Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1928)
- Date
- 1928-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr* 40 DIB STIMME c e 5 Balaban. Das GraMankmat, Emms volh*än<Mw Ae*- (Ohrtiiit f<K» der Firma FrleittSitder «. tkatocfe stammt, «r» *e*ta sUsameine BewuwUnw*. Das Hakenkreuz an der Arbeit Pogrom versuche fit deutschest Städten. Die Nationalsozialisten in Deutschland haben in der letzten Zeit wieder «aktive» Methoden der politischen Betätigung anzuwenden begonnen, da sie alles daransetzen wollen, um die durch die letzten Wahlen gefestigte republikanische Ordnung in Deutschland zu •tOren. Natürlich geschieht diese «aktive» Betätigung stets in form des Pogrom versuch es. Die passive Haltung der noch immer vielfach hafcenkreuzlerlichen Polizei erleichtert den Hakenktouziern Ihre Arbeit. ln Bremen haben die Nationalsozialisten wochenlang Straften* terror geübt Stets nach den Mittwoch-Versammlungen der Nationalsozialisten erfolgten Ueberfälle auf jüdisch aussehende Passanten. Die Ueberfälle wiederholten sich regelmäßig. Trotz angeblicher polizeilicher Bewachung konnten am 12, September, U und 1? Uhr nachts, im gleichen Straßenzug« vierUeberfätle stattfinden i Unter anderen wurde auch der b r a s 1U a* nische Konsul, natürlich ein Nichtjude, niedergeschlagen. Ais dieser bewußtlos am Boden lag, wurde #r noch getreten. Der Konsul hat bei dem Ueberfall eine sechs Zentimeter lange und drei Zentimeter breite Wunde am Kopfe, starken Bluterguß im Unterkiefer und Schürfwunden davongetragen. An diesem Mittwoch waren bereits vorher zehn Personen überfallen worden, Affe haben mehr oder weniger schwereVerletzungen, größtenteils durch Schläge mit einem harten Gegenstand, erhalten. DU Mehrzahl der Ueberfallenen sind Juden, jedoch wurden auch einige Nichtjuden mißhandelt, darunter ein Italiener, Die wirkliche Zahl der Ueberfälle wird noch größer «ein, denn erfahrungsgemäß erstatten Geschlagene in den wenigsten Fällen. Anzeige. Die Polizei veröffentlichte die Namen der feutgeatellten Täter erst nach einem scharfen Angriff der sozialdemokratischen «Bremer Volkszeltung» auf die Untersuchungamethoden der politischen Polizei, In Oppenheim am Rhein wurde am Vorabend des Jom-Kippur ein regelrechter Pogrom inszeniert. Am 23, September durchfuhren die Stadt drei Lastautomoblle mit etwa 300 Nationalsozialisten, Angeblich waren diese unterwegs nach Mainz, In den Straßen Oppenheims suchten sie sich Geschäfts* häuscr aus, die jüdische Firmennamen trugen, und warfen mit Steinen irt die Fensterscheiben dieser Geschäftshäuser, Als die Nationalsozialisten zur §yhagoge kamen, trafen sie adf Gruppen jüdischer Männer, die am Vorabend des hohen Festes eben aus der Synagoge kamen, Die Nationalsozialisten verließen die Lastautos und stürzten sich auf die Vorübergehenden, die flüchteten. Zwei der Ueberfallenen wurden durch Messerstiche schwer verletzt. Die Oppenheimer Polizei scheint sich um diesen Ueberfall sehr wenig gekümmert zu haben, denn, obwohl es leicht möglich gewesen wäre, die Attentäter festzunehmen, geschah nichts dergleichen, Erst die Kriminalpolizei von Maniz, die durch die Oppenheimer Gendarmerie alarmiert worden war, stellte die Nummern der Autoa und Ihre Insassen fest, In Essen an der Ruhr, dem Zentrum der deutschen Schwerindustrie, wurden während des Gottesdienstes am Jom Kippur, als die Synagoge mit Betern überfüllt war, von Hitierlevtcn mehrere der kostbaren Scheiben der Synagoge durch Stein würfe zertrümmert, Pie .Täter entkamen. Diese Vorfälle wiederholten sich am ersten Tage des ßukkothfestes; Aus dem evangelischen Haus zogen Trupps von Hakenkreuzlern zur Synagoge, schlugen abermals mehrere Fenster ein und beschädigten das Tor der Synagoge, Dann flüchteten sie auf bereitstehenden Autos, Die Polizei blieb untätig, Aua ^laß dieses letzten Vorfalles hat der preußische Justizminister eine Instruktion an die Strafinstanzen e;Mssen, in der er sie anweist, Ihr besonderes Augenmerk den sich häufenden Friedhofsschändungen zuzuwenden und gegen di« Täter zur Abschreckung von derlei Untaten die strengsten Strafen zur Anwendung zu bringen, ln Hannover überfiel am 2J, September abends ein Trupp Hakenk reu zier Straßenpfisanteo und richtete diese mit Schlagwerkzeugen Übel zu- Die Polizei datiert« 60 dieser Burschen, Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, und nahm ihnen ihre Instrumente, darunter eine Schußwaffe, ab, Ueberfälle auf Synagogen am Jom-Klppur Aus Kowno wird gemeldet! Während der Kol Nldre-Anüaeht wurde von einem Trupp junger Leute eine Synagoge in Kowno mit Steinen bombardiert, wobei sämtliche Fensterscheiben ausgeschlagen wurden. Wie es heißt, sollen die Täter Zöglinge einer benachbarten polnischen Schule sein, In dem Städtchen Busk in Ostgalizien überfielen Huligans während der Kol Nidre-Audacht die Synagoge, LLOYD RIESTIMO uin^KT»' Nie, TRIEST-I AFP A UND BKTOUR Abfahrt»« loden zweiten Donnerstag um 8 Uhr abends. Fahrtdauer unter Berührung von Brindisi bloß 5*/» Tage. Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.-.-, II. Kl. Lst. 15.-.-, Ul. Kl. Lst. 6.—.— inklusive Kabine und Verpflegung. Chaluzim besondere Ermäßigung, Eine Pahrt Triest- Jaffa—Haifa und zurück kostet In der UL Klasse Inklusive Kabine und Verpflegung bloß fteterr. Sch. 345 —. Familien erhalten überdies noch eine 10-, beziehungsweise lBprozentlge Ermäßigung. Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kfirntnerrlng 0 Telephon U 46-0-&8-U 46-0-66, schlugen alte Fensterscheiben ein und löschten die Lichter, auch das'Ewige Licht, aus. Die zur Andacht versammelten Juden stellten sich den Eindringlingen entgegen, es kam zu Zusammenstößen, Herangeholte Polizei vertrieb die Huligans und nahm einige Verhaftungen vor, Eine Synagogenschändung in Beswrablen ln dem bessardbisehen Städtchen Tsohlm i s c h Fi e, Kreis Bender, drangen am zweiten Rausch Hasehono-Tage nach Schluß der Andacht betrunkene Bauern unter Führung des Magistratssekretärs Miehall S o 1 o d e r k o ln die Ortssynagoge ejn, demolierten dl« gesamte Einrichtung, zerrissen den Thora-Vorhang, schändeten in nicht wiederzugebender Weise die Thora-Rollen und raubten schließlich den wertvollen Thora-Schmuck, Jüdische Bürger vertrieben schließlich die Huligans aus der Synagoge und erstatteten Anzeige. Mehrere der Räuber wunden verhaftet und in das Gefängnis der Kreisstadt Ismail eingeliefert, KqI Nidre-Gebet gegen Verfolgung der jüdischen Religion ln Rußland Aus Warschau wird gemeldet: Der ehrwürdige Rabbiner «Chofez Chaim» hat an alle polnischen Rabbiner ein für dl« Kol Nid re-And acht von ihm eigens verfaßte« Gebet gegen die Verfolgung der jüdischen Religion in der Sowjetunion übersandt, Klebeisbergs Spiel mit dem Numerus clausus. Aus Budapest wird gemeldet; Unterrichts* minister Graf Klebeisberg empfing den Depu* tierten Pakcits, der ihm die Resolution des Budapester Stadtrates mit der Forderung nach uneingeschränkter Aufnahme der Söhne Budapester Einwohner