz sollen als Basis für die Vorbereitung von Vorschlägen für den nächsten Kongreß dienen. Eine Liste der Probleme der Organisation und Propaganda, die Gegenstand der Prüfung sein werden, wird die Kommission nach Beratung mit den zionistischen Landes- und Sonderverbänd-en binnen kurzem veröffentlichen. Zionisten und zionistische Körperschaften, die sich zu einzelnen dieser Fragen äußern wollen, werden schon jetzt gebeten, ihre Zuschriften an die Zionistische Exekutive in London (77, Great Russell Street) zu richten. Streng orth. TW Gefiügelhandlung unter Aufsicht der Adas Jsroel Zu jeder Tageszeit frisch gebratenes Gaisl Ungarisches Mast gef lüg el von bester Qualität Emanuel Schlesinser II., Große Schiffgasse 5 Tel. R 40 5-90 Isaak Nalditsch 60 Jahre alt Vor kurzem beging der Pariser Bankier Isaak N a i d 11 s c h seinen 60. Geburtstag. Naiditsch, der vor dem Kriege eine führende Rolle im russischen Zionismus einnahm, hat seit seiner Uebersiedlung nach Paris führend an den wichtigsten zionistischen Entscheidungen seit 1920 teilgenommen. Er war einer der Hauptstützen Welzmanns in dessen Kontroverse mit Brandeis, Begründer des Keren Hajessod und ist auch heute noch Vorsitzender des KH-Direktoriums. Ais Präsident des jetzt nicht mehr bestehenden Finanz- und Wirtschaftsrates hatte er bis zum Baseler Kongreß Sitz und Stimme in der Zionistischen Exekutive. Er ist jetzt Vorsitzender der vom Kongreß eingesetzten Anleihekommission. Dr. Markus Sußmann gestorben Aus Berlin wird berichtet: Dr. Markus Sußmann, seit mehreren Jahren Redakteur der «Zionistischen Korrespondenz» («Ziko»), ist am Jom-Kippur- Tage in seiner Berliner Wohnung im 47. Lebensjahre plötzlich verschieden. Noch am Abend vorher wohnte er mit Gattin und Kindern der Kol-Nidre-Andacht in der Synagoge bei, am Morgen sollte er sich mit seinen Familienangehörigen wiederum in die Synagoge begeben; da er sich etwas müde fühlte, gingen seine Angehörigen voraus, er sollte ihnen etwas später folgen. Als nun seine Gattin gegen 1 Uhr nachmittags ln die Wohnung zurückkehrte, fand sie ihn bereits tot auf; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Dr. Markus Sußmann erfreute sich in den führenden Kreisen der Zionistischen Weltorganisation, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie in den Kreisen der jüdischen Journalisten wegen seines Arbeitseifers, seiner Tüchtigkeit und seines hohen Verantwortungsbewußtseins größter Achtung. Er hatte die Rechte an österreichischen und deutschen Universitäten studiert und betätigte sich kurze Zeit als Rechtsanwalt ln Lemberg. Später leitete er in Zürich die «Jüdische Preßzentrale, Von dort wurde er nach Berlin zur Leitung der «ZIKO» berufen, der er seine besten Kräfte widmete. Er hinterläßt eine Witwe und drei unmündige Kinder. Dr. Sußmann war ein Schwager des hervorragenden jüdischen Gelehrten Professor Baron, der lange Zeit am Wiener Pädagogium wirkte und vor einiger Zeit an das von Dr. Stephan Wise geschaffene Institut für jüdische Studien in New York berufen wurde. Wochen-Kalender Okt. 1928 Oedmktigt mm tä'Bin 4 Donnerstag Ulf — de? bekannte Historik*» der lledlatn r»*f. Aagaet Hirsch la Dantle gebeten 20-3 Chet hatnodd nakketh 8 Freitag 1880 — der Kempenlat Jarqaes Ofen* »ich la l’srls gesterbea 2t — frO Haachanah rabbah 6 Samstag 18 4 — der kerOhmte vetaniker Pref. Nathans«! Prlngehelm la Kenia r*- ■torben 22-23 Schemlal aaeietk 7 Sonntag 1829 — der Pabllslst Uax Falk, Lehret der Rsleerta Elisabeth?