an deg Universität überreichte. Bej dieser Gelegenheit erklärte Graf Klebelsber.g, die Regierung werde eine liberale Unterrichtspolltlk einleiten, die in absehbarer Zeit die Abschaffung des Numerus clausus zur Folge haben wird. Die Beschwerden betreffend die Benachteiligung jüdischer Studenten seitens der Unvlersitätsbehörden werden gründlich geprüft werden. Es ist abzuwarten, was von dieser neuen „Stellung“ des ungarischen Unterrlchtsmlnisters, der die Numerus-clausus-PoMk stets mit allen Mitteln des politischen Jesuitismus vertreten hat, zu halten ist. Die «Rozwoj»-Hydra In einer kurzen Warschauer Pohzeimeldung wird herlohtet, daü bei einer Razzia auf verdächte Personen in den Absteigquartierne der Verbrecher ganz unverhofft auch der langgesuchte «Professor» Jaksa Chemie U in die Hände der Polizei gefallen ist, Mit diesem Jaksa Chamiete,haben wir uns mehrfach befaßt, Er gehörte zu den geftirehtetsten Voiksbetörern, der durch seine Rücksichtslosigkeit, aber auch wegen seiner hervorragenden AgUatdpnskuust bei den Antisemiten in hohen Ehren stand und besonders ln der Provinz der Schrecken der Juden war, Er war, wie sich dann allmählich herausstelJte, nicht nur ein Vojks’betörer, sondern auch ein Volksbetrüger, der sein« eigen« Volksgenqssensdiaft und seine eigenen Gesinnungsgenossen betrog und bestahl. Jaksa Chamlet| war der Emissär der bekannten polnisch-antisemitischen R o % w o j- Organfsation, von der er seinerzeit fürstlich lebte. Sein Intimer Freund, der Begründer des RozwoJ, der seinerzeit w«u über die Grenzen Polens hinaus berühmt und b«- rüohbigt gewesene national-demokratische Abgeordnete Dymowsky, dessen bescheidenste politische Forderung «Tod den Juden* war, l’-at sein« politische und bürgerliche Karriere gleich seinem Freund Jaksa Cbandet? vorläufig wegen verschiedener Delikte gleichfalls Im Arrest abgeschlossen, Das sind die Begründer und Führer einer angeblichen «Volksbewegung», die durch Ihre eigenen Leute schon so kompromittiert Ist, daß sie eigentlich mit Schand* und Spott In Trümmer gehen müßte. Aber die Hydra des Roswo) — und «RozwoJ» Ist mir ein Musterbeispiel dafür — Ut nicht umzubrliigen: solange der Antisemitismus noeh seine Führer mehr als bürgerlich ernährt, werden sich Immer, wie auf dom Cebloto anderer Verbrechen, Leute finden, di« «u« Um Beispiel der «^gefangenen und ge* scheiterten Führer nur das eine lernen zu müssen glauben, wie man dasselbe Verbrechen klüger, geschickter und vorsichtiger begehen kann. Er ist wirklich zu bedauern Der arme General Ludendorff ist wirklich zu bedauern, Es geht mit seinem Verstand immer mehr bergab, er bewegt sich bereits in Visionen, die es notwendig erachten lassen, die Zwangsjacke immer zur Hand zu haben. In seiner «Deutschen Wochenschau» ln Nr. 33 läßt er berichten, jüdische Geschäftsleute seien es, die zynisch äußerten, daß die Eisenbahnunfälle dem Flugverkehr, der sich in Deutschland so schwer einbürgere, und der Automob ndustri« sehr förderlich seien, «Sollten vielleicht», so heißt es weiter in Fettdruck, «die gehäuften Unfälle gar nicht so ohne die sanfte Beihilfe solcher Geschäftsinteressen zu erklären sein? Wäre es nicht ganz interessant zu wissen, wer die Notbremse bei dem vorletzten Eisenbahnunglück zog?» In einem zweiten, von ihm persönlich geschriebenen Artikel, setzt Ludendorff auseinander, die deutschen Eisenbahnen seien nur noch Eigentum der Juden, und hätten daher erst für erhöhte Tarife, also für Proletarisierung des Volkes, und