*n Oesterreich, ia Badapest gebaren 23-33 Simchath Thera 8 Montag 1 d 9 Dienstag 1797 — Ella ben Salsmsn, der b*> ifihmte G*ea Ton Wilna, goaterben 1859 — daa Opfer der „Dreyfas- Affulre", Alfred Dreyfae, la Mfllbaasea E!e»ß> gebaren 25-,“D 10 Mittwoch 18t* —• der berflhmt* bebt. Schriftsteller ldoaehe Leib Lillenblam gaberea 188« — dl* dentsch-jfldische Schriftstellerin Jehanna Qeldachmldt ia Hamb arg gebaren 1919 - der Physiker Lee Axone, Erfinder der Qaeckäliberlsmpe, ia Berlia gesterben 26 —12 Ueber den Ursprung der jüdischen Namen Zu dem unter diesem Titel in der Vorwoche in der «Stimme» erschienenen kurzen Aufsatz sendet uns Herr cand. jur. et theol. Salomo Rappaport die nachstehenden Aeußerungen, welche die Etymologie mehrerer jüdischer Namen betreffen: «Daß aus der ganzen talmudischen Epoche nicht mehr als zwei Namen, nämlich Akiba und Alexander, lm Oebrauch seien, wie in Ihrem Aufsatz angeführt wird, ist nicht richtig. Es gibt noch eine ganze Reihe talmudischer, heute gebräuchlicher Namen, z. B. die Fremdnamen Kalonymos (vulgär Kalman), Theodoros (vulgär T o d r o s) u. a., die häufigen hebräischen Namen: M e i r, S i m c h a u. a. (VgL Samuel Rappaport, «Der Jude», IV., S. 306 f). Der jüdische Name A v i g d o r ist nicht aus V1 kt o r entstanden. Der Name Avigdor (=s Vater des Gdor) geht auf die Bibel (I. Chronik, 4, 18) zurück;] dieser Name ist unter den Juden häufig, weil nach derj talmudischen Tradition (Babli Megilla 13 a, Exodusj rabba, I) Moses diesen Beinamen getragen hat. Viktor; wurde später wegen seiner Aehnlichkeit mit dem biblischen Avigdor an diesen angelehnt, wie etwa Moritz an Moses. Daß der Name S a n w e 1 «Sein Wille» bedeutet, Ist eine entschieden abzulehnende ethymologische Ableitung. Sanwel (Samwel, Seinwel) ist nichts anderes, als S a m u e 1 (vgl. Z u n z, Namen der Juden, S. 26, 64). Bei den Ostjuden istSchmul Saiwel eine stehende Namensverbindung. H e n o c h Ist nicht, wie der Verfasser meint, eine Abkürzung von Heinrich oder Henrik, sonder selbstverständlich das biblische C h a n o c h. Der Unterschied von H e n o c h und C h a n o c h: Henoch ist die griechisch-lateinische Form des hebräischen Namens, ebenso wie Moses und Isak. Niemand wird wohl an der Identität Moses Mosahe zweifeln. Der Name Gelle ist ein rein deutscher Name (vgl. Zunz, a. a. O. S. 48), B e r a c h a ein biblischer Name (I. Chronik, 1213).» Sie müssen schon jetzt Ihren Warenbedarf für den Herbst decken, da Sie nur bei Beginn der Saison wirklich billig kaufen und, was Sie brauchen, Ihrem Geschmack und Wunsch entsprechend, aus dem reichsortierten Lager wählen können. Das wegen seiner besonderen Leistungsfähigkeit und Billigkeit bestbekannte Leopoldstädter Warenhaus der Brüder SchJffinann, 2. Bez., Taborstraße 48, bietet in der kommenden Woche seinen Kunden eine wirklich großartige Okkaslon. Alle Herbstneirheiten in Stoffen, Seidienwaren, Strick- und Wirkwaren, Weißwaren jeder Art, Damen- und Herrenwäsche, Regenmänteln, Vorhängen, Teppichen, Linoleum usw. werden wegen Umbau und Vergrößerung zu beispiellos billigen Preisen abgestoßen, da das Riesenlager während der Bauarbeiten um jeden Preis reduziert werden m.uß. Nachstehend eine kleine Auslese aus der Preisliste: Mode-Bor« düren-Kasha S 2.90, Kleiderstoffe, 100 breit, S 2.90, Kleider« Popeline, 100 breit, S 3.90, Mantel-Flausche u. -Veloure, 140 breit, S 9.80, Double für Mäntel, 140 breit, S 9.80, Zibeline, alle Farben, 140 breit, S 12.90, Faille de claire, 80 breit, S 2.90, Brokate, alle Farben, 80 breit, S 2.50, Crepe de Chine, alle Farben, 100 breit, S 4.90, Samt-Chiffonet, 90 breit, S 4.90, Plüsche für Mäntel, 120 breit, S 9.80, Velour-Chiffon, alle Farben, 90 breit, S 9.80, Original-Pullmann-Kappe S 3.90, Mode-Wolljacke S 6.90, Bobby-Weste, rein Wolle, 3 $.80, Prlma-Florstrümpfe S 1.25, Mouesocken S —.59, Wäsche« ilatielle, 80 breit, S —.98, Velourbarchent, 75 breit, S 1.50, Französische Mode-Veloure, 80 breit, S 1.98, Französische Mode-Waschsamte, neue Dessins, 80 breit, S 3.90, Französische Waschsamte, alle Farben, S. 2.90, Spezialangebote in Vorhängen, Teppichen, Linoleum: Prima Spagatläufer, 65 breit, per Meter S 1.50, prachtvolle Spitzen-Stores, komplett, S 3.90, Fußbodenbelag, 100 breit, per Meter S 3.90, Wachstuch für Küchenbelag, 50 breit, per Meter S 1.50. 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