zweitens für erhöhte Lebensgefährdung der Deutschen zu sorgen. Daß die Bahn jüdlseh »ei, ergebe sich schon aus den Farben an den Schlagbäumen, die «die roten und weißen Blüten des jüdischen Akazienzweiges des Stabes Moses, des Jüdischen Weltzepters, wiedergäben». Am 8. August schrieb General Ludendorff ln seiner «Deutschen Wochenschau» einen Artikel, der also beginnt: «Am 8. August jährt sich in der »heiligen Jahreszahl 10’ der Tag, an dem sich jüdisch-freimourerische Arbeit im Weltkriege an der Front auszuwirken begann.» Dazu bemerkt die «Vossische Zeitung»; «Uns interessiert an Erich Ludendorff eigentlich nur noch, wann sich die Zerrüttung des logischen Denkvermögens bei dem Feldherrn, der Deutschlands letztes Schicksal In der Hand hielt, auszuwirken begann.» Wir fragen ja immer: Wo bleibt die Zwangsjacke? El«tu« WarkstEtt* für PclxkonftkUea übernimmt auch «amtliche Reparaturen ALEXANDER BRAUN KURSCHNERMEISTIR WIEN, II. GLOCKEN GASSE 18/3 TEL. R 40-9-25 Delirium iudaicum Die «Bohemia» berichtet von einer Verhaftung unter eigentümlichen Umständen, die in der Nacht des 25. September in Prag erfolgte; Es war schon spät hei Nacht, da machte sich auf dem Prager Graben ein gutgekleideter Passant in unliebsamer Weise bemerkbar, indem er zahlreiche Passanteh belästigte und anrempelte, sie beschimpfte und seinen antisemitischen Gefühlen durch Rufe Luft machte, Einer dir Angerempelten rief einen Wachmann herbei, worauf der Betrunkene noch lauter zu schimpfen begann und den Wachmann zur Seite stieß, Dieser brachte ihn hierauf auf die Wachstube, wo der Verhaftete randalierte und erklärte; «Ich bin der Chef der Propagandaabteilung des Innenministeriums Hajsman!* Als er sah, daß dies keinen Eindruck auf den Polizeibeamten machte, begann er zu toben und ergriff einen Stuhl, mit dem er herumschlug, bis der Stuhl zefbracb. .Der Polizeibeamte ließ ihm daraufhin Handf esseln aniegen, doch beruhigte sich der Betrunkene nicht. Schließlich wurde er in die Separationsielle gebracht, damit er hier seinen Rausch ausschlafe, Da all« Ermahnungen vergeblich waren, blieb nichts andere» übrig, als dem Tobenden Fußfesseln anzulegen, Die Polizei verständigte Ihren Amtsarzt, Kaum hatte dieser die Zelle betreten, rief der Betrunken«.' «Von einem Juden lasse ich mich nicht untersuchen!» Ais er nun am Morgen seinen Rausch ausgeschlafen hatte, legitimierte er sieh tatsächlich als der Chef der Propagandaabtellung des Innenministeriums Ha j s m a n, Nach dieser Feststellung wurde er sofort auf f r e l e n F y ß gesetzt, Es bestätigt sich eben Immer wieder: Antisemitismus ist ein pathologischer Instinkt, , Die «Fremdenkontrolle» in Rumänien In einem im «Czernowitzer Morgenbiatt* veröffentlichten Artikel weist der Bukowinaer jüdische Führer Dr. Mayer Ebner darauf hin, daß die von der Generaldlrektjon der Siguranza (politische Polizei) in Bukarest angeordnete sogenannte «Fremdenkontrolli» casttxj .■bjwbu^ jumui w. i im; i*iu Ein neuer Pfeifentabak Der Pfeifentabak «Landtabak grob», unsere Kon* sumtabaksorte, hat die Pfeifentabak-Raucher nicht befriedigt, weil sie bei dieser Tabaksorte jenen typischen Geschmack vermissen, der Ihr Im Frieden eigen war. Um den Wünschen dieser breiten Schichte von Rauchern zu entsprechen, bringt die österreichische Tabakregle ab l, Oktober l, J. eine neue Pfeifentabak» gort« «Ungarischer Pfeifentabak» In den Verschleiß, Pieeer Tabak ist in Briefen zu 50 Gramm in allen Trafiken um 40 g erhältlich. (Entgeltlich